Rezension: Heterotrophe (hoerspielprojekt)


Bereits in der Vergangenheit gehörten Hörspiele aus dem Genre Horror zum Repertoire vom hoerspielprojekt. Mit Heterotrophe greift man diese Tradition auf und streut noch eine Spur Mystery mit ein. Herausgekommen ist eine spannende und gruselige Geschichte mit einer Laufzeit von ca. 65 Minuten. Das Hörspiel steht auf der Website von hoerspielprojekt zum kostenlosen Download bereit.

Die junge Medizinstudentin Sofia Galow stößt bei der Autopsie eines verstorbenen Obdachlosen auf unerklärbare Abnormitäten. Gegen den Willen ihres Vorgesetzten stellt sie weitere Nachforschungen an, bei denen es erneut zu verstörenden Vorfällen kommt. Stück für Stück nähert sie sich der Wahrheit hinter dem mysteriösen Todesfall, doch des Rätsels Lösung ist schrecklicher, als es sich Sophia jemals ausmalen konnte. Sie muss realisieren, dass weit mehr als ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht.

Mit Heterotrophe legen Autor Falko Diekmann und hoerspielprojekt eine Produktion vor, die gleich auf mehreren Ebenen überzeugen kann. Da wäre zunächst die Geschichte. Mit Sicherheit wird hier das Genre nicht revolutioniert, doch der Autor weiß, wie man eine solche Erzählung aufzuziehen hat. Ein kleiner Ort im Irgendwo, bevölkert von Durchschnittsmenschen, die alle ihre Marotten und ihre mehr oder weniger sympathischen Wesenszüge haben. Nichts deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass der blanke Horror hier bald Einzug halten wird. Das Grauen baut sich im Verlauf der Handlung subtil auf, bis es im Finale umso heftiger zuschlägt.

Falko Diekmann hat die Vorbilder für seine Geschichte gut studiert und dies zahlt sich aus. Gleichzeitig verlässt er sich nicht ausschließlich auf die Haupthandlung, sondern lässt alle Protagonisten in deren Verlauf eine charakterliche Entwicklung durchmachen. Erscheint die Studentin Sofia zunächst zurückhaltend und schutzbedürftig, so ist sie es, die dem Geheimnis auf die Spur kommt und zur treibenden Kraft wird. Dagegen zeigen ihr Begleiter Heiko, ein großmäuliger Sprücheklopfer und der zu Beginn sehr souveräne Dr. Werner Thomsen, Sofias Vorgesetzter, im Finale ihre wahren Gesichter. Die Figuren bleiben dabei über den ganzen Verlauf der Handlung nachvollziehbar. Gekrönt wird die Geschichte mit einem Schluss, der gut zu ihr passt und manchen Hörer nicht unbeeindruckt zurücklassen wird.

Ein weiterer Grund, warum die Geschichte ihre volle Kraft entfalten kann, liegt in der tollen Sprecherriege der Produktion. In den Hauptrollen liefern Marie Christin Natusch, Wolfram Damerius, Björn Korthof und Markus Raab eine reife Leistung ab und sprechen ihre Charaktere in allen Situationen souverän. Auch die anderen Sprecherinnen und Sprecher machen einen guten Job und abgerundet wird das Ensemble durch Detlef Tams als Erzähler, der jedoch nur recht sparsam eingesetzt wird. Bei seiner Auswahl der Stimmenhatte Falko Diekmann wirklich eine glückliche Hand.

Was Heterotrophe weiterhin auszeichnet, sind die Soundeffekte und die Musik. Letzte hält sich dezent im Hintergrund, unterstützt die Handlung dennoch optimal. Gerade in emotionalen Momenten ist sie passend zur Stelle. Komponist Sascha Kubert trifft hier immer den richtigen Ton. Sehr viel Mühe wurde zusätzlich in die Effekte investiert und dies zahlt sich auf ganzer Linie aus. Es sind viele kleine Geräusche, welche die Handlung derart plastisch machen, als stände man als Hörer mit den Charakteren der Geschichte im gleichen Raum. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich zuvor in einem Hörspiel das Geräusch vernommen habe, welches ein Handy von sich gibt, dass auf Vibrationsalarm eingestellt wurde. Einfach klasse.

Die drei genannten Bereiche Handlung, Sprecherleistung und Sounds/Musik sind es, die aus Heterotrophe ein wirklich gelungenes Hörspiel machen. Es gibt allerdings Dinge, die mir nicht gut gefallen haben. So ist mir gegen Ende der Geschichte das Sprachniveau zu niedrig. Zwar ist es mittlerweile akzeptiert, dass man in Hörspielen derbe fluchen darf, doch in den letzten zwanzig Minuten der Handlung reden die Figuren zu viel in Schimpfworten und anderen "farbigen Metaphern". Hier wird u.a. das bekannte S-Wort eindeutig überstrapaziert. Wenn dies der Versuch sein sollte zu zeigen, unter welcher Anspannung die Personen stehen, sollte man nach anderen Wegen suchen, dies zum Ausdruck zu bringen. Ein weiterer Punkt ist der Song "Code of Live", der am Ende von Heterotrophe erklingt. Dieser wurde von Sascha Kubath extra für das Hörspiel geschrieben und vom Komponisten zusammen mit Marie Christin Natusch gesungen. Ihre Stärke liegt aber eindeutig auf der Sprechseite. Überzeugen kann sie als Sängerin daher leider nicht. Ein reines Instrumentalstück hätte hier wahrscheinlich besser gepasst.

Zwei weitere Anmerkungen betreffen technische Aspekte. Ich war erstaunt, dass Heterotrophe lediglich als Single-Track veröffentlicht wurde. Bei einer Laufzeit von über sechzig Minuten sollte eine Multi-Track-Version die Regel sein, weil dies das Hören in Etappen stark erleichtert. War man in Bezug auf die Anzahl der Tracks zu zurückhaltend, hat man es bei der Auflösung des Hörspiels mit 320 Kbit/s zu gut gemeint. Immerhin führt dies zu einem recht großen Download von über 150 MB (inkl. Cover und Booklet). Wer über einen Breitband-Anschluss verfügt, den wird dies jedoch wenig interessieren.

Heterotrophe ist eine Geschichte, die selbst beim wiederholten Hören großen Spaß macht. Wer ohnehin Anhänger des Genres ist, der sollte sich das Hörspiel auf jeden Fall zu Gemüte führen. Aber auch jene Hörspielfans, die gerne über den Tellerrand schauen, werden eine herrlich gruselige Stunde verleben.



Kommentare:

  1. Treffend rezensiert. Hat mir sehr gut gefallen. Schaue vielleicht öfter vorbei.

    Beste Grüße,
    Rob vom Kopf & Kino - Filmblog
    www.kopfundkino.blogspot.com

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    1. Danke für Dein Feedback. Einen interessanten Blog hast Du da. Ist auf jeden Fall mal einen Besuch wert.

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