Rezension: "Im Dunkel der Zeit" (hoerspielprojekt)


Zeitreisegeschichten haben für das Publikum immer einen besonderen Reiz, handeln sie doch von dem scheinbar unerfüllbaren Wunsch, Ereignisse dadurch ungeschehen zu machen, indem  man verhindert, dass sie überhaupt erst passieren. Die Literatur, der Film oder auch das Fernsehen haben sich diesem Thema schon häufig angenommen und ihm stets neue Facetten abgewinnen können. Nun präsentieren Autor Sascha Kiss und hoerspielprojekt eine eigene Version mit dem Hörspiel Im Dunkel der Zeit. Die Produktion hat eine Laufzeit von ca. 60 Minuten und kann auf der Website von hoerspielprojekt kostenlos heruntergeladen werden.

12. Juli 2009: Philip Greis hat vor kurzem seine Frau bei einem Autounfall verloren und verkriecht sich für einige Tage allein in ein abgeschiedenes Haus in der Eifel. 7. August 2009: Katie Sauer hat sich von ihrem Freund getrennt und verbringt nun ebenfalls ein paar Tage in der Eifel. Beide werden Zeuge eines Phänomens, das sie zusammen in einer Zeitblase verschlingt, und erkranken an einem Syndrom, das sie extrem schnell altern lässt. Das Schicksal scheint für beide besiegelt. Gibt es noch einen Ausweg aus dieser Situation? Kann zumindest einer von beiden gerettet werden, oder gar beide?

Sascha Kiss hat Im Dunkel der Zeit als einen Mix aus Science-Fiction und Mystery angelegt, der über weite Strecken gut funktioniert und seine Hörer über die gesamte Laufzeit zu unterhalten weiß. Die Grundlage bildet dabei ein Skript, das den Hörer bei der Hand nimmt und diesen zielsicher durch die Geschichte leitet. Man merkt deutlich, dass der Autor die Vorbilder kennt und weiß, wie er die gängigen Klischees zum Teil clever für sich nutzen kann und welche er vermeiden muss, damit er den Hörer nicht enttäuscht. In dieser Hinsicht ist Im Dunkel der Zeit ein gutes Beispiel, wie man eine solche Produktion angehen sollte. Dass sich die Handlung auf wenige Figuren stützt, kann man durchaus positiv bewerten, wie auch die Tatsache, dass auf einen Erzähler vollständig verzichtet wird. Dies stellt immer eine Herausforderung für das Skript dar, denn alle notwendigen Informationen müssen so über die Dialoge vermittelt werden. Das Skript wird diesem Anspruch aber überzeugend gerecht.

Bei der Sprecherauswahl ging man kein Risiko ein, sondern griff für die Hauptfiguren auf die bewährten Stimmen von Detlef Tams und Sandra Sanchez zurück, die beide eine wirklich starke Leistung abliefern. Sie verkörpern ihre Figuren absolut überzeugend und sorgen somit dafür, dass sich der Hörer mit den Protagonisten identifizieren kann. Außerdem sind mit Markus Haacke, Tobias Lehmann, Stefanie Puke, Paul Conrad, Thomas Kramer, Marianne Häberli, Sabine Graf und Robert Kerick weitere gute Sprecherinnen und Sprecher mit von der Partie. Bei seiner Auswahl hatte Sascha Kiss eine gute Hand.

Dies gilt ebenfalls für die Hintergrundgeräusche und andere Soundeffekte, die für die Produktion verwendet wurden. Sie werden stets passend eingesetzt und erzeugen dadurch die richtige Atmosphäre bzw. den Klangraum für das Hörspiel. Das häufig zitierte Kopfkino stellt sich auch bei Im Dunkel der Zeit ein. Auf einen Komponisten für den Soundtrack wurde dieses Mal verzichtet. Statt dessen kommen unter Verwendung der CC-Lizenz eine Reihe von Musikstücken zum Einsatz, die sich zumeist gut in die Handlung einfügen. An mancher Stelle hätte man mit einem speziell für das Hörspiel komponierten Soundtrack jedoch mehr herausholen können. Was den Schnitt angeht, so gibt es aus meiner Sicht nichts auszusetzen.

Dass Im Dunkel der Zeit ein gutes Hörspiel ist, aber leider kein sehr gutes, liegt an einigen Schwächen, die das überwiegend gute Skript bei näherer Betrachtung leider doch auch offenbart. So erfahren wir kaum etwas über den Background der Hauptfigur Philip Greis, weshalb es nicht unbedingt schlüssig ist, wie er in so kurzer Zeit zu einer solch treffenden wissenschaftlichen Erklärung für die Ereignisse kommt. SF-Fan zu sein, reicht da sicher nicht aus. Es wäre hilfreich gewesen, wenn man etabliert hätte, dass Greis über eine naturwissenschaftliche Ausbildung verfügt. Katie Sauer wird im Gegensatz dazu deutlich intensiver vorgestellt, was die Figur greifbarer macht. Der männliche Protagonist hätte die gleiche Aufmerksamkeit verdient. Deutlich schwerer als die mangelnde Charakterisierung einer der Hauptpersonen wiegt jedoch die Tatsache, dass es im Verlauf des Hörspiels immer mehr zu Lücken in der Logik der Handlung kommt. Das Skript verweigert sich dem eigentlich recht einfachen Weg, wie Philip Katie daran hindern kann, von der Zeitblase verschlungen zu werden und präsentiert eine Auflösung der Geschichte, die unnötig kompliziert ist und dabei auch noch logische Hänger hat. Außerdem werden die Dialoge zum Schluss mit technischen Details überfrachtet, die an Techno-Babble á la Star Trek erinnern und für die Handlung nicht relevant sind. Dies ist deshalb schade, weil Sascha Kiss die Story ansonsten gut im Griff hat. Hätte er sich für eine andere Auflösung der Geschichte entschieden, wäre Im Dunkel der Zeit eine rundere Sache und damit ein besseres Hörspiel geworden.

Bei aller Kritik ist Im Dunkel der Zeit ein kurzweiliges und daher sehr unterhaltsames Hörspiel, dass ich Fans der Science-Fiction empfehlen kann.


Link: Download des Hörspiels bei hoerspielprojekt.de 

Kommentare:

  1. Hey, danke für den Tipp, ich werde mir das Hörspiel mal laden.
    Das letzt, über das du berichtet hattest, war auch schon recht witzig.

    PS: Ich habe deinen Beitrag jetzt nicht ganz gelesen wegen den Spoilern, ab das wird dann nachgeholt ;)

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  2. Habe mir das Stück bereits angehört und kann deine Rezension nur bestätigen. Hat mich gut unterhalten und ich kann´s weiterempfehlen.

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  3. Schön, dass wir der gleichen Meinung sind. Ich weise immer gern auf diese Produktionen hin, da Non-Profit-Hörspiele eine tolle Ergänzung zu den kommerziellen Erzeugnissen sind.
    Leider werden sie von vielen Fans gar nicht richtig wahrgenommen oder für qualitativ nicht hochwertig angesehen. Doch dies stimmt absolut nicht.

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  4. @WatchmanCL: Um so schöner ist es das du in deinen regelmäßigen Rezensionen den Non-Profit-Hörspielen ein Forum gibst. Dafür ein großes Dankeschön!

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  5. @Wolfram:

    Gern geschehen! Deine Cover zu "Rick Future" begeistern mich immer wieder. Weiterhin viel Erfolg!

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  6. Finde, dass es ein sehr gut gelungenes Hörspiel ist, und dazu noch kostenlos;) Und die Covers sind auch wunderhübsch

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  7. find das Hörspiel auch total unterhaltsam ;) wollte noch ergänzen, dass ich es auch noch auf http://www.hit-tuner.net/de/hoerbuch/mp3/10000460.html gefunden habe: scheint jedenfalls auch bei anderen sehr gut anzukommen ...

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