Rezension: Mark Brandis - Vorstoß zum Uranus (Folgenreich)


Am 1. Juni 1910 brach Robert Falcon Scott von England aus auf, um als erster Mensch den Südpol zu erreichen. Ungefähr zwei Jahrhunderte später ist sein Namensvetter Ernest D. Scott mit dem Raumschiff Delta IX unterwegs zum Uranusmond Oberon, den noch kein Wesen von der Erde zuvor betreten hat. Scott will der erste sein und den Himmelskörper gleichzeitig für die Union in Besitz nehmen. In seinem Ehrgeiz geht er Risiken ein, die zur Katastrophe führen und ausgerechnet sein Rivale Mark Brandis soll ihm und dem Rest der Crew der Delta IX zur Hilfe eilen. Jedoch haben da andere Mächte auch noch ein Wort mitzureden.

Wie sein Vorgänger Testakte Kolibri (Link), so ist auch Mark Brandis - Vorstoß zum Uranus ein Hörspiel auf zwei CDs. Die Gesamtlänge beträgt dieses Mal satte 130 Minuten. Eine beachtliche Laufzeit, die jedoch gut genutzt wird, um intensiv auf die Figuren der Handlung einzugehen. Dabei ist das Manuskript von Balthasar v. Weymarn sogar so mutig, in der ersten Hälfte der Geschichte auf den Helden der Serie nahezu komplett zu verzichten und sich allein auf Scott und seine Mannen zu konzentrieren. Der Überlebenskampf der Besatzung der Delta IX weist einige Parallelen zu jener Situation auf, in der sich Robert Falcon Scott und sein Team seinerzeit befanden. Dass Ernest D. Scott sich in seiner Kabine das Tagebuch des Polarforschers vom Bordcomputer vorlesen lässt, ist eine interessante Idee und zeigt, wie sich der Commander selbst sieht. Der Umgang der Mannschaft mit der verfahrenen Situation ist durchaus unterschiedlich und reicht vom Raumkoller bis hin zum Festhalten am letzten Funken Lebenswillen. Besonders nachhaltig im Gedächtnis bleiben dabei die Szenen, in denen die Astronauten Maddox und McIntosh versuchen, einen Sender auszustellen, mit dem man Hilfe herbeirufen will. Was die beiden Männer durchstehen müssen, lässt keinen Hörer kalt.

Der zweite Teil der Geschichte steht dann ganz im Zentrum der Rettungsaktion, für die Mark Brandis verantwortlich zeichnet und dafür das brandneue Raumschiff Hermes erhält. Nicht nur, dass die Operation nicht ohnehin schon gefährlich wäre, nun spielt auch wieder der Konflikt zwischen der Union und den Republiken eine wichtige Rolle. Die Handlung gewinnt immer mehr an Dramatik, denn Mark Brandis läuft nun in gleich mehrerer Hinsicht die Zeit davon. Auch für den Hörer vergeht die Zeit sehr schnell, denn das Erzähltempo ist in der zweiten Hälfte von Vorstoß zum Uranus deutlich höher. War der erste Teil von der Dramatik bestimmt, die aus einer scheinbaren Ausweglosigkeit und Hilflosigkeit der Gestrandeten resultiert, so speist sich die Spannung für das Publikum nun aus der Frage, ob die Hermes es rechtzeitig schaffen wird, die in Not geratenen Raumfahrer zu erreichen. Für genügend Action ist nun, da die Geschichte eher wie eine klassische Space Opera daherkommt, in jedem Fall gesorgt. Das Finale passt hervorragend zur Handlung der Geschichte und stimmt den Hörer durchaus nachdenklich. Vom Manuskript her kann auch diese Folge absolut überzeugen.

Wie von der Serie Mark Brandis in zwischen gewohnt, so ist auch Vorstoß zum Uranus von der Sprecherseite her toll besetzt. Frank Glaubrecht verkörpert eindringlich Commander Ernest D. Scott, während Mark Bremer als Captain Peter Gottwald zu hören ist. Außerdem sind Michael Pan, Erich Räuker, Anke Reitzenstein, Tobias Kluckert, Sven Hasper, Stefan Gossler, Simon Jäger, Martin Wehrmann, Oliver Siebeck, Julien Haggége, Christine Mühlenhof, Tomasina Ulbricht und Michael Westphal mit von der Partie. Mark Brandis wird natürlich wieder von Michael Lott gesprochen.

Das Sounddesign spielt wieder in einer eigenen Liga und meistert auch schwierige Aufgaben, wie zum Beispiel jene Szenen, in denen sich Maddox und McIntosh im Freien befinden und es mangels Atmosphäre eigentlich keine Geräusche geben kann. Die Lösung, die Jochim-C. Redeker dafür gefunden hat, ist sehr wirkungsvoll.

Mark Brandis – Vorstoß zum Uranus verbindet glaubwürdige Charaktere mit spannenden Abenteuern zwischen den Sternen. SF-Fans kann dieses Hörspiel absolut empfohlen werden.


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