Rezension: "Time Travellers" von Margret Schwekendiek (Verlag p.machinery)


Seit H.G. Wells im Jahre 1895 seinen Klassiker Die Zeitmaschine erstmals veröffentlichte, ist das Thema der Reise durch die Zeit in einer Vielzahl von Romanen, Comics, Filmen, Fernsehserien und Hörspielen immer wieder aufgegriffen worden. Ende Januar 2012 erschien in der Reihe Dark Wor(l)ds des Verlags p.machinery der Roman Time Travellers von Margret Schwekendiek, der den Untertitel Mit Trans-Time-Net durch die Zeit trägt. Eine Zeitreisegeschichte zu Papier zu bringen, war dem Klappentext zufolge schon lange ein Herzenswunsch der Autorin, die seit fast zwanzig Jahren professionell schreibt. Nach der Lektüre glaubt man ihr als Leser dies nur zu gerne.

Schwekendiek gewinnt der Thematik dahingehend eine interessante Facette ab, als dass in ihrem Roman Zeitreisen ein Geschäftsmodell sind. Die Trans-Time-Net Inc. (TTN) ermöglicht vermögenden Kunden via Zeitnetz Erlebnisreisen in die Vergangenheit, wobei spezielle Reisebegleiter dafür sorgen sollen, dass keine Paradoxa entstehen. Cate Nichols ist als einer jener Trip-Commander für die TTN tätig und eigentlich durch umfassende Schulungen gut auf ihren Job vorbereitet. Eine Zeitreise ins Jahre 1963 entwickelt sich zum Fiasko, als einer der Reisenden Cates Obhut entkommt und von ihr nun wieder aufgespürt werden muss, ehe er Unheil anrichten kann. Derweil bahnen sich in Cates Gegenwart, dem Jahr 2736, weitere Schwierigkeiten an...

Weil Time Travellers eine Geschichte mit gleich zwei Handlungssträngen ist, von denen einer im 28. Jahrhundert spielt, wird der Leser von Cate Nicols, die als Ich-Erzählerin durch die Handlung führt, im Prolog zunächst darüber informiert, wie sich die Welt sich seit unseren Tagen verändert hat. Obwohl das Problem des Klimawandels gelöst wurde und Kriege zwischen den Völkern der Vergangenheit angehören, ist die Erde des Jahres 2736 kein Utopia, denn Meinungs- und Pressefreiheit wurden auf dem Altar der garantierten Sicherung der Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wohnung und Arbeit geopfert. Die Politiker sind Marionetten der global agierenden Konzerne und die Überwachung aller Lebensbereiche durch die Staatsorgane ist nahezu lückenlos. Weite Teile der Bevölkerung haben sich mit den herrschenden Verhältnissen arrangiert oder halten den Mund, denn Kritiker müssen damit rechnen, dass ihnen der Zugang zu den staatlichen Garantieleistungen gesperrt wird. Wenn man es recht bedenkt, dann ist unsere Gegenwart teilweise nur einen schlechten Tag von dieser Zukunftsvision entfernt.

Die Gruppe, die Cate Nicols ins Jahr 1963 begleitet, ist folgerichtig ein Abbild dieser alles andere als perfekten Gesellschaft, in der Habgier, Arroganz und Größenwahn immer noch den Menschen kennzeichnen. Auch überrascht es nicht, dass der Trip alles andere als nach Plan läuft. Es kennzeichnet diesen Roman, dass Margret Schwekendiek im Gegensatz zu einigen ihrer Kollegen darauf verzichtet, die Zeitreisetechnologie im Detail zu erläutern, sondern den Leser nur mit einigen Basics versorgt, die zum Verständnis absolut notwendig sind. Im Zweifelsfall kann man während der Lektüre noch einmal im Glossar nachschlagen, welche Funktion ein bestimmtes Gerät hat.

Der Fokus der Autorin liegt in bei beiden Erzählsträngen eindeutig auf den Charakteren, die vielschichtig angelegt sind und deren Motivationen und Standpunkte teilweise erst im Verlauf der Handlung richtig klar werden. Mit Cate Nicols wird eine Hauptfigur präsentiert, die in ihrem Beruf zwar sehr gut, aber alles andere als perfekt ist und deren Leben einige Brüche aufweist. Sie ist keine strahlende Heldin, sondern im Gegenteil ein Mensch, der eine Karrierechance ergriffen hat und nun seinen Job so gewissenhaft wie möglich erledigen will. Die Ereignisse wollen es, dass Cate einige harte Entscheidungen treffen und Risiken eingehen muss, was ihr nicht immer leicht fällt, doch ihre inneren Konflikte sind glaubwürdig und wirken zu keiner Zeit aufgesetzt. Time Travellers verfügt somit über eine interessante und durchaus sympathische Protagonistin, der man gerne durch den Plot folgt und deren sarkastische und selbstironische Bemerkungen zudem eins um andere Mal zum Schmunzeln einladen.

Die Story entwickelt sich nach dem Prolog ohne große Umwege und profitiert in ihrem Verlauf nicht zuletzt von der treffsicheren Schilderung der Verhältnisse im Amerika des Jahres 1963, welche die Autorin gut recherchiert hat. Auch hält der Wechsel zwischen den zwei Handlungssträngen das Erzähltempo hoch und wenn sich beide Erzähllinien dann vereinen, nimmt die Spannung noch einmal zu, denn die Dynamik zwischen den Charakteren nimmt eine entscheidende Wendung, während der Roman konsequent auf sein temporeiches und dramatisches Finale zusteuert. Der Sprachstil ist unaufgeregt und wird dem Charakter dieses Romans als kurzweilige und unterhaltsame Lektüre absolut gerecht. Time Travellers punktet also nicht nur wegen seiner ansprechenden Figuren, sondern kann auch von der Story her absolut überzeugen.

Abgerundet wird dieser Roman durch eine Reihe von interessanten Innenillustrationen des Künstlers Crossvalley Smith und das schön gestaltete Cover, für das der leider im Jahre 2011 Verstorbene Andrä Martyna verantwortlich zeichnet.


Time Travellers - Mit Trans-Time-Net durch die Zeit ist ein gelungener Zeitreise-Roman, der von seinen Charakteren lebt, darüber hinaus aber auch eine spannende Geschichte aufzuweisen hat, die zeigt, dass man diesem Themenkeis der Science-Fiction immer noch neue Seiten abgewinnen kann. Allen, die auf der Suche nach einem lohnenden SF-Roman aus deutschen Landen sind, sei dieses Buch ans Herz gelegt.


Die Fakten:

Titel: Time Travellers - Mit Rans-Time-Net durch die Zeit
        Erschienen als Band 2 der Reihe Dark Wor(l)ds 
Verlag: p.machinery
Herausgeberin: Alisha Bionda
Autorin: Margert Schwekendiek
Umfang: 188 Seiten
Format: Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2012
Preis: 13,90 Euro
ISBN: 978 3 942533 10 2

Bezugsmöglichkeiten: BoD, Amazon

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