Rezension: Parapol 1: Die Tränen der Madonna (hoerspielprojekt)


In Hörspielkreisen haben Ermittler, die paranormalen Phänomen nachspüren, eine lange Tradition. Genannt seinen nur Geisterjäger John Sinclair oder Larry Brent. Beim hoerspielprojekt übernimmt die Aufklärung solcher scheinbar unerklärlicher Vorkommnisse die Parapol. Die erste Folge dieses Non-Profit-Hörspiels mit dem Titel Parapol 1: Die Tränen der Madonna steht seit gestern auf der Website vom hoerspielprojekt zum kostenlosen Download bereit. Die Geschichte hat eine Laufzeit von ca. 59 Minuten.

Offiziell hatten sie gar keinen Auftrag. Sie hörten nur davon, dass die Madonnenstatue in der Kirche Santa Constanza blutige Tränen weinen würde. Als die Männer der Parapol, Italien – Marco Mantini und sein neuer Kollege Paolo Taglieri – den heiligen Ort betreten, glauben sie nur an einen Marketingtrick. Doch die Tränen der Madonna sind sehr real…genau wie der Tod.
(Klappentext)

Im Unterschied zu anderen Serien, die sich auf eine Hauptfigur bzw. ein festes Team fokussieren, kommen bei Parapol mit jeder Episode unterschiedliche Ermittler zum Einsatz - immer aus jenen Staaten der EU, in denen ein neuer Fall aufzuklären ist. Dieses Mal sind es die italienischen Polizisten Maro Mantini, Paolo Taglieri und Francesco Di Medico, die zu einer Kirche gerufen werden, wo sich ein gruseliges Schauspiel vollzieht. Und genau wie der anwesende Priester stehen auch sie vor dem Rätsel, warum die Madonnenfigur ihre blutigen Tränen vergießt. Die Auswirkungen dieses Ereignisses bekommen sie jedoch recht schnell zu spüren, was die Aufklärung nicht gerade vereinfacht.

Darüber hinaus bildet vorherrschende Rivalität zwischen den beiden männlichen Protagonisten eine zweite Erzählebene, welche die erste Folge von Parapol zusätzlich interessant macht, weil so Einblicke in das Gefühlsleben der Figuren möglich werden. Dieser werden dadurch lebendig und greifbar. Dass dabei gerade Marco Mantini über weite Strecken als nicht gerade angenehmer Zeitgenosse in Erscheinung tritt, macht insofern Spaß, weil zur Abwechslung nicht mit durchweg sympathischen Figuren operiert wird. Mantinis Beweggründe sind aber durchaus nachvollziehbar und seine Wandlung daher glaubwürdig. Die Geschichte selbst ist gradlinig erzählt und verzichtet dabei auf eine verschachtelte Erzählstruktur, die in diesem Fall die Handlung nur unnötig verlangsamen würde. Dafür passiert in den etwas weniger als sechzig Minunten einfach zu viel. Die Akteure sind ständig in Bewegung und müssen immer wieder auf sich verändernde Umstände reagieren. Der Hörer folgt ihnen dabei gespannt. Auch an handfester und gut choreographierter Action herrscht bei Parapol kein Mangel. Natürlich kann die Serie ihre Vorbilder nicht verleugnen. Ein bisschen Akte X hier und Larry Brent da schaden aber nicht, sondern zeigen im Gegenteil, dass Autor Erik Albrodt die Klassiker des Genres kennt und weiß, was der Hörer von so einer Serie erwartet. Positiv ist die auch die Tatsache zu bewerten, dass man als Ort der Handlung Italien gewählt hat und sich damit angenehm abhebt. Auch die alte Welt kennt genug interessante Plätze, da müssen es nicht immer die USA sein. Vom Skript her kann Parapol 1: Die Tränen der Madonna überzeugen.

Was den Cast angeht, so stellen Felix Würgler, David Riedel  und Jennifer Tuttlies ihr Können erneut unter Beweis und erwecken die Protagonisten eindrucksvoll zum Leben. Hier stimmt wirklich jeder Satz. Doch auch die anderen Sprecherinnen und Sprecher brauchen sich nicht zu verstecken, ganz gleich, wie groß oder klein ihre Parts ausfallen. Mit Markus Raab, Sascha Kiss, Joachim Klotz, André Heister, Roman Ewert, Michael Gerdes, Heiko Simon, Anke Bullemer, Anne Kahnwald, Yvonne Harimech und Matthias Heise sind ausnahmslos erfahrene Sprecher vom hörspielprojekt am Start. Abgerundet wird das Ensemble durch Walther Schönzart als Erzähler. Bis in die kleinsten Rollen wurde hier mit Sorgfalt besetzt. Die sparsam eingesetzte Musik verfehlt ihre Wirkung über die ganze Spielzeit hindurch nicht. Oftmals hält sie sich im Hintergrund, ist aber immer zur Stelle, wenn es gilt, Dramatik oder Emotionen geeignet zu unterstützen. Auch die Soundeffekte wurden gut gewählt und schaffen einen Erlebnisraum für den Hörer, der diesen erst nach dem Abspann wieder entlässt. Vom technischen Standpunkt her macht Parapol ebenfalls einen guten Eindruck, denn Schnitt und Regie, ebenfalls von Erik Albrodt, bieten keinen Anlass zur Klage. Für das Cover konnte Wolfram Damerius gewonnen werden, dessen Illustrationen schon mehrfach Cover von Produktionen vom hoerspielprojekt zierten. Erneut liefert er stimmungvolles Artwork ab, dass das Regal jener, die sich das Hörspiel auf CD brennen und archivieren, schmücken wird.

Und was ist mit Kritik? Nun, den großen Innovationspreis gewinnt man mit einer Serie, in der es um die Aufklärung paranormaler Phänomene geht, sicherlich nicht. Dafür wurde in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten zu viel zu diesem Thema produziert. Auch die Auflösung des eigentlichen Mysteriums könnte manchen Hörer zum Teil unbefriedigt lassen. Vielleicht greift man diese Storyline zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal auf. Ob das Konzept, mit jeder Folge neue Ermittler zu präsentieren, auf Dauer wirklich funktioniert, muss man erst noch sehen. Etwas schade ist es schon, dass man die Charaktere, an die man sich gerade erst gewöhnt hatte, in der nächsten Folge nicht mehr hören wird, denn dann geht es nach Griechenland. Ebenfalls ein interessanter Handlungsort, denn das Land ist bekanntlich reich an Historie und Mythologie. Einen Trailer zur zweiten Episode findet sich übrigens am Ende der ersten Folge.

Parapol 1: Die Tränen der Madonna ist ein Hörspiel, das über die gesamte Laufzeit Spaß macht und spannend zu unterhalten weiß. Wer Serien wie Larry Brent oder John Sinclair mag, der sollte der neuen Serie absolut eine Chance geben.



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