Rezension: Hydrophobia (Hoerspielprojekt)


Mit Hydrophobia steht seit dem 24. September ein neues Hörspiel von hoespielprojekt aus dem Genre der Science-Fiction zum kostenlosen Download bereit. Grund genug, sich das Werk möglichst zügig zu Gemüte zu führen und an dieser Stelle zu rezensieren.

Hydrophobia handelt von den Männern und Frauen der Klabauter GmbH - einer Firma, die sich auf Arbeiten in großer Tiefe spezialisiert hat. Darum werden sie von einem Konzern mit dem Namen Genannomed angeheuert, um im Mittelmeer eine Anlage zur Gewinnung geothermischer Energie zu warten. Allerdings ist der Auftrag mit rätselhaften Auflagen für die Tauchergruppe verbunden und während des Tauchgangs macht die Gruppe eine mysteriöse Entdeckung. Die Wartungsarbeiten verlaufen alle andere als nach Plan und schon bald beginnt ein Kampf ums nackte Überleben auf dem Boden des Meeres.

Nachdem das hoespielprojekt sein Publikum schon bis in die Weiten des Weltalls entführt hat, geht es nun hinab in die Meerestiefen unseres Planeten. Hydrophobia stammt aus der Feder von Bastian Georg Lembrecht, der auch für die Regie verantwortlich zeichnet. Außerdem hat er den Schnitt, die Musik und das Sound Design selbst übernommen. Als Sprecher sind unter anderem Alexander Turrek, Tabitha Hammer, Sandra Sances, Martin Sabel, Robert Kerick und Dirk Hardegen zu hören. Insgesamt hat Hydrophobia eine Laufzeit von 125 Minuten. Das Hörspiel beginnt mit einer Sequenz, die zwar geheimnisvoll daherkommt, den Hörer jedoch darüber im Unklaren lässt, in welchem Zusammenhang sie zum Rest der Handlung steht. Man kann Geschichten auf diese Art eröffnen, doch mein Fall ist es nicht, da man den Hörer gewissermaßen vorwarnt. Geschmacksache. In den nächsten Minuten stellt uns Autor Lembrecht die Hauptfiguren vor -  eine recht bunt gemischte Truppe, die nicht frei von Klischees ist, aber dennoch auf jeden Fall zu gefallen weiß. Die Dialoge sind gut geeignet, um dem Hörer die unterschiedlichen Charakterzüge der Personen näher zu bringen. Dann verlagert sich die Handlung recht zügig Richtung Mittelmeer und unter Wasser. Schon bis dahin fällt positiv auf, dass der Autor sich die Zeit für präzis formulierte Beschreibungen nimmt, ohne den Erzählfluss zu verzögern. So etwas ist gar nicht so einfach, weshalb man es immer positiv erwähnen sollte. Vor allem, da Bastian Georg Lembrecht dies über die gesamte Laufzeit der Geschichte durchhält. Respekt. Mit Alexander Turrek hat er sich dabei einen exzellenten Erzähler ausgesucht, dessen Stimme in allen Phasen professionell durch die Handlung führt, was schon mehr als die Halbe Miete ausmacht.

Doch nicht nur Alexander Turrek, sondern auch alle anderen Sprecher befinden sich bei Hydrophobia in guter Form. Dirk Hardegen spricht seinen Patchek mit kerniger Stimme, während Martin Sabel die Figur des Chris Hester zunächst eher zurückhaltend anlegt, was der Unterscheidbarkeit der Figuren zu gute kommt. Von diesen beiden hebt sich Robert Kerick mit seiner Interpretation des Jörg nochmals deutlich ab. Auch die beiden weiblichen Figuren sind in ihrem Wesen sehr unterschiedlich. Tabitha Hammer und Sandra Sances sorgen dafür, dass dies beim Hörer auch so ankommt und man immer den Überblick behält, wer da gerade spricht. Auch alle anderen Sprecher machen einen guten Job. Insgesamt hatte Lembrecht bei der Auswahl seiner Sprecher und Sprecherinnen eine gute Hand.

Doch alle Sprecherleistungen wären vergebens, würde es dem Hörspiel nicht überzeugend gelingen, im Kopf des Hörers ein klares Bild von dem Geschehen zu erzeugen. Nicht ohne Grund spricht man bei Hörspiel auch vom Kopfkino. Dies gelingt diesem Hörspiel aber problemlos, weil die Soundeffekte einen stimmigen und abwechslungsreichen Klangraum schaffen. Und die ganz große Stunde der Sound FX kommt, wenn sich die Handlung unter die Wasseroberfläche und in die Forschungsanlage der Genannomed verlagert. Was Hydrophobia in dieser Hinsicht zu bieten hat, verschlägt dem Hörer wirklich die Sprache und besitzt Referenzwert. Alles klingt so plastisch, als hätte man die Szenen wirklich vor Ort aufgenommen. Da ist es verzeihlich, wenn Bastian Georg Lembrecht es mit dem Hall an ein oder zwei Stellen etwas übertreibt, worunter die Verständlichkeit der Dialoge leidet. Ich vermag mir kaum vorstellen, wie viele Stunden er alleine mit dem Sound Design zugebracht hat. Einsame Spitze und schwerlich zu toppen. Die Musik des Hörspiels kann über weite Strecken überzeugen, auch wenn sie mir an zwei Stellen nicht recht passend erschien. Den positiven Gesamteindruck kann dies allerdings nicht schmälern.

Hydrophobia ist mit seiner Laufzeit von 125 Minuten für die Verhältnisse des hörspielprojekts ein recht langes Hörspiel. Doch diese Zeit braucht die Handlung auch, um sich richtig entfalten zu können. Dabei scheint die zweite Stunde fast an einem vorbei zu rasen, denn die Action, die in einem prächtigen Showdown kulminiert, zieht einen als Hörer regelrecht in den Bann. Und das Finale, da ist sich dieser Rezensent absolut sicher, wird niemanden im Publikum gleichgültig lassen. Wer Hörspiele auf hohem Niveau zu schätzen weiß, der kommt um diese Reise in die Tiefen des Meeres nicht herum.



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