Rezension: Mark Brandis - Sirius-Patrouille (Folgenreich/Interplanar)


Nachdem sich die Handlung der Folgen 16 bis 18 (Operation Sonnenfracht und Alarm für die Erde I / II) größtenteils auf der Erde abgespielt hatte, bricht Mark Brandis in seinem neuen Abenteuer Sirius-Patrouille, das seit dem 2. März 2012 in den Regalen ist, wieder in die Weiten des Weltalls auf, also dorthin, wo er sich als Testpilot der VEGA (Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik) ohnehin am wohlsten fühlt.

Auf dem Programm steht dieses Mal ein Testlauf des neuen Schweren Kreuzers Invictus, der zugleich ein Patrouillenflug mit dem Ziel ist herauszufinden, warum gleich mehrere Überwachungssonden in einem strategisch wichtigen Sektor des Sonnensystems nicht mehr arbeiten. Deshalb muss sich Mark Brandis das Kommando des Schiffs mit Major Degenhardt von der Raumflotte teilen. Außerdem hat man mit dem Journalisten Martin Seebeck einen prominenten Gast an Bord. Die Mission wächst sich schnell zu einem riskanten Katz-und-Maus-Spiel mit im Zielgebiet operierenden Piraten aus, das zudem droht, den ohnehin fragilen Frieden zu gefährden, der auf der Erde zwischen den beiden Machtblöcken existiert. Mark Brandis wird erneut bis zum Äußersten gefordert.

Nach dem hochdramatischen SF-Öko-Thriller Operation Sonnenfracht / Alarm für die Erde präsentiert das Team von Folgenreich/Interplanar rund um Balthasar v. Weymarn und Jochim C. Redeker mit Sirius Patrouille den Fans von Mark Brandis dieses Mal eine klassische Seefahrergeschichte, die im Gewand einer Space Opera daherkommt. In alten Zeiten, als Segelschiffe oft monatelang auf hoher See unterwegs waren, stellte das Wort des Kapitäns das einzig gültige Gesetz an Bord dar. Zwar hat der Sternenozean die Weltmeere als Schauplatz abgelöst, doch aufgrund der nur begrenzten Kommunikationsmöglichkeiten mit der Erde, wurden die Raumschiffkapitäne im 22. Jahrhundert wieder mit weitreichender Befehlsgewalt ausgestattet. Wenn es von ihnen gleich zwei an Bord gibt, bleibt Kompetenzgerangel nicht aus und das Hörspiel wirft eine gleichfalls sehr alte wie auch weiterhin aktuelle Frage auf: Muss eine Crew dem Befehl ihres Captains immer Folge leisten, selbst dann wenn das eigene Gewissen gegen die Ausführung der Order rebelliert?

Sirius-Patrouille ist kein Action-Feuerwerk, sondern widmet sich intensiv dem Leben der Mannschaft an Bord der Invictus, zu dem auch längere Phasen gehören, in denen langweilige Routine den Tag bestimmt. Dem Journalisten Martin Seebeck eröffnet sich so die Möglichkeit, Gespräche mit der Crew zu führen und deren Sichtweise auf den Beruf des Raumfahrers in Erfahrung zu bringen. Zuweilen geht es dabei etwas philosophisch zu, doch der Hörer bekommt dadurch tieferen Einblick in die Charaktere der Geschichte. Im Gegensatz zu früheren Abenteuern entwickelt sich dieses Mal die Story eher langsam, steigert sich jedoch in ihrem Verlauf immer mehr. Wie die einzelnen Entdeckungen zusammenhängen, welche die Invictus-Mannschaft im Laufe ihrer Reise macht, offenbart sich erst gegen Ende. Bis dahin pendelt die Handlung zwischen dramatischen Situationen und ruhigen Abschnitten hin und her. Zuweilen schlägt das Pendel vielleicht etwas zu sehr in Richtung der vom Tempo her gedämpften Phasen aus und es vergeht vor allem im ersten Teil doch recht viel Zeit zwischen den Höhepunkten. Der zweite Teil kommt in dieser Hinsicht deutlich kompakter daher, nicht zuletzt deshalb, weil er mit 50 Minuten merklich kürzer ist als die erste CD. Langweilig ist Sirius Patrouille nicht, doch zieht sich die Handlung etwas mehr hin als es unterm Strich nötig gewesen wäre.

Die Crew der Invictus besteht neben den bekannten Figuren Mark Brandis, Pablo Torrente, Dr. Rebecca Levy, Grischa Romen und Iwan Stroganow zudem aus Major Degenhardt, Esko Tuomi, Louise Demnitz und Martin Seebeck. Tuomi und Demnitz bleiben unauffällig, für die Story deutlich relevanter sind hingegen Degenhardt und Seebeck. Sonderlich ausgefeilt sind diese Charaktere leider nicht, denn Degenhardt wird von seinem ersten Auftritt an dem Hörer als Kommisskopp und Unsympath aus der Klischeeschublade vorgestellt und Martin Seebeck, immerhin Pulitzerpreis-Gewinner, kommt nur gelegentlich über die Rolle eines Stichwortgebers hinaus. Gerade aus dieser Rolle hätte man deutlich mehr herausholen können.

Die Stammbesetzung aus Michael Lott, Martin Keßler, Claudia Urbschat-Mingues, David Nathan und Martin Wehrmann ist wieder voll in ihrem Element und liefert erneut eine homogene Leistung ab. Major Degenhardt wird überzeugend gesprochen von Thomas Schmuckert, als Martin Seebeck absolviert Felix Isenbügel einen Gastauftritt. Martin May, Tanya Kahana und Matthias Brodowy vervollständigen eine gut aufgelegte Sprecher/innen-Riege, der man gerne zuhört.

Das Sounddesign von Jochim C. Redeker kann sich wieder absolut hören lassen, denn gerade die atmosphärischen Klänge überzeugen und vermitteln dem Hörer nachhaltig das Gefühl, sich an Bord eines Raumschiffs zu befinden. Die Musik wurde passend auf die jeweiligen Situationen abgestimmt und unterstützt die Handlung in der nötigen Art und Weise. Schnitt und Regie geben keinen Anlass zur Klage. Auch optisch machen die beiden CDs einiger her, denn die Cover von Alexander Preuss wissen zu gefallen.


Mark Brandis: Sirius-Parouille hat eine Gesamtspielzeit von ca. 112 Minuten und vielleicht etwas zu lang geraten, denn hauptsächlich im ersten Teil kommt die Handlung nicht so in Gang, wie man es von der Hörspielserie eigentlich gewohnt ist. Hier wurde im Vergleich zum Vorgänger ein anderer Stil ausprobiert, der vor allem immer dann seine Qualitäten offenbart, wenn es um Konflikte innerhalb der Crew der Invictus geht.

Insgesamt ist Mark Brandis: Sirius-Parouille ein spannender und interessanter Beitrag zu dieser Hörspielserie, die damit erneut unter Beweis stellt, wie wandlungsfähig sie sein kann.


Noch ein Veranstaltungshinweis: 

In diesem Frühjahr wird die Mark Brandis Doppelfolge Vorstoß zum Uranus in verschiedenen Planetarien in Deutschland und Österreich gastieren. Die beiden Folgen werden dabei eindrucksvoll visuell begleitet und untermalt. Ein Hightlight für jeden Mark Brandis-Fan und die, die es noch werden wollen.

Die Termine 2012 im Überblick (weitere folgen bald):
Planetarium am Insulaner Berlin - 23.03.2012, 20.00 Uhr
Astronomisches Zentrum Schkeuditz -
24.03.2012, 20.00 Uhr 

Planetarium Wien - 24.03.2012, 19.30 Uhr
Planetarium Merseburg - 21.04.2012, 20.00 Uhr

Zeiss Planetarium Bochum - 17.05.2012, 19.30 Uhr 
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg - Herbst 2012 (t.b.c.)

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