Geek! : Leseprobe des neuen SF-Printmagazins in der Analyse


Anfang März 2012 verkündete der Heel Verlag das offizielle Aus für das SF-Printmagazin Space View, das sich immerhin über ein Jahrzehnt in den Zeitschriftenregalen hatte halten können (ich berichte). Inhaltliche Schwierigkeiten und nicht zuletzt das Internet hatten dem Magazin stark zugesetzt und die Leserschaft in einem Maße reduziert, welches ein Fortbestehen unmöglich machte. Seinerzeit sah es nicht unbedingt danach aus, dass es bald einen neuen Anlauf für eine genrebezogene Zeitschrift geben würde, doch kommt unverhofft bekanntlich oft.  

Geek! heißt die neue Zeitschrift für den Science-Fiction Fan, die ab dem 20. Juni 2012 alle zwei Monate in den Handel kommt. Von den Machern wurde vorab eine 16 Seiten umfassende Leserprobe ins Netz gestellt, die man sich hier als PDF herunterladen kann. Auf der FedCon, die an diesem Wochenende in Düsseldorf stattfindet, wurde die Preview zudem kostenlos verteilt. Nun kommt es wirklich nicht alle Tage vor, dass eine neue SF-Zeitschrift gestartet wird und darum habe ich die Leseprobe einmal gründlich unter die Lupe genommen. Natürlich ist es schwer, auf Basis von 16 Seiten die Qualität einer künftigen Zeitschrift zu antizipieren, die ca. 100 Seiten umfassen wird, doch kann man davon ausgehen, dass die Macher die Leseprobe nicht aus Spaß an der Freud erstellt und gedruckt haben, sondern, um dem Publikum einen repräsentativen Vorgeschmack auf das zu geben, was zukünftig von der Zeitschrift zu erwarten ist. Darum ist allzu große Zurückhaltung bei der Beurteilung der Preview nicht nötig.


Was steht denn drin in der Leseprobe?

Das Cover (siehe rechts) der ersten Ausgabe von Geek! ziert Noomi Rapace in ihrem Weltraumanzug aus Prometheus. Sicherlich eine gute Wahl, da der Film eines der großen Kinohighlights für die Genre-Fans ist. Das Layout wirkt modern und hat mich durchaus angesprochen, wobei Optik ja immer Geschmacksfrage ist. Zudem kaufe ich persönlich keine Zeitschrift wegen des Looks.

Im Innenteil betreibt man zunächst etwas Begriffsklärung und definiert sich als "umfangreicher Genreüberblick in Form unzähliger Rezensionen, News, Ausblicke, Hintergrundartikel, Interviews, Reportagen und Analysen". Abgesehen davon, dass bei mir immer Klasse vor Masse kommt, sind der Unzähligkeit (wenn das bislang kein Wort war, dann ist es jetzt eines!) durch den Umfang von 100 Seiten pro Heft natürliche Grenzen gesetzt. Wie die Gewichtung wohl schlussendlich ausfallen wird? Auf jeden Fall will man das ganze Spektrum aus TV-Serien, Filmen, Romanen, Comic und Games abdecken, was durchaus ambitioniert klingt. In Heft 1 soll es u.a. um Prometheus, The Amazing Spider-Man, den Relaunch des DC-Universums oder Comics zu Star Trek gehen. Kurzfristige Änderungen behält man ich vor. Auf redaktioneller Ebene wird Geek! von bekannten Gesichtern betreut, mit Markus Rohde und Claudia Kern werden zwei von ihnen kurz vorgestellt. Rohde war der letzte Chefredakteur der Space View und ist nun in vergleichbarer Funktion für das neue Magazin tätig, das übrigens von Panini verlegt wird (wird noch wichtig).

Prometheus ist nicht nur auf dem Cover des Heftes ein Thema, sondern auch Gegenstand eines Berichtes. In der Preview findet sich ein zweiseitiges Interview mit Regisseur Ridley Scott, das inhaltlich einen positiven Eindruck hinterlässt, weil die Fragen nicht Marke 0815 sind. In Heft 1 soll sich dazu auch noch ein ausführliches Dossier zur Alien-Reihe gesellen. Da darf man gespannt sein.

Die nächste Doppelseite ist der Rubrik Comics gewidmet, doch was da abgeliefert wird, ist hoffentlich kein Vorgeschmack darauf, was man bei Geek! unter Berichterstattung über dieses Medium versteht, denn der Artikel ist einfach nur ärgerlich. Der Bericht, der sich um die Fortsetzung der TV-Serie Buffy in Comicform dreht, ist eigentlich gar keiner, sondern eine nicht sonderlich geschickt verpackte Werbeanzeige für die deutsche Ausgabe des Comics, der beim Geek!-Verlag Panini erscheint. Allein vier Mal wird in dem "Bericht" der Name des Verlags genannt, was schon deshalb eine Kunst ist, weil der eigentliche Text sehr knapp auffällt, da über 50 Prozent des Platzes auf den Seiten für Grafiken und Fotos draufgeht. Ich habe kein Problem mit Werbung in eigener Sache, sie jedoch als redaktionellen Content zu verkaufen, ist schon ziemlich dreist.

Die nächste Doppelseite ist eine Fotostrecke mit sieben Bildern jener Schauspieler, die Gäste der diesjährigen FedCon sind. Dass man dafür Platz in der Leseprobe reserviert hat, lässt sich wohl damit erklären, dass die Preview auf der Veranstaltung kostenlos verteilt wird. Braucht man als Leser aber nicht wirklich.

Auf gleich vier Seiten geht man im Anschluss auf den Film Marvel's The Avengers ein. Neben drei Kurzinterviews mit Darstellern aus dem Streifen präsentiert man ein zweiseitiges Interview mit Jeremy Latcham, einem der Executive Producer der Comicverfilmung. Latcham erzählt über seinen Aufgabenbereich, die Entstehung des Films und die Arbeitsweise bei Marvel Studios. Der Artikel ist sehr informativ und zudem wird jemand interviewt, der nicht schon zuvor x-mal befragt worden ist. Hier wird ein Mehrwert für den Leser geboten, der es lohnt, sich die Zeitschrift zu kaufen.

Die Rubrik 5 Fragen – nix sagen kennt man schon aus der Space View. Eine bekannte Person aus dem Genre (in diesem Fall Jamie Bamber aus BSG) beantwortet 5 Fragen allein durch Mimik und Gestik. Ein bisschen Spaß darf ruhig sein, wenn dafür andere Bereiche nicht zu kurz kommen.

Auf der letzten Seite der Leseprobe macht man dann Werbung für ein Abo der Geek!. Wie gesagt, Werbung in eigener Sache ist vollkommen okay. Sechs Ausgaben kosten 41,40 Euro, woraus sich ein Preis für das Einzelheft von 6,90 Euro ergibt. Damit liegt man auf dem Niveau der Space View, will allerdings (zumindest in Heft 1) rund 20 Seiten mehr Inhalt anbieten.


Was taugt denn nun die neue Zeitschrift?

Ich erwähnte bereits eingangs, dass es schwer ist, von der Leseprobe auf das endgültige Heft zu schließen. Vorläufig lässt sich feststellen, dass die Artikel zu Prometheus und Marvel's The Avengers einen wirklich positiven Eindruck hinterlassen, denn sie sind ausführlich und informativ. Die Rubrik 5 Fragen – nix sagen ist Geschmackssache (mir macht sie Spaß). Absolut keinen Gefallen hat man sich mit Vorabdruck des Artikels zu Buffy getan. Wenn die Kompetenz in Sachen Comic darin besteht, Werbung für die Druckerzeugnisse von Panini zu machen, kann ich nur sagen: Gute Nacht!!! Für Heft 1 ist ein Bericht zum DC-Universum angekündigt (erscheint ebenfalls bei Panini) und man will über neue Star-Trek Comics berichten, die in Deutschland bei Cross Cult herauskommen (wo Markus Rohde SciFi-Redakteur ist). Es wird abzuwarten sein, ob ausreichend journalistische Distanz und Objektivität in diesen Bereichen vorhanden ist.

So bleibt als Fazit festzuhalten, dass die Leseprobe der Geek! leider einen etwas durchwachsenen Eindruck macht. Die guten Artikel waren jedoch so gelungen, dass ich mir die Startausgabe der Geek! auf jeden Fall zu Gemüte führen werde. Mal sehen, wie dann das Urteil ausfallen wird.

Das Heft 1 der Geek! kommt am 20. Juni 2012 in den Zeitschriftenhandel



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