Filmkritik: «The Return of the First Avenger: Civil War» (seit dem 28. April 2016 im Kino)


Seit Donnerstag läuft er nun in unseren Kinos: Jener Film, der hierzulande The First Avenger: Civil War heißt und der im Original auf den Namen Captain America: Civil War hört. Der treffendste Titel, den Marvel Studios ihm hätte geben können, wäre Avengers: Civil War gewesen. Zwar führt der Streifen auch den Handlungsstrang aus The Return of the First Avenger weiter, doch in Hauptsache versteht er sich als ein ca. 145 Minuten langer Epilog zu den ersten beiden Avengers-Filmen, für dessen Drehbuch Christopher Markus und Stephen McFeely auf Motive der Comicgeschichte Civil War zurückgegriffen haben.

In The First Avenger: Civil War steht der Fortbestand der Avengers zu Disposition: Die Welt ist den Helden für ihren Kampf gegen Loki und Ultron zwar sehr dankbar, doch dass sie dabei eigenmächtig und über alle nationalen Grenzen hinweg operiert haben, bereitet der Staatengemeinschaft wegen der enormen Schäden und er zahlreichen Opfer unter Zivilbevölkerung große Bauchschmerzen. Abhilfe schaffen soll da ein Abkommen, welches die Avengers unter die Aufsicht eines UN-Gemiums stellt. Tony Stark (Iron Man) befürwortet diesen Plan, während Steve Rogers (Captain America) dagegen ist, dass die Helden zukünftig nur noch auf ausdrücklichen Befehl tätig werden dürfen. Dadurch entsteht in Riss im Team, der sich noch vertieft, als Cap sich für seinen alten Freund Bucky Barnes (Winter Soldier) einsetzt, dem die Urheberschaft an einem verheerenden Bombenanschlag zur Last gelegt wird. Die immer stärker werdenden Spannungen entladen sich schließlich in einem gewaltigen Schlagabtausch zwischen den Superhelden. Ganz zur Freude einer im Hintergrund agierenden dritten Kraft, die ihre Finger im Spiel hat und deren Ziel die Vernichtung aller Avengers ist...

2014 erhielten Markus und McFeely als Autoren sowie die Gebrüder Russo als Regisseure von The Return of the First Avenger (org.: Captain America: The Winter Soldier) berechtigterweise sehr viel Lob, denn die Mischung aus Superheldenfilm und Polit-Thriller konnte auf ganzer Linie überzeugen. In ihren neuen Film hat das Quartett sehr viel hineingepackt – und man kann sich fragen, ob dies wirklich nötig gewesen wäre. Eine Geschichte über Captain America, der auf der Suche nach dem sich auf der Flucht befindenden Bucky Barnes selbst zum Gejagten wird, hätre problemlos einen abendfüllenden Film hergegeben. Eine Story, in der sich die Avengers darüber entzweien, ob sie sich einer externen Kontrolle unterwerfen sollen, ebenfalls. Civil War erzählt diese beiden Plots nun gleichzeitig, was einen langen, aber durchaus unterhaltsamen Film ergibt, der in manchen Szenen jedoch etwas erzwungen wirkt. So werden extra für den in den Trailern prominent herausgestellten großen Kampf der Superhelden mit Hawkeye und Ant-Man extra zwei Figuren aktiviert, die für die sonstige Handlung keinerlei Rolle spielen. Und der erste Auftritt von Spider-Man in einer Marvel Studios-Produktion besitzt eher den Charakter einer Promotion für den kommenden Streifen Spider-Man: Homecoming, als das er für The First Avenger: Civil War Relevanz besäße. Organisch aus dem Geschehen heraus ergibt sich hingegen die Einführung des Black Panther, der im Verlauf des Films zu einer interessanten Figur entwickelt wird. Seine Motivation wird nachvollziehbar hergeleitet, wie auch die unterschiedlichen Standpunkte von Iron Man und Captain America in der "Kontroll-Frage" durchaus plausibel sind. Positiv anzurechnen muss man es den Autoren außerdem, dass sie es sich mit der Beantwortung der Frage, wer von den beiden denn nun im Recht ist, nicht einfach gemacht, und sich zudem einen Twist aufgespart haben, der das Finale zum emotionalen Höhepunkt des Streifens werden lässt. Robert Downey jr. und Chris Evans sind in absoluter Topform und bilden die Speerspitze eines souverän agierenden, aus den Avengers-Filmen bekannten Casts, der durch Chadwick Boseman als Black Panther und Daniel Brühl als Zemo überzeugend verstärkt wird.

Was ansonsten von The First Avenger: Civil War im Gedächtnis bleibt, ist die unglaubliche Zahl an optisch grandiosen Action- und  Kampfszenen, die sich gegenseitig zu überbieten versuchen und dabei Gefahr laufen, komplett die Bodenhaftung zu verlieren. Könnte jene Szene zu Beginn, in der die Avengers in Lagos Terroristen verfolgen, die zuvor aus einem Labor einen gefährlichen Krankheitserreger gestohlen haben, auch ebenso gut aus einem James Bond-Film stammen, überspannt man später den Bogen doch massiv, wenn Cap einen Helikopter am Start hindert, indem er sich mit einer Hand an der Kufe des Hubschraubers festhält, während er mit der anderen Hand ein Geländer umklammert. Plötzlich ist es da, dieses cartoonhafte Over-the-Top-Feeling, das Marvel zu vermeiden trachtet. Dieses Abgleiten in Regionen des Absurden, das geeignet ist, die Charaktere ihrer Glaubwürdigkeit zu berauben. Doch glücklicherweise bleibt es bei Ausrutschern, die der Film insbesondere durch hohes Erzähltempo schnell wieder wett macht.

The First Avenger: Civil War reflektiert die bisherigen Abenteuer der Avengers und schlägt zugleich ein neues Kapitel in der Saga dieser Superheldentruppe auf. Der Film setzt auf die bewährte Marvel-Formel aus reizvollen Charakteren, Drama und effektvoll inszenierter Action, womit er sicherstellt, dass ihn die Fans mit Sicherheit lieben werden. Bietet er ihnen doch alles, was sie von Produktionen der Marvel Studios seit Jahren gewohnt sind. Doch auch allen, die keine ausgesprochenen Comicfans sind, empfiehlt sich The First Avenger: Civil War als rasantes, visuell beeindruckendes Unterhaltungskino. Ein Film, also, den man gesehen haben sollte.



The First Avenger: Civil War läuft in 3D seit dem 28. April 2016 in den deutschen Kinos.

Vorschau: «Things to Come» - Neues Überblickswerk zum Thema SF-Film aus dem Kerber Verlag



Vom 30.6.2016 bis zum 23.4.2017 präsentiert die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen in Berlin die Ausstellung Things to Come - Science. Fiction. Film . Begleitend dazu veröffentlicht der Kerber Verlag unter dem Titel Things to Come ein neues Überblickswerk zur Geschichte des Science-Fiction-Films.

Der Verlag schreibt dazu: 

"Das Science-Fiction-Genre boomt. Immense Budgets und klingelnde Kinokassen kennzeichnen seinen Siegeszug. Die unendlichen Weiten des Weltalls, Landungen auf fremden Planeten, Begegnungen mit Aliens sowie der technische und wissenschaftliche Fortschritt sind populäre Themen. Wie schon beim ersten Hype in den 1950er Jahren lassen sich in den Filmen zahlreiche Verweise auf gesellschaftliche Themen finden.

Things to Come gibt einen Überblick über das Genre und die Ursachen des aktuellen Erfolgs. Die Publikation versammelt unveröffentlichte Abbildungen und exklusive Werk- und Szenenfotos aus der internationalen Filmgeschichte. Anschauliche Beiträge sowie zahlreiche Interviews mit renommierten Experten komplettieren das Buch und schaffen einen ebenso unterhaltsamen wie reflexiven Zugang zum Genre Science-Fiction."

Herausgegeben von Kristina Jaspers, Nils Warnecke und Gerlinde Waz enthält das als Hardcover erscheinende Buch auf 208 Seiten neben zahlreichen farbigen Abbildungen Texte von Marcus Becker, Beatrice Behn, Marc Bonner, Rolf Giesen, Kristina Jaspers, Tim Lindemann, Georg Simbeni, Vera Thomas, Nils Warnecke und Gerlinde Waz, sowie Interviews mit Jacques Arnould, Monika Bauert, Manfred Hild, Lars Lundström, Arthur Max, Ulrich Walter und Christopher Welch. 

Der Ankündigungstext und die Riege der Beteiligten klingen vielversprechend und machen in der Tat jetzt schon neugierig auf dieses Buch. Things to Come erscheint im Juni 2016 und kann zum Preis von ca. 40 Euro beim Verlag bereits vorbestellt werden. 


METRO 2035: Lesung von Dmitry Glukhovsky heute Abend bei LovelyBooks


Im Rahmen der Veröffentlichung seines neuen Science-Fiction-Romans METRO 2035 kommt der russische Bestseller-Autor und Journalist Dmitry Glukhovsky für eine Lese- und Pressereise nach Deutschland. Am heutigen Mittwoch, dem 27. April 2016, ist er ab 19.30 Uhr für eine Lesung aus METRO 2035 zu Gast in München bei LovelyBooks, der größten Buchcommunity im deutschsprachigen Raum.

Für Fans und Leser, die leider nicht persönlich vor Ort sein können, überträgt LovelyBooks die Lesung per Livestream auf LovelyBooks.de. Im Anschluss an die Lesung beantwortet Dmitry Glukhovsky Fragen aus dem Publikum sowie von Online-Zuschauern. Wer aus der Netzgemeinde eine Frage an den Autor hat, kann sie ihm bei Twitter unter dem Hashtag #lblive stellen. Unter allen, die auf diese Weise mitmachen, werden fünf signierte Bücher verlost.

Den Livestream der Lesung von METRO 2035 könnt ihr ab 19:30 Uhr auch hier im Blog verfolgen.


Über den Roman: 

Der Held einer ganzen Generation ist zurück – in METRO 2035 macht sich Artjom erneut auf die gefährliche Reise durch das Dunkel der Moskauer Metro Seit ein verheerender Atomkrieg zwanzig Jahre zuvor die Erde verwüstet hat, haben die Menschen in den Tiefen der Metro-Netze eine neue Zivilisation errichtet. Doch die vermeintliche Sicherheit der U-Bahn-Schächte trügt: Zwei Jahre, nachdem Artjom die Bewohner der Moskauer Metro gerettet hat, gefährden Seuchen die Nahrungsmittelversorgung, und ideologische Konflikte drohen zu eskalieren. Die einzige Rettung scheint in einer Rückkehr an die Oberfläche zu liegen. Aber ist das überhaupt noch möglich? Wider alle Vernunft begibt sich Artjom auf eine lebensbedrohliche Reise durch eine Welt, deren mysteriöses Schweigen ein furchtbares Geheimnis birgt …


Hinweis in eigener Sache: Für die Bereitstellung und Ausstrahlung des Livestreams in ausschließlich LovelyBooks verantwortlich.

Hörspielrezension: «Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 4: Der Elefant aus Stahl» (Maritim)


Wer rastet, der rostet. Das gilt insbesondere für Weltenbummler. Damit er gar nicht erst Gefahr läuft, irgendwelchen Rost anzusetzen, schickt das Label Maritim Jules Vernes berühmten Helden Phileas Fogg bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in ein neues Hörspielabenteuer. Fand die Konfrontation zwischen Fogg und dem verschlagenen Robur in Folge 3: Krieg in den Wolken an Bord des imposanten Luftschiffs Albatros statt, so steht auch dieses Mal ein technischen Wunderwerk im Mittelpunkt: ein Elefant aus Stahl. Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 4: Der Elefant aus Stahl hat eine Laufzeit von ca. 65 Minuten und ist seit dem 22. April 2016 im Handel.

Phileas Fogg und seine Begleiter reisen nach Indien. Dort hat der britische Ingenieur Banks im Auftrag des Maharadschas ein mechanisches Meisterwerk geschaffen: eine mächtige Dampfmaschine in Form eines lebensgroßen Elefanten. Von diesem beeindruckenden Automaten befördert, machen sich unsere Helden zu einer Reise durch die Tiefen des indischen Dschungels auf. Doch im Dickicht lauern nicht nur wilde Tiere, sondern auch die Gespenster der Vergangenheit. Für den englischen Offizier Munro ist es seine Nemesis aus den Tagen der Expeditionstruppen. Und für unsere Helden ein alter Bekannter, der erneut die Hand nach der Macht ausstreckt. So wird die Reise in den Urwald bald zu einem Kampf auf Leben und Tod. Werden Phileas Fogg, Aouda und Passepartout auch diese Prüfung bestehen? (Klappentext)

Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg ist eine zyklisch aufgebaute Serie, deren Staffeln jeweils vier Folgen umfassen. Folglich wird nun jener Erzählstrang zum Abschluss gebracht, der in Folge 1: Entführung auf hoher See begonnen wurde. Um dieses Ereignis gebührend zu feiern, haben sich die Macher nicht lumpen lassen und fahren mächtig auf, indem sie Foggs Trip nach Indien als viktorianisches James Bond-Abenteuer klassischer Machart anlegen: An einem größenwahnsinnigen Schurken, der in einem Versteck der Superlative seine Eroberungspläne schmiedet, fehlt es ebenso wenig wie an einem finsteren Henchman oder einem egozentrischem Wissenschaftler, der sein Talent und sein Gewissen an den Bösewicht verkauft hat. Und wenn im Showdown die Truppen des Schurken zum großen Schlag gegen das Empire ausholen, ist es an Phileas Fogg, für Königin und Vaterland die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Doch wirklich Sorgen zu machen braucht sich Queen Victoria nicht, denn auf Fogg ist selbstverständlich Verlass.

Der Plot von Markus Topf gönnt sich erst etwas Anlauf, gewinnt dann aber zunehmend an Fahrt und kulminiert in einem Showdown, der diesen Namen auch verdient. Dabei wird Christian Brückner als Jules Verne/Erzähler erheblicher Raum zugestanden, doch sorgen seine Ausführungen für sehr viel Atmosphäre und tragen damit maßgeblich zum Gelingen dieser Geschichte bei, die es sehr schön schafft, ein eigenständiges Abenteuer zu erzählen, während die gleichzeitig die erste Staffel von Jules Verne/Phileas Fogg gekonnt abrundet. Für das richtige Flair sorgen zudem die Soundkulisse von Studio WinterZeit sowie die orchestrale Musik von Alexander Schiborr und Michael Donner. Unverändert eine sichere Bank sind die Sprecherinnen und Sprecher, die die Serie zu bieten hat. Sascha Draeger (Phileas Fogg), Annina Braunmiller (Aouda) und Marius Clarén (Passepartout) bilden neben Christian Brückner (Jules Verne) das Rückgrat; Hartmut Neugebauer, Dietmar Wunder und Klaus Dieter Klebsch, die neben anderen gestandenen Stimmen dieses Mal ebenfalls mit von der Partie sind, liefern eine wunderbare Performance und gehen voll in ihren Rollen auf. Man hätte absolut nicht dagegen einzuwenden, ihnen auch gleich noch eine weitere Stunde oder länger zuzuhören.

Mit der nun komplett vorliegenden ersten Staffel hat Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg sein erzählerisches Potenzial unter Beweis gestellt. Das Konzept, Vernes Geschichten zur Grundlage einer Abenteuerserie um den Globetrotter Phileas Fogg zu machen und dabei auch von anderen Autoren geschaffene klassische Figuren einzubauen, ist absolut tragfähig und eröffnet der Serie ausgezeichnete Perspektiven. Daher darf man gespannt sein auf die zweite Staffel, die nicht nur dieses Jahr gestartet, sondern auch noch zum Abschluss gebracht werden soll. Zum Rasten wird Phileas Fogg also auch auf absehbare Zukunft nicht kommen. Und das ist eine gute Nachricht für alle Hörspielfans.



Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 4: Der Elefant aus Stahl ist eine Produktion von Maritim. Seit dem 22. April 2016 ist das Hörspiel im Handel erhältlich.


Hörtipp: «Scary Stories 09: Falten» (Webpremiere am 23. April bei Soundtales Prod.)


Mit seiner SF-Hörspielreihe Zukunfts-Chroniken ist Frank Hammerschmidt regelmäßig Thema hier im Blog. Nach etwas mehr als einem Jahr Pause geht es morgen, am 23. April 2016, nun auch mit seiner unkommerziellen Grusel-Hörspielreihe Scary Stories endlich weiter. Dann nämlich erlebt Scary Stories 09: Falten seine Premiere im Webradio von Soundtales Productions, um anschließend zum kostenlosen Download freigeschaltet zu werden.

Falten - man sieht sie kaum im Gesicht der Hollywood-Diva Johanna Finch, die schon als Stummfilmstar auf der großen Leinwand erschien. Die junge Reporterin Nina Oswald und ihre Freundin Djeyma Dalembert kommen hinter das Geheimnis ihrer Schönheit. (Ankündigungstext)

Was das Schönheitsgeheimnis von Johanna Finch ist, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden. Da es sich bei den Scary Stories aber um Gruselgeschichten handelt, dürfte klar sein, dass die Schauspielerin ihr makelloses Äußeres nicht den Errungenschaften der Kosmetikindustrie oder einem besonders talentierten Schönheitschirurgen verdankt. Angesiedelt hat Frank Hammerschmidt seine Geschichte im Amerika des Jahres 1966. Und es gelingt ihm, die gesellschaftlichen Verhältnisse und das Kolorit der damaligen Zeit einzufangen und in den Dienst des Plots zu stellen, der mit Hilfe eines stringenten Spannungsbogens in ca. 32 Minuten erzählt wird. Damit bewegt sich die Spielzeit von Folge 9 auf dem Niveau ihrer Vorgänger und im Rahmen dessen, was zu erwarten steht, wenn man es mit einer anthologischen Kurzhörspielreihe zu tun hat.

Eine solche kompakte Laufzeit lässt naturgemäß keinen Raum für große Vorreden. Darum kommt die Story auch gleich zur Sache und etabliert die Ausgangssituation. Davon ausgehend spinnt sich ein Handlungsfaden, der gut zu unterhalten versteht und den Gruselfreunden viele jener Ingredienzien bietet, die sie von solch einer Geschichte erwarten. Ein unheimliches, direkt neben einem Friedhof gelegenes Haus inklusive. Die Charakterisierung der Figuren beschränkt sich zwar auf Grundsätzliches, gibt den Protagonisten jedoch genügend Profil, um sie für den Hörer interessant zu machen. Zum Leben erweckt werden Djeyma Dalembert, ihre Freundin Nina Oswald, die Diva Joanna Finch und Co von Sprecherinnen und Sprechern, die sich wie bei früheren Folgen auch schon aus den Reihen der Soundtales Productions rekrutieren. Und was Jennifer Reif, Samina König, Frauke Kestner, Jörg Buchmüller, Werner Wilkening u.a. hier abliefern, kann sich für unkommerzielle Verhältnisse durchaus hören lassen. Für den Schnitt sowie die Abmischung konnte man ein weiteres Mal die Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld gewinnen, mit der Frank Hammerschmidt auch für Zukunfts-Chroniken zusammenarbeitet. Die von ihr geschaffene Klangkulisse macht einen erfahrenen, souveränen Eindruck.

Die Premiere von Scary Stories 09: Falten wurde von STP auf den morgigen Samstag um 19:30 Uhr festgesetzt. Dann strahlt man das Hörspiel im Webradio derCommunity aus. Begleitend dazu gibt es auch einen Chat. Wer nicht dabei sein kann, für den steht die Folge im Anschluss an die Premiere zum kostenfreien Download zu Verfügung. Wer sich für solide Grusler im knackigen Format erwärmen kann, sollte mal ein Ohr riskieren.




Hörspielrezension: «Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis» (ab dem 22. April 2016 im Handel)


Morgen, am 22. April 2016, feiert mit Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis eine neue kommerzielle Hörspielserie aus dem Mystery- bzw. Gruselgenre ihre Premiere. Ich durfte den Erstling bereits vorab hören und nehme ihn im Rahmen meiner Rubrik Blick über den Tellerrand nun mal etwas näher unter die Lupe. 

Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis ist eine Produktion der Schmiede Stein/Hardt für das Label Maritim. Hinter Stein/Hardt stehen Tom Steinbrecher und Paul Burghardt, die zusammen im letzten Jahr für Dreamland Productions das Hörspiel Dreamland Grusel 22: Im Bann der Teufelskrähe schufen. Jetzt schickt das Duo seine erste Serie ins Rennen.

Blaue Blitze und Kuttenträger in Seaforth, Kanada? Dr. Morton Zephyre und sein Assistent Dave Edwards meinen, darin eine Spur zu einem älteren Fall zu erkennen. Bei den Untersuchungen vor Ort lernen sie die junge Hackerin Nina Sallenger kennen, die ihnen einige Hinweise geben kann. Die Ereignisse überschlagen sich jedoch von einer Sekunde auf die nächste und scheinen sich allesamt auf die Bohrinsel "Blue Thunder" zu konzentrieren. Können Zephyre und sein Team das nahende Grauen aufhalten? (Klappentext)

Pilotfolgen geraten bisweilen etwas spannungsarm: Ihre Autoren meistern zwar in der Regel recht gut die Aufgabe, die Charaktere und das Setting zu etablieren, haben aber immer wieder Schwierigkeiten damit, diese Elemente in einen griffigen Plot einzubetten. Aus diesem Grunde hat man häufig den Eindruck, in der Auftaktepisode seien zwar eine Reihe von Grundlagen gelegt worden, ihr inhaltliches Gleichgewicht müsse die Serie aber erst noch finden. Erfreulicherweise präsentiert sich Twilight Mysteries Folge 1 als ein inhaltlich ausgewogener Serienstart. Der Hörer bekommt einen ersten Einblick in die Charaktere und insbesondere ihre Eigenarten, doch dabei belassen es die Macher vorerst und lassen stattdessen Zephyre & Co ein Mysterium an der kanadischen Küste erforschen. Dies geschieht relativ gradlinig und entlang bekannter Genrekonventionen, was der Spannung und dem Unterhaltungsgrad jedoch keinen Abbruch tut. Die Serie nimmt sich und seine Figuren dabei zwar schon ernst, gibt sich aber keineswegs verbiestert, weshalb sie sich neben den düsteren auch heitere Momente gönnt, die das Geschehen immer wieder auflockern.

Die Hauptrollen (Dr. Morton Zephyre, Dave Edwards, Nina Sallenger) wurden mit Marc Schülert, Kim Hasper und Tanya Kahana besetzt; in Nebenrollen sind u.a. André Beyer, Dirk Hardegen und Detlef Tams zu hören. Alle Beteiligten sind erfahrene Sprecherinnen und Sprecher, und entsprechend souverän erfüllen sie ihre Rollen mit Leben: Zephyres Verletzlichkeit kommt genauso zum Ausdruck wie das resolute, bisweilen arg vorlaute Wesen von Nina. Letzteres muss einem nicht unbedingt gefallen, doch ist es immer noch besser, man hat es mit einer Figur mit Ecken und Kanten zu tun, die einem nicht unbedingt sympathisch ist, als eine Charakterschablone vorgesetzt zu bekommen, die einem mit ihrer Profillosigkeit nicht wehtut. Neben der Leistung der Besetzung bleiben auch die Soundkulisse und die Musik positiv im Gedächtnis. Zusammen spannen sie einen stimmungsvollen akustischen Rahmen für eine Handlung auf, die mit einem angenehmen Erzähltempo in ca. 58 Minuten über die Bühne gebracht wird. Die letzte Szene bereitet dabei schon einmal die zweite Folge vor, die bereits am 20. Mai 2016 erscheinen soll.


Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis ist ein gelungener Start für diese neue Hörspiel-Mysteryserie. An Konkurrenz fehlt es ja nicht gerade, doch ich denke, Twilight Mysteries hat das Potenzial, sich behaupten zu können. Auf Folge 2: Thanatos freue ich mich schon.


Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis ist eine Stein/Hardt-Produktion für Maritim. Ab dem 22. April 2016 ist das Hörspiel im Handel erhältlich.

Hörspielrezension: «Mark Brandis - Raumkadett Folge 8: Monschatten» (Folgenreich/Interplanar)


Mit Folge 7: Laurin legten Folgenreich und Interplanar Mitte Januar 2016 den Auftakt der zweiten Staffel der Prequelserie Mark Brandis – Raumkadett vor (ich rezensierte das Hörspiel hier). Seit dem 15. April ist nun die Fortsetzung Mark Brandis – Raumkadett Folge 8: Mondschatten im Handel. "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit" waren Neil Armstrongs Worte, als er 1969 den Mond betrat. In der Welt von Mark Brandis sind Reisen zum Mond inzwischen Routine – doch für diese Hörspielserie bedeutet die aktuelle Folge einen erheblichen stilistischen Schritt nach vorne.

In der Astronautenschule gehen Gerüchte um: die Gruppe, in der Mark Brandis und seine Freunde ausgebildet werden, soll gegen Jungkadetten antreten, die die Raumflotte heimlich trainiert hat. Als Ort der Übungsmanöver wurde der Mond ausgewählt. Doch kaum sind sie dort eingetroffen und auf sich allein gestellt, kommt alles anders. Und es hilft Mark Brandis nicht, dass er ausgerechnet jetzt Nina wieder begegnet. Der Frau, die ihm vor Jahren das Herz gebrochen hat …

Als Nikolai v. Michalewski seine Mark Brandis-Romane schrieb, stand die Weltpolitik ganz im Zeichen der Ost-West-Konfrontation. Von dem Gedanken geleitet, die Probleme und Herausforderungen der Gegenwart im Kontext einer Zukunftsvision zu thematisieren, gestaltete der Autor in den Abenteuern seines Weltraumhelden folgerichtig das Verhältnis zwischen den beiden Machtblöcken - der Union und den Republiken - als den Kalten Krieg des 22. Jahrhunderts. Als Interplanar sich 2007 daran machte, die Romane als Hörspiele zu adaptieren, übernahm man dabei diesen Antagonismus, der auch für das Prequel Mark Brandis - Raumkadett den politischen Background bildet. Dass es die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische-Union (EAAU, kurz: die Union) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR, kurz: die Republiken) es in ihrem Kräftemessen nicht bei Drohgebärden belassen, wurde schon in der ersten Staffel der Prequels deutlich gemacht, und zuletzt überdeutlich in Folge 7: Laurin, in der Brandis mit seinen Kameraden in den Kessel von Baku geschickt wurde, um diesen gegen die Republiken zu verteidigen. Nicht nur heißer sondern auch ein kalter Krieg fordert Opfer – diese Lektion hat der junge Mark bereits gelernt. Und in der neuen Folge lernt er sie ein weiteres Mal.

Balthasar v. Weymarns Geschichte beginnt als ein weiterer Abschnitt in Brandis' Ausbildung zu Raumfahrer, lässt den Protagonisten im weiteren Verlauf auf seine alte Flamme Nina treffen und wächst sich zu einem Verschwörungsthriller aus, in dessen Finale Brandis im Stile eines Nachwuchs-Bonds alles daransetzt, die den Weltfrieden bedrohenden perfiden Pläne der Schurken zu vereiteln, die sich zu diesem Zwecke auf dem Mond eingenistet haben. Mit der Rückkehr von Nina Aaby-Ericsson schlägt die Serie den Bogen zurück zu ihren Anfängen, handelt es sich bei ihr doch um Marks erste große Liebe. Ihretwegen ließ er sich in Folge 1 auf eine Dummheit ein, die beinahe seine Pläne zunichte gemacht hätte, eines Tages ins Weltall zu starten. Seit jenen Tagen ist inzwischen einige Zeit vergangen und sowohl Nina als auch Mark haben sich weiterentwickelt, was an Brandis' Gefühlen für Nina jedoch nichts ändert. Glücklicherweise versteht es der Plot, nicht in Richtung Schmonzette abzudriften, sondern nutzt die Gefühle von Mark für Nina als emotionale Komponente in einer ansonsten auf Abenteuer und Action setzenden Handlung, die mit jener Konsequenz zu Ende geführt wird, die frühere Folgen teilweise vermissen ließen. Hatte v. Weymarn in Folge 4: Hinter den Linien die Erschießung von Alba Bravo durch Soldaten der Republiken an der Demarkationslinie zwischen den Blöcken schlussendlich in ein Täuschungsmanöver umgedeutet, mit dem das Überlaufen der Offizierin zur VOR getarnt werden sollte, so gibt es nun keine derartigen Hintertüren mehr. Es sind Dinge wie diese, die deutlich machen, dass sich Mark Brandis – Raumkadett in der seiner zweiten Staffel von der Tonlage her immer mehr der Originalserie annähert. Eine überaus willkommene Entwicklung, die nicht zuletzt den Reifeprozess der Hauptfigur verdeutlicht. Die Macher gehen diesen Weg in den kommenden Folgen hoffentlich entschlossen weiter.

Voll ausgereift sind hingegen die Leistungen der Casts und der Klangraum, den Jochim-C. Redeker für Mark Brandis – Raumkadett Folge 8: Mondschatten geschaffen hat. Die Stammbesetzung Daniel Claus, Sebastian Kluckert, Sebastian Fitzner, Wanja Gerick und Leon Boden verstärken dieses Mal Sarah Alles Arne Kapfer Nico Nothnagel, Fang Yu, Hans-Eckart Eckhardt und Konrad Bösherz; Michael Lott gibt als erwachsener Mark Brandis wie gehabt den Erzähler. Die erfahrenen Sprecherinnen und Sprecher leisten durchweg gute Arbeit und sorgen für ein lebendiges Portrait der ihnen anvertrauten Charaktere. Was das Sounddesign und die Musik angeht, erweist sich Jochim-C. Redeker wieder einmal als sichere Bank, denn auch diese Folge zeichnet sich durch eine plastisch ausgestaltete akustische Kulisse aus, die viel Atmosphäre verströmt und somit den idealen Rahmen für das Geschehen bildet.

Mark Brandis – Raumkadett Folge 8: Mondschatten weiß seine 56 Minuten Laufzeit für ein kurzweiliges Weltraumabenteuer zu nutzen, das eine schöne Balance zwischen Charakterentwicklung und Actionelementen findet. Sich von der Stimmung her auf die Originalserie zuzubewegen, ist definitiv die richtige Richtung. Weil man auch im Hinblick auf die Sprecherleistung, das Sounddesign und den Soundtrack nichts anbrennen lässt, bringt diese Interplanar-Produktion alles mit, was es braucht, damit man sie vorbehaltlos empfehlen kann.



Mark Brandis - Raumkadett Folge 8: Mondschatten ist seit dem 15. April 2016 offiziell im Handel erhältlich.



Star Trek: Neue CBS-Serie spielt angeblich nach «Star Trek VI: Das unentdeckte Land» - Was wäre, wenn das tatsächlich stimmt?


Im nächsten Jahr startet der US-Sender CBS eine neue Star Trek-Serie. Den Pilotfilm zeigt man im Fernsehen, die übrigen Folgen erleben ihre Premiere auf dem Streampingportal CBS All Access. Während das Studio offen damit umgeht, wer die Macher hinter dem Projekt sind (u.a. Alex Kurtzman, Nicolas Meyer und Bryan Fuller), hüllt man sich hinsichtlich der Frage, in welchem ST-Universum bzw. welcher Ära die Serie spielen wird, weiterhin in Schweigen. Chefkoch Devin Faraci hat in der Gerüchteküche der Website Birth.Movies.Death. ein neues Gericht gekocht, das er der Öffentlichkeit auf seiner Website in einem Artikel präsentiert.

Faraci will gehört haben, dass die kommende Serie nicht im Reboot-Universe von J.J. Abrams, sondern im originalen ST-Universum spielen wird. Ausgesucht hat man sich angeblich die Classic-Ära, und die Handlung soll einige Zeit nach Star Trek 6: Das unentdeckte Land angesiedelt sein. Auch die Anfangsszenen von Star Trek: Treffen der Generationen sollen sich schon zugetragen haben – Captain Kirk ist also bereits im Nexus verschwunden. Ort der Handlung wird kein Raumschiff mit Namen Enterprise sein, die Crew ist völlig neu. Wenngleich durch das das Khitomer-Abkommen der Weg für einen Frieden zwischen der Föderation und den Klingonen geebnet wurde, sollen in der Serie dennoch Klingonen auch als Schurken mit von der Partie sein. Konzeptionell löst sich die Serie laut des Berichts von in sich abgeschlossenen Einzelfolgen und setzt stattdessen auf das Serial-Prinzip: Die einzelnen Folgen erzählen also jeweils einen Teil einer großen Gesamthandlung. Zum Schluss weiß Faraci noch mitzuteilen, dass gerüchteweise die Serie im Stile einer Anthologie in jeder Staffel eine andere Ära beleuchten wird. Auf das Classic-Abenteuer in Staffel 1 könnte also eines in der TNG-Ära in Staffel 2 folgen. Inklusive komplett anderem Cast, Raumschiff etc. .

Was an den Gerüchten wirklich dran ist, wissen neben den CBS Studios nur Alex Kurtzman, Nicolas Meyer und Co. Und sie werden uns sicherlich nicht Gefallen tun, nur wegen dieses Artikels früher als geplant ihr Schweigen zu brechen und uns zu verraten, wo und wann die kommende Serie in Wahrheit spielen wird. Damit bleibt dieses Gerücht vorerst...ein Gerücht. Aber machen wir uns doch mal den geekigen Spaß so zu tun, als entspräche dieses neuerliche Gerücht komplett der Wahrheit, und stellen uns die Frage, ob dies ein gutes Konzept für die Serie wäre.

1.) Das originale Universum als Handlungsort:

Bekanntlich liegen die Geschicke des Franchises in mehreren Händen: Paramount Pictures beackert das Thema Star Trek fürs Kino, CBS Television hält die Fernsehrechte (inkl. Online-Streaming der ST-Serien). Die kommende Serie außerhalb des Abramsverse zu verorten, ergibt absolut Sinn, denn die Macher brauchen auf diese Weise keine Rücksicht darauf zu nehmen, was inhaltlich in den Kinofilmen passiert. Sie haben dadurch eine viel größere Handlungsfreiheit, keinen Abstimmungsbedarf und verfügen mit dem Original Universe gleichzeitig über eine riesige Spielwiese, auf der sie sich tummeln können. Passt also.

2.) Die Post-Star-Trek-6-Ära als Zeitpunkt:

Die Phase zwischen Star Trek 6 und dem Beginn von ST:TNG ist sehr spannend und wurde auf der Leinwand bzw. im Fernsehen bisher nicht erforscht. Es ist eine Zeit des Umbruchs in der Galaxis, die viel Potenzial für spannende Geschichten liefert. Es ständen natürlich noch zahlreiche weitere Zeitpunkte zur Verfügung, doch gegen diesen hier spricht absolut nichts.

3.) Neues Schiff und neue Crew:

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Star Trek nicht zwangsläufig von einem Raumschiff namens Enterprise unter dem Kommando eines Captain Kirk handeln muss. Eine neue Crew samt neuem Schiff zu bringen, wäre daher kein Problem und ist sicherlich sogar etwas, was die Fans von einer neuen Serie erwarten. Ich persönlich würde es spannend finden, wenn man uns tatsächlich zeigen würde, wie eine neue Crew die NCC 1701-A übernimmt und sich die Protagonisten mit der Bürde herumzuschlagen haben, in die Fußstapfen von Kirk, Spock und Co treten zu müssen und an deren Taten gemessen zu werden. Aber ein neues Schiff geht für mich auch voll in Ordnung.

4.) Böse Klingonen:

Nicht jeder begrüßt Wandel. Und wie schon Star Trek 6 gezeigt hat, gibt es sowohl Föderationsmitglieder wie auch Klingonen, die nicht an eine friedliche Koexistenz mit dem ehemaligen Feind glauben. Die Serie würde ein differenziertes Bild von den Klingonen zeichnen, anstatt in einem simplen Gut-Böse-Schema zu verharren. Und so etwas kann man ja nur begrüßen.

5.) Abkehr von abgeschlossenen Einzelfolgen:

Das Erzählen in Serie hat sich in den letzten Jahren massiv geändert. Und Star Trek kann sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Und man sollte es auch nicht tun, denn beispielsweise Game of Thrones, The Walking Dead, oder House of Cards profitieren erzählerisch enorm davon, dass die Plots nicht auf eine Laufzeit von 45 oder weniger Minuten reduziert werden, sondern sich über mehrere Folgen, eine gesamte Staffel oder sogar darüber hinaus erstrecken. Star Trek hat problemlos das Potenzial für Erzählung in dieser Art – da wäre es fahrlässig, es nicht zu nutzen, die Sehgewohnheiten des Publikums zu ignorieren und stattdessen alten Mustern zu folgen.

6.) Die neue Serie als Anthologie:

Ich mag Anthologien. Und Klassiker wie Twilight Zone oder Outer Limits haben schon vor Jahrzehnten gezeigt, was man mit solch einem Format erreichen kann. Doch die neue Star Trek-Serie wäre eine, bei der nicht in jeder Folge neue Personen und Settings präsentiert werden, sondern mit jeder Staffel. Das ist eine ganz andere Nummer. Und zwar eine, die in meinen Augen nicht funktioniert. Dem Publikum 13 Folgen lang Charaktere zu präsentieren, die alle mit der nächsten Staffel ausgetauscht werden, weil nun eine andere ST-Ära dran ist, würde die Bindung der Zuschauer an die Serie zerstören. Die Figuren und ihre Entwicklung sind der Anker, der die Serienjunkies an die Formate fesselt. Kappt man jedes Mal nach etwa einem Dutzend Folgen diese Verbindung komplett, läuft man Gefahr, das sich ein Teil der Zuschauer frustriert abwendet, weil man ihm eine Crew „wegnimmt“, mit der er gerade warm geworden ist. Sicherlich würde man der Serie mit diesem anthologischen Konzept ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen. Doch das kann man auch schaffen, ohne mit jeder neuen Staffel das Risiko eines massiven Zuschauerschwunds einzugehen.

Soweit mein kleines Gedankenspiel. Mir ist natürlich klar, dass eine Einschätzung, die auf einem Gerücht basiert, nicht mehr sein kann, als ein geekiges Vergnügen. Doch das kann man sich als Fan gerne mal erlauben. Auf jeden Fall freue ich mich schon sehr auf den Moment, wenn die Zeit gekommen ist und wir endlich definitiv erfahren, wie die neue Star Trek-Serie konzeptionell aussehen, wo und wann sie spielen wird. Allzu lange wird es ja hoffentlich nicht mehr dauern...

Was auf die Ohren: Ausblick auf die SF-Hörspiele im April & Mai 2016 (und etwas darüber hinaus) [Update vom 13. April]


Das erste Quartal des Jahres 2016 liegt inzwischen hinter uns. Und es brachte den Hörspielliebhabern unter den SF-Fans (oder den SF-Liebhabern unter den Hörspielfans) eine Reihe interessanter Produktionen. Auch in der kommenden Zeit geht es spannend weiter, denn für die kommenden Wochen und Monate haben die Label erneut die Veröffentlichung einer Reihe von SF-Hörspielen angekündigt. Schauen wir doch mal, was da demnächst auf uns zukommt.

Schon am kommenden Freitag, dem 15. April 2016, rückt der junge Mark Brandis zu einem neuen Abenteuer aus. Mark Brandis - Raumkadett Folge 8: Mondschatten heißt die bei Folgenreich erscheinende Produktion von Interplanar, auf die ich hier bereits einmal zu sprechen gekommen war.

Die Serie Mark Brandis Raumkadett spielt in der Zeit vor Mark Brandis‘ Aufnahme in die Astronautenschule bis zu seinem ersten Einsatz als Raumschiff-Commander. In der Pilotfolge Aufbruch Zu Den Sternen verliebte sich der damals 13-Jährige unsterblich in die hübsche, drei Jahre ältere Nina Axö. Doch eine verhängnisvolle Aktion, mit der er die Angebetete beeindrucken wollte, kostete Mark fast seine Chance, jemals Raumfahrer zu werden. 5 Jahre später: Ausgerechnet bei einem Übungseinsatz auf dem Mond, der sich zu einem lebensgefährlichen Ernstfall entwickelt und seine ganze Konzentration erfordert, trifft Mark seine ehemalige Flamme wieder… Die schicksalhafte Begegnung wirbelt Marks Gefühlswelt aufs Neue mächtig durcheinander. Meint es das Schicksal dieses Mal gut mit den Beiden, oder wird Nina wiederum zu Marks Femme Fatale?

Der Cast besteht dieses Mal aus:

Mark Brandis: Daniel Claus
Alec Delaney: Sebastian Kluckert
Lt. Wilhelm Eckmann: Wanja Gerick
Maj. Richard Westhoff: Leon Boden
Robert Monnier: Sebastian Fitzner
Nina Aaby-Ericsson: Sarah Alles
Rodrigo Rojas: Arne Kapfer
Mark Brandis (Erzähler): Michael Lott
Greg Badger: Nico Nothnagel
Oberstlt. Yu: Fang Yu
Warren: Hans-Eckart Eckhardt
Cpt. Lembeck: Konrad Bösherz

sowie Anne Elsen und Henning Schäfer

Hier ist ein Auszug aus der Folge:



Credits:

Unter teilweiser Verwendung von Charakteren erschaffen von Nikolai v. Michalewsky
Manuskript: Balthasar von Weymarn
Sounddesign & Musik: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Tommi Schneefuß und Dennis Schmidkunz
Wortschnitt: Henrik Cordes
Tonstudio: Sound Of Snow, Berlin
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker und Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss

Folgenreich gibt die Laufzeit des Hörspiels mit ca. 56 Minuten an. Offizielle VÖ ist am 15. April 2016.

Ebenfalls im April kommt Jules Verne - Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 4: Der Elefant aus Stahl in die Läden. Die VÖ des Hörspiels, das auf Motiven des Verne-Romans Das Dampfhaus basiert, wurde von Maritim für den 22. April angesetzt.

Wie uns der Klappentext wissen lässt, verschlägt es dieses Mal Phileas Fogg und seine Begleiter nach Indien. Dort hat der britische Ingenieur Banks im Auftrag des Maharadschas ein mechanisches Meisterwerk geschaffen: eine mächtige Dampfmaschine in Form eines lebensgroßen Elefanten. Von diesem beeindruckenden Automaten befördert, machen sich unsere Helden zu einer Reise durch die Tiefen des indischen Dschungels auf. Doch im Dickicht lauern nicht nur wilde Tiere, sondern auch die Gespenster der Vergangenheit. Für den englischen Offizier Munro ist es seine Nemesis aus den Tagen der Expeditionstruppen. Und für unsere Helden ein alter Bekannter, der erneut die Hand nach der Macht ausstreckt. So wird die Reise in den Urwald bald zu einem Kampf auf Leben und Tod. Werden Phileas Fogg, Aouda und Passepartout auch diese Prüfung bestehen?

Zu hören sind erneut Christian Brückner (deutsche Synchronstimme von Robert de Niro) als Erzähler Jules Verne, Sascha Draeger, Klaus-Dieter Klebsch (Synchronstimme von Dr. House) als Kapitän Nemo, Annina Braunmiller (Synchronstimme von Kirsten Stewart).

Maritim wird den Weltenbummler Phileas Fogg übrigens auch in der zweiten Jahreshälfte ordentlich auf Trapp halten, denn zu vier weiteren Folgen sind bereits die VÖ-Termine, die Cover und damit auch die Titel bekannt.

So sieht die Planung für die Folgen 5 bis 8 aus:

Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx (15. Juli 2016)
Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt (2. September 2016)
Folge 7: Die Stadt unter der Erde (14. Oktober 2016)
Folge 8: Im Angesicht der Bestien (25. November 2016)

Und hier die Cover dazu:




Auf den Wonnemonat Mai freuen dürfen sich bereits die Fans der Space Opera, weil sowohl das Raumschiff Promet als auch der Raumkreuzer Hyperion dann wieder auf große Fahrt gehen. [Update vom 13. April: Und auch in der Umlaufbahn des Jupitermonds Europa ist was los.]

Am 6. Mai präsentiert Winterzeit mit Raumschiff Promet Folge 5: Dunkle Energie Teil 1: Diener der Zukunft den Auftakt eines Zweiteilers, der bereits einen Monat später seinen Abschluss finden wird. Die Hörspiele sind eine Adaption des Promet-Romans Dunkle Energie von Vanessa Busse.

In Folge 5 gerät die Crew der Promet  durch den Angriff des unbekannten Kugelraumers in Lebensgefahr. Arn Borul und Peet Orell kämpfen um das Leben ihrer Freunde. Unterdessen geschehen eigenartige Dinge auf dem Frachtraumer der HTO. Ein Konkurrent mischt sich ein und gefährdet die Zukunft des Unternehmens. Erneut sind als Sprecher u.a. Sascha Rotermund, Manfred Lehmann, Constantin von Jascheroff, Peter Gröger, Olaf Reichmann und Vera Teltz mit von der Partie. Den zweiten Teil bringt das Label am 17. Juni in den Handel. Sein Titel lautet Raumschiff Promet Folge 6: Dunkle Energie Teil 2: Allein im Nichts.

Hier sind die Cover der Hörspiele:



Für Captain Jayden Cross und die Besatzung der Hyperion wird es am 13. Mai wieder erst, wenn Heliosphere 2265 - Folge 6: Die Bürde des Captains in den Handel kommt. Mit der Adaption des gleichnamigen Romans von Andreas Suchanek ist Halbzeit im ersten Zyklus dieser hochkarätig besetzten Space Opera.

Der Ankündigungstext der Folge liest sich folgendermaßen:

Ein letztes Mal soll Captain Cross zu einer Mission mit der Hyperion aufbrechen. Sein Tod ist bereits beschlossen - und nicht nur der Seine. Doch Jayden ist durch Sarah McCall vorgewarnt und überdenkt seine nächsten Schritte. Wofür wird sich der Kommandant des ersten Interlink Kreuzers der Menschheit entscheiden? Eines scheint klar: Egal welche Richtung er am Ende einschlägt, den Preis werden Menschen zahlen müssen, die ihm nahestehen...

Heliosphere 2265 ist eine Produktion von Interplanar, den Machern der Hörspielserie Mark Brandis.  Zu den Sprecherinnen und Sprechern gehören Wanja Gerick (Anakin Skywalker, Star Wars), Manja Doering (Prinzession Amidala, Star Wars), Tobias Kluckert (Doctor Leonard McCoy, Star Trek und Star Trek Into Darkness), Anke Reitzenstein (Seven-of-Nine, ST: Voyager) und Andrea Aust.

Eine Hörprobe gibt es noch nicht, doch einen Blick aufs Cover gewähren Greenlight Press und Interplanar bereits:

[Update vom 13. April:]

Mit Hydrophobia legte das Label Ohrenkneifer vor einiger Zeit ein SF-Horror-Hörspiel vor, das seine Hörer in die Tiefen des Meeres entführte. Am 13. Mai 2016 präsentiert man das neue Hörspiel Iris, das als SF-Horror-Drama daherkommt.


Basierend auf der Geschichte Im Auge des Jupiters von Sven I. Hüsken erzählt Iris von Dr. Iris Ashton, der wissenschaftlichen Leiterin der Raumstation im Orbit des Jupitermondes Europa, die eine sensationelle Entdeckung macht. Doch etwas läuft schief, es kommt zu einer Katastrophe. Wie der Zufall es will, dockt kurz darauf ausgerechnet der Raumfrachter von Iris´ Ex-Mann an der Station an. Zusammen mit seinem ersten Offizier Lieutenant Forrester begibt sich Captain Hatchenson nichts ahnend ins Innere der scheinbar menschenleeren Station und damit auf einen Höllentrip.

Neben dem Cover ist auch schon die Besetzungsliste bekannt:

Dr. Iris Ashton: Alianne Diehl
Captain Hatchenson: Marc Schülert
Lieutenant Forrester: Detlef Tams
Paps & Beebop: Dirk Hardegen
Dr. Iris Ashton: Alianne Diehl
Commander Jenkins: Clemens Gerhard
Dr. Vern: Christiane Marx
Daniel: Horst Kurth
Pfleger: Oliver Kube
Ansage: Christian Stark

Iris hat eine Laufzeit von ca. 60 Minuten. Die CD-Version wird ein ungefähr zehnminütiges Making-Of als Bonus enthalten.


Zum Abschluss noch ein Blick auf den unkommerziellen Bereich. Noch ohne konkreten Starttermin ist Rick Future Folge 10 (Second Edition): Das Versprechen. Doch da die Macher dieser Space Opera inzwischen das Cover der Folge un den Klappentext online gebracht haben, darf man mit einigem Recht vermuten, dass es bis zum Release nicht mehr allzu lange hin sein wird.

Der Klappentext weiß zu berichten:

Ruuli Kahn ist zurück und offenbart seinen Gefangenen Rick, Hubert und Huggins die ganze Tragweite seines Plans: Der Intergalaktische Sicherheitsdienst ist unterwandert, die Armee der Dru'hn steht unter Kahns Kontrolle. Die Herrschaft über die Milchstraße scheint ihm sicher. Doch Evi und Garlyn schleichen sich ungesehen durch das Dru'hn-Schiff und versuchen ihre Freunde zu retten...

Und so sieht das Cover aus:



Soweit der Ausblick darauf, was in der kommenden Zeit in Sachen Science-Fiction-Hörspiele so geboten wird. Und das ist erfreulicherweise eine ganze Menge. Gute Zeiten also für alle Freunde des gepflegten Kopfkinos.   

Hörspielrezension: «Zukunfts-Chroniken 4: Minenräumdienst Sektor 145» (Frank Hammerschmidt & Hoerspielprojekt)


Am 25. März 2016 war es bei hoerspielprojekt.de wieder Zeit für eine Hörspielpremiere. Zukunfts-Chroniken 4: Minenräumdienst Sektor 145 aus der Feder von Frank Hammerschmidt wurde im Webradio der Community erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und anschließend zum kostenfreien Download freigegeben. Auf ca. 34 Minuten Laufzeit bringt es der neueste Eintrag in die Annalen kommender Zeiten, den der Autor gemeinsam mit hoerspielprojekt.de und der Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld realisiert hat.

Die Zukunfts-Chroniken. Bisher wurden sie noch nicht niedergeschrieben, aber wir alle nähren diese Zeilen. Heute, hier und an anderen Orten. Die Zukunft kann beginnen...

Doug Diaz, einen desillusionierten Kriegsveteranen, verschlägt es auf den Mond Targos III. Um über die Runden zu kommen, nimmt der dort eine Anstellung beim Minenräumdienst an. Zusammen mit seinen Kollegen kommt er dabei einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur, das lange verborgen war.


Geschichten über Schlachten im All gibt es viele. Solche über jene, die nach dem Ende der Kämpfe die Hinterlassenschaften des Krieges beseitigen und sie unter Lebensgefahr vorher erst mal entschärfen müssen, sind dagegen eher selten. Vielleicht ist dies einer der Gründe, warum Frank Hammerschmidt in der neuen Folge seiner Reihe Zukunfts-Chroniken sich des Themas angenommen hat. Strahlende Helden hat der Autor keine zu bieten. Dafür jedoch geerdete, auf unterschiedliche Weise vom Krieg gezeichnete Charaktere, zu denen der Hörer schnell eine Verbindung aufbaut. Ihren gleichermaßen tristen wie harten Alltag schildert er nüchtern aber eindringlich. Dass für die Minenräumer im wahrsten Sinne des Wortes ein falscher Schritt den Tod bedeuten kann, führt Hammerschmidt gleich zu Beginn dem Publikum deutlich vor Augen. Der traurigen Tatsache, dass Kriegsgewinnler auch dann noch Wege finden satte Profite zu machen, wenn der Krieg vorbei ist, stellt er die hoffnungsvolle Erkenntnis gegenüber, dass aus Feinden Freunde werden können. Der Plot entfaltet sich ohne lange Vorreden, folgt einem stimmigen Spannungsbogen und mündet in einem Finale, das möglicherweise eine Spur zu süßlich ausfällt, was den positiven Gesamteindruck, den die Story von Zukunfts-Chroniken 4: Minenräumdienst Sektor 145 ansonsten hinterlässt, aber nur unwesentlich schmälert.

Felix Würgler verkörpert den Protagonisten Doug Diaz, Alexandra Begau die weibliche Hauptrolle Priss. Klaus Schankin, Rainer Denk und Percy Görgens sind als die weiteren Mitglieder des Räumtripps zu hören; dem Reporter Hank Williams leiht Horst Kurth seine Stimme, während Michael Gerdes als Erzähler durch die Handlung führt. Die Besetzung rekrutiert sich aus den Reihen des Hoerspielprojekts - und sie leistet durch die Bank gute Arbeit, denn es gelingt ihr sehr schön, den Figuren Profil und Tiefe zu verleihen. Einen guten Job gemacht zu haben, darf man auch der Höespiel-Werkstatt attestieren, der es oblag, für eine plastische Soundkulisse zu sorgen. Und genau das hat man getan. Auch die eingesetzte Musik weiß zu gefallen. Für ein optisches Ausrufezeichen sorgt erneut das Cover, das wieder auf einem Bild von Magdalena Bednarek basiert.

Zukunfts-Chroniken 4: Minenräumdienst Sektor 145 ist ein hörenswerter Beitrag zu dieser anthologischen SF-Hörspielreihe von Frank Hammerschmidt, die abermals ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellt. Anhänger der Science-Fiction mit einer Affinität für Hörspiele, sollten auf jeden Fall ein Ohr riskieren.



Zukunfts-Chroniken 4: Minenräumdienst Sektor 145 ist eine Produktion von Frank Hammerschmidt, hoerspielprojekt.de und der Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld. Seit dem 25. März 2016 steht es zum kostenfreien Download zur Verfügung.



Review: «Batman v Superman: Dawn of Justice» (seit dem 24. März 2016 im Kino)


In den Heften gehört es längst zum Alltag, das Zusammentreffen von Batman und Superman. Seit einer Woche vollzieht es sich nun auch auf der großen Leinwand in dem von Zack Snyder inszenierten Batman v Superman: Dawn of Justice. Ein in mehrfacher Hinsicht passender Titel. Denn nicht nur stehen sich die beiden Helden in diesem Film über weite Strecken antagonistisch gegenüber; mit ihm läutet Warner Bros. zudem den Beginn des DC Cinematic Universe ein – eines analog zu den Comics angelegten Kinokosmos, den sich die DC-Charaktere von nun an teilen. Für das Studio ist der Film also von großer strategisch-ökonomischer Bedeutung, während die Fan nichts weniger von ihm erwarten, als den ultimativen Showdown zweier der berühmtesten Superhelden aller Zeiten. Ob Batman v Superman die ihn gesetzten wirtschaftlichen Erwartungen erfüllen kann, bleibt vorerst noch abzuwarten, doch eines steht zum jetzigen Zeitpunkt bereits fest: Dieser Film polarisiert wie kaum eine andere Comicverfilmung zuvor.

2009 bekam Zack Snyder von Warner die Regie von Watchmen – die Wächter übertragen, vier Jahre später die des Superman-Reboots Man of Steel. Da MoS die Vorgeschichte zu Batman v Superman erzählt, war es keine ungewöhnliche Entscheidung des Studios, den 50-Jährigen die Konfrontation zwischen dem Dunklen Ritter und dem Mann vom Planeten Krypton in Szene setzen lassen. Aber es war eine durchaus mutige, denn insbesondere die Snyders Filme prägende düster-gedrückte Stimmung stieß bei Kritikern wie Kinogängern gleichermaßen in der Vergangenheit bisweilen nicht unbedingt auf Gegenliebe. Für Batman v Superman bleibt der Regisseur seinem Stil treu, womit der Film schon rein optisch einen scharfen Kontrast bildet zum Großteil der Comicadaptionen der letzten Zeit. Den Ton für den gesamten Film geben dabei bereits die ersten Minuten vor, wenn Snyder Supermans Kampf gegen Zod als 9/11-Moment des DC-Universums inszeniert: In sich zusammenbrechende Hochhäuser, sich durch die Straßenschluchten von Metropolis wälzende Staubwolken, zahllose Tote und Verletzte. Und mittendrin ein Bruce Wayne, der angesichts der enormen Zerstörungen in dem Mann aus Stahl nur eines sieht: Eine ungeheure Bedrohung für die gesamte Menschheit.

Supermans erster Auftritt in Action Comics Heft 1 revolutionierte 1938 die amerikanische Comicbranche; nun hat in Batman v Superman sein Auftauchen erneut den Charakter eines Game Changers und wirkt als Katalysator für eine Kette von Ereignissen. Alles, was in diesem Film geschieht, ist eine Reaktion auf die Existenz dieses gottgleichen Außerirdischen, der von nun an auf Erden wandelt: Geliebt und mit einem Monument geehrt von den einen, gefürchtet und geradezu gehasst von den anderen. Unter anderem von einem gewissen Batman. Ben Afflecks Bruce Wayne ist ein sensibler Mann mit vielen Narben auf der Seele. Desillusioniert vom endlosen Kampf gegen das Verbrechen, entladen sich sein Frust und seine Aggression ungehemmt, sobald er ins Batman-Kostüm steigt. Dieser Batman ist im wahrsten Sinne des Wortes tödlich für seine Gegner. War Batman in Christopher Nolans Trilogie schon düster, so wird er bei Zack Snyder endgültig zum Dark Knight. Henry Cavills Superman muss sich da ganz schön strecken, um mit Afflecks imposantem Batman-Portait schritthalten zu können. Den Kryptonier umgibt die ganze Zeit über eine Aura des Unnahbaren, hinter der sich allerdings angesichts der vielen Ansprüche, die an ihn gestellt werden, große Unsicherheit verbirgt. Einziger Rückzugsraum bleibt für ihn die Beziehung zu Lois Lane (Amy Adams), doch auch der Reporterin gelingt es oft nicht, bis zu ihm durchzudringen. So ist es Supermans Schicksal, gerade wegen seiner Allmacht immer ein Stück weit ein einsamer Mann zu bleiben.

Wie eingangs gesagt, wird mit diesem Film der Grundstein für das Cinematic Universe von DC gelegt, weshalb die Macher es für eine gute Idee hielten, neben dem neuen Batman auch gleich noch Wonder Woman zu etablieren. Einen Eindruck von den Kampfkünsten der von Gal Gadot verkörperten Amazone, kann man sich bereits verschaffen, doch das war es eigentlich auch schon. Der Film heißt Batman v Superman, Wonder Woman spielt deshalb nur eine Nebenrolle. Das ist aber durchaus so in Ordnung, denn immerhin widmet Warner der Figur einen eigenen Film, der nächstes Jahr anlaufen wird. Deutlich größer ist hingegen der Part von Jesse Eisenberg: Sein Lex Luthor balanciert einige Zeit auf dem schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn, um dann schließlich zur dunklen Seite hin abzudriften. Von ihm wird man hoffentlich in den weiteren DC-Filmen noch mehr sehen. Sehr frei geht das Drehbuch von Chris Terrio und David S. Goyer mit der Figur von Bruce Waynes Butler Alfred um, der vom väterlichen Hausgeist nun zu einem Techniker mutiert ist, der Batmans Ausrüstung in Stand setzt und den Vigilanten während dessen Streifzügen in Gotham City von der Bathöhle aus per Monitor begleitet und unterstützt. Jeremy Irons spielt Alfred souverän, doch etwas mehr Nähe zum Comic wäre hier schon wünschenswert gewesen. Ist man mit den Batman- bzw. Superman-Comics vertraut, fällt es einem natürlich nicht schwer, jene Geschichten zu identifizieren, die in den Plot des Films eingeflossen sind. Frank Millers Klassiker Batman: The Dark Knight Returns wird ebenso zitiert wie die Doomsday-Saga von 1992/1993. Zusammen mit den Elementen, die originär für den Film geschrieben wurden, ergibt sich eine Story, in die recht viel hineingepackt wurde. Die Konsequenz ist eine Laufzeit von zweieinhalb Stunden. Zack Snyder nimmt nach dem dramatischen Auftakt erst einmal Tempo raus, um den Charakter von Bruce Wayne/Batman auszuleuchten, während er gleichzeitig den Handlungsstrang um Superman entwickelt. Mit der Zeit findet der Film dann seinen Rhythmus, um dann erst die große Konfrontation zwischen den Helden und anschließend die Schlacht gegen Doomsday zu zelebrieren, deren Ausgang den Boden bereitet für die kommenden Justice-League-Filme, in denen ein halbes Dutzend Helden Seite an Seite kämpfen werden. Einen kurzen Blick auf dieses Line-Up kann man in Batman v Superman schon erhaschen.

Warner Bros. und DC Entertainment haben eine ganze Weile gebraucht, um ihren eigenen Superhelden-Kinokosmos an den Start zu bringen. Die Konkurrenz ist da schon deutlich weiter, denn deren Cinematic Universe ist bereits erheblich ausgebaut. Der zeitliche Rückstand rächt sich nun: Die Filme von Marvel Studios, von denen es inzwischen fast ein dutzend gibt, haben offenbar insbesondere eine Reihe von Kritikern im Hinblick darauf konditioniert, wie heutzutage eine Comicverfilmung auszusehen hat. Denn viele Kritikpunkte, die gegenüber Batman v Superman ins Feld geführt werden, sind lediglich Chiffren für "Dies ist kein Superheldenfilm, wie Marvel sie macht!". Doch ist es klug, einem Film seine Andersartigkeit vorzuwerfen? Zeugt es von Sachekenntnis, wenn man seinen seinen Machern einen Vorwurf macht, weil sie der Versuchung widerstanden haben, schlicht die Matrix der Konkurrenz zu kopieren? Batman v Superman ist sicherlich kein perfekter Film, denn er will sehr viel, schafft auch eine Menge, doch eben nicht alles. Und im ersten Drittel geht Regisseur Zack Snyder sicherlich vom Erzähltempo her etwas zu bedächtig zu Werke. Zweieinhalb Stunden verströmt er die Gravitas einer Wagner-Oper, auf die man sich als Kinogänger, der an Comicverfilmungen, die als ein Mix aus Action und Humor angelegt sind, sicherlich erst gewöhnen muss. Und man muss solch eine Herangehensweise natürlich mögen. Nicht jeder schaut den Ring der Nibelungen, manche ziehen Musicals vor. Eine Daseinsberechtigung hat aber beides, und so verhält es sich auch mit Comicadaptionen. Snyder hat einen optisch überaus eindrucksvollen Film geschaffen, den man aus vollster Überzeugung mögen kann. Und ebenso ist es nachvollziehbar, dass er bei jenen weniger Anklang findet, die in Sachen Comicverfilmungen einen anderen Stil bevorzugen. Für Fans, die eine Diversität an Stilen zu schätzen weiß, sind es großartige Zeiten, denn dank Batman v Superman bekommen sie nun alle geboten und haben die freie Auswahl. Und das macht beim Schlagabtausch von Batman und Superman am Ende den Zuschauer zum Gewinner.


Batman v Superman: Dawn of Justice läuft seit dem 24. März 2016 in den deutschen Kinos.


Romanrezension: «Soylent Green» von Harry Harrison (Mantikore-Verlag)


Soylent Grün ist Menschenfleisch! Oder doch nicht? Dass Hollywoodfilme mitunter deutlich von ihren literarischen Vorlagen abweichen, ist keine Seltenheit. Doch was steht denn nun wirklich drin in Harry Harrisons im New York des Jahres 1999 angesiedelten Dystopie? Wer dies herausfinden möchte, dem gibt der Manticore-Verlag die Gelegenheit dazu, denn dort wurde der Roman vor einiger Zeit unter dem Titel Solyent Green wiederveröffentlicht.

1999 ist die Bevölkerung des Planeten explodiert. Die 35 Millionen Einwohner von New York City bringen ihre Fernseher mit Pedalkraft zum Laufen, randalieren wegen Wasserknappheit, rauben Linsen-Steaks und werden mit Stacheldraht, der vom Himmel fällt, in Schach gehalten. Als ein Gangster während einer glühenden Hitzewelle in Manhattan ermordet wird, setzt man den Polizisten Andy Rusch unter Druck, das Verbrechen aufzuklären, der wiederum ist aber auch von der wunderschönen Freundin des Opfers fasziniert. Doch in den verrückten Straßen von New York City, vollgestopft mit Leuten, und in einer Welt, die den Bach hinuntergeht, ist es schwer, einen Killer zu fassen, geschweige denn das Mädchen zu bekommen. (Klappentext)

Zu Beginn eine kleine Runde Namensroulette: Das Licht der Öffentlichkeit erblickte Harry Harrisons ökologisch-soziale Dystopie 1966 in den USA unter dem Titel Make Room! Make Room! Als New York 1999 erschien sie drei Jahre später erstmals auch in deutscher Spräche. Der Leinwandadaption gab MGM 1973 den Namen Soylent Green, dem Verleih hierzulande gefiel hingegen ...Jahr 2022...die überleben wollen besser. Die Neuübersetzung von Mantikore trägt also den Originaltitel der Verfilmung. Eine nachvollziehbare Wahl, denn von allen Titeln, mit denen diese Geschichte im Laufe der Zeit geschmückt wurde, ist dieser der griffigste und mit Abstand bekannteste.

Als Harrison seinen Roman schrieb, war das Bewusstsein dafür, welche katastrophalen Folgen Überbevölkerung, Umweltverschmutzung und die hemmungslose Ausbeutung der Rohstoffvorkommen für das Leben künftiger Generationen haben könnte, noch kaum ausgeprägt, denn es wurde überlagert von der allgegenwärtigen Angst vor einem Atomkrieg der Supermächte. Erst ab den 1970ern griff der Gedanke von der Notwendigkeit des Schutzes der Natur und des verantwortungsvollen Umgangs mit den Ressourcen der Erde in breiten Bevölkerungsschichten Raum. Harrison war also der Zeit voraus - und damit auch ein ziemlich einsamer Rufer. Die Zustände, die der Autor für die Welt und insbesondere für die USA an der Schwelle zum einundzwanzigsten Jahrhundert skizzierte, sind im Detail so nicht eingetreten, wie wir heute wissen. Doch schlichtweg überholt ist Soylent Green deshalb nicht, denn die Abhängigkeit vom Öl besteht unverändert, der Klimawandel schreitet voran, die Weltbevölkerung wächst stetig weiter. Trotz aller Fortschritte steht die Menschheit immer noch noch vor den gleichen Problemen wie jenen, die Harrison vor inzwischen 50 Jahren dazu veranlassten, seinen Roman zu schreiben. Ein beunruhigender Gedanke.

Die Zeit überdauert hat auch die düstere eindringliche Stimmung, die Soylent Green von der ersten Seite an durchdringt. Und zwar, weil Harrison kein abstruses Endzeitzeitszenario präsentiert, wie man es aus in Kiesgruben gedrehten C-Movies dutzendfach kennt, sondern das beklemmende wie extrem geerdete Bild einer Gesellschaft zeichnet, der es, abgesehen von Menschen, an allem mangelt: Lebensmittel und Wasser sind streng rationiert, Kleidung wird aufgetragen und improvisiert, Auto- und Schiffswracks diesen als Wohnraum, Schreibtafeln ersetzen Papier. Die Polizei verzichtet wegen Munitionsknappheit auf den Schusswaffengebrauch, und wenn man zu einem Großeinsatz ausrückt, wird ein alter Linienbus aus dem Museum geholt, dessen Seitenfenster mit Brettern vernagelt wurden, weil die Scheiben fehlen. Der technische Fortschritt ist zum Erliegen gekommen, die Menschheit verschleißt in einer unaufhaltbaren Abwärtsspirale das, was sie in einer früheren „goldenen Epoche“ einmal geschaffen hat. Den allgegenwärtigen materiellen Verfall begleitet der intellektuelle: Der Alltag zwingt den Bewohnern New Yorks triebhaftes Verhalten auf, niemand plant mehr wirklich für seine Zukunft. Und wenn der Polizist Rusch es im Hinblick auf sein Leben mit Prostituierten Shirl versucht, scheitert er an dem Chaos, das zur Normalität geworden ist. Ruschs Suche nach dem Mörder des zwielichtigen O'Brien bildet die Klammer für Harrisons anti-utopische Schilderungen eines sich selbst verzehrenden New Yorks. Den Jäger und den Gejagten verschlägt es im Verlauf der Handlung unterschiedliche Stadtteile, was dem Autor die Gelegenheit gibt, detailliert die Zustände vor Ort zu beschreiben, sowie die Denkweise und das Verhalten der Bewohner. Schlussendlich findet die Mörderhatz ihr Ende, doch ein wirklicher Sieger lässt sich nicht ausmachen.

Beim Mantikore-Verlag ist Soylent Green als Softcover mit 312 Seiten im Format von ca. 20 x 13 cm (Höhe x Breite) erhältlich, dem ein eindrucksvolles Cover von Helge Balzer verpasst wurde. Für die Übersetzung zeichnen Verena Hacker und Michael K. Iwoleit verantwortlich; Letzterer auch für das Lektorat. Der Text offenbart im Hinblick auf das Korrekturat zwar bisweilen gewisse vermeidbare Schwächen, liest sich aber ansonsten insgesamt sehr schön flüssig und bedient sich vor allem einer angemessen nüchternen Wortwahl, die die Atmosphäre des Originaltextes gekonnt ins Deutsche überträgt.


Mantikores Neuübersetzung von Harrisons Make Room! Make Room! und die Adaption des Romans mögen sich zwar den gleichen Namen teilen, doch weichen Buch und Film inhaltlich massiv von einander ab: So spielt beispielsweise das Lebensmittel Soylent Green im Roman keine tragende Rolle, und der Aspekt des Kannibalismus wurde von Drehbuchautor Stanley R. Greenberg für die Verfilmung einfach hinzuerfunden. Änderungen, über die Harry Harrison zeitlebens unglücklich war. Gerade weil der Roman ganz andere Schwerpunkte setzt, macht ihn das für jene Science-Fiction-Fans attraktiv, die bislang glaubten, die Geschichte schon zu kennen, weil sie irgendwann einmal den Film gesehen hatten. Harrisons Warnung vor den Folgen der Überbevölkerung und des Raubbaus an den Schätzen der Erde ist auch heute noch eine packende Lektüre, und Soylent Green darum ein Klassiker, den man gelesen haben sollte.


Die Fakten:

Titel: Soylent Green
Originaltitel: Make Room! Make Room!
Autor: Harry Harrison
Umfang: 312 Seiten
Formate: Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2013
Preis:  € 13,95
Verlag: Mantikore-Verlag