Rezension: Triggers - Mission 1 (Hoerspielprojekt)


Den Prozess zu schildern, der junge Menschen von Schülern zu gestandenen Persönlichkeiten reifen lässt, hat Autoren schon immer gereizt. Auch die Science-Fiction Literatur hat sich des Themas Coming of Age öfters angenommen, so zum Beispiel in den Romanen Space Cadet und Starship Troopers von Robert A. Heinlein. Letzteres Buch bzw. seine Verfilmung war mit Sicherheit eine der Inspirationsquellen für das Hörspiel Triggers – Mission 1, welches beim Hoerspielprojekt am 13. und 14. August 2011 seine Premiere feierte. Seitdem steht es dort zum kostenlosen Download bereit.

Im Zentrum des Hörspiels stehen vier Studenten der Weltraumakademie Generation 6, denen die Gelegenheit gegeben wird, auf dem Raumschiff Target der Space Force ein einjähriges Praktikum zu absolvieren und damit zeitgleich den Abschluss zu machen. Eigentlich sollen nur die Jahrgangsbesten in den Genuss dieser Möglichkeit kommen, doch eine Studentin schafft es, sich ins Programm zu schmuggeln. Es dauert nicht lange, bis die erste Mission auf dem Programm steht, die den vier jungen Leuten einiges abverlangen wird.

Triggers - Mission 1 basiert auf der inzwischen eingestellten Hörspielserie Generation 6 des Labels Nubbelita, kann jedoch als eigenständiges Hörspiel bewertet werden, denn die Geschichte ist so angelegt, dass kein Vorwissen seitens des Publikums erforderlich ist. Wegen der Gesamtlaufzeit von ca. 100 Minuten wurde das Hörspiel in zwei Kapitel unterteilt, die mit Das Ikosaeder-Projekt und Unternehmen Daedalus II überschrieben sind. Beide Teile fallen recht unterschiedlich aus und wären es wert, dass man sie komplett unabhängig von einander unter die Lupe nimmt, was leider im Rahmen dieser Besprechung nicht möglich ist. Ohnehin macht Triggers – Mission 1 es dem Rezensenten nicht leicht. So weist die Produktion eine Reihe von Elementen auf, die das Herz des Fans von Space Operas erfreuen, jedoch auch solche, die geeignet sein könnten, den Spaß am Hören zu trüben.

Was auf jeden Fall für dieses Hörspiel spricht, ist der recht umfangreiche Cast, der bis in kleinsten Rollen sehr ausgeglichen besetzt wurde. Vera Bunk, Stefan Krombach, Katharina von Daake und Marco Rosenberg sind als die vier Studenten der Generation 6 an Bord des Raumschiffs Target zu hören. Als Captain Sulaco beweist Marc Schülert sein Können, den ersten Offizier Maurice Gallifrey spricht Oliver Theile. Alle Beteiligten sind mit viel Eifer bei der Sache und verkörpern durchaus glaubwürdig ihre Charaktere. Der intensive Auswahlprozess bei der Besetzung der Rollen zahlt sich absolut aus.

Auch vom Sounddesign, für das Erik Albrodt verantwortlich zeichnet, macht Triggers – Mission 1 einiges her. Die atmosphärischen Effekte und die handlungsbezogenen Sounds lassen kaum etwas zu wünschen übrig und sind in einen Klangteppich eingewoben, dessen Grundlage der schöne Soundtrack des Hörspiels bildet. Allein einige Musikeinlagen beim Szenenübergang wollen stilistisch nicht zum Rest der Musik passen und wirken deshalb etwas deplatziert. Den sehr positiven Gesamteindruck der Klangkulisse schmälert dies allerdings nicht.

Kernstück der Produktion ist natürlich die Story. Karl-Heinz Nehoda kann mit einem Plot aufwarten, der einen schön gestrickten Spannungsbogen aufweist, welcher jedoch besonders im ersten Kapitel durch unsäglichen Teenie-Talk unterbrochen wird. Wer unter dem Wesley-Crusher-Syndrom leidet, also zu allergischen Reaktionen neigt, wenn Jugendliche oder junge Erwachsene in SF-Geschichten auftauchen, der hat gerade während der ersten knapp 57 Minuten schwer zu kämpfen. Nehoda fährt so ziemlich jedes Klischee auf, das in den Köpfen von Autoren herumspukt, wenn es um die Charakterisierung von jungen Leuten geht und die Art und Weise, wie sich diese zu unterhalten pflegen. Die Rollen sind dabei klar verteilt: Da gibt es den arroganten Ben Ripley, die aufmüpfige Erin Carter, die ehrgeizige und von den Sternen träumende Francesca Damato. Das Quartett vervollständigt der treue Yuri Tupolev. Jede Schablone wird bedient. Die Erwachsenen sind aber auch nicht besser, denn Captain Sulaco ist der harte aber faire Anführer, während sein 1. Offizier natürlich in Erin Carter verknallt ist. Dass Ripleys Verhältnis zu seinem einflussreichen Vater ziemlich zerrüttet ist, versteht sich fast von selbst. Das Resultat: Starship 90210. 

Gott sei Dank mangelt es nicht an gut inszenierter Action, denn dann können die jungen Kadetten zeigen, was man ihnen beigebracht hat. Die Story nimmt gegen Ende des ersten Kapitels deutlich an Fahrt auf und kann dieses Tempo während des zweiten Teils toll durchhalten, der nicht allein wegen der kürzeren Laufzeit wesentlich kompakter wirkt. Hier geht es ordentlich handfest zur Sache und der Hörer wird dafür belohnt, dass er durchgehalten hat. Schade nur, dass der Plot um Francesca Damato etwas unbefriedigend und nicht unbedingt logisch aufgelöst wird. Trotzdem ist das zweite Kapitel deutlich besser als die erste Hälfte der Geschichte und reißt dadurch einiges wieder raus.

Mit seinen Referenzen an Klassiker der Science-Fiction hat es Karl-Heinz Nehoda auf jeden Fall eindeutig übertrieben. Es gibt kaum einen Namen oder Bezeichnung, die er nicht von woanders übernommen hat: Ripley, Sulaco, Carter, Galifrey, Adama, Nautilus, Difalco, Koenig und Seska sind nur einige Beispiele. Die Torpedos sind vom Typ Deep Impact und man löst den Overkill aus. Wer Star Trek – Der Film aus dem Jahre 1978 kennt, wird bemerken, dass der Autor eine ganze Sequenz des Hörspiels aus dem Film entliehen hat. Und den Laderoboter, der am Beginn der Geschichte zum Einsatz kommt, kennen wird auch von woher. Nehoda kennt sich in der Welt der SF aus, doch das hätte man ihm auch ohne die ganzen Anleihen als Beweise geglaubt.


Ob man dieses Hörspiel nun mag oder nicht, hängt Falle von Triggers – Mission 1 hauptsächlich davon ab, wie man sich zu den genannten Klischees und dem Übermaß an Referenzen stellt. Wer sich an den genannten Punkten nicht stört, den erwarten ca. 100 Minuten spannende Minuten Unterhaltung an Bord des Raumschiffs Target. Allen anderen sei empfohlen, die Zähne zusammenzubeißen und bis zum zweiten Kapitel dranzubleiben. Hier nämlich zeigt das Hörspiel seine wahren Stärken. Es wäre wünschenswert, wenn man sich für eine etwaige Fortsetzung auf diese besinnen würde. 


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