Review: Iron Man 2 (Paramount/Marvel Studios)

Im Jahre 2008 machten Regisseur Jon Fravreau und Marvel Studios einem breiten Publikum mit Iron Man einen Superhelden bekannt, dessen Name zuvor nur eingefleischten Comicfans ein Begriff war. Durch eine spannende Story, gute Schauspieler, überzeugende Special Effekts und eine gehörige Prise Humor mauserte sich der Film zu einem Hit, der weltweit an den Kinokassen an die 600 Millionen Dollar einspielte. Spätestens ab diesem Zeitpunkt waren die Verantwortlichen davon überzeugt, ihre Zauberformel für Comicverfilmungen im Blockbusterformat gefunden zu haben. Da überrascht es nicht, dass man erneut Fravreau den Auftrag erteilte, beim Sequel erneut die Regie zu übernehmen. Dieser stand nun vor der schwierigen Aufgabe, den Erfolg des Erstling zu wiederholen oder am Besten noch zu übertreffen. Vorweg kann man sagen, dass ihm dies zu weiten Teilen erneut gelungen ist.

Der Film setzt die Handlung des ersten Teils fort, an dessen Ende Tony Stark der Welt enthüllt hatte, dass er Iron Man sei. In den kommenden Wochen kostet er seine Popularität als Superheld weidlich aus und widersetzt sich erfolgreich allen Versuchen des US-Militärs, die Iron Man-Technologie in deren Besitz zu bringen. Doch ist die Army nicht Starks größtes Problem, denn in diesem Film bekommt er es gleich mit zwei Gegenspielern zu tun, die ihm aus unterschiedlichen Gründen ans Leben wollen. Da ist zum einen der Russe Ivan Vanko, der mit der Familie des Superhelden noch eine offene Rechnung hat und der Industrielle Justin Hammer, der sich vom Erfolg des Konkurrenten Tony Stark gedemütigt fühlt. Gemeinsam machen sie sich ans Werk, um Iron Man endgültig zu vernichten.

Bei der Planung von Iron Man 2 überließen die Marvel Studios nichts dem Zufall. Man holte nicht nur Jon Fravreau als Regisseur zurück, sondern sicherte sich darüber hinaus die Dienste des erfolgreichen Drehbuchautors Justin Theroux. Außerdem nahmen Robert Downey, Jr. als Tony Stark/Iron Man und Gwyneth Paltrow als Pepper Potts ihre Rollen aus dem ersten Film erneut auf. Den Part von Tonys Freund James Rhodes, der zuvor von Terence Howard gespielt wurde, übernahm Don Cheadle. Howard wird es im Nachhinein bedauern, dass er nicht mehr an Bord ist. Dem Charakter wird in der Fortsetzung deutlich mehr Raum gegeben, als es noch im ersten Teil der Fall war. Für die Rolle der Gegenspieler des Helden konnte man Mickey Rourke als Ivan Vanko/Whiplash gewinnen, während die Wahl für Justin Hammer auf Sam Rockwell fiel. Für mehr Frauenpower als im letzten Film sorgt Scarlett Johansson, deren Charakter Black Widow damit ihr Leinwanddebüt gibt. Der ohnehin illustre Cast wird von Samuel L. Jackson abgerundet, der erneut Nick Fury, den Leiter der Geheimorganisation S.H. I.E. L.D. verkörpert. Was den Cast angeht, wurde bei dieser Produktion nicht gekleckert, sondern richtig geklotzt.

Wie im ersten Teil, geht man auch in diesem Film intensiv auf das Seelenleben der Hauptfigur ein. Robert Downey Jr. spielt Tony Stark erneut mit jener unvergleichlichen Coolness, welche die Figur im ersten Teil ausgezeichnet hatte. Doch sieht man den Helden in Iron Man 2 in zahlreichen nachdenklichen Szenen, die überdeutlich machen, dass in der schimmernden Rüstung ein Mensch steckt, der von den Dämonen seiner Vergangenheit gequält wird. Wer deshalb Angst hat, die Action könnte in diesem Film zu kurz kommen, den kann man beruhigen. Davon gibt es in Iron Man 2 erneut mehr als genug. Wie beim Vorgänger sind die entsprechenden Sequenzen toll choreographiert und die Verpflichtung der Effektschmiede ILM ist eine Garantie, dass sich der Film auf einem technisch hervorragenden Niveau bewegt, dass man als perfekt bezeichnen kann. (Auch) der Humor, der von vielen Kinozuschauern beim letzten Mal geschätzt wurde, hat in Iron Man 2 seinen Platz und wurde noch ausgebaut. In der Regel sind die humorigen Einlagen gut platziert, obwohl man sagen muss, dass nicht jeder Witz zündet. Dies bleibt allerdings die Ausnahme.

Ist Iron Man 2 so gut wie sein Vorgänger? Darüber kann man mit Recht geteilter Meinung sein. Wenn ich ehrlich bin, hat mit der Erstling eine Spur besser gefallen, da das Sequel im Vergleich seine Schwächen hat. Das größte Manko des Films sind die Gegner, mit denen es der Superheld zu tun bekommt. Es ist eine alte Weisheit, dass ein Held so großartig ist, wie seine Gegner. Leider kann Sam Rockwell als Justin Hammer nicht überzeugen. Es ist aber auch kompliziert, eine Figur als gefährlichen Schurken zu akzeptieren, wenn sie sich in der ersten Hälfte des Films mehrfach zum Deppen macht oder von Tony Stark zu einem gemacht wird. Man nimmt es Sam Rockwell nicht ab, dass sein Charakter ein intelligenter und skrupelloser Industrieller ist.

Da bringt Mickey Rourke als Whiplash deutlich mehr Potential mit. Allein von seiner Statur ist der Mime wirklich einschüchternd. Leider ist Rourke seine Rolle in einer Art von Method Acting angegangen, was im Kontext einer Comicverfilmung nicht durchgehend funktioniert. Im Vergleich zu diesem Duo war Jeff Bridges als Obadiah Stane im ersten Film erheblich besser. Ohnehin bedingt der erweiterte Cast des Films, dass die einzelnen Schauspieler weniger Raum als zuvor zur Entfaltung haben. So wird die Beziehung zwischen Tony und Pepper zunächst nicht in der Art weiterverfolgt, wie sich dies im ersten Film andeutete, musste man doch Platz für Figuren wie Black Widow und Nick Fury schaffen. Was Scarlett Johansson betrifft, kann man den Produzenten zu ihrer Wahl nur gratulieren. Die Schauspielerin macht ihre Sache hervorragend und beweist, dass sie sich auch im Superheldengenre wohlfühlt. Gleiches lässt sich über Don Cheadle sagen, der seinem James Rhodes deutlich mehr Profil als zuvor verleiht.

Was man Iron Man 2 deutlich anmerkt, ist, dass er von den Produzenten als Teil von etwas Größerem konzipiert wurde. Die Bezüge auf andere Comichelden aus dem Marvel-Universum, die es früher schon dezent gab, sind in diesem Film mehr als deutlich. Dies alles soll dem Zweck dienen, den großen Crossover-Film The Avengers vorzubereiten, der 2012 in die Kinos kommen wird. Dennoch funktioniert Iron Man 2 absolut als eigenständiger Film.

Unterm Strich bleibt Iron Man 2 das, was der erste Film bereits war: Perfektes Popcorn-Kino, dass nicht nur Comicfans überzeugen wird, sondern (auch) allen Spaß macht, die spannende, humorige und kurzweilige Abenteuerfilme mögen. Wem der erste Teil gefallen hat, der sollte sich Iron Man 2 ansehen.


Iron Man 2 läuft seit dem 6. Mai 2010 in den deutschen Kinos

1 Kommentar:

  1. Für mich auch nur unwesentlich schwächer als der Vorgänger. Das sehr viel deutlichere Hinarbeiten auf den "Avengers"-Film ist zwar schon immer wieder ein Tritt auf die Bremse, aber gerade für Fans ganz vergnüglich. Don Cheadle hat mir auch besser gefallen als Terrence Howard, auf der Schurkenseite gehören für mich beide Teile nicht unbedingt zur Oberklasse (trotz deren toller Besetzung). Aber das macht natürlich Robert Downey jr. mehr als wett ;)

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