Rezension: Aerophore 2 - Planetenblues (Hoerspielprojekt)


Fast zwei Jahre sind seit dem Start der Serie Aerophore vergangen, doch nun liegt die Fortsetzung Aerophore 2 – Planetenblues endlich vor. Das Hörspiel mit einer Laufzeit von ca. 50 Minuten wird wie gehabt kostenfrei angeboten und kann von der Website des Hoerspielprojekts heruntergeladen werden.

Nach einer spektakulären Flucht kommt es, wie es kommen muss: Die Aerophore stürzt auf einem unbekannten Planeten ab und muss erst wieder instand gesetzt werden. Doch die Abenteuer der Crew haben gerade erst begonnen... (Klappentext) 

Die Handlung der neuen Episode schließt unmittelbar an das Finale der ersten Folge an, katapultiert den Hörer ohne große Vorrede direkt ins Geschehen und setzt mit der ersten knalligen Actionszene gleich ein Ausrufezeichen in Sachen Spannung und vor allem Klangkulisse. In dieser Hinsicht wurde bereits bei Aerophore 1 nicht gekleckert und die Fortsetzung klotzt gleich weiter. Auch im weiteren Verlauf ist das tolle Sounddesign ein absoluter Pluspunkt dieses Hörspiels. Nach einem solch rasanten Auftakt, wird das Tempo kurzzeitig etwas zurückgenommen, doch schnell nimmt die Handlung wieder an Fahrt auf und kann ihre Geschwindigkeit problemlos über die gesamte Laufzeit halten, ehe es im Finale noch einmal richtig dramatisch wird. Überflüssige Längen sucht man bei dieser Produktion vergeblich. 

In der Auftaktfolge blieben die Charaktere noch einigermaßen blass. Nun unternimmt Autor Roman Ewert den Versuch, seinen Charakteren etwas mehr Tiefe zu verleihen. Im Falle des Maschinisten Johnny Howler gelingt dies ganz gut, ansonsten bleibt manches im Ansatz stecken, oder man übertreibt es. So wurden der Schiffs-KI Alice Züge verliehen, welche sie eher unsympathisch erscheinen lassen. Der Grad zwischen Sarkasmus und Gehässigkeit ist eben sehr schmal und wird hier zum Nachteil der ansonsten interessanten Figur teilweise überschritten. Der neue Charakter Papez, den man mit dieser Folge einführt, ist eine Ergänzung mit Potential. 

 Die Welt, auf der die Aerophore strandet, wird phantasievoll geschildert und ihre Bewohner sind zwar einerseits fremdartig, weisen jedoch genug Verwandtschaft mit Lebensformen auf unserem Planeten auf, um dadurch ausreichend glaubwürdig zu wirken. Ihre Zivilisation ist wirklich faszinierend, erhält einiges an Background und die Motivation für den Weg, den sie beschritten hat, ist absolut nachvollziehbar. Wie sich die Aliens gegenüber der Aerophore-Besatzung im Verlauf des Hörspiels verhalten, sollte man jedoch nicht zu sehr hinterfragen, denn sonst fallen einem gewisse Lücken in der Logik auf. Aber warum sollten sich Außerirdische per se cleverer verhalten als wir Menschen? Dass technischer Fortschritt und vernünftiges bzw. logisches Handeln zwei Paar unterschiedliche Schuhe sind, beweist ein kurzer Blick in die Geschichte unserer eigenen Spezies. 

Mit Roman Ewert, Dirk Hardegen, Sven Matthias, Rieke Werner, Paul Burghardt und Vera Bunk ist nahezu der gesamte Cast der Auftaktfolge wieder mit dabei. Alexander Turrek stand leider nicht mehr zur Verfügung, doch dafür wurde eine gute Lösung gefunden. Ernszt Dubitzky stößt als Papez neu hinzu. Alle Sprecherinnen und Sprecher können absolut gefallen und wirken teilweise noch sicherer in ihren Rollen als zuvor. Die Spielfreude merkt man allen Beteiligten deutlich an. Vervollständigt wird die Besetzung von Aerophore 2 - Planetenblues durch Björn Korthof, Tanja Niehoff, Dagmar Bittner, Thomas Kramer, Robert Frank und Felix Würgler. Auch für die Nebenrollen wurde auf Qualität gesetzt und dies zahlt sich aus. Insgesamt eine sehr homogene Leistung des Casts. 

Für die Musik wurde auf Stücke aus dem Soundtrack zu Aerophore 1 von Manuel Senfft zurückgegriffen, welche mit frei erhältlichen Kompositionen ergänzt wurden. Dennoch wirkt alles wie aus einem Guss, einen stilistischen Bruch gibt es nicht. Der Schnitt bewegt sich auf hohem Niveau und schafft es sehr schön, den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten. Das Cover stammt erneut von Lorenz Hideyoshi Ruwwe und zeigt uns das Raumschiff Aerophore. Eine wirklich schöne Arbeit, die von der Stimmung her gut zu dem Hörspiel passt. 

Wie schon sein Vorgänger, so ist auch Aerophore 2 – Planetenblues ein spannendes SF-Hörspiel im Gewand einer phantasievollen Space Opera. Der Hörer darf sich auf einen ca. 50 Minuten dauernden Trip in die Weiten des Weltalls freuen, der die Wartezeit zwischen den beiden Folgen vergessen lässt. Mein Votum deshalb: Daumen hoch!


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