Rezension: TimeShift - Folge 1 (kostenloses Hörspiel)


Die Großforschungseinrichtung CERN scheint die Fantasie von Autoren zu beflügeln. Nachdem es schon in Lost Souls, dem ersten Hörspiel zur Fernsehserie Torchwood im Mittelpunkt stand, ist es nun Ausgangsbasis für die Science-Fiction-Hörspielserie TimeShift nach einer Idee von Lars Conrad, Bernhard Schlax und Jens Ewald. Die erste Folge mit dem Titel Same Day - Different Shit ist Anfang August erschienen.

Shaun arbeitet am CERN Institut als Systemintegrator und  wird durch ein missglücktes Experiment durch Raum und Zeit geschleudert. Wenn Gegenwart und Vergangenheit aufeinander treffen kann das nur eins zur Folge haben: Chaos. Und genau das ruft die Revisoren der Zeit auf den Plan, die gegenüber Änderungen an der Zeitlinie nicht gerade liberal eingestellt sind. (Klappentext)

Die Hörspielszene ist heute bunter denn je. Zu den etablierten Labels haben sich zahlreiche neue gesellt und auch Non-Profit-Produktionen habenmittlerweile einen Level an Professionalität erreicht, der sie absolut hörenswert macht. Eine solches kostenloses Hörspiel ist auch TimeShift, ein durchaus ambitioniertes Projekt mit einer Laufzeit von rund  79 Minuten, dass man auf der offiziellen Seite der Serie herunterladen kann.

Wie der Name des Hörspiels bereits vermuten lässt, bedient die Story die SF-Themenkreise der Zeitreise und der Alternativwelten und kreist dabei um die Frage, welchen Einfluss ein Eingriff in die Vergangenheit für den weiteren Verlauf der Geschichte hat. Gerade in der Literatur sind diese What If-Szenarien sehr beliebt - genannt sei hier der Roman Vaterland von Robert Harris, in der das Dritte Reich den zweiten Weltkrieg nicht verloren hat und Hitler auch noch Jahrzehnte später Deutschland regiert. In TimeShift verschlägt es den Protagonisten allerdings an den Schauplatz eines früher gelegenen einschneidenden Ereignisses der jüngeren Geschichte. Die Folgen, so wird im Verlauf der Handlung klar, die es hätte, an diesem Punkt in den Lauf der Geschichte einzugreifen, wären jedoch nicht weniger dramatisch. Das Dilemma, in dem sich die Hauptfigur befindet, als sie dies realisiert, wird glaubwürdig dargestellt und auch die Auflösung ist nachvollziehbar, wenngleich für Shaun recht bitter. Auf einer anderen Erzählebene kann der Hörer verfolgen, wie die Wissenschaftler im CERN versuchen zu begreifen, was bei ihrem Experiment schief gegangen ist und Anstrengungen unternehmen, ihren Kollegen in ihre Zeit zurückzuholen. Auch dieser Erzählstrang macht Spaß, weil die Figuren interessant gezeichnet sind und die unterschiedlichen Charakterzüge gut herausgearbeitet wurden. Eine insgesamt sehr ansprechende Geschichte, die mir gut gefallen hat.

Die Sprecherriege, bestehend aus Lars Conrad, Alexander und Katja Linß, Jens Ewald ,Oliver Eis, Bernhard Schlax, Sebastian Breit, Andreas Pohl und Günter Jakoby agiert engagiert, auch wenn einige Stimmen für die Rollen, die sich verkörpern sollen, etwas zu jung klingen. Doch nehmen alle Beteiligten ihre Aufgaben ernst und liefern unterm Strich eine gute Leistung ab, ohne dass ich jemand besonders herausheben möchte.

Von der technischen Seite her, macht TimeShift ebenfalls einen guten Eindruck. Der Schnitt und die gesamte Abmischung sind sauber ausgeführt, die räumliche Verteilung der Stimmen klingt gut und ausgewogen. Die Soundeffekte sind gut gewählt und stimmig zur Handlung. Etwas Luft nach oben bleibt allerdings im Hinblick auf die atmosphärischen Geräusche. Hier könnte nachgelegt werden und das Kopfkino noch intensiver zu machen. Die Musik spielt sich nicht in den Vordergrund, was ich sehr schätze, bleibt dem Hörer dadurch allerdings auch nicht nachhaltig im Gedächtnis. 

TimeShift ist ein interessanter Beitrag zum Thema Zeitreise bzw. Alternativwelt und ist es absolut wert, dass man etwas Zeit erübrigt, dem Hörspiel in Ruhe zu lauschen. Ich freue mich schon auf die nächste Folge.



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