Rezension: Rick Future Extra 1: Zweitkontakt


Vor einiger Zeit wurde neben der Hauptserie Rick Future die Nebenlinie Rick Future Extra ins Leben gerufen mit dem Ziel, dort Geschichten zu erzählen, welche das Universum rund um den Titelhelden vertiefen. Außerdem soll die Linie eine Plattform für das Austesten anderer Erzählstile darstellen und anderen Autoren die Möglichkeit eröffnen, eigene Geschichten zu Rick Future beizutragen. Gestern erschien nun Rick Future Extra 1: Zweitkontakt. Wie alle Produktionen der Serie kann auch diese kostenlos auf der offiziellen Website von Rick Future heruntergeladen werden.

Vor achttausend Jahren besuchten Wesen aus einem anderen Universum unsere Galaxis. Nun steht ihre Rückkehr kurz bevor. Rick und seine Crew erhalten den Auftrag, die Besucher zu erwarten und Kontakt zu ihnen herzustellen. Sie machen sich augenblicklich auf den Weg in den Golgotha-Sektor, wo der Zweitkontakt stattfinden soll. Doch Rick und seine Freunde sind nicht die einzigen mit diesem Ziel. 
Auch die Transgalaktische Kirche weiß um die Rückkehr der Besucher – und sie hütet eine düstere Prophezeiung: Das Eintreffen der Wesen wird ein dunkles Zeitalter einläuten und das Universum ins Verderben stürzen. Admiral-Bischof John Quintus, Anführer der kirchlichen Streitmacht der Lichtbringer, wird ausgesandt, die Besucher um jeden Preis zu vernichten – und alle, die sich ihm dabei in den Weg stellen. (Klappentext)

Ganz der Intention der Extra-Linie folgend, stellt Rick Future Exta 1: Zweitkontakt in mehrfacher Hinsicht eine Premiere dar. So wurde erstmals eine Rick Future-Produktion nicht als Hörspiel sondern als inszenierte Lesung realisiert. Außerdem ist es das erste Mal, dass eine Geschichte um den wackeren Weltraumhelden und seine Gefährten nicht aus der Feder von Serienerfinder Sven Matthias stammt.

Geschrieben wurde dieses Abenteuer von Dane Rahlmeyer, der Hörspielfans durch seine Serie Das dunkle Meer der Sterne bekannt sein dürfte. Ihm gelingt es, den bekannten Figuren neue Seiten abzugewinnen und eine Melancholie in die Serie einzubringen , die in deutlichem Gegensatz zu der oftmals Action-betonten Handlung der Reihe steht. Zwar hatte der Weltraumvagabund Rick Future auch schon in der Vergangenheit nachdenkliche Momente, doch Rahlmeyer baut diesen Charakterzug vollends aus, ohne dass der Serienheld seinen Fans dabei fremd wird. Eingebettet ist diese Charakterstudie in eine spannende Geschichte, die einige Zeit vor der ersten Folge der Hauptserie spielt und sich um die Themen Glaube und Erlösung dreht. Mit eindrucksvollen Worten schildert der Autor die Ankunft von Wesen, die Heil oder Verderben bedeuten können. Die Folgen für das Universum wären in jedem Fall weitreichend und Rick und Co. finden sich zwischen den Fronten wieder.

Die Handlung zieht den Hörer von der ersten Minute an in ihren Bann und hält ihren Spannungsbogen über die gesamte Laufzeit von ca. 65 Minuten aufrecht. Gelesen wird die Geschichte von Sven Matthias, der in der Hauptserie den Titelhelden spricht, und Markus Raab, sonst als Erzähler in den Rick Future Hörspielen aktiv. Beide können vollauf überzeugen und zeigen sich dabei sehr wandlungsfähig, denn es gelingt ihnen, spannend zu erzählen und außerdem bei den jeweiligen Charakteren unterschiedliche Akzente zu setzten. Keine leichte Aufgabe, doch beide meistern sie mit Bravour.

Unterstützend für die Atmosphäre wirkt außerdem die Musik des Labels Erdenstern. Zwar ist der Soundtrack sehr dezent, doch nicht nur Experten werden bemerken, wie abwechslungsreich und stimmig dieser ausgefallen ist. Wer übrigens ganz genau hinhört, dem wird auffallen, dass das Intro leicht überarbeitet wurde. Wo wir gerade beim Thema sind: Was ist eigentlich mit dem Outro passiert? Als bekennender Fan von gelesenden Credits hätte ich es schön gefunden, wenn es einen Abspann gegeben hätte, anstatt die Lesung einfach ausklingen zu lassen.

Wolfram Damerius hat wieder das Cover für die Produktion erstellt und damit wohl seine bislang beste Arbeit für Rick Future vorgelegt. Die Zeichnungen wirken noch dynamischer als bisher und passen hervorragend zum Stil der Serie.

Das Bonusmaterial, das man sich mit der Episode herunterläd, ist dieses Mal sehr opulent ausgefallen. So gibt es nicht nur die Druckvorlagen für all jene, die sich die Folge auf CD brennen und daher ein Cover für die Hülle brauchen, sondern auch den Comic zur Serie, der anlässlich der Messe Hörspiel 2010 in Hamburg kostenlos verteilt wurde. Darüber hinaus liegt die gesamte Geschichte von Dane Rahlmeyer zum Nachlesen als PDF-Datei bei. Wem das Cover von Wolfram Damerius gefällt, der kann es sich als Wallpaper in zwei Formaten auf den Desktop holen. Eine Charakter-Sammelkarte rundet das großzügige Paket ab.

Es wäre toll, wenn Dane Rahlmeyer die Zeit finden würde, ein weiteres Mal für Rick Future aktiv zu werden, denn sein Stil ist eine echte Bereicherung für die ohnehin schon gut geschriebene Serie. Vielleicht macht sein Engagement Rick Future auch interessant für andere Autoren. Eine passende Spielwiese stände auf jeden Fall für die bereit.  

Rick Future Extra 1: Zweitkontakt ist ein Geschenk an die vielen Fans der Serie und der gelungene Versuch, einen anderen Weg der Erzählweise zu beschreiten. Die Entscheidung für eine Nebenlinie war goldrichtig.


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