Rezension: Mark Brandis - Aktenzeichen: Illegal (Folgenreich)


Am 1. Juli 2011 erschienen beim Label Folgenreich zwei neue Hörspiele aus der Reihe Mark Brandis. Bislang hatte man die Abenteuer des Weltraumhelden und seiner Crew immer in Doppelfolgen veröffentlicht, doch da man mit Operation Sonnenfracht (Folge 16) (vgl. Rezension) den Auftakt eines Dreiteilers vorlegte, der im November diesen Jahres seinen Abschluss finden wird, bestand die Notwendigkeit, die Folge 15 als in sich abgeschlossenes Einzelhörspiel zu produzieren. Das Resultat war Aktenzeichen: Illegal.

In dieser Produktion löst der Pilot Grischa Romen eine internationale Krise aus, denn er hat sich in die chinesische Astrophysikerin Ko Ai verliebt. Beide beschließen bereits nach kurzer Zeit zu heiraten. An sich ein Grund zur Freude, doch Ai ist eine sogenannte „illegale Geburt“ und die Republiken fordern ihre Rückkehr in die Heimat, wo ihre die Exekution droht. Mark Brandis entschließt sich, seinem Freund zu helfen. Von Seiten seiner eigenen Regierung kann er dabei keine Hilfe erwarten, denn dort ist man mehr an den Beziehungen zu den Republiken als an dem Schicksal von Ai interessiert.

Das problematische Verhältnis zwischen den zwei Machtblöcken, der Union und den Republiken, zieht sich wie ein roter Faden durch diese Hörspielserie. In dieser Folge wird deutlich, dass es nicht nur um die Sicherung von Einflusssphären geht, sondern sich auch zwei gesellschaftliche Modelle gegenüberstehen. Die Republiken haben auf das Problem der Überbevölkerung mit einer rigiden Geburtenkontrolle reagiert und wollen dieses Konzept unter allen Umständen durchsetzen. Dabei schaffen sie es sogar, die Union für sich einzuspannen, die zwar den Standpunkt der anderen Seite vordergründig ablehnt, allerdings sogar zur Kooperation bereit ist, wenn man so den Frieden bewahren kann. Hier berührt diese Produktion einen Punkt, der auch für unsere Gegenwart relevant ist. Man denke in diesem Zusammenhang nur an die Debatte, wie viel Freiheit man bereit ist für Sicherheit aufzugeben., oder das Verhältnis der westlichen Staaten zu Regimen, in denen es nicht besonders demokratisch zugeht. Sind Menschenrechte zweitrangig, wenn es um Absatzmärkte geht?

Der an sich gradlinige Plot von Aktenzeichen: Illegal wird strukturell dadurch aufgepeppt, dass man über weite Strecken mit Rückblenden arbeitet, das letzte Drittel kommt dann wieder in gewohnter Erzählweise daher. Eine nette Idee, die für zumindest etwas Auflockerung in dieser an Überraschungen doch recht armen Geschichte sorgt. Die Story bringt es mit sich, dass der Figur des Grischa Romen dieses Mal sehr viel Raum gegeben wird und der Hörer lernt interessante neue Facetten dieses Charakters kennen. Abgesehen von Mark Brandis spielt die Crew der Hermes dieses Mal kaum eine Rolle, denn Lt. Torrente, Dr. Levy und Lt. Stroganow absolvieren lediglich einen Kurzauftritt. Stattdessen wird mit Karsten Kromme eine neue Figur eingeführt, ein reichlich eindimensionaler Unsympath wie er im Klischeeehandbuch steht. Autor Balthasar v. Weymarn macht sich gar nicht die Mühe, ein differenziertes Bild von Kromme zu zeichnen, denn dieser dient einzig dazu,die Handlung in Schwung zu bringen und zu halten. Außerdem galt es, die Handlung innerhalb von 63 Minuten zum Abschluss zu bringen. Da bleibt für manche Details einfach nicht Zeit.

Nach dem actionlastigen Vorgänger Pilgrim 2000 wird hier einen Gang zurückgeschaltet und das Drama um Grischa und Ai in den Mittelpunkt gerückt. Dies geht so auch vollkommen in Ordnung, denn der Spannungsbogen kann trotz der etwa ruhigeren Gangart sehr schön gehalten werden. Was fehlt, sind die überraschenden Wendungen, die man aus den anderen Folgen zumeist gewohnt war. Sicher auch ein Tribut an die vergleichsweise kurze Laufzeit. Andererseits wäre es wahrscheinlich auch schwer geworden, diese Geschichte als Zweiteiler umzusetzen, denn sie gibt dafür unterm Strich zu wenig her. Insgesamt war Aktenzeichen: Illegal eine gute Wahl für diesen One-Shot.

Was die Sprecherinnen und Sprecher betrifft, so gibt es erneut keinen Anlass zur Klage. Der gesamte Cast liefert die mittlerweile gewohnt homogene Leistung auf hohem Niveau ab. Oliver Rohrbeck nimmt als Gastsprecher seine Rolle als Reporter Walter Hildebrand wieder auf, die er schon in Die Volstrecker verkörpert hatte. Christian Senger überzeugt als Karsten Kromme und dies gilt auch für Vera Teltz, die als Dr. Lund zu hören ist.

Das Sounddesign stammt erneut von Jochim-C. Redeker und wieder stimmen alle Soundeffekte und Musiken auf den Punkt. Egal ob Großstadt oder Südeseeinsel, Redeker schafft immer die richtige Atmosphäre.


Aktenzeichen: Illegal kommt als solide Geschichte daher, die inhaltlich allerdings keine Bäume ausreißt. Man hat den Eindruck, Balthasar v. Weymarn und Jochim-C. Redeker wollen den Fans eine kleine Verschnaufpause gönnen, ehe sie mit Operation Sonnenfracht und den beiden anschließenden Episoden wieder richtig in die vollen gehen. Kurzweilige Unterhaltung bietet diese Geschichte auf jeden Fall und dies macht sie für SF-Fans absolut empfehlenswert. 


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