Review: Weltpremiere der restaurierten Fassung von "Metropolis"

Am 12. Februar 2010 erlebte Berlin, wo gerade die 60. Berlinale stattfindet, eine Premiere der besonderen Art. Aufgeführt wurde kein neuer Film, sondern die restaurierte Fassung des SF-Klassikers Metropolis von Fritz Lang aus dem Jahre 1927.

Nach seiner Premiere war der Film stark geschnitten worden und Teile galten für immer als verloren. Auf der Basis des vorhandenen Materials entstand im Jahre 2001 eine rekonstruierte Fassung, die sogar Bestandteil des Weltdokumentenerbes der UNESCO wurde. Diese Version wurde nun um 25 Minuten ergänzt, die in einer Kopie enthalten waren, welche man vor einem Jahr einem Archiv in Argentinien entdeckte. Abgesehen vor acht Minuten, die man vielleicht niemals mehr auftreiben wird, ist Metropolis wieder vollständig.

Die Premiere fand im Friedrichstadtpalast in Berlin statt, wo es vor dem Brandenburger Tor außerdem ein Public Viewing gab, das trotz eisiger Temperaturen von bis zu 1000 Filmfans besucht wurde.


Gleichzeitig wurde des Film in der Alten Oper in Frankfurt (Main) gezeigt. Die Murnau-Stiftung, die sich an den Kosten der Rekonstruktion des Film stark beteiligt hat, ist in Wiesbaden beheimatet.

Außerdem war der Sender arte vor Ort und übertrug den Film live und in HD-Qualität.

Inhaltlich sorgt die Rekonstruktion dafür, dass Nebenfiguren wie Josaphat der "der Schmale" endlich ihre charakterliche Tiefe wiedererlangen, die ihnen die Verstümmelung des Films genommen hatte. Insgesamt ist der Film eine deutlich rundere Angelegenheit, da eine Reihe von Szenen, die bislang teilweise wenig Sinn ergaben, nun wesentlich verständlicher werden. Wer immer wissen wollte, was aus dem Arbeiter geworden ist, mit dem Freder die Rollen tauscht, bekommt endlich eine Antwort. Darüber hinaus ist die Rettung der Kinder aus der unterirdischen Arbeiterstadt jetzt deutlich dramatischer als bisher. Positiver Nebeneffekt der eingefügten Szenen ist, dass die Musik von Metropolis nun nahezu komplett zu hören ist. Am Donnerstag wurde sie von einem Orchester während der Vorführung live gespielt.

Leider war das Material, welches in Argentinien gefunden wurde, kein Original-Negativ, sondern eine Kopie, die man in den 1970er Jahren vom Original gezogen hatte, das zu diesem Zeitpunkt schon schlecht erhalten war. Außerdem wurde der Film von 35 mm auf 16 mm herunterkopiert und das Original-Negativ anschließend vernichtet. Diese Umstände führen dazu, dass sich die neuen Szenen selbst nach der Aufbereitung qualitativ stark von dem Material der bisherigen Fassung unterscheiden. Man sieht  meist recht deutlich, wo Szenen eingefügt wurden.

Dies kann jedoch den Genuss von Metropolis nicht schmälern. Es war wirklich ein Ereignis, den Film endlich nahezu so zu sehen, wie Fritz Lang ihn haben wollte. Das Geld und die vielen Stunden, die in die Restauration des Films gesteckt wurden, haben sich ausgezahlt. Da die neue Version in Deutschland in diesem Jahr sogar eine Kinoauswertung erfahren soll, sei jedem Fan empfohlen, die Gelegenheit zu nutzen, sich diesen Klassiker auf der großen Leinwand anzusehen. Die DVD des Films soll gegen Ende 2010 vorliegen.

Übrigens war die Übertragung des Ereignisses für den Sender arte ein großer Erfolg, denn insgesamt verfolgten 710.000 Menschen den Film. Damit erreichte man einen Marktanteil von 2,4 Prozent. Auch in der Zielgruppe konnte man punkten, weil 260.000 Zuschauer im Alter zwischen 14 und 49 Jahren zuschauten. Der Marktanteil von 2,2 Prozent war ein großer Erfolg, denn sonst liegt die Quote bei etwa 0,6 Prozent.

Foto: Copyright Reuters

Link 1: Website der Murnau-Stiftung zu Metropolis
Link 2: Bericht bei Spiegel Online zum Public Viewing von Metropolis

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