Hörspielrezension: «Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine» (Titania Medien)


Am vergangenen Freitag veröffentlichte Titania Medien mit Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine das dritte von insgesamt vier Hörspielen, die das Label auf Basis von Romanen des SF-Pioniers H.G. Wells dieses Jahr im Rahmen seiner Reihe Gruselkabinett präsentieren wird. Vorausgegangen waren Folge 120/121: Der Unsichtbare und Folge 122: Die Insel des Dr. Moreau; den Abschluss markiert Folge 124/125: Der Krieg der Welten am 25. August 2017. Doch bevor die Außerirdischen über die Erde herfallen, steht nun erst einmal eine Reise in die ferne Zukunft auf dem Programm, die jedoch Ende des 19. Jahrhunderts ihren Ausgang nimmt.

Im viktorianischen England des Jahres 1894 staunen die beiden Gäste eines Wissenschaftlers nicht schlecht, als dieser ihnen eröffnet, dass es seiner Meinung nach nicht nur theoretisch möglich sei, sich in der Zeit zu bewegen, sondern er vielmehr sogar eine Maschine gebaut habe, mit der Reisen in der vierten Dimension möglich seien. Als Beleg für die der Richtigkeit seiner Behauptungen lässt er zunächst ein funktionstüchtiges Modell der Zeitmaschine vor den Augen der Anwesenden zu einer Zeitreise aufbrechen und präsentiert ihnen anschließend sogar das Original. Doch seine Freunde bleiben weiterhin skeptisch. Kurzentschlossen beschließt der Zeitreisende daraufhin, als Beweis selbst einen Trip in die Zukunft zu unternehmen. Dieser wird ihn ins Jahr 802701 führen...

Wells' Roman erschien erstmals 1895, die Filmadaption aus dem Jahre 1960 (Regie: George Pal) ist einer der Klassiker des Science-Fiction-Kinos. Und an beidem hat sich Titania bei seiner Version von Die Zeitmaschine orientiert: Die Beschreibung der Zeitmaschine und insbesondere das Cover verweisen eindeutig auf den Film, während es Wells' Sozialkritik – verpackt in die Überlegungen des Zeitreisenden über die Gründe für die Aufspaltung der Menschheit in Eloi und Morlocks – es vom Buch ins Hörspiel geschafft haben. Und auch jene Szene, in der der Zeitreisende sogar noch weiter in die Zukunft reist, ist enthalten. Die Werktreue in diesen Punkten freut den Kenner der literarischen Vorlage natürlich - umso scherzhafter vermisst man darum jene Kapitel des Romans, die bei dessen Vertonung unter den Tisch gefallen sind. Davon, dass der Protagonist die Relikte der inzwischen untergegangenen Zivilisation untersucht, ist nun nicht mehr die Rede. Auch der Blick auf die unterirdische Welt der Morlocks fällt sehr knapp aus. Und wer darüber hinaus erleben möchte, wie die Morlocks dem Zeitreisenden und Weena nachts im Wald nachsetzen, muss dafür das Buch oder alternativ die vom Splitter Verlag seit Anfang Juni 2017 angebotene Comicadaption lesen. Indem Titania die Handlung des gerade einmal 150 Seiten umfassenden Romans auf das Notwendigste reduziert, passt Die Zeitmaschine mit ca. 58 Minuten Laufzeit zwar problemlos auf eine Einzel-CD. Doch deren Kapazität von um die 80 Minuten hätte man eingedenk des Stellenwerts, den dieser Roman besitzt, wenigstens ausschöpfen können. Werktreue beweist das Hörspiel hingegen in Sachen Erzählperspektive: Sowohl das Buch als auch seine Vertonung beginnen und enden mit Filby als Erzähler; den Hauptteil der Handlung agiert der Zeitreisende in dieser Funktion. Der Erzähleranteil fällt bei dieser Produktion recht hoch aus, und bisweilen bewegt sie sich schon an der Grenze zur inszenierten Lesung. Auch auf diese Weise spart die Produktion zwar Laufzeit, nimmt dabei jedoch in Kauf, dass dem Publikum von Ereignissen eins ums andere Mal lediglich berichtet wird, anstatt den Hörer das Geschehen unmittelbar erleben zu lassen. Der Dynamik des Hörspiels sind ausgedehnten Erzählerparts leider sehr abträglich, so dass als Konsequenz daraus die Hörerschaft zwar immer noch ein recht interessantes Hörspiel erlebt, jedoch kein übermäßig spannendes.

Besetzt hat Titania die Hauptrolle des Zeitreisenden mit Sascha von Zambelly, der es versteht, die unterschiedlichen Facetten der Figur hörbar herauszuarbeiten. Man nimmt ihm den angesichts der Möglichkeiten der Zeitreise euphorischen Wissenschaftler ebenso ab, wie auch die Enttäuschung, die sich im Zeitreisenden breit macht, als er die Zustände im Jahr 802701 vollends realisiert. Von Annina Braunmiller-Jest ist als Weena dagegen in erster Linie naive Unschuld in der Stimme gefragt, in die sich immer wieder auch Ängstlichkeit mischt. Beides liefert die erfahrene Sprecherin mühelos. Claus Thull-Emden ist ein sympathischer Filby zu dem Matthias Lühn als ewiger Skeptiker Gregson einen schönen Kontrast bildet. Der fürsorglichen Haushälterin Mrs. Watchett verleiht das Spiel von Marianne Mosa die nötige Statur. Die Soundkulisse bestimmen weitgehend dezente Geräusche, doch diese reichen absolut aus, um vor dem inneren Auge des Hörers ein plastisches Bild von der Welt des Jahres 802701 zu erzeugen. Für den musikalischen Rahmen kommen mit Geigen oder Flöten klassische Instrumente zum Einsatz, wie sie von einer Geschichte, die im viktorianischen Zeitalter ihren Anfang nimmt, zu erwarten waren. Einen besonderen Akzent setzt die Produktion jedoch durch einen Chor, dessen Stimmen im Verlauf des Hörspiels mehrfach zur wirkungsvollen Unterstützung der Stimmung eingestreut werden. Rein akustisch weiß das Hörspiel also durchaus zu gefallen.

Manche Hörer, die durch Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine zum ersten Mal mit Wells' Geschichte vom Zeitreisenden in Berührung kommen, werden sich hinterher vielleicht die Frage stellen, warum ausgerechnet dieser Roman als Klassiker des SF-Genres gehandelt wird. Verdenken könnte man es ihnen nicht. Titanias Adaption des Stoffes schlägt über weite Stecken eine bedächtige Gangart ein und gibt sich von der Tonlage her unaufgeregt. Mag es auch der Vorlage entsprechen, dass der Protagonist im Hörspiel in erster Linie die Position eines kultivierten Beobachters einnimmt, machen seine weitgehend nüchternen, in ausführlichen Erzählerpassagen vermittelten Schilderungen aus dem Hörspiel eine eher leidenschaftslose Angelegenheit. Zumal Elemente des Buches, die zur Dynamik beigetragen hätten, bei der Vertonung keine Beachtung fanden. Vor dem Hintergrund dieser Hypothek können auch die guten Sprecherleistungen sowie der ansprechende Klangraum nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine zu deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, um als wirklich überzeugende Hörspieladaption dieses berühmten Science-Fiction-Romans gelten zu können.


Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine ist ein Hörspiel von Titania Medien. Seit dem 30. Juni 2017 ist es im Handel erhältlich.



Hörspielrezension: «Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea» (Frank Hammerschmidt & Hoerspielprojekt)


Nur knapp einen Monat nach Zukunfts-Chroniken Live: Jasmin geht heute bereits eine weitere Folge von Frank Hammerschmidts anthologischer SF-Hörspielserie an den Start. In Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea entführt der Autor seine Hörerschaft dieses Mal auf die koranische Halbinsel, wo am Ende des 21. Jahrhunderts die Konfrontation zwischen Nord und Süd ein Ende gefunden hat – mit unschönem Ausgang für das demokratische Südkorea. Doch eine Möglichkeit bleibt noch, etwas dagegen zu unternehmen. Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea hat eine Spielzeit von ca. 35 Minuten und feiert heute Abend ab 20:00 Uhr seine Premiere im Webradio von hoerspielprojekt.de . Anschließend ist das Hörspiel als kostenfreier Download verfügbar.

Die Zukunfts-Chroniken. Bisher wurden sie noch nicht niedergeschrieben, aber wir alle nähren diese Zeilen. Heute, hier und an anderen Orten. Die Zukunft kann beginnen...
Südkorea 2095. Das Land wird von den nordkoreanischen Nachbarn überrant. Eine einsame Agentin wird durch die Zeit geschickt, um den Diktator Gang San-Hung zu töten. Doch es kommt alles anders. (Klappentext)

Seit H. G. Wells' Roman Die Zeitmaschine hat das Thema der Zeitreise einen festen Platz in der Phantastik bzw. Science-Fiction und übt auf das Publikum eine unverändert große Faszination aus. Wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb, weil jeder sich schon einmal gewünscht hat, einen Sprung in die Vergangenheit zu machen, um begangene Fehler korrigieren oder frühere Epochen der Menschheit hautnah erleben zu können. Nun legt Frank Hammerschmidt im Rahmen seiner Reihe Zukunfts-Chroniken seine eigene Zeitreisegeschichte vor, die mit einer spannenden Prämisse und einem interessanten Handlungsort punkten kann. In Asien angesiedelte Hörspiele sind eher die Ausnahme – da freut es, dass Hammerschmidt seine Story dort angesiedelt hat. Und einen Gegenwartsbezug gibt es mit dem Konflikt zwischen Pjöngjang und Seoul auch. Natürlich kommt dem erfahrenen SF-Fan beim Lesen des Klappentextes sofort der Plot von James Camerons Terminator in den Sinn - und im Hörspiel wird an einer Stelle sogar auf den Streifen Bezug genommen -, doch das tut der Sache keinen Abbruch. Wie es sich für ein Hörspiel mit überschaubarer Laufzeit gehört, hält sich die Handlung nicht lange mit Vorreden auf, sondern kommt direkt zur Sache: Die Protagonistin Natalia Cho (Stephanie Preis) wird mit einer Actionszene etabliert, der Zeitsprung ist schnell vollzogen und Südkoreas letzte Hoffnung kann ihre Mission im Nordkorea des Jahres 2045 beginnen. Hammerschmidt schreibt die heutigen Zustände fort und schildert den diktatorisch regierten Norden als ein Land im Stillstand, gezeichnet von Verfall und Armut in den ländlichen Regionen. In der Hauptstadt sieht es etwas besser aus, doch bleibt der Wohlstand auch dort recht bescheiden. Erwartungsgemäß muss sich Natalia zunächst orientieren und hat einige Hürden zu überwinden, doch Schritt für Schritt kommt sie der Erfüllung ihres Auftrags näher. Für den Moment, an dem sich die Handlung zuspitzt, hat Frank Hammerschmidt sich einen Twist aufgespart, der aber nur bedingt funktioniert, weil man ihn die ganze Zeit über irgendwie hat kommen sehen. Aber das ist nicht das eigentliche Problem: Das besteht vielmehr darin, dass das, was nach der Wendung geschieht, angesichts dessen, was für Natalia auf dem Spiel steht, de facto keinen Sinn ergibt. Zugegeben, die letzte Szene des Hörspiels wäre so nicht nicht möglich, wenn es davor logisch weitergegangen wäre. Doch stellt sich die Frage, ob dieser Schluss es wert war, eine bis dahin solide Handlung derart ad absurdum zu führen. Eine Geschichte wie diese steht und fällt in erheblichem Maße mit ihren Ende – und das von Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea wirkt leider inhaltlich unbefriedigend.

Neben Stephanie Preis als Natalia Cho sind in den weiteren Hauptrollen Horst Kurth als Gang Kyusung, Achim Klotz als Dr. Park Chang Uk und Jan Borden als Lim Phuong zu hören. Das Quartett leistet saubere Arbeit, ist mit Spielfreude bei der Sache und weiß die Charaktere mit Leben zu erfüllen. Gleiches lässt sich auch über die Besetzung der zahlreichen kleinen Nebenrollen sagen. Werner Wilkening geleitet als Erzähler den Hörer mit markanter Stimme souverän durch das Geschehen. In diesem Punkt kann die Reihe ihr bisheriges Niveau problemlos halten. Kontinuität herrscht auch beim gelungenen Sounddesign und der Abmischung, für die zum wiederholten Male die Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld verantwortlich zeichnet. Der Handlung wird durch dezent eingesetzte Geräusche ein plastischer Rahmen verliehen; die Musikauswahl ist stimmig, besitzt das nötige „asiatische Flair“ und trägt somit ihren Teil zur Atmosphäre bei. Optisch eingestimmt auf Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea wird man dieses Mal wieder von einem attraktiven Cover, designt von Thorsten Adams auf Grundlage eines Bildes von Magdalena Bednarek.

Der Plot von Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea kommt auf den letzten Metern ins Straucheln. Bis dahin bietet das Hörspiel dem Hörer jedoch ein kurzweiliges Zeitreiseabenteuer vor dem Hintergrund einer reizvollen Ausgangssituation. Aus diesem Grunde und wegen der ansprechenden Leistung der beteiligten Sprecher sowie der stimmungsvollen Klangkulisse lohnt es sich dennoch, dem neuesten Eintrag in die Annalen kommender Tage seine Aufmerksamkeit zu schenken. Ab heute Abend besteht die Gelegenheit dazu.


Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea ist ein Hörspiel von Frank Hammerschmidt in Zusammenarbeit mit hoerspielprojekt.de und der Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld. Die Premiere findet am 30. Juni 2017 ab 20:00 Uhr im Webradio von hoerspielprojekt.de statt. Danach kann die neue Folge kostenfrei heruntergeladen werden.


Hörspielrezension: «Der Krieg der Welten» (Mediabühne Hamburg/Lübbe Audio)


Am 21. September 2016 jährte sich der Todestag von Herbert George Wells - Autor von Science-Fiction-Klassikern wie Der Unsichtbare, Die Insel des Dr. Moreau, Die Zeitmaschine und Der Krieg der Welten – zum siebzigsten Mal. Ein Datum mit Signalwirkung für alle, die Wells' Geschichten gerne adaptieren würden. Denn waren dafür bislang Lizenzgebühren zu entrichten, fallen diese seit dem 1. Januar 2017 nun weg. Da überraschte es nicht, als Ende letzten Jahres gleich mehrere Label ankündigten, 2017 Hörspiele basierend auf den Werken des berühmten Briten veröffentlichen zu wollen. Den Anfang im Reigen der Wells-Vertonungen machte dabei die Mediabühne Hamburg mit ihrer viereinhalbstündigen Version von Der Krieg der Welten, die am 24. April von Lübbe Audio in den Handel gebracht wurde.

1898: Das Team einer Polarexpedition entdeckt im Eis einen brodelnden Krater und geht zunächst von einem Meteoriten aus. Bald aber mehren sich die Einschläge überall auf der Welt – Vorboten eines Vernichtungsfeldzuges, dem die Menschheit nichts entgegenzusetzen hat... (Ankündigungstext)

Es ist durchaus legitim, Der Krieg der Welten als eine Abenteuergeschichte über die Auseinandersetzung zwischen der Menschheit und einem außerirdischen Aggressor zu begreifen. Wells hingegen wollte seinen Roman in erster Linie als eine Kritik am Kolonialismus verstanden wissen und seinen Landsleuten vor Augen führen, wie es sich anfühlt, ohne Vorwarnung von einer technologisch überlegenen Macht, für die man keine Bedrohung darstellt, erobert zu werden. Die Leser sollten spüren, wie viel Verzweiflung und Leid damit verbunden sind, wenn eine Gesellschaft plötzlich aus den Angeln gehoben wird, Gesetze keine Bedeutung mehr haben und man hilflos mit ansehen muss, wie um einen herum grundlos Menschen abgeschlachtet werden. Wenngleich die damalige Presse nicht müde wurde, die Kolonialkriege als ein großes Abenteuer zu verbrämen: Für die Eroberten waren sie alles als das.

Welche Intention Wells mit seinem Roman verfolgte, hat die Mediabühne Hamburg sehr wohl verstanden. Daran lässt dieses Hörspiel keinen Zweifel. In Abkehr von der literarischen Vorlage, welche die Invasion der Außerirdischen aus der Sicht einen namenlosen Protagonisten schilderte, erzählt die Adaption das Geschehen jedoch aus gleich mehreren Perspektiven. Die primären Erzählstränge folgen dabei den Brüdern Cillian und Fergus McBiggs (verkörpert von Sascha Rotermund und Andreas Fröhlich ), die in den Wirren des Krieges getrennt werden und sich auf unterschiedlichen Wegen zum Örtchen Leatherhead durchschlagen, wo Cillians Ehefrau Olivia (Patricia C. Beck ) auf die beiden wartet. Fergus' Wegbegleiter ist der Pater Nicolas (Santiago Ziesmer), während Cillian die junge Norma Ogilvy (Elise Eikermann) in seine Obhut nimmt, deren Vater, der Astronom Charles Ogilvy (Michael Bideller), zu den ersten Opfern der Außerirdischen zählt. Ständig mit dem Tode bedroht, erleben die Hauptfiguren nicht nur die Schrecken eines erbarmungslosen Eroberungsfeldzugs, sondern Blicken zudem auch immer wieder in die Abgründe der menschlichen Seele. Die eigene mit inbegriffen. Die hauptsächlichen Handlungsstränge verzahnt das Hörspiel geschickt miteinander, in die darüber hinaus auch noch einige Nebenlinien eingeflochten werden. Durch die sich daraus ergebenden zahlreichen Ortswechsel und sogar gelegentliche Rückblenden besitzt Der Krieg der Welten in den ersten zwei Stunden eine hohe Dynamik, während in der zweiten Hälfte das Tempo etwas gedrosselt wird. Ging es bis dahin die erste Reaktion der Menschen auf das über sie unvermittelt hereinbrechende Unheil, wirft die Geschichte nunmehr einen Blick darauf, wie die Überlebenden der ersten Angriffswelle mit den neuen Verhältnissen umgehen. Soll man sich in das scheinbar unvermeidliche Schicksal der Ausrottung ergeben? Oder stattdessen den Kampf suchen - wohl wissend, dass man ihn ohnehin nicht gewinnen kann? Oder sogar mit den Eroberern kollaborieren, um die eigene Haut zu retten? Die Figuren des Hörspiels geben auf diese Fragen ganz unterschiedliche Antworten und offenbaren dadurch die volle Bandbreite des menschlichen Wesens. Von Wells vor über 100 Jahren als Kritik am Kolonialismus geschrieben, macht die Interpretation der Mediabühne aus der Geschichte einen bedrückenden Kommentar zu den Flüchtlingskrisen unserer Zeit. Und als Studie menschlichen Verhaltens in Extremsituationen gewinnt die Handlung sogar zeitlose Relevanz.

Damit die Handlung ihre volle Wirkung entfalten kann, setzt die Mediabühne Hamburg auf einen so umfangreichen wie namhaften Cast, dessen Dialoge in eine wuchtige, jedoch nicht effekthascherische Soundkulisse eingebettet wurden. Wie die Musik, so stellt sich auch der sonstige Klangraum voll und ganz in den Dienst der Geschichte – stets bestrebt, das Geschehen emotional berührend zu begleiten und den Hörer nicht aus jener düsteren Stimmung zu entlassen, die das Hörspiel von Beginn an durchzieht. Den Sprecherinnen und Sprechern wiederum gelingt es, den zahlreichen Figuren Profil zu verleihen und so den Hörer für Cillian, Fergus und Co zu interessieren. Waren die Personen in Wells' Roman eher funktional angelegt - wie schon erwähnt, hat der Protagonist im Roman nicht einmal einen Namen -, so sind hat man es in diesem Hörspiel nun tatsächlich mit vielschichtigen Persönlichkeiten zu tun, an deren Schicksal man darum unweigerlich Anteil nimmt. Bei der Besetzung der Rollen hatte die Mediabühne Hamburg also definitiv eine überaus glückliche Hand.

Mit Der Krieg der Welten ist der Mediabühne Hamburg eine Produktion gelungen, die sich mit Fug und Recht als intensives Hörerlebnis beschreiben lässt. Das Hörspiel orientiert sich in zahlreichen Punkten eindeutig an Wells' Roman, nimmt sich jedoch die Freiheit, eigene Akzente zu setzen . Wer sich auf dieses Hörspiel einlässt, der wird Zeuge einer akustischen Tour de Force im Gewand eines SF-Klassikers, der immer noch nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Im Gegenteil: Den Machern ist es vielmehr gelungen, durch eine zeitgemäße Inszenierung und die Fokussierung auf die Ausgestaltung der Charaktere der Handlung neue Seiten abzugewinnen. Und darum sollte nauch jene bei diesem Hörspiel zuschlagen, die Der Krieg der Welten bereits als Roman oder eine der Verfilmungen kennen. Denn so intensiv hat man die Invasion der Außerirdischen noch nie erlebt.


Der Krieg der Welten ist ein Hörspiel der Mediabühne Hamburg im Vertrieb durch Lübbe Audio. Seit dem 24. April 2017 ist es im Handel.  



Der Watchman on Tour: Hörmich 2017 (24. Juni 2017)


Seit 2013 findet einmal im Jahr in Hannover die Hörspielmesse Hörmich statt. Schon die letzten zwei, drei Jahre hatte ich vor, die Veranstaltung zu besuchen, doch private wie berufliche Gründe verhinderten dies eins ums andere Mal. Aber dieses Jahr stand dem Trip in die Stadt an der Leine glücklicherweise endlich nichts mehr im Wege. Entsprechend neugierig und gespannt war ich darauf, was mich auf der Messe erwarten würde. Die Reise von Aachen nach Hannover verlief reibungslos – wenn man mal davon absieht, dass ich bereits um sechs Uhr morgens den Zug besteigen und somit sehr früh aufstehen musste. Aber immerhin konnte ich während der Fahrt ja noch etwas Schlaf nachholen. In Hannover gegen 10 Uhr angekommen, gab es erst einmal ein zweites Frühstück, ehe ich mich zum Kulturzentrum FAUST aufmachte, das ich nach einer ca. 15 minütigen Fahrt mit der Stadtbahn und einem kurzen Fußweg kurz nach 11 Uhr erreichte. Das Kulturzentrum FAUST ist ein ehemaliges Fabrikgelände und versprüht daher einen durchaus rustikalen Charme, der aber dafür sorgt, dass es sehr ungezwungen zugeht. Die Location ist sehr übersichtlich, was für mich als erstmaligem Besucher von Vorteil war, denn man findet sich schnell zurecht. Außerdem befindet sich auf dem Gelände praktischerweise ein Biergarten, wo man unter Bäumen Pause machen oder bei einem warmen oder kühlen Getränk für einen Plausch zusammensitzen kann.

Schon kurz nach 11 Uhr war die Messe gut besucht; vor dem Pavillon, wo das Eintrittsgeld zu entrichten war, hatte sich eine kleine Schlange gebildet. Und bereits dort ergab sich zum ersten Mal jenes Szenario, das sich den Tag über noch oft wiederholen sollte: Ich traf auf jemanden, den ich schon seit geraumer Zeit aus Foren oder den sozialen Netzwerken kannte, aber noch nie getroffen hatte. Und nach einer herzlichen Begrüßung ergab sich sogleich ein längeres Gespräch. Darum dauerte es ein bisschen, ehe ich schließlich den Raum mit den Ausstellern in Angriff nehmen konnte. Und an dieser Stelle muss ich allen Ausstellern erst einmal das Kompliment machen, sich unter den herrschenden klimatischen Bedingungen fantastisch geschlagen zu haben. Am Samstag waren es in Hannover angenehme ca. 21 Grad, doch im Messeraum herrschte jedoch immer noch das Wetter von Donnerstag. Oder anders gesagt: Es war verdammt warm! Sich in diesem Raum aufzuhalten, war für alle eine schweißtreibende Angelegenheit. Doch im Gegensatz zu den Fans, die einfach mal für einige Zeit rausgehen und sich abkühlen konnten, schafften das die Hörspielmacher nur selten oder gar nicht. Dafür war einfach den ganzen Tag über zu viel Betrieb. Dennoch präsentierten sich alle Aussteller gut gelaunt, waren sehr engagiert und mit Begeisterung bei der Sache. Mit den Machern ins Gespräch zu kommen, war übrigens trotz der erfreulich hohen Besucherfrequenz problemlos möglich. Und diese zeigten sich für den direkten Austausch mit den Fans stets offen, freuten sich über Feedback und gaben gerne Auskunft. Einigen Machern hatte ich mein Kommen im Vorfeld angekündigt, und die Freude, sich endlich mal zu begegnen, anstatt nur per Email, Facebook etc. zu kommunizieren, war auf beiden Seiten jedes Mal richtig groß. Auch im Allgemeinen hatte ich den Eindruck, dass die Hörmich 2017 ein sehr harmonisches Miteinander von Hörspielenthusiasten war. Vom Bild des "Haifischbeckens", dass das Fandom bisweilen in Foren oder anderswo abgibt, war an diesem Samstag nichts zu sehen. Nach dem Ende der eigentlich Messe (danach gab es noch das Livehörspiel von Dorian Hunter, das ich aber nicht besucht habe), saß ich noch im Biergarten mit einigen Leuten zusammen, um den Messetag ausklingen zu lassen. Wie es immer so ist, wenn es richtig Spaß macht, verging die Zeit viel zu schnell, die Stunden rasten nur so dahin und gegen 20:45 Uhr hieß es dann für mich, von der Hörmich Abschied zu nehmen und den Heimweg Richtung Aachen anzutreten. Gegen 2:00 Uhr nachts lag ich dann im Bett: Total erschöpft aber dankbar, einen solch tollen Tag erlebt zu haben!

Highlights:

Thomas von "Lukes Meinung" (links)
 und der Watchman
Zu einem Messebericht gehört natürlich, dass man auf die persönlichen Highlights eingeht. Die Hörmich 2017 hatte in dieser Hinsicht jede Menge zu bieten - für nicht wenige wird sicherlich die Begegnung mit der "Hörspielkönigin" Heikedine Körting, die im wahrsten Sinne des Wortes stundenlang Autogramme gegeben und für Fotos mit Fans posiert hat, das Highlight schlechthin gewesen sein. Da es mein erster Besuch war, war die Messe selbst ein einziges Highlight! Die Begegnungen mit so vielen tollen Leuten und all die interessanten Gespräche haben aus diesem Samstag einen ganz besonderen Tag gemacht, der noch lange in mir nachklingen und stets mit schönen Erinnerungen verbunden bleiben wird. An dieser Stelle ein ganz herzlicher Gruß an meinen Blogger-Kollegen Thomas von Lukes Meinung! Es war toll, Dich nach Jahren endlich mal persönlich getroffen zu haben! Thomas' Bericht über die Hörmich 2017 mit zahlreichen Fotos findet ihr hier.

Während der Hörmich bestand natürlich jede Menge Gelegenheit, das Ersparte in Hörspiel-CDs umzuwandeln. Und die Besucher haben davon auch ausgiebig Gebrauch gemacht. Ich habe es dieses Mal dabei belassen, mir einige Erinnerungsstücke mitzubringen. So etwa die CD von Midnight Sin – 01 – Sudames Lockruf: Markus Duschek, Chef des Labels Midnight Seagull Media, hatte die Sudame-Autorin Kristina Lohfeldt zur Hörmich mitgebracht, mit der ich mich ein bisschen über ihre Geschichte unterhalten konnte. Mit Markus selbst habe ich während der Messe und insbesondere auch noch abends ein sehr interessantes Gespräch über seine Hörspiele geführt. Beim Label Ohrenkneifer habe ich eine CD von IRIS erstanden. Ich hatte zwar schon eine, doch nun besitze ich eine mit den Unterschriften der drei Ohrenkneifer Dirk Hardegen, Detlef Tams und Marc Schülert.. Lars Dreyer-Winkelmann von RRR Audiovisuelle Medien war so nett, mir die neue Promo-CD seines Labels mitzugeben. Heliosphere 2265-Autor Andreas Suchanek hatte bei Facebook geschrieben, dass jeder, der an seinen Stand kommt, ein Fan-Paket (Tüte, ein Dose Vuko, Postkarten) erhält. Und so war es auch. Da ich die Hörspiel-CDs alle schon besitze, habe ich mir das schicke Hardcover mit den Folgen 1 bis 4 der Romanserie gegönnt, auf der die Hörspiel basieren. Andreas hat für mich mit einer Widmung versehen.
























Fazit und Ausblick:

Die Hörmich 2017 war eine wunderbare Messe und ein für mich ein echtes Erlebnis. Es hat sich definitiv gelohnt, die Reise nach Hannover unternommen zu haben. Und darum möchte ich nächstes Jahr auf jeden Fall wieder hin. 

Die Hörmich 2018 findet am 30. Juni 2018 statt. Veranstaltungsort wird in Hannover dann das Kulturzentrum PAVILLON unweit des Hauptbahnhofs sein.



Hörspielrezension: «Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen» (Hörgespinste Folge 4; Pandoras Play)


Es ist faszinierend, welche Wegstecke mitunter manche Stoffe zurücklegen, um dann schließlich doch wieder dort anzukommen, wo sie ihre Reise begonnen haben. Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen ist ein Beispiel für einen rastlosen Stoff. Ursprünglich war Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen ein Hörspielskript, verfasst von Dane Rahlmeyer für das Label Pandoras Play. Das Licht der Öffentlichkeit erblickte die Story 2012 jedoch in Form einer Novelle, zu der Rahlmeyer sein Dialogbuch zwischenzeitlich erweitert hatte (ich rezensierte sie seinerzeit hier). Diese Novelle wiederum erschien Anfang 2017 bei Audible als von Tim Gössler gelesenes Hörbuch. Und seit dem 25. Mai diesen Jahres liegt Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen nun auch in jenem Medium vor, für das die Geschichte einstmals geschrieben worden war: Als Hörspiel mit einer Laufzeit von ca. 65 Minuten, veröffentlicht von Pandoras Play als Folge 4 der Reihe Hörgespinste.

Kai Hellmann ist Privatdetektiv der besonderen Art: Seine Auftraggeber sind Vampire, Feen, Kobolde, Geister und andere Vertreter der Nachtvölker – dabei wünscht sich Kai nichts sehnlicher als einen ganz normalen Klienten. Doch Geld von Untoten ist besser als gar kein Geld. Und Geld braucht er dringend. Als die Vampirin Lucretia ihn beauftragt, den Mord an ihrem Mann aufzuklären, beginnt Kai sofort mit den Ermittlungen – und gerät in einen Strudel aus Sex and Crime, Rassismus und großen bösen Wölfen. (Klappentext)


Bei seinem Ausflug in die die Urban Fantasy kombiniert Dane Rahlmeyer Elemente klassischer Hard-Boiled-Krimis mit Aspekten des Vampir- bzw. Werwolfmythos. So bietet er mit Kai Hellmann einen finanziell klammen Privatermittler auf, der nie ohne seinen Fedora das Haus verlässt und seinen neuesten Auftrag selbstredend von einer betörend schönen Klientin erhält. Bei dieser Klientin – und damit wären wir dann im Bereich der Fantasy – handelt es sich um die Vampirin Lucretia Herzog, deren Lebensgefährte Vadim Zagan offenbar Opfer eines Machtkampfs zwischen den Nachtvölkern geworden ist. An Verdächtigen mangelt daher es nicht, doch Lucretia kann Kai Hellmann zumindest ein paar Hinweise auf den möglichen Täter geben. Der Mitternachtsdetektiv macht sich an die Arbeit, kann dabei auf die Unterstützung seiner Freundin Jenny zählen und kommt dem Mörder Stück für Stück auf die Spur. Für das Finale, in dem der Schuldige für Vadim Zagans „Ableben“ enthüllt wird, hat Rahlmeyer sich einen interessanten Twist ausgedacht, der die Geschehnisse in der Mordnacht in einem neuen Licht erscheinen lässt und ihnen eine durchaus tragische Note gibt. Bis dahin hat der Hörer einen zwar kurzweiligen, gleichzeitig aber auch recht gradlinigen Fall für Kai Hellmann mitverfolgt, der seinen Reiz zu großen Teilen aus der Schilderung der Zustände in der Welt der Nachtvölker bezieht - und wie sich zeigt, unterscheidet sich die Welt der Vampire, Werwölfe, Kobolde usw. in Sachen Ressentiments, Machtgelüste und Intrigen gar nicht so sehr von der Welt der Menschen. Ob nun bei Tag oder bei Nacht: Wenn es um Macht und Einfluss geht, dann findet sich offenbar immer jemand, der dafür im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen zu gehen bereit ist.

Als Kai Hellmann ist Hennes Bender zu hören, der den Protagonisten sehr bodenständig verkörpert, womit ein deutlicher Kontrast zu abgebrühten, eher wortkargen Ermittlern wie Dashiell Hammetts Sam Spade geschaffen wird. Hellmann hat zwar schon einige Jobs für Auftraggeber aus dem Kreise der Nachtvölker erledigt, ist aber im Umgang mit den Sitten und Regeln in der Nachtwelt immer noch ein Stück weit unerfahren und entsprechend unsicher. Gerne wäre er sicherlich so abgebrüht wie seine Vorbilder, doch für deren coole Pose braucht es eben mehr als einen Fedora, der Hellmann nach Ansicht seiner Freundin Jenny noch nicht einmal steht, weil er aus ihrer Sicht einfach keinen Hutkopf habe. Hellmanns Unsicherheit hat für ihn allerdings auch Vorteile, denn ihretwegen neigen seine Gesprächspartner dazu, den Mitternachtsdetektiv sowie dessen Kombinationsgabe zu unterschätzen und äußern sich relativ offen, weil sie in ihm für sich keine Gefahr sehen. Ein Fehler, denn auf den Kopf gefallen ist Hellmann nicht. Für die Rolle der Lucretia Herzog konnte man Karen Schulz-Vobach gewinnen, die ihrer Figur Verletzlichkeit verleiht, ohne ihr dabei die Würde zu nehmen. Dadurch bleibt eine Aura des Unnahbaren und Mysteriösen um die Vampirin stets erhalten. Abgerundet wird der Cast durch Elga Schütz, Sabine Kuse, Christoph Tiemann und Katja König, die durch die Bank einen positiven Eindruck hinterlassen, da sie ihre Rollen souverän im Griff haben. Das Sounddesign schafft einen gefälligen akustischen Rahmen für das Geschehen, kann sich dabei weitgehend auf dezente Effekte verlegen, da die Handlung etwas anderes nicht fordert. Was die eingesetzten Musikstücke angeht, so unterstreichen sie zwar den Charakter des Hörspiels als Detektivgeschichte, bleiben ansonsten jedoch auch eher unauffällig. Die Abmischung ist im Großen und Ganzen sauber ausgeführt – nur scheinen manche Zwischenmusiken lauter abgemischt als die vorangegangene oder sich anschließende Spielhandlung. Kein Beinbruch und daher auch kein wirklicher Makel dieser insgesamt recht erfreulichen Produktion.


Als kurzweilige Urban Fantasy/Detektivgeschichte weiß Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen durchaus zu gefallen. Die Story vollzieht sich zwar etwas zu gradlinig, um als großer Wurf gelten zu können, besitzt jedoch die ca. 65 Minuten Laufzeit über genug Unterhaltungswert, um einen als Hörer bei der Stange zu halten. Nicht zuletzt durch die zahlreichen Informationen über die Zustände in der Gemeinde der Nachtvölker würde die dieses Hörspiel eine gute Pilotfolge für eine Serie über den Mitternachtsdetektiv abgeben. Doch bislang sieht es nicht danach aus, als würde Kai Hellmann für einen weiteren Fall zurückkehren. Schade, denn diesen Detektiv würde man gerne noch bei weiteren Ermittlungen begleiten.



Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen (Hörgespinste Folge 4) ist ein Hörspiel von Pandoras Play. Seit dem 25. Mai 2017 ist es im Handel erhältlich.



Hörspielrezension: «Zukunfts-Chroniken Live: Jasmin» (Frank Hammerschmidt & Hoerspielprojekt)


Heute, am 26. Mai 2017, feiert ab 20:00 Uhr mit Zukunfts-Chroniken Live – Jasmin im Webradio von hoerspielprojekt.de ein weiteres Hörspiel aus der Feder von Frank Hammerschmidt seine Premiere. Anschließend steht die Produktion zum kostenfreien Download zur Verfügung. 43 Minuten Spielzeit hat der neue Eintrag in die Annalen von Morgen, der den Hörer dieses Mal in eine düstere Zukunft entführt.

Die Zukunfts-Chroniken. Bisher wurden sie noch nicht niedergeschrieben, aber wir alle nähren diese Zeilen. Heute, hier und an anderen Orten. Die Zukunft kann beginnen...

Wenige Jahre in der Zukunft hat ein Virus große Teile der Menschheit ausgelöscht. Du begleitest Jasmin durch diese trostlose Zeit, teilst Freud und Leid mit ihr und bist ihr wichtigster Gesprächspartner. Du bist ihre letzte Hoffnung! (Klappentext)

Vom Plot her wirkt Frank Hammerschmidts neueste Geschichte auf den ersten Blick ein Stück weit konventionell: Um das Jahr 2040 hat das mysteriöse RP-Virus nahezu die gesamte Weltbevölkerung ausgelöscht, die Zivilisation ist zusammengebrochen. Zu den wenigen Überlebenden, die aus irgendeinem Grund gegen den Krankheitserreger immun sind, gehört die junge Jasmin Möller gespielt von Lisa Müller), die sich nach dem Tod ihrer Eltern sowie ihres Bruders gen Norden ausmacht, um bei ihrem Onkel und seiner Familie Unterschlupf zu finden. Unterwegs begegnet sie dem Arzt Dr. Rudolf Hofmeister (Werner Wilkening), dessen Forschungen Ergebnisse zur möglichen Bekämpfung des Virus ergeben haben, gerät in die Fänge des enthemmten Proleten Simon (Dennis Oberhach) und der ihm unterwürfigen Melanie (Alexandra Begau), kann Simon entkommen, findet neue Freunde, wird von Simon aber wieder aufgespürt, usw. Immer wieder kommen post-apokalyptische Geschichten in Form von Road Trips daher - und Zukunfts-Chroniken Live – Jasmin hält es ebenso. Seinen besonderen Reiz verdankt das Hörspiel jedoch der Perspektive, aus der die Geschehnisse erzählt werden: Jasmin trägt ein Gerät namens OroTech, optisch an ein Hörgerät erinnernd, das ursprünglich für Audio-Chats entwickelt wurde. Eine Diode zeigt an, wenn jemand mit einem Kontakt aufnehmen möchte. Und tatsächlich leuchtet eines Tages die Diode an Jasmins Gerät auf. Durch einen technischen Fehler empfängt sie zwar nur Rauschen, beginnt jedoch, dem ihr unbekannten Teilnehmer, den sie Lauscher nennt, von sich und ihren Erlebnissen zu berichten. Lauscher ist dabei niemand anderes als der Hörer, der die Geschichte im Stile einer improvisierten Live-Berichterstattung oder Raw Footage miterlebt: Da bricht die Übertragung schon mal unvermittelt ab, die Lautstärke variiert, Umgebungs- und/oder Störgeräusche sind deutlich zu hören. Die Inszenierung verringert die Distanz zwischen der Protagonistin und dem Hörer auf ein Minimum und ebnet auf diese Weise den Weg für ein möglichst intensives Miterleben der Ereignisse. Indem der Autor darauf verzichtet, seine Hauptfigur weder als Toughe Heldin noch als hilfloses Opfer ständig am Rande der Verzweiflung zu charakterisieren, kann das Publikum schnell eine Beziehung zu Jasmin entwickeln. Die junge Frau geht zwar keineswegs gefühllos, doch recht pragmatisch mit ihrer Situation um: Irgendwie muss es ja weitergehen, und Jasmin nimmt ihr Schicksal in die eigene Hand. In Dr. Hofmeister findet Jasmin so etwas wie einen Seelenverwandten, der für jenen Teil der Überlebenden steht, der auch nach der Katastrophe die Werte der Zivilisation hochhält. Simon dagegen verkörpert den Rückfall in die Barbarei, während Melanie den Gegenbegriff zu Jasmin bildet: Zwar hat sie in Simon einen Beschützer gefunden hat, dafür aber ihre Würde und Selbstständigkeit geopfert. In der Glaubwürdigkeit der Charaktere liegt eine weitere große Stärke dieses Hörspiels, das außerdem mit einem konsequent aufgezogenen Handlungsbogen punkten kann und so seine ca. 43 Minuten Spielzeit mit einem spannenden, kurzweiligen Abenteuer in einer post-apokalyptischen Welt von Morgen auszufüllen versteht. Schnitt und Regie lagen dieses Mal in den Händen von Marek Schaedel, dem man nicht nur bescheinigen kann, die beteiligten Sprecherinnen und Sprecher mit sicherer Hand durch den Plot geführt zu haben, sondern auch, in Sachen Abmischung jederzeit Herr der Lage gewesen zu sein.

Eine spannende, abwechslungsreiche Geschichte, ein engagiert agierender Cast und eine überzeugende Inszenierung zeichnen Zukunfts-Chroniken Live – Jasmin aus, womit sich dieses Hörspiel gekonnt in die Riege der bisherigen, ebenfalls sehr ansprechenden Zukunfts-Chroniken-Folgen einreiht. Wer sich für Produktionen abseits des Hörspiel-Mainstreams interessiert, sollte definitiv ein Ohr riskieren.



Zukunfts-Chroniken Live – Jasmin ist eine Produktion von Frank Hammerschmidt in Zusammenarbeit mit hoerspielprojekt.de . Das Hörspiel hat am 26. Mai 2017 um 20:00 Uhr Premiere und steht anschließend zum kostenfreien Download zur Verfügung.

Filmkitik: «Lazer Team» (seit dem 14. April 2017 auf DVD/Blu-ray im Handel)


Nachdem sie jahrzehntelang auf den Seiten unzähliger Comics gegen das Böse in den Kampf gezogen sind, haben die Superhelden in den letzten Jahren mit Wucht auch das Kino und die dank HD gar nicht mehr so flimmernde heimische Flimmerkiste für sich erobert. Ein Trend, der Rooster Teeth, der auch den Machern der Webserie Red vs. Blue natürlich nicht entgangen ist und sie zu ihrer Superhelden-Komödie Lazer Team inspiriert hat, die von Edel:Motion Film am 14. April 2017 auf DVD und Blu-ray in den Handel gebracht wurde.

Um die gesamte Menschheit vor herannahenden Alien-Superschurken zu retten, stellen freundlich gesinnte Außerirdische der Regierung einen Kampfanzug mit Superkräften zur Verfügung. Dieser soll per UFO einem Soldaten zugestellt werden, der von Kindesbeinen an darauf vorbereitet wurde, die Welt vor den Invasoren zu retten. Blöd nur, dass dieses UFO abstürzt und der Superanzug vier völlig unfähigen Losern in die Hände fällt. Zu allem Überfluss bindet sich dieser auch noch genetisch an sie. Jeder von ihnen – mit jeweils einer Superkraft des Anzugs ausgestattet – muss nun in Rekordzeit lernen, seine Fähigkeit im Kampf gegen die angriffslustigen Außerirdischen einzusetzen, möglichst ohne dabei die anderen umzubringen. Leichter gesagt, als getan. Das Schicksal der Menschheit in den Händen dieses undisziplinierten, planlosen und talentfreien Haufens? Klingt schrecklich… schrecklich lustig!

Für Lazer Team haben sich die Rooster Teeth-Mitglieder vor der Kamera Unterstützung von bekannten Schauspielern wie Alan Ritchson (Die Tribute von Panem, Black Mirror, Hawaii Five-0), Johnny Walter (The Originals, Butcher Boy) oder Steve Shearer (Du gehst nicht allein, Dark Places) ins Boot geholt. Und der Titelsong stammt von den Barenaked Ladies, die auch schon den Titelsong zu The Big Bang Theory beisteuerten. Bekannte Namen also, mit denen dieser kurzweilige Film rund um eine Truppe unfreiwilliger Helden neben Action und einer mächtigen Portion Jokes punkten kann. Humor ist natürlich immer Geschmackssache und nicht jeder Gag zündet, doch bleibt Lazer Team über seine ca. 99 Minuten Laufzeit stets unterhaltsam, weil der Streifen gekonnt mit den Klischees des Superhelden-Genres spielt. So erinnert der eigentlich als Retter der Menschheit auserkorene blonde Hüne nicht von ungefähr an Captain America, während der von den Außerirdischen zur Erde geschickte Superanzug von Design her so anmutet, als wäre er von Tonby Stark aka Iron Man konstruiert worden. Und natürlich müssen die Mitglieder des Lazer Teams sich im Stile einer klassischen Superhelden-Origin-Story erst einmal mit den Fähigkeiten des Superanzugs vertraut machen und Differenzen untereinander beilegen, ehe dann der große Showdown mit dem außerirdischen Gegner auf dem Programm steht. Dass dieser dann ausgerechnet in einem Football-Stadion stattfindet ist ein netter Seitenhieb auf die Big-Budget-Superheldenfilme, in denen ja gerne auch mal im Endkampf halbe Städte pulverisiert werden.

Ausgestattet hat Edel:Motion Film den Director's Cut von Lazer Team mit ca. 47 Minuten informativem Bonusmaterial, zu dem unter anderem verpatzte, entfallene und erweiterte Szenen, Einblicke in das Concept Art, das digitale Storyboarding sowie die visuellen Effekte gehören. Eine schöne Ergänzung zu einem kurzweiligen, humorigen Streifen, der die einschlägigen Superheldenfilme zwar gehörig auf die Schippe nimmt, gleichzeitig aber deutlich macht, dass hier Leute ein Genre veralbern, das sie lieben und in dem sie sich entsprechend gut auskennen.


Für wen es in Sachen Superhelden nicht immer nur ernsthaft zugehen muss, wird an Lazer Team sicherlich Gefallen finden. Der Rezensent jedenfalls hatte seinen Spaß.


Lazer Team ist seit dem 14. April 2017 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.


Bilder: © Edel:Motion Film

Hörspielrezension: «Mark Brandis - Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew» (Folgenreich/Interplanar)


Mit Folge 7: Laurin starteten Folgenreich und Interplanar Mitte 2016 in die zweite Staffel von Mark Brandis – Raumkadett. Und nun findet eben jene zweite Runde mit dem Hörspiel Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew ihren dramatischen Abschluss. Ca. 58 Minuten Spielzeit hat die Produktion, die seit dem 28. April 2017 im Handel erhältlich ist.

Mark Brandis‘ wiederholt unter Beweis gestellte außergewöhnliche Fähigkeit, in einer Notsituation blitzschnell Entscheidungen zu treffen, haben seine Vorgesetzten davon überzeugt, dass er bereit für ein erstes eigenes Kommando über ein Raumschiff ist. Damit geben sie ihm den Vorzug vor seinen Kameraden Alec Delaney und Robert Monnier, die sich nun unter Brandis' Befehl wiederfinden. Keine einfache Situation für Brandis, der zudem auch prompt seinen ersten Auftrag erhält: Die "Stella Polaris" unter Colonel Rublew, die sich auf einer Expedition zu einem Asteroiden befindet, soll durch einen Hochgeschwindigkeitstorpedo mit Messgeräten und Ersatzteilen versorgt werden. Doch bevor es dazu kommt, reißt die Verbindung zur "Stella Polaris" ab und eine raumflottenübergreifende Suchaktion wird gestartet. Um sich an der Rettungsaktion zu beteiligen, entscheidet sich Mark gegen die Vorschriften und für die Menschlichkeit, was zu tragischen Ereignissen führt, die auch den erwachsenen Mark Brandis für immer verfolgen werden…

Brandis' erstes Kommando und seine Suche nach Colonel Rublew bilden eines der entscheidenden Kapitel im Leben des von Nikolai v. Michalewski ersonnenen Raumfahrers. Was damals passierte, wurde in Geschichten wie Bordbuch Delta VII, Endstation Pallas, Verrat auf der Venus, Ikarus, Ikarus… oder Die Zeitspule zwar bereits angedeutet, doch nun werden die Ereignisse erstmals in vollem Umfang geschildert. Vor diesem Hintergrund ist Interplanars neuestes Hörspiel mit Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew zweifellos passend betitelt, wobei sich im Hinblick auf die Handlung alternativ auch Sprichwörter wie "Übermut tut selten gut" oder "Der Weg in die Katastrophe ist gepflastert mit guten Vorsätzen" angeboten hätten. Zugegeben, letzteres wäre ein ziemlich langer Folgentitel gewesen, doch fasst diese Redewendung den Plot des Finales der zweiten Raumkadett-Staffel andererseits sehr schön zusammen.

Was die Fans am erwachsenen Mark Brandis besonders schätzen, ist seine Bereitschaft, sich im Namen der Menschlichkeit notfalls über Regeln und Regularien hinwegzusetzen. Und genau dieser Charakterzug ist es auch, der von Balthasar v. Weymarn im Verlauf der ersten beiden Prequel-Staffeln immer weiter entwickelt und herausgearbeitet wurde. Zum Abschluss der zweiten Staffel lässt der Autor den Raumkadetten jedoch auf schmerzvolle Weise die wichtige Lektion lernen, dass eigenmächtiges Handeln ein zweischneidiges Schwert ist: Als Brandis zu Beginn der neuen Folge ohne zu zögern eingreift und dadurch ein Leben rettet, bringt ihm dies einen Orden und sein erstes eigenes Kommando ein; aber als er gegen Ende erneut gegen alle Regeln handelt, der Ausgang dieses Mal jedoch verheerend ist, landet er vor Gericht. Und gäbe es da nicht Menschen, die sich für den Raumkadetten einsetzen, weil sie an Brandis' und sein Potenzial glauben, dann wäre als weiterer alternativer Titel für dieses Hörspiel auch "From Hero to Zero" in Frage gekommen. Obwohl Brandis der Maximalstrafe schlussendlich gerade noch einmal knapp entgeht, so hat er - das macht der Dialog in den letzten Minuten der Folge deutlich - eines endgültig begriffen: Das eigene Leben zu riskieren, ist eine Sache. Das von Menschen, die unter einem dienen, hingegen eine ganz andere. Und selbst ein noch so hehres Ziel, rechtfertigt nicht jeden Preis. Vor allem nicht den ultimativen.

Steht ein Staffelfinale auf dem Programm, ist für die Macher natürlich die Versuchung groß, in erster Linie ein Feuerwerk der Soundeffekte abzubrennen, um noch einmal ein akustisches Ausrufezeichen zu setzen. Erst recht, wenn das Staffelende auch als potenzielles Serienende funktionieren soll. Zwar mangelt es Folge 12: Der Fall Rublew weder an Action noch Dramatik und der Klangraum von Jochim-C. Redeker ist abermals von exzellenter Qualität, doch hat Interplanar der Versuchung insofern widerstanden, als dass man sich auch beim Finale der zweiten Staffel treu bleibt, indem man sich auf die Charaktere fokussiert. Brandis, Delaney und Monnier müssen, da nun einer von ihnen Weisungsbefugnis über die anderen beiden besitzt, ihr Verhältnis untereinander neu ausloten; Brandis mit den Konsequenzen aus seiner neuerlichen Befehlsgewalt ins Reine kommen. Und ein Gespräch mit Rublews Ehefrau lässt Brandis darüber nachdenken, welche Auswirkungen sein Dasein als Raumfahrer wohl auf sein zukünftiges Beziehungsleben haben wird. Jede Menge Material also für schlanke 58 Minuten Laufzeit, doch die Folge wirkt niemals überladen oder die Themen überhastet abgehandelt. Im Gegenteil wird allen Aspekten der Handlung der nötige Raum zugestanden; die Balance aus Character Drama und Action stimmt; der konsequent gespannte Spannungsbogen findet einen überzeugenden Abschluss. Und auch nach einem Dutzend Folgen bleibt der von Daniel Claus angeführte Cast eine absolut sichere Bank.

Mit Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew legen Folgenreich und Interplanar den würdigen Abschluss einer für den Raumkadetten (und die Hörer) sehr ereignisreichen zweiten Staffel vor. Einer Staffel, in deren Verlauf der Raumkadett in seiner charakterlichen Entwicklung einen weiteren Teil seines Weges hin zum gereiften Mark Brandis aus der Originalserie zurückgelegt hat. Ganz ist er aber noch nicht da, weshalb auch nach Folge 12 noch Raum für weitere Raumkadett-Abenteuer bleibt. Und angesichts des überaus positiven Eindrucks, den sowohl die neue Folge als auch die Serie insgesamt bislang hinterlassen konnte, wäre es wirklich eine Schande, wenn es diese nicht geben würde.



Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew ist ein Hörspiel von Interplanar Produktion für Folgenreich. Seit dem 28. April 2017 ist es im Handel erhältlich. 



Review: «Doctor Who – Der Film» (ab dem 31. März 2017 auf DVD & Blu-ray im Handel)


1989 verordnete die BBC Doctor Who nach 26 Staffeln eine kreative Pause. De facto kam der Schritt zwar einer Absetzung gleich, doch dieses Wort wollten die Verantwortlichen des Senders nach den wütenden Fanprotesten, die sie sich wenige Jahre zuvor mit dem ersten Versuch eingehandelt hatten, die Serie aus dem Programm zu nehmen, dieses Mal nicht in den Mund nehmen. Ein cleverer Schachzug, denn auf diese Weise hielten sich die BBC-Oberen die Whovians ein Stück weit vom Hals, während diese die Hoffnung auf eine Rückkehr des Time Lords nicht aufzugeben brauchten. Und sieben Jahre später kehrte er tatsächlich auf die Bildschirme zurück – als Fernsehfilm mit einem neuen Doctor und als Koproduktion der BBC mit dem amerikanischen Network Fox. Am 31. März 2017 veröffentlicht Pandastorm mit Doctor Who – Der Film das TV-Abenteuer des achten Doktors nun erstmals auf DVD und als Blu-ray.

Der Doktor (Sylvester McCoy) soll die sterblichen Überreste des zum Tode verurteilten Masters (Eric Roberts) auf den Planeten Gallifrey bringen. Doch die Mission scheitert, die Tardis landet auf der Erde des Jahres 1999. Während der Doktor von einer Straßengang niedergeschossen wird, gelingt es dem Master einen anderen Körper zu übernehmen. Im Krankenhaus trifft der Doktor die Ärztin Grace Holloway (Daphne Ashbrook). In seiner neuen Inkarnation (Paul McGann) muss er die Kontrolle über die Tardis zurückgewinnen und seinen Erzfeind von einem teuflischen Plan abhalten. Die Zukunft der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel und die Zeit läuft gegen ihn... (Klappentext)

Bei seiner Ausstrahlung 1996 kam der als als Backdoor-Pilot angelegte Fernsehfilm beim Britischen Publikum sehr gut an. Doch jenseits des großen Teichs war das Echo hingegen deutlich verhaltener, weshalb Fox davon absah, weitere Folgen in Auftrag zu geben. Und ohne die finanzielle Beteiligung der Amerikaner konnte und wollte sich die BBC eine Neuauflage von Doctor Who nicht leisten. Erst neun Jahre später sollte es sie dann schließlich doch geben. Somit ist der Film mit Paul McGann als achtem Doktor allein dem Urteil der Nachwelt unterworfen. Und mit den Augen von heute betrachtet erweist er sich dabei als prototypisch für vieles, das in der New Series mittlerweile zum Standard gehört: Der Film präsentiert einen dynamisch auftretenden, dabei auch zu romantischen Gefühlen fähigen Time Lord, besitzt mit Grace Holloway bereits einen Companion auf Augenhöhe mit dem Doktor, der mehr ist als ein bloßes Anhängsel und wartet mit Sets auf, welche die Weitläufigkeit der TARDIS im Innern endlich visuell erlebbar machen. Nicht zuletzt bewegt er sich im Hinblick auf die CGI-Effekte auf der Höhe seiner Zeit. Die Unterschiede zwischen der klassischen Serie und diesem Film sind groß – und dennoch stellt er sich in die Chronologie der Doctor Who-Mythologie, wenn zunächst Sylvester McCoy als siebter Doktor nach sieben Jahren noch einmal zum Einsatz kommt, um nach einer standesgemäßen Regenerationsszene den Stab an Paul McGann weiterzugeben. Der achte Doktor findet auf der Suche nach Kleidung in einem Spind dann nicht nur einen Schal, der verblüffend an den des vierten Doktors Tom Baker erinnert, sondern auch eine Tüte Jelly Babies. Mit dem Schal kann er zwar nichts anfangen, mit den Süßigkeiten hingegen schon.

Es sind Details wie diese, mit denen der Film die Brücke zur Vergangenheit der Serie schlägt, während er sich in mehrfacher Hinsicht neu ausrichtet, um der Saga um den Time Lord eine neue Zukunft zu ermöglichen. Eine Melange aus Klassik und Moderne ist auch der Gegenspieler des Doktors in diesem Film: Mit dem Master wird zwar ein Feind aufgeboten, der den bestehenden Fans nur allzu gut bekannt ist, doch auch diese Figur wird etwas anders interpretiert als früher und erweist sich als eine echte Herausforderung für den Zeitwanderer, den es am Vorabend der Jahrtausendwende unerwartet nach San Francisco (für die Dreharbeiten gedoubelt von Vancouver) verschlägt. Im Setting und in der ausgedehnten Verfolgungsjagd, in der Master dem auf auf einem Motorrad fliehenden Doktor nachsetzt, wird der amerikanische Einfluss auf diese Produktion deutlich, die sich ansonsten so britisch wie möglich geben möchte. Unterm Strich geht der Mix auf und der Fernsehfilm kommt als spannendes wie unterhaltsames Doctor Who-Abenteuer daher. Die Frischzellenkur des Jahres 1996 hat dem Time Lord sichtbar gut getan und es wäre Paul McGann zu wünschen gewesen, dass auf seinen gelungenen Einstand noch weitere Fernsehfolgen mit ihm als achten Doktor gefolgt wären. Erst 2013 war er noch einmal in der Rolle zu sehen, als sich in einer Mini-Episode, die als zur Einstimmung auf das Special zum 50. Geburtstag der Serie gesendet wurde, der sein achter Doktor zum War Doctor regenerierte.

Dieses Special ist Bestandteil der umfangreichen Zusatzaustattung, mit der Doctor Who – Der Film von Pandastorm aufwartet. Neben dem Film mit ca. 86 Minuten Spielzeit und einem informativen Booklet werden dem Doctor-Who-Fan 297 Minuten an Bonusmaterial geboten – von mehreren Featurettes, welche die Entstehung des Films wie auch das weitere Leben des achten Doktors in den Comics und in Hörspielen eingehend beleuchten, über alternative Takes und Audiokommentare, bis hin zu Infotexten erstreckt sich die Palette an Zugaben. Ein echtes Fan-Paket, das kaum Wünsche offenlassen lassen dürfte.


Nach der Veröffentlichung des Specials Die fünf Doktoren sowie der Staffeln mit dem sechsten und dem siebten Doktor schließt Pandastorm mit Doctor Who – Der Film eine weitere Lücke, indem man nun auch den Auftritt des achten Doktors in Deutschland erstmals auf DVD und Blu-ray zugänglich macht. Und es ist ein reizvolles Kapitel in der Chronologie der Serie, das sich auf jeden Fall zu entdecken lohnt. Somit ist diese Veröffentlichung für bestehende Whovians und jene, die es werden möchten, gleichermaßen empfehlenswert.


Doctor Who – Der Film ist ab dem 31. März 2017 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.


Fotos: © BBC

Hörspielrezension: «Heliosphere 2265 - Folge 8: Getrennte Wege» (Greenlight Press/Interplanar)


Nach einer Pause von fünf Monaten gehen nun mit Heliosphere 2265 – Folge 8: Getrennte Wege die Hörspielabenteuer von Captain Jayden Cross und der Mannschaft des Interlink-Kreuzers Hyperion endlich weiter. 65 Minuten Spielzeit hat das Hörspiel von Greenlight Press und Interplanar, das ab heute im Handel erhältlich ist.

Die Hyperion halb zerstört, die Mannschaft zu Verrätern erklärt und gejagt den perfiden Plänen von Björn Sjöberg hat Captain Cross eine Waffe entgegenzusetzen: das Vertrauen der Mannschaft untereinander. Als unerwartet Rettung eintrifft, senden die neuen Verbündeten zwei Teams auf unterschiedliche Missionen: das eine soll ein Gegenmittel für den Killchip der Executive Controller stehlen, das andere auf der Station Nova einen Verräter für die gute Sache gewinnen. Dass es so klappt wie geplant, steht schon fast in der Missionsbeschreibung. Und so ist Improvisation gefragt... (Klappentext)

Am Ende von Folge 7: Die Opfer der Entscheidung befand sich die Crew der Hyperion in einer äußerst dramatischen Lage: Den feindlichen Parliden gerade noch einmal mit knapper Not entkommen, fanden sich Captain Jayden Cross und Co samt ihrem stark beschädigten Raumschiff im Niemandsland des Weltalls wieder. Und ohne funktionierenden Hyperlink-Antrieb würde eine Rückkehr in vertraute stellare Gefilde nahezu unmöglich sein. Doch in Folge 8: Getrennte Wege hat die leidgeprüfte Mannschaft endlich einmal Glück, als unerwartete Hilfe in Form von Admiral Pendergast und ihres Raumschiffs Torch eintrifft. Doch für Freudenfeste bleibt keine Zeit, denn Pendergast erteilt sogleich dem Trio Jayden Cross, Kirby Belflair und Alpha 365 einen gefährlichen Auftrag, während sie gleichzeitig das Duo Lukas Akoskin-Tess Kensington ebenfalls eine heikle Operation ausführen lässt. Getrennte Wege beschreibt den Charakter des Hörspiels daher nur allzu gut. Die beiden Missionen sind gleichermaßen spannend, ihrem Wesen nach jedoch recht unterschiedlich: Geht es bei bei Cross' Auftrag recht handfest zu (inklusive eines Feuergefechts mit gegnerischen Einheiten), werden Kensington und Akoskin auf der Station Raumstation Nova schnell zu Figuren eines Verwirrspiels aus Täuschung und Gegentäuschung, bei dem das Thema Vertrauen, das in den ersten Minuten der Produktion bereits einmal eine große Rolle spielte, nun auch wieder zum entscheidenden Faktor wird. Das Skript von Balthasar von Weymarn auf Grundlage des Romans von Andreas Suchanek nutzt dabei die Gelegenheit, die handelnden Figuren erneut ein Stück mehr auszuleuchten und ihre Beziehungen untereinander weiterzuentwickeln. Insbesondere das Verhältnis zwischen Captain Cross und Lt.-Cmdr. Belflair nimmt eine neue und für Cross ungewohnte Dimension an. Der stetige Wechsel zwischen den Handlungssträngen sorgt für Dynamik; ihre ca. 65 Minuten Spielzeit meistert die Produktion ohne irgendwelche Schwächen im Spannungsbogen. Verlass ist wie gewohnt auf die Besetzung des Hörspiels mit Wanja Gerick als Captain Jaden Cross an der Spitze. Neben Gerick stellen Manja Doering (Tess Kensington), Tobias Kluckert (Lukas Akoskin), Sven Hasper (Alpha 365) sowie Maria Koschny (Kristen „Kirby“ Belflair) erneut ihr Können unter Beweis. Und auch in Nebenrollen sind bekannte Sprecherinnen und Sprecher wie Anke Reitzenstein (als Admiral Pendergast), Sebastian Kluckert (Lt. Persson), Uve Teschner (Lt. Nurakow) oder Dorothea Lott (Admiral Jansen) zu hören. Ein hochqualitativer Cast also, der seine Rollen problemlos im Griff hat. Nichts anbrennen lässt auch Jochin-C. Redeker, der bei Interplanar fürs Sounddesign und die Musik zuständig ist. Redekers Klangräume bestechen ein weiteres Mal durch atmosphärische Dichte, ziehen den Hörer von der ersten Minute an unweigerlich direkt ins Geschehen hinein und werden in ihrer Wirkung von einem zupackenden Score noch unterstützt. Dürfte man es sich aussuche, wie das Weltall zu klingen hat, dann sollte es so klingen wie bei Jochim-C. Redeker.

Nun da der erste Zyklus von Heliosphere 2265 in seiner zweiten Hälfte angekommen ist, gewinnt der Widerstand gegen Björn Sjöberg immer mehr an Konturen. Und im Zeichen dieser Formierung stehen auch die beiden Missionen der Hyperion-Offiziere. Auf diese Weise bringt Folge 8: Getrennte Wege den ersten Heliosphere-Zyklus ein Stück weit voran, während zudem auf menschlicher Ebene einige Weichen gestellt werden. All dies verpackt das Hörspiel in einen abwechslungsreichen Plot, der von Interplanar akustisch überaus ansprechend inszeniert wurde. Auf die Fortsetzung Folge 9: Entscheidung bei Nova darf man deshalb jetzt schon gespannt sein.



Heliosphere 2265 – Folge 8: Getrennt Wege ist ein Hörspiel von Interplanar Produktion für Greenlight Press. Ab dem 24. März 2017 ist es im Handel erhältlich.



Hörspielrezension: «Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel» (Frank Hammerschmidt & Hoerspielprojekt)


Am morgigen Freitag erblickt mit Die Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel eine neue Folge der unkommerziellen Hörspielreihe Die Zukunfts-Chroniken das Licht der Öffentlichkeit. Was hinter den Türen ihres Labors wirklich vor sich geht, das möchte eine berühmte Wissenschaftlerin jedoch mit allen Mitteln für sich behalten. Doch eine Gruppe junger Männer ist ihrem Geheimnis auf der Spur.

"Die Zukunfts-Chroniken. Bisher wurden sie noch nicht niedergeschrieben, aber wir alle nähren diese Zeilen. Heute, hier und an anderen Orten. Die Zukunft kann beginnen…

Der Axolotl, ein Schwanzlurch mit der Fähigkeit seine Gliedmaßen, Organe, selbst Teile des Gehirns nachwachsen zu lassen. Was wäre, wenn das auch bei einem Menschen möglich werden würde?" (Ankündigungstext)

Es ist das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und Ethik, das für für Frank Hammerschmidts neuestes Hörspiel Die Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel den Background bildet. Doch schon allein aufgrund der kompakten Spielzeit von ca. 32 Minuten sollte man sich nicht darauf einstellen, eine Produktion zu erleben, die sich intensiv der Frage widmet, was Forscher zum angeblichen Wohl der Menschheit alles tun dürfen und wo die Grenzen des Vertretbaren liegen. Stattdessen liefert das Hörspiel eine gradlinige, bisweilen gruselige und böse Mär mit Anklängen an Klassiker wie Die Insel des Dr. Moreau von H.G. Wells oder jede Menge A-, B- oder C-Movies, in denen skrupellose Wissenschaftler, nicht zuletzt vom eigenen Ego angetrieben, ihren geheimen Experimenten nachgehen. Im Falle von Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel lautet der Name der Forscherin Dr. Inga Nyström (Birgit Arnold); ihre Gegenspieler sind Marc Schmiedel (Ronald Martin Beyer), Tommi Mühlhoff (Sebastian Schrage) und Philipos Christodoulakis (Horst Kurth). Helden sind die drei jungen Männer allerdings nicht gerade: Marc will durch einen Enthüllungsartikel über das, was in Nyströms Labor wirklich geschieht, berühmt werden, Philipos ist ein vom Ehrgeiz gekennzeichneter Hacker und Tommi wurde einst von der Wissenschaftlerin gefeuert. Tatsächlich gelingt es ihnen, in Nyströms Forschungseinrichtung einzubrechen. Doch dann geraten die Dinge außer Kontrolle.

Frank Hammerschmidt hat mit Die Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel ein Hörspiel geschrieben, das in zwei Richtungen funktioniert: Als SF-Hörspiel mit Gruselfaktor oder als Gruselhörspiel mit phantastischer Prämisse. Unterhaltsam ist die Produktion so oder so, denn ist die Ausgangssituation erst einmal etabliert, wird der weitere Plot konsequent vorangetriben, um schließlich einen stilechten Abschluss zu finden (Achtung: Es gibt eine Post-Credit-Sequenz!). Die Besetzung – neben den bereits genannten Sprechern sind außerdem Stephanie Preis, Lisa Müller, Dagmar Bittner, Sebastian Schmidt, Benedict Benken, Jens Niemeyer und Johanna Ehrlich zu hören – hat keine Schwierigkeiten damit, ihre Rollen zum Leben zu erwecken; und Sebastian Schrage, erstmals bei den Zukunfts-Chroniken für Schnitt, Sounddesign und Mischung zuständig, leistet bei seinem Einstand ganze Arbeit, so dass die Reihe in diesen Bereichen ihr bisheriges Niveau absolut halten kann. Das minimalistische Cover von Thorsten Adams ziert jener Schwanzlurch, dem die Axolotl-Formel ihren Namen verdankt.

Mit Die Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel ist Frankhammerschmidt in Zusammenarbeit mit dem Hoerspielprojekt abermals ein unterhaltsames Hörspiel gelungen. Und mit einem Plot, der in naher Zukunft spielt sowie Elemente des Grusel-Genres aufnimmt, stellt die Reihe abermals ihre Flexibilität unter Beweis. Auf diese Weise bleiben die Zukunfts-Chroniken eine willkommene Bereicherung der Hörspiellandschaft.


Die Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel hat am Freitag, dem 24. Februar 2017 im Webradiovon hierspielprojekt.de Premiere. Los geht es um 20:00 Uhr. Begleitend dazu gibt es auch einen Chat, der schon ab 19:30 Uhr startet. Im Anschluss steht die Produktion dann zum kostenlosen Download zur Verfügung.


Zum Weiterlesen: Verzeichnis meiner übrigen SF-Hörspielrezensionen

Hörspielrezension: «Mark Brandis - Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko» (Folgenreich/Interplanar)


In der Science-Fiction haben die Raumfahrer von morgen viel gemein mit den Seefahrern der Vergangenheit. Mit ihren Schiffen entfernen sie sich weit von den heimatlichen Gestaden, um bislang unerforschte Gebiete zu erkunden, Kontakt mit fremden Völkern aufzunehmen und Kolonien zu errichten. Oder um es mit dem zentralen Satz aus dem Intro von Star Trek zu sagen: To boldly go where no man has gone before. Das Angebot, dorthin zu gehen, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist, erhält in Folge 11: Das Jupiter-Risiko auch der Raumkadett Mark Brandis. Und natürlich nimmt er es an, denn ein Leben unter den Sternen ist ja genau das, wovon der junge Mann immer geträumt hat. Was Brandis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Der Trip zum Jupiter wird als ein einschneidender Wendepunkt in seiner charakterlichen Entwicklung herausstellen. Mark Brandis – Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko hat eine Spielzeit von ca. 63 Minuten und ist seit dem 3. Februar 2017 im Handel.

Vor den Abschlussprüfungen müssen die Kadetten der Astronautenschule Praxiserfahrung im Raumfahreralltag gewinnen. Mark Brandis, der davon träumt, später Alec Delaneys Erster Offizier zu sein, wird als Praktikant die nächste Reise des Forschungsschiffes ANAT begleiten. Unter Commander Brandt soll die ANAT die Atmosphäre des Planeten Jupiter erforschen. Doch als Brandt kurz vor dem Start verhaftet wird, ändert sich die Kommandostruktur: die ehrgeizige Patricia Simmons will um jeden Preis den Erfolg der Mission. Und Mark steht vor einer schweren Entscheidung… (Klappentext)

Analog zur Vielfalt an Schiffstypen auf unseren Weltmeeren wurden von den SF-Autoren im Laufe der Zeit ganz unterschiedliche Raumschiffe ersonnen. Von der behaglich eingerichteten U.S.S. Enterprise NCC 1701-D aus Star Trek: The Next Generation, die eher an ein Kreuzfahrtschiff erinnert, über den Kampfstern Galactica, einen Flugzeugträger im Weltall, bis hin zum reichlich mitgenommenen Raumfrachter Nostromo aus Alien reicht dabei die Bandbreite. Für die Anat aus Folge 11: Das Jupiter-Risiko stand ein ganz besonderer Schiffstyp Pate: das Unterseeboot. Typische U-Boot-Charakteristika wie den schlanken Rumpf und die beengten Platzverhältnisse an Bord überträgt Autor Balthasar von Weymarn auf die Anat; und wenn das Schiff in die Atmosphäre des Jupiters absteigt, wird der Raumflug zum Tauchgang in gefährliche Untiefen, die nicht den geringsten Fehler verzeihen. An Bord der Anat dient eine kleine, gut aufeinander eingespielte Crew, die keinen Hehl daraus macht, dass sie keine große Lust verspürt, ausgerechnet bei dieser heiklen Mission einen Frischling wie den Raumkadetten, der in letzter Minute zu Mannschaft stößt, anzulernen. Brandis (Daniel Claus) reagiert auf die bevorstehende Aufgabe sowie die Reaktion der Crew zunächst mit einer Mischung aus Neugier und Verunsicherung, profitiert dann aber davon, dass jede Hand gebraucht, er also zwangsläufig schnell in die Abläufe an Bord der Anat integriert wird. Und Brandis, der zu Beginn der Folge geäußert hatte, er sehe sich eher als zuarbeitender Befehlsempfänger und strebe in seiner Karriere nicht die Funktion des Kommandierenden an, gefällt die Rolle, die ihm an Bord der Anat zugewiesen wird. Doch obwohl er also nicht die Herausforderung sucht, in höchster Not die richtigen Befehle geben zu müssen, die Herausforderung findet ihn. Es ist diese Szene, in dem Brandis erkennt, sich bislang in einer falschen Rolle gesehen zu haben und sein Schicksal als Gestalter und Entscheider annimmt, die Folge 11: Das Jupiter-Risiko zu einer ungemein wichtigen Folge und zu einem Höhepunkt innerhalb der Serie macht. Denn hier vollzieht sich der maßgebliche Schritt in der Entwicklung des Protagonisten hin zu jenem Mark Brandis, den man aus der Originalserie kennt.

Eingebettet hat Balthasar v. Weymarn diesen Charaktermoment in einen spannenden Handlungsrahmen, der eine überaus anspruchsvolle Mission für die Anat und ihre Besatzung vorsieht. Mit Patricia Simmons (gesprochen von Dorothea Lott, in der Originalserie als Brandis' Ehefrau Ruth O'Hara zu hören) wird ein Captain präsentiert, der zunächst in seinem Starrsinn an Kapitän Ahab aus Melvilles Moby Dick erinnert (nicht der einzige Punkt, in dem sich das Hörspiel an diesem Literaturklassiker orientiert), sich jedoch im Stile eines Lt. Commander Queeg aus Die Caine war ihr Schicksal später als überfordert entpuppt, womit der Boden für Brandis' großen Auftritt bereitet wird. Wer sich beim Hören zudem bisweilen an Duell im Atlantik oder den Kampf zwischen der U.S.S. Enterprise und der U.S.S. Reliant aus Star Trek II: Der Zorn des Khan erinnert fühlt, liegt wahrscheinlich nicht ganz falsch. Am Schluss deutet der erwachsene Mark Brandis (Michael Lott), der als Erzähler durch die Geschichte führt, an, dass die Mission der Anat Auswirkungen für spätere Entwicklungen in der Hauptserie gehabt haben könnte, womit sehr schön der Bogen zu Mark Brandis geschlagen wird. Die Story schöpft ihr Potenzial zu großen Teilen aus, setzt auf Seiten der Hörerschaft aber mitunter die Bereitschaft voraus, gewisse Dinge einfach zu akzeptieren, ohne sie näher zu hinterfragen. Diesen Schwachpunkt vermag das Hörspiel jedoch wieder weitgehend auszugleichen durch tadellose Sprecherleistungen, ein hohes Erzähltempo und eine sehr dichte Atmosphäre, die das Gefühl der Enge und der ständig drohenden Gefahr für die Anat niemals abreißen lässt. Jochim-C. Redeker gebührt abermals großes Lob für dieses Sounddesign, das von einem zupackenden Score ideal in seiner Wirkung unterstützt wird.

Mark Brandis – Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko führt den jungen Mark Brandis so weit hinaus in Alls wie nie zuvor. Und innerlich verändert kehrt er von dieser Reise wieder zur Erde zurück. Doch die Geschichte funktioniert nicht nur als Charakterepisode hervorragend, sondern auch als actiongeladenes Weltraumabenteuer voller brenzliger Situationen. Eine überzeugende Mischung, die ein richtig starkes Hörspiel ergibt. Wer bislang gezögert hat, Mark Brandis – Raumkadett eine Chance zu geben, sollte Folge 11: Das Jupiter-Risiko zum Anlass nehmen, diese Haltung zu ändern.



Mark Brandis – Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko ist ein Hörspiel von Interplanar Produktion für Folgenreich. Seit dem 3. Februar 2017 ist es im Handel erhältlich.