Rezension: Mark Brandis - Alarm für die Erde (Folgenreich/Interplanar)


Als im Juli diesen Jahres von Interplanar beim Label Folgenreich das Hörspiel Mark Brandis – Operation Sonnenfracht erschien, waren sich die Fans schnell einig, dass es dabei um die beste Episode der Serie handelte. Vor dem Hintergrund der Reaktorkatastrophe von Fukushima traf die Umsetzung jener Story, die Mark Brandis-Erfinder Nikolai von Michalewsky bereits 1975 schrieb, absolut den Nerv des Publikums, denn sie hatte in erschreckender Weise nichts von ihrer Brisanz verloren. Morgen nun findet die Geschichte, welche von den Machern bewusst auf drei Folgen angelegt wurde, mit Mark Brandis - Alarm für die Erde ihren Abschluss.

In Operation Sonnenfracht versuchte Mark Brandis mit seinem Team Atommüll zu bergen, den skrupellose Politiker und Geschäftemacher vor Jahren heimlich in einem Lager im Kibo-Krater des Kilimandscharo entsorgt hatten. Viel Zeit blieb ihm nicht, denn schon ein kleines Erdbeben würde den Vulkan ausbrechen lassen und eine verheerende radioaktive Strahlenwolke über ganz Afrika verteilen. Der Plan sah vor, den strahlenden Abfall mit Hilfe von Raumschiffen in die Sonne zu schießen. Doch mitten in die Bergungsaktion platzte ein Beben der Stärke 9 und die Katastrophe nahm ihren Lauf.

Alarm für die Erde setzt unmittelbar nach dem Cliffhanger der vorangegangenen Folge ein und die Welt muss realisieren, dass der Entsorgungsplan gescheitert ist. Die radioaktive Wolke zieht über Afrika und den Menschen in den betroffenen Gebieten bleibt nur noch die Flucht, welche Mark Brandis nun koordinieren soll. Als ob dies noch nicht schwierig genug wäre, bekommt er es auch noch mit Freiheitskämpfern zu tun, die den Abtransport der Flüchtlinge verhindern wollen. Gleichzeitig geht der Machtkampf zwischen der Union und den Republiken in eine neue Runde, denn die Asiaten machen sich das Chaos zunutze, um Land zu annektieren. Obwohl Mark Brandis ohnehin schon an der Grenze seiner Belastbarkeit operiert, bekommt er schließlich auch noch den selbstmörderischen Auftrag, den Vulkankrater zu sprengen, um die weitere Verseuchung zu stoppen.

Atomkatastrophe, Flüchtlingsströme aus Afrika in Richtung Europa, Machtspiele skrupelloser Politiker, Geldgier im Angesicht des Elends und Burn-Out-Syndrom. Die Handlung spielt zwar im Jahre 2129/2130, doch es ist unsere Gegenwart, der in Alarm für die Erde der Spiegel vorgehalten wird. Und wie in unseren Tagen, so gibt es auch in der Zukunft keine einfachen Lösungen für die Herausforderungen, denen sich die Menschheit zu stellen hat. Feel-Good-SF ist es nicht gerade, was Balthasar von Weymarn und Jochim C. Redeker hier präsentieren und das darf es auch nicht sein, wenn man die hier aufgeworfenen Themen ernst nehmen will. Dies tun die Macher in eindrucksvoller Weise, denn sie schildern schonungslos die Folgen der Katastrophe für die Betroffenen in Afrika und wie jene, die sich der Hilfe für diese Menschen verschrieben haben, unter der Aufgabe zu zerbrechen drohen. Bemerkenswert ist auch, dass sie sich nicht scheuen, eine prominente Figur vergangener Folgen zu opfern. Wer glaubt, die Helden dieses Hörspiels seien auf jeden Fall sicher, ist auf dem Holzweg. 

Zentraler Charakter der Geschichte bleibt natürlich Mark Brandis, dem in diesem Abenteuer einiges zugemutet wird. Sonst zumeist der zupackende und überlegte Commander, bringt ihn der Autor dieses Mal an die Grenzen des Zumutbaren und sogar ein Stück weit darüber hinaus und zeigt uns einen Menschen, der erkennen muss, dass er mehr will, als er leisten kann. Dies zu akzeptieren, fällt ihm nicht leicht und er muss sich aus diesem Tal erst einmal heraus kämpfen. Die Ausflüge in die Seelische Verfasstheit des Protagonisten gehen jedoch nicht auf Kosten des Erzähltempos, dass über die gesamten 113 Minuten hoch ist. Balthasar von Weymarn hat einen Handlungsbogen entworfen, der sich konsequent durch die Geschichte zieht und immer wieder überraschende Wendungen parat hat. Dramatik und ruhigere Sequenzen wechseln sich gekonnt ab und halten den Hörer problemlos bei der Stange.

Verlassen können sich die Macher erneut auf den ausgezeichneten Cast, an der Spitze wieder mit Michael Lott als Mark Brandis. Im zur Seite stehen David Nathan als Grischa Romen, Dorothea Anna Hagena als Ruth O'Hara und Martin Keßler als Pablo Torrente. Claudia Urbschat-Mingues ist als Doktor Levy mit von der Partie. Ein Wiederhören gibt es darüber hinaus mit Holger Umbreit als Robert Monnier, während Thomas Nero Wolff ein weiteres Mal den Unsympathen Col. Chemnitzer verkörpert. Abgerundet wird die Besetzung durch Uve Teschner, Ozan Ünal, Stefan Flüeck, Wolf Frass, Wolfgang Kaven, Marion von Stengel, Gerhart Hinze, Ulrike Kapfer, Jan Spitzer, Meylan Chao und Reinhard Kuhnert. Oliver Rohbeck nimmt übrigens seine Rolle als Reporter Walter Hildebrand wieder auf. Die Auswahl der Stimmen war schon immer eine der großen Stärken dieser Hörspielserie und auch diesmal geben alle Beteiligten eine tadellose Leistung ab.

Sounddesigner Jochim C. Redeker hat sich wieder mächtig ins Zeug gelegt, um das Publikum mit einer eindrucksvollen Klangkulisse in die richtige Stimmung zu versetzen und der Aufwand hat sich wirklich gelohnt. Auch die Musik hat ihren Anteil daran, dass sich der Hörer wirklich als Teil der Handlung fühlt und nicht als entfernter Beobachter. Bereits in der Vergangenheit wurde Mark Brandis für sein Sounddesign prämiert und hier liefert Jochim C. Redeker wieder einen heißen Anwärter auf die nächste Auszeichnung. Auch Schnitt und Regie geben keinen Anlass zur Klage.


Nach Operation Sonnenfracht waren die Erwartungen der Fans natürlich besonders hoch, doch Interplanar ist es gelungen, diese mit Alarm für die Erde mehr als nur zu erfüllen. Das Hörspiel kann nämlich nicht nur in jeder Hinsicht überzeugen, sondern legt die Messlatte sogar noch eine Stufe höher, denn so atmosphärisch dicht, berührend und packend war Mark Brandis noch nie.




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