Rezension: TimeShift 3 - Funny Faces on Mars (freies Hörspiel)


Am 8. August 2010 gab die Crew um Lars Conrad und Bernhard Schlax mit dem Release von Folge 1 den Startschuss zur ihrer kostenlosen SF-Hörspielserie TimeShift. Seitdem haben sich weit über 10.000 Besucher die Geschichte um Shaun McKenzie heruntergeladen. Die Fortsetzung TimeShift 2 – Paperchase wurde im vergangenen März veröffentlicht und auf den Tag genau ein Jahr nach dem Serienauftakt erschien nun TimeShift 3 - Funny Faces on Mars. Seitdem steht die Episode auf der Website der Serie zum Download bereit.

Gute Zeiten - Schlechte Zeiten! Endlich gelingt JD und Professor Winter der Durchbruch. Zum ersten Mal seit seinem Verschwinden kommt ein Kontakt mit Shaun zu Stande. Während dieser seinem besten Freund von seinen Zeitreisen berichtet, brauen sich über dem CERN düstere Wolken zusammen. Eine weitere Partei betritt die Bühne und bringt Ereignisse in Gang, die für die Freunde am Institut alles verändern werden. (Ankündigungstext)

Während es für den Serienauftakt sehr viel Lob von den Hörern gab, fiel das Echo auf die Fortsetzung doch recht verhalten aus. Bemängelt wurde vor allem der schwache Handlungsbogen, der für ein Hörspiel mit einer Laufzeit von 78 Minuten einfach zu wenige Highlights bereithielt, was arg an den Geduldsfäden des Publikums zerrte. Auch konnte die Leistung des Casts nicht durchweg überzeugen. Die Macher haben sich die Kritik offensichtlich zu Herzen genommen, denn TimeShift 3 zeigt sich deutlich verbessert.

So ist das neue Hörspiel um rund zehn Minuten kürzer und wirkt alleine deshalb schon kompakter als sein Vorgänger. Dazu verfügt es über eine wesentlich gereifte Struktur, die dadurch punkten kann, dass sie den Erzählstrang um Shaun nun mit jenem verknüpft, der sich mit den Bemühungen seiner Kollegen beschäftigt, ihn in die Gegenwart zurückzuholen. Durch den häufigeren Wechsel der Handlungsorte wirkt die Geschichte erheblich lebendiger und kurzweiliger. Dazu kommt, dass man den Charakteren am CERN deutlich mehr Raum gibt und sogar einen dritten Plot rund um JD installiert, der zusätzliche Spannung bringt.

Die historische Ausgangssituation ist gut recherchiert und gibt auch den Hörern ohne Vorkenntnisse genug Informationen an die Hand, um der Handlung folgen zu können und die Tragweite zu verstehen, welche ein Eingriff in die Zeit an dieser Stelle haben würde. Zusätzlich werden die Denkstrukturen und Vorurteile deutlich, die in jener Ära vorherrschten. Hier lag schon die große Stärke der ersten Folge und TimeShift 3 steht ihr in dieser Hinsicht in nichts nach. Auch hat man dieses Mal wert darauf gelegt, dass es einige Wendungen in der Geschichte gibt, die nicht von vornherein absehbar waren. Die Spannung ist dadurch deutlich größer und die Episode profitiert in ihrer Wirkung merklich davon. Insgesamt ein wirklich gutes Skript, mit dem Autor Lars Conrad hier aufwarten kann.

Die Sprecherriege von TimeShift 3 fällt kleiner aus als die der vorherigen Episode, da es nur wenige Gastsprecher gibt. Die Leistung ist deutlich homogener als zuletzt. Die Spielfreude bei allen Beteiligten ist deutlich spürbar, genauso wie die Tatsache, dass die Akteure immer sicherer in ihren Rollen werden. Ein Vergleich mit kommerziellen Produktionen oder Non-Profit-Hörspielen, an denen sich ausgebildete Sprecherinnen und Sprecher beteiligen, verbietet sich. Hier sind Fans des Genres am Werk und was diese leisten, ist wirklich aller Ehren wert. Für Teil 4 holt man sich übrigens einige Gastsprecher von den Soundtales Productions ins Boot, was der Qualität nochmals zugutekommen dürfte. Schön zu sehen, dass Kooperation in der freien Szene immer noch großgeschrieben wird.

Der Schnitt hat seit den Anfängen der Serie deutliche Fortschritte gemacht, wobei in einzelnen Fällen noch Steigerungspotential besteht. Die Musik ist gut gewählt und leistet ihren Beitrag zur Stimmung. Das kann man auch über die Soundeffekte sagen, die zwar behutsam aber wirkungsvoll zum Einsatz kommen. Wer sich auf die Geschichte einlässt, findet einen ansprechenden Klangraum vor. Auch dieses Mal wurde ein schönes Cover kreiert, welches man sich nun direkt mit dem Hörspiel herunterlädt. Bislang musste man es separat tun.

TimeShift 3 wird wie seine Vorgänger in zwei Varianten angeboten, nämlich als Mulit-Track mit 256 KBit und als Singletrack mit einer Kompression von 128 KBit. Es ist zwar löblich, dass man auch an die Hörer denkt, die wenig Speicherplatz oder einen langsamen Internetanschluss haben, doch warum diese nicht in den Genuss eines Multi-Tracks kommen, der das Hören in Etappen doch deutlich erleichtert, erschließt sich nicht. Es mag Teile des Publikums geben, die eine einzelne Datei bevorzugen, doch diese lässt sich mit frei erhältlichen Programmen leicht herstellen. Aus einem Single- einen ordentlichen Multitrack zu basteln, ist da schon deutlich schwieriger. Vielleicht sollte man dies in Zukunft bedenken.


TimeShift 3 macht sehr viel Spaß und ist eine deutliche Steigerung gegenüber der vorangegangen Folge. Wer offen ist für unkommerzielle Produktionen, bei denen der Spaß am Projekt im Vordergrund steht, die aber dennoch eine ansprechende Geschichte zu erzählen haben, der ist hier an der richtigen Adresse. 



0 Kommentare: