Rezension: Mark Brandis - Raumsonde Epsilon (Folgenreich)


Im April 2010 setzte Interplanar/Folgenreich die Serie Mark Brandis mit der Geschichte Raumsonde Epsilon fort. War Vorstoß zum Uranus bereits eine wirklich starke Umsetzung des gleichnamigen Romans von Nikolai v. Michalewski gewesen (meine Rezension), so konnte man sich mit diesem Hörspiel sogar noch steigern. 

2125: Mark Brandis ist mit dem Raumschiff Hermes und der nun unbemannten Delta IX im Schlepptau unterwegs zurück zur Erde. Die ermüdende Bordroutine auf dem wochenlangen Flug wird jäh unterbrochen: die Delta IX ist plötzlich spurlos verschwunden. Brandis erreicht auf der Suche nach Scotts Schiff die Station Zhongli Quan und muss bald feststellen, dass nicht nur die Vereinigten Orientalischen Republiken undurchsichtige Pläne verfolgen. Auch andere Mächte sind mit im Spiel und alle sind sind hinter einer mysteriösen Raumsonde her. 

Die Handlung von Raumsonde Epsilon setzt direkt im Anschluss an Vorstoß zum Uranus ein, kann jedoch ohne Probleme auch ohne Kenntnis des Vorgängers gehört werden. Ohnehin ist es sehr anerkennenswert, dass Autor Balthasar v. Weymarn es schafft, die Serie für Neueinsteiger immer noch offen zu halten. In anderen Serien wäre man zu diesem Zeitpunkt lange aufgeschmissen. 

 Die Geschichte ist erneut als Space Opera konzipiert, in deren Mittelpunkt das Ringen der verschiedenen Mächte um den Besitz der Raumsonde Epsilon steht. Diese wurde nicht von den Menschen, sondern von einer außerirdischen Spezies auf die Reise geschickt und stellt damit den Beweis dar, dass es wirklich neben den Menschen noch weitere intelligente Wesen im All gibt. Klar, dass jeder der beiden Machtblöcke auf der Erde das Artefakt in die Finger bekommen will. Das Hörspiel erinnert über weite Strecken angenehm an eine klassische Agentengeschichte, wo die eine Seite der anderen ein Bein stellt, nur um dann selbst wieder ausgetrickst zu werden. Vertrauen kann Mark Brandis nur seiner eigenen Crew, denn selbst die Militärs der Union haben eine Agenda, die mit jener der VEGA nicht übereinstimmt. Von den Absichten der Republiken ganz zu schweigen. 

Das Erzähltempo ist der Geschichte angemessen und recht hoch. Es fällt dem Publikum aber nicht schwer, trotz der zahlreichen Wendungen, die die Handlung im Verlauf der insgesamt ca. 117 Minuten nimmt, stets den Überblick zu behalten. Spannung wird hier absolut großgeschrieben und bis zum Ende ist nicht absehbar, wie das Tauziehen um die Raumsonde wohl ausgehen wird. Erfreulicherweise haben wir es hier aber nicht mir einer platten Actionstory zu tun, denn das Skript nimmt sich die Zeit, die Motivation und Sichtweisen der Akteure genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Argumente der Republiken, warum gerade sie das Artefakt besitzen wollen, sind genauso nachvollziehbar wie jene der Union, doch keine Seite ist zu Kompromissen bereit. Vieles erinnert an die Haltung, die Großmächte unserer Tage zur Frage der Verteilung knapper Ressourcen einnehmen. Die Hörspielserie Mark Brandis zeichnete sich bereits zuvor durch ihr realistisches und daher durchaus kritisches Menschenbild aus und bekräftigt diesen Standpunkt gerade gegen Ende des Hörspiels noch einmal sehr deutlich. 

Die Sprecherriege, die erneut von Michael Lott als Commander Mark Brandis angeführt wird, ist auch dieses Mal sehr umfangreich. So sind außerdem Michael Pan, Erich Räuker, David Nathan, Gerhart Hinze, Udo Schenk, Stefan Gossler, Christine Mühlenhof, Tomasina Ulbricht, Martin Wehrmann, Mark Bremer, Dorothea Anna Hagena, Julien Haggége und Michael Westphal zu hören. Einem derart hochkarätigem Cast darf man einiges zutrauen und alle Beteiligten können die hohen Erwartungen durchweg erfüllen. 

Dies gilt auch wieder für das Sounddesign, bei dem Jochim-C. Redeker wirklich alle Hände voll zu tun hatte, die Dramatik der Handlung durch geeignete Musik und Effekte zu unterstützen bzw. zu begleiten. Nicht zuletzt seiner ausgezeichneten Arbeit ist es zu verdanken, dass diese Geschichte ein absolutes Highlight innerhalb der Reihe ist. 


Für Fans der Serie ist Raumsonde Epsilon ein definitives Muss, jedoch auch alle anderen Science-Fiction Fans, die auf der Suche nach einer spannenden Space Opera sind, die bei aller Action trotzdem eine überzeugende Geschichte zu erzählen hat, können hier bedenkenlos zugreifen.


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