Rezension: Geek! - Heft 1 (Juli/August 2012)


Früher waren Zeitschriften für Fans der Science-Fiction, wenn diese sich über Neuigkeiten aus ihrem Lieblingsgenre auf dem Laufenden halten wollten, im Grunde alternativlos. Inzwischen hat das Internet diesen Job weitgehend übernommen und die Macher von Printmagazinen müssen sich heute fragen lassen, was eine solche Publikation noch leisten könne, wozu das Internet nicht imstande sei. Diese Überlegung musste auch die Redaktion des neuen SF-Magazins Geek! anstellen, das am 21. Juni 2012 zum ersten Mal erschien. Die Antwort der Crew rund um Chefredakteur Markus Rohde kann sich absolut sehen lassen.


Wie sieht die Geek! denn aus?

Die Geek!, verlegt vom Verlag Panini, kommt als zweimonatliches Magazin mit 100 Seiten Umfang und im Format (B x H) von ca. 21 x 29 cm daher. Der Rücken ist geklebt, Paper und Druckqualität entsprechen heutigen Anforderungen. Die Haptik vermittelt einen hochwertigen Eindruck. Schrifttype und -größe sind für das Auge angenehm und der Wechsel zwischen teils kräftigen und dezenten Farben sorgt optisch für eine schöne Abwechslung während der Lektüre. Das Verhältnis zwischen Text- und Bildanteil der Artikel stimmt ebenfalls überwiegend, so dass man unterm Strich berechtigt davon sprechen kann, dass man mit der Geek! vom Layout her eine modern-trendige Zeitschrift in Händen hält.


Was steht in der Geek! denn so drin?

Inhaltlich bildet die Berichterstattung über den anstehenden Film Prometheus von Ridley Scott den thematischen Schwerpunkt der ersten Ausgabe der Geek!, denn insgesamt 26 der 100 Seiten des Heftes hat man dafür reserviert. Neben einem Artikel zum Streifen und einem informativen Interview mit dem Regisseur gibt es ein ausführliches Dossier zum Alien-Franchise, dessen Prequel Prometheus de facto darstellt. Die Filme werden noch einmal vorgestellt, man nimmt sich des Aliens in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen an, geht auf die Figur Ripley ein und wirft zum Schluss sogar noch einen Blick auf das Merchandise. Selbst diejenigen, die vorher noch nie etwas mit Alien zu tun hatten (sofern solche Menschen überhaupt existieren), sind nun vor dem Besuch von Prometheus gut vorbereitet. Hier zeigt sich die große Stärke einer redaktionell gut aufgestellten Zeitschrift, denn man bekommt im Heft Informationen und Hintergründe kompakt serviert, anstatt sie aus diversen Quellen zeitaufwändig selbst zusammentragen zu müssen.

Ein weiteres Thema sind die derzeit boomenden Superheldenverfilmungen, auf die man mit Berichten zu The Amazing Spider-Man und The Dark Knight Rises eingeht. Kleine zusätzliche Textboxen geben dem Leser dabei zusätzliche Hintergrundinformationen. Außerdem blickt man noch einmal mit einer Reihe von Interviews auf den Blockbuster Marvel's The Avengers zurück. Dass man statt der üblichen Verdächtigen wie Joss Whedon oder Kevin Feige mit Jeremy Latcham mal einen Associate Producer zu Wort kommen lässt, ist nicht nur eine schöne Abwechslung, es werden zudem neue interessante Einblicke vermittelt. Wer nicht ins Kino möchte, sondern Nachschub fürs Home Entertainment sucht, findet die wichtigsten neuen DVDs bzw. Blu-rays im Überblick.

Dass man aber nicht allein auf den Mainstrem festgelegt ist, zeigt ein Artikel zum Streifen Reality XL samt einem Gespräch mit dem Regisseur Tom Bohn, in dem es auch um die Frage der Finanzierung solcher Projekte geht. Bohn antwortet ganz offen darauf und teilt bei der Gelegenheit in Richtung der deutschen Filmförderung aus. Austeilen tut auch Claudia Kern, die ihre Kolumne "Kernspaltereien" aus dem inzwischen eingestellten Magazin Space View nun in der Geek! weiterführt. Ihr Artikel, in dem sie sich den Streifen John Carter zur Brust nimmt, leidet darunter, dass die Überschrift "Wie dreht man einen Flop?" irreführend gewählt ist, denn nur in einem einzigen Satz geht es wirklich um den Inhalt des Films. Ansonsten bezieht er sich auf das suboptimale Marketing, welches die Romanverfilmung an den Kinokassen scheitern ließ. Von begrenztem Informationsgehalt ist leider auch der Artikel zum Relaunch des DC-Comicuniversums, der recht oberflächlich ausgefallen ist. Da bieten die Beiträge zu Star Trek: Die neue Zeit oder zur Fortsetzung der TV-Serie Buffy in Comicform deutlich bessere Lektüre. Weitere Neuerscheinungen werden kurz und knackig besprochen. Nach gleichem Schema ist auch der Bereich SF-Romane aufgebaut. Nach Artikeln zum Themenkreis Biopunk und einem Ausflug in die Heftromanserie Maddrax, wirft Hermann Urbanek einen Blick auf den Literaturmarkt. Seine Buchvorstellungen lohnen sich deshalb, weil nicht nur Romane aus dem Mainstream dabei sind, sondern auch wirklich lesenswerte Bücher aus kleinen Verlagen, die man als Fan ansonsten leider kaum oder nur wenig zur Kenntnis nimmt.

Berichte zu Games, der FedCon 2012, dem Thema Nanotechnologie, sowie Episodeguides zu den Serien Fringe, Big Bang Theory und Eureka runden das Magazin ab.


Taugt die Geek! nun etwas?

Die Macher der Geek! haben sehr gut erkannt, was sie der Leserschaft bieten müssen, um gegen die digitale Konkurrenz bestehen zu können: Nicht beliebige Ausweitung der Themengebiete, sondern die Fokussierung auf das Genre in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen ist das Erfolgsgeheimnis, was in der ersten Ausgabe des neuen Magazins auch gelungen umgesetzt wurde. Die Geek! überzeugt mit der bewussten Setzung eines Schwerpunktes (in diesem Falle Prometheus / Alien), weil sie dort ihre Stärken, die Bündelung und Aufbereitung von Informationen für den Leser, voll ausspielen kann. Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, dass eine Sektion News quasi nicht vorhanden ist, denn ein zweimonatlich erscheinendes Magazin erzählt dem Leser in dieser Hinsicht nichts, was er/sie nicht schon aus dem Netz weiß. Die zweite Stärke der Geek! ist sicherlich der Blick auf Produktionen aus der zweiten Reihe, die aufgrund der Informationsfülle des Internets schnell übersehen werden. Auch hier wurde ein guter Job gemacht. Natürlich gibt es auch schwächere Artikel, doch dies ändern nichts an der Tatsache, dass die Beiträge in der weit überwiegenden Mehrheit gehaltvoll,  interessant und kurzweilig zu lesen sind.

Mit der Geek! gibt es endlich wieder ein reizvolles Printmagazin im Handel, welches das Genre und seine Fans ernst nimmt, gestaltet von einer Redaktion, die begriffen hat, worauf es heutzutage ankommt. So etwas hat man sich im deutschen SF-Fandom längere Zeit gewünscht. Schön, dass manche Wünsche doch noch in Erfüllung gehen.


Die Fakten: 

Titel: Geek! 
Ausgabe: 01/12 (Juli/August) 
Erschienen bei: Panini 
Umfang: 100 Seiten (vollständig farbig) 
Preis: 6,90 Euro
Website: www.geek-mag.de

Nächstes Heft: erscheint am 22. August 2012

Kommentare:

  1. Habe es gekauft und es ist echt gut. Danke fuer den tipp! Gruesse rudi

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  2. Gern geschehen und vielen Dank für das Feedback.

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