Zwischenruf: Wenn Programmplaner ihr Handwerk nicht verstehen

Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig Programmplaner von den Mechanismen des Mediums verstehen, für das sie tagtäglich arbeiten. Man sollte annehmen, dass es sich bei ihnen um zumindest ordentlich bezahlte Fachkräfte handelt, die über so viel Erfahrung verfügen, dass absehbare Ereignisse sie nicht zu übereilten Handlungen veranlassen. Dass dies nicht der Fall ist, zeigt die Posse um das diesjährige Herbstprogramm von ProSieben für seinen Mystery-Montag.

Eigentlich hatten die Verantwortlichen bei ProSieben eine gute Idee: Um im Herbst, wenn die Tage kürzer werden und es die Menschen verstärkt vor den Fernseher zieht, bei Publikum ordentlich zu punkten, wollte man mit neuen Folgen von Fringe und Supernatural, zusammen mit der erst kürzlich in den USA gestarteten Serie Human Target in die Offensive gehen. Die Sommermonate über sollten Wiederholungen der beiden erstgenannten Serien und die dritte Staffel von Eureka als Free-TV Premiere die Leute bei der Stange halten. Soweit der Plan.

Leider machte das Publikum dem Sender einen Strich durch die Rechnung und zeigte dem Sommer-Line-Up, auch sicher bedingt durch die Fußball-WM, die kalte Schulter. In dem Bemühen um Schadensbegrenzung, zog man kurzfristig die Ausstrahlung der letzten Hälfte der zweiten Staffel von Fringe vor. Kurz darauf holte man auch Supernatural vorzeitig aus der Sommerpause zurück. Die Fans mag es gefreut haben, doch für die Planer ergab sich daraus ein neues Problem: Wie wollte man die Lücke, die durch das Vorziehen von Fringe nun gegen Jahresende entstehen würde, eigentlich schließen?

Die Antwort schien schnell gefunden, als die Quoten der ersten Folge von Human Target am Dienstag vergangener Woche vorlagen: Die Serie kam beim Publikum hervorragend an und erreichte beim Gesamtpublikum einen Marktanteil von 9,1 Prozent. In der Zielgruppe waren es sogar hervorragende 15,3 Prozent (vgl. Quotenbericht vom 28. September). Darum entstand schnell der Plan, Human Target nach dem Ende der ersten Staffel von Fringe in Doppelfolgen zu zeigen. Als dann am letzten Dienstag die Quoten der zweiten Folge veröffentlicht wurden, war die Katerstimmung groß, denn die Serie erreichte nur noch einen Marktanteil von insgesamt 6,5 Prozent, in der Zielgruppe waren es 11,5 Prozent. Wieder disponierten die Planer um und kamen erneut auf eine tolle Idee: Statt zwei Folgen wird es auch weiterhin pro Woche nur eine neue Episode von Human Target geben. Auf dem Sendeplatz um 20:15 Uhr wird es auch weiterhin Fringe zu sehen geben, jedoch versucht man es erneut mit Wiederholungen alter Folgen. Genau die Taktik, die im Sommer nicht funktionierte, soll es also nun richten (vgl. Bericht bei Quotenmeter vom 7. Oktober).

Was dies alles mit dem mangelndem Verständnis der Planer für die Mechanismen des Mediums Fernsehen zu tun hat? Serienstarts werden gemeinhin stark beworben und viele Zuschauer schalten testweise ein, um zu sehen was der Neustart so zu bieten hat. Einer Reihe von Menschen gefällt jedoch nicht, was sie sehen und so ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass die zweite Folge geringere Quoten hat als der Serienauftakt. Zugegeben, die Abschläge bei Human Target waren größer als gewöhnlich, doch wenn Fringe, eine Serie, die sich über ein Jahr lang eine Fangemeinde aufbauen konnte, innerhalb von sieben Tagen 420 Tausend Zuschauer verliert, relativieren sich dadurch zum großen Teil die 870 Tausend Menschen, die Human Target nicht mehr einschalteten. Unterm Strich sahen nämlich nur zehntausend Zuschauer weniger die zweite Folge von Human Target als die neue Episode von Fringe. Da soll es besser sein, dem Publikum Wiederholungen anzubieten, als mit frischen Folgen einer anderen erfolgreichen Serie an den Start zu gehen?

Vielleicht wäre es besser gewesen, noch eine oder zwei Wochen zu warten. Nächsten Montag könnten die Quoten nämlich wieder deutlich nach oben gehen. Wie will man die Entscheidung, die man jetzt getroffen hat, dann noch rechtfertigen? So müssen die Programmplaner quasi hoffen, dass Human Target weitere Zuschauer verliert, damit man sich nicht der Kritik aussetzt, übereilt den Stab über der Serie gebrochen zu haben. Paradox, oder?


In "Zwischenruf" greife ich aktuelle Ereignisse oder Entwicklungen auf und bewerte sie bewusst subjektiv. Wie gefällt euch diese Art der Berichterstattung? Kommentare sind sehr willkommen.

1 Kommentar:

  1. Die werbeverseuchten Privaten zu gucken macht eh keinen Spass mehr, und als Schichtarbeiter isses sehr oft essig überhaupt irgendwas gucken zu können. Da greif Ich lieber zu DVDs die Ich dann gucken kann wenn Ich ZEIT hab.

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