Rezension: TimeShift 2 - Paperchase (Non-Profit Hörspiel)


Als im August 2010 die Serie TimeShift ihre Premiere erlebte, war sie für zahlreiche Beobachter der freien Hörspielszene schnell eine der angenehmen Überraschungen des Jahres. Mit überschaubaren Mitteln und ganz ohne die Einbeziehung ausgebildeter Sprecherinnen und Sprecher, gelang den Machern eine ansprechende Produktion mit einer fesselnden Geschichte. Entsprechend positiv fiel damals auch meine Rezension aus. Die Erwartungen an die Fortsetzung waren also vergleichsweise hoch. Zu hoch vielleicht, denn TimeShift 2 – Paperchase kann sie nicht in jeder Hinsicht erfüllen.

Was haben ein Zeitreisender wider Willen, ein Revisor der Tempus Fugit Kongregation, eine kleptomanische Hotelangestellte, zwei eloquente Auftragskiller und ein FBI Agent gemeinsam? Sie alle begehren ein Stück verloren geglaubte Revisorentechnik. Shaun und Dulgar müssen auf ihrer Hatz durch den Großstadtdschungel erkennen, dass ihr Auftrag mit mehr Gefahren verbunden ist, als sie zunächst dachten. Im Jahr 2014 forschen JD, Jade und Professor Winter unterdessen nach einem Weg, Shaun in seine Zeit zurück zu holen und müssen einen schweren Rückschlag hinnehmen... (Ankündigungstext)

Die Crew rund um Alexander Linß, Bernhard Schlax, Jens Ewald und Lars Conrad macht im Grunde vieles richtig, denn analog zu Folge 1 setzt man auf zwei parallele Erzählstränge. Die Haupthandlung dreht sich erneut um Shaun McKenzie und seinen zeitreisenden Gefährten Dulgar, die es dieses Mal nach New York verschlägt (in welches Jahr wird hier nicht verraten), während die zweite Erzählebene darüber Auskunft gibt, was Shauns Kollegen am CERN derweil unternehmen, um ihn in die Gegenwart zurückzuholen. Dieses Nebeneinander hat schon bei der Auftaktepisode gut funktioniert und klappt hier eigentlich auch, doch leiden beide Storylines unter dem Problem, dass für ein Hörspiel mit einer Laufzeit von ca. 80 Minuten insgesamt zu wenig passiert.

TimeShift 2 – Paperchase ist als Einstieg in eine mehrteilige Geschichte angelegt. Hier sollen die Grundlagen geschaffen werden, während der Showdown wohl der nächsten oder übernächsten Episode vorbehalten bleibt. Leider haben die Autoren übersehen, dass es auch unterwegs einiger Highlights bedarf, um das Publikum bei der Stange zu halten. In den ersten Minuten des Hörspiels geht es zwar gleich einmal richtig handfest zu Sache, doch dann dauert fast bis zum Ende, ehe die Geschichte wieder Fahrt aufnimmt. Dazwischen bleibt es zwar unterhaltsam, jedoch nicht unbedingt spannend. Dies ist unvorteilhaft für die Produktion, denn erst durch das niedrige Erzähltempo hat man als Zuhörer die Gelegenheit, sich über die Story so seine Gedanken zu machen und es fallen einem Aspekte negativ auf, die man ansonsten vielleicht gar nicht bemerkt hätte. Manches wirkt bei näherer Betrachtung doch etwas arg  konstruiert und die Logik leidet darunter. Gut gelungen ist hingegen, wie man der Figur des Revisors Dulgar in dieser Folge mehr Tiefe verleiht und den Charakter auf diese Weise deutlich interessanter macht. Auch über sein Volk gibt es in dieser Folge erheblich mehr Informationen. Erneut ist reichlich Humor in die Geschichte eingewoben worden und viele Gags zünden, was für eine Auflockerung des etwas zähen Verlaufs der Handlung sorgt.

Die Sprecherinnen und Sprecher geben sich alle erneut sehr viel Mühe, wenngleich die Leistungen im Resultat etwas unterschiedlich ausfallen. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass hier keine ausgebildeten Kräfte am Werk sind, sondern der Spaß der Beteiligten im Mittelpunkt des Engagements steht. Unter diesem Gesichtspunkt sollte man sich über die deutlich hörbaren Dialekte mancher Akteure nicht wundern oder gar ärgern, sondern im Gegenteil erfreut sein, dass diese Leute ihre Freizeit in die Produktion eines Hörspiels investiert haben. Die Klangqualität der Sprechaufnahmen konnte im Vergleich zur Auftaktfolge übrigens gesteigert werden.

Der Schnitt ist ordentlich ausgeführt und der Soundtrack passt gut zur Handlung. Die Soundeffekte, von denen eine Reihe selbst erstellt wurden, werden sehr schön eingesetzt. Auch hier kann die Fortsetzung gegenüber dem Erstling eindeutig punkten.

TimeShift 2 – Paperchase ist leider etwas zu langatmig ausgefallen. Es besteht aber durchaus die Chance, dass die Geschichte mit Teil 3 doch noch die Kurve kriegt und unterm Stich als Gesamtwerk überzeugen kann. Darum will ich den Stab nicht vorschnell über dieser Produktion brechen, sondern darauf hoffen, dass die Story beim nächsten mal ordentlich an Tempo zulegen und die Hörer auf diese Weise wieder versöhnen kann. Das Potential dafür ist auf jeden Fall vorhanden.


TimeShift 2 - Paperchase erschien am 26. März 2011. Die Episode kann von der Website der Serie kostenlos heruntergeladen werden.



Kommentare:

  1. Nette Idee aber der Cast ist grauselig

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  2. Der Cast ist wirklich die Schwachstelle dieses Hörspiels. Die Macher haben dafür auch viel Kritik einstecken müssen.

    Wie ich inzwischen erfahren habe, wird man sich für Teil 4 mit Sprecherinnen und Sprechern aus der freien Hörspielszene verstärken. Dies dürfte dem Hörspiel zugute kommen.

    Für Teil 3 sind die Aufnahmen allerdings bereits abgeschlossen.

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