Rezension: Rick Future 14 - Maschinen des Untergangs (Sven Matthias/Erdenstern/Hoerspielprojekt)


Anfang Juni 2011 startete die SF-Hörspielserie Rick Future mit der Folge 13 Das Herz einer Welt in ihre dritte Staffel und präsentierte damit den spannenden Auftakt eines Zweiteilers. Dieser findet mit der heutigen Premiere von Rick Future 14: Maschinen des Untergangs seinen Abschluss. Nach der Premiere im Webradio von Hoerspielprojekt (Start: 20:00 Uhr) zu dem es auch wieder einen begleitenden Chat geben wird, steht die Produktion im Anschluss auf der offiziellen Website der Serie zum kostenlosen Download bereit. Der Cliffhanger der letzten Folge versprach eine packende Fortsetzung und die Truppe um Serienerfinder Sven Matthias hält mit der neuen Episode absolut Wort.

Die Kalioten sind befreit und ein verzweifelter Kampf gegen Atropox tobt auf dem Planeten Oludan. Sein Ziel: das Herz der Welt! Mitten in diesen Konflikt gerät Huggins, der sich auf der Flucht vor den Schiffen der Dru'hn plötzlich einer noch viel größeren Bedrohung ausgesetzt sieht. Dieses mal scheint die Situation wirklich ausweglos zu sein... (Ankündigungstext)

Nachdem die vorangegangene Folge ausgiebig dafür genutzt wurde, den Boden für eine spannende Erzählung zu bereiten, ist in der nun vorliegenden Episode Erntezeit und Autor Dane Rahlmeyer schickt dazu einen richtig großen Mähdrescher aufs Feld. Nach einem kurzen Rückblick auf die bisherige Handlung brennt der Autor in Rick Future 14: Maschinen des Untergangs ein Actionfeuerwerk ab, wie es diese Hörspielserie bislang noch nicht gekannt hat. Dabei haben Rick und seine Freunde zunächst einmal alle Hände voll zu tun, ihr eigenes Überleben zu sichern, ehe man überhaupt darüber nachdenken kann, wie dem scheinbar übermächtigen Feind beizukommen ist. Mit den furchteinflößenden Kalioten ist auch das Schicksal von EVI/Eva verwoben. Die Roboterlady hatte in den letzten Episoden ihren eigenen Storyarc, der in dieser Folge zu einem fulminanten Abschluss gebracht wird. Gleichzeitig mischen die Dru'hn unter der Führung von Marvis, dem früheren Solid, ordentlich mit und als dann auch noch die Flotte des Fordianers Captain Huggins ins Geschehen eingreift, entwickelt sich ein Schlachtengetümmel der Extraklasse. Die Vielzahl an Frontverläufen bringt es mit sich, dass zwischen den einzelnen Handlungsorten häufig hin und her gesprungen wird, wobei der Hörer jedoch stets den Überblick über das Geschehen behält.

Dies ist neben dem überzeugenden Skript von Dane Rahlmeyer auch dem sehr guten Cut von Sven Matthias zu verdanken, der in seiner Machart an aktuelle Kinoblockbuster erinnert. Rick Future 14 gibt sich sehr dynamisch, lässt dem Hörer kaum Zeit zum Durchatmen und kann darüber hinaus mit unerwarteten Wendungen aufwarten, welche die Handlung noch zusätzlich pushen. Mit ca. 63 Minuten ist dieses Hörspiel nicht kürzer als sein Vorgänger, doch aufgrund des wesentlich höheren Erzähltempos scheint die Zeit viel schneller zu vergehen als zuletzt. Absoluter Höhepunkt der Handlung ist natürlich das Finale, dessen Ausgang bis zur letzten Sekunde nicht absehbar ist. Schon als Autor der Rick Future-Extras Zweitkontakt und Kahadra konnte Rahlmeyer überzeugen, doch dieses Hörspiel ist mit Sicherheit sein bislang bester Beitrag zur Serie. Dass er sich bei der Darstellung der Kalioten zeitweilig an den Replikatoren aus Stargate SG-1 orientiert hat, nimmt man als SF-Fan wohlwollend zur Kenntnis und freut sich über diese Referenz an die bekannte TV-Serie. Das Gleiche gilt auch für die Dru'hn, die in ihrer Ausdrucksweise an die chromglänzenden Zylonen aus dem Klassiker Kampfstern Galactica erinnern. Mann, was waren das noch für Zeiten!

Nahezu alle Charaktere werden gut in die Handlung integriert und haben starke Szenen, wenngleich Garlyn leider auf die Rolle des Sprücheklopfers reduziert wird. Seine Einlassungen sorgen zwar größtenteils für den nötigen Humor innerhalb des Hörspiels, manche Äußerungen scheinen allerdings überzogen oder deplatziert. Zum Beispiel dann, wenn er den Tod eines aufrechten Oludaners mit einem platten "Game Over" quittiert. Humor und Ironie sind schwierige Felder und wann die Grenze zum "Zuviel des Guten" erreicht ist, liegt sicherlich im Auge des Betrachters.

Neben den Hauptfiguren wurde vor allem dem Charakter des Captain Huggins viel Raum gegeben und dieser läuft in Rick Future 14 zur Höchstform auf. Sei es als unerschrockener Befehlshaber oder als Zyniker vor dem Herren, Detlef Tams identifiziert sich als Sprecher vollkommen mit seiner Figur und macht Huggins damit zum heimlichen Star dieser Produktion. Auch die anderen Sprecherinnen und Sprecher rufen eine sehr gute Leistung ab. Was der junge Nicolas Kurth hier als Atropox leistet, ist ein Extralob wert, denn auf seinen Schultern lastete sehr viel Verantwortung, der er sich aber durchaus gewachsen zeigt. Auch Sabrina Heuer als mürrische Eva macht erneut sehr viel Spaß. Insgesamt ein sehr homogener Cast, der sich für Rick Future 14 eingefunden hat.

Seit Beginn der zweiten Staffel zeichnet Erdenstern für den Soundtrack von Rick Future verantwortlich und was Andreas Petersen für dieses Hörspiel komponiert und arrangiert hat, ist wirklich eindrucksvoll. Zusammen mit der Soundkulisse schafft die Musik einen Klangraum, der den Hörer für sich einzunehmen versteht, die Handlung maßgeblich mitträgt und vor dem inneren Auge des Publikums zum Leben erweckt. So langsam sollte man sich über die separate Veröffentlichung des Soundtracks einmal ernsthaft Gedanken machen. Das Cover stammt von erneut von Wolfram Damerius. Sicherlich eine schöne Illustration, angesichts der dramatischen Handlung dieses Hörspiels aber fast ein wenig zu dezent. Da hätte man sich durchaus ein etwas dynamischeres Artwork vorstellen können.


Mit Rick Future 14: Maschinen des Untergangs ist allen Beteiligten ein bemerkenswertes Hörspiel gelungen, dass nicht nur die bestehenden Fans der Serie in seinen Bann ziehen dürfte, sondern auch für alle sonstigen Anhänger der gepflegten Space Opera eine absolute Empfehlung ist. Skript, Sprecher, Sounds und Musik sind von hoher Qualität und lassen durchaus vergessen, dass man es hier immer noch mit einer Non-Profit Produktion zu tun hat. Diese Folge noch zu toppen, wird sicherlich nicht leicht.

Den Versuch, dies dennoch zu schaffen, unternimmt die Serie übrigens bereits schon am 13. Dezember 2011 mit Rick Future 15: Die Botschaft.



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