Filmkritik: «X-Men: Apocalypse» (seit dem 19. Mai 2016 im Kino)


Und weiter geht er, der Marsch durch die X-Men-Chronologie: Von den Anfängen in den 1960ern erzählte X-Men: Erste Entscheidung; wie es in den 1970ern weiterging, war Gegenstand von X-Men: Zukunft ist Vergangenheit; und nun sind wir mit X-Men: Apocalypse in den 1980ern angekommen. Zeitlich macht der Film aber erst einmal einen großen Sprung zurück ins alte Ägypten, wo ein Aufstand den bis dahin als Gott verehrten En Sabah Nur/Apocalypse nicht nur zu Fall bringt, sondern ihn auch unter Tonnen von Gestein begräbt. Die Welt vergisst den Über-Mutanten und dreht sich weiter. 1983 wird sie Zeuge seines Comebacks, und der Superschurke erst einmal Opfer eines gehörigen Kulturschocks: Die Zustände im späten 20. Jahrhundert gefallen ihm so gar nicht; insbesondere, dass zwei Supermächte über den Planeten beherrschen, was nach Apocalypse' Verständnis allein sein Vorrecht ist. Da muss schleunigst wieder Ordnung rein in die Verhältnisse. Und im Stile eines Studios, das eine festgefahrene Filmreihe zu altem Glanz zurückführen möchte verordnet der Fiesling der Erde ein komplettes Reboot, bei dem er als Produzent und Regisseur fungiert. Ausführende Produzenten sind neben ihm auch noch Erik Lensherr/Magneto, Ororo Munore/Storm, Angel und Psylocke. Überhaupt keine Lust auf den Streifen "Die neue Herrschaft des Apocalypse" haben allerdings Charles Xavier/Prof. X und seine X-Men, die sich dem Quintett darum entschlossen in den Weg stellen. Bühne frei für den große Fight um das Schicksal der Menschheit.

Auch wenn es heute nur noch schwer vorstellbar ist: Es gab eine Phase, in der die X-Men so unpopulär waren, dass Marvel keine neuen Comics mit der Mutantentruppe mehr herausbrachte. Von Anfang 1970 bis Mitte 1975 dauerte sie, in der die Serie zwar offiziell weiterlief, die Ausgaben #67 bis #93 jedoch nur Nachdrucke alter Geschichten enthielten. Ab August 1975 und Heft #94 druckte man dann wieder frisches Material, doch den eigentlichen Neubeginn markiert Giant Size X-Men #1 vom April desselben Jahres. Ein Versuchsballon, mit dem Marvel den Markt testete, indem man den Lesern ein fast vollständig neues Team präsentierte. Charaktere wie Colossus, Storm oder Nightcrawler feierten in diesem Comic, der in gut erhaltenem Zustand unter Sammler heutzutage Höchstpreise erzielt, ihre Premiere. X-Men: Apocalypse ist kein Versuchsballon, sondern der dritte Teil der aktuellen X-Men-Filmreihe, doch auch er etabliert jede Menge Charaktere. Neben Storm und Nightcrawler als Reverenz an Giant Size X-Men #1 tauchen nun auch erstmals Cyclops (gespielt von Tye Sheridan), Jean Grey (Sophie Turner), Psylocke (Oivia Munn) und Angel (Ben Hardy) auf. Der Film widmet sich den Newcomern zwar in unterschiedlichem Maße, lässt aber nie das Gefühl aufkommen, die Anwesenheit der Figuren diene allein dem Zweck, bei den Zuschauern zu punkten, indem man ihnen möglichst viele Superhelden gleichzeitig auf der Leinwand vorführt. Stattdessen findet die Geschichte einen organischen, schlüssigen Weg, die neuen Mutanten einzuführen, und weist ihnen relevanten Funktionen innerhalb der Handlung des Films zu. Batman v Superman oder The First Avenger: Civil War gelang das nicht so gut. Wiederkehrende Figuren wie Professor X (James McAvoy), Mystique (Jennifer Lawrence) oder Magneto (Michael Fassbender) brauchen sich jedoch keine Sorgen zu machen, dass ihnen ihr angestammter Platz streitig gemacht würde. Denn wie schon die beiden Vorgänger, so fokussiert sich auch X-Men: Apocalypse stark auf dieses Trio. Für Mystique hält der Film die Rolle eines Vorbilds für die junge Mutantengeneration bereit – eine Position, die sie nicht will, schließlich aber akzeptiert und dafür nutzt, die X-Men in die Schlacht zu führen. Charles Xavier hingegen muss erkennen, wie zerbrechlich all das ist, was er in den 10 Jahren seit den Ereignissen in X-Men: Zukunft ist Vergangenheit aufgebaut hat. Fühlte er sich bislang immer als Beschützer seiner Schüler, sind diese es nun, die für ihren Lehrer durchs Feuer gehen und ihn gegen einen schier übermächtigen Apocalyse verteidigen , dem Xavier selbst nicht gewachsen ist. Seine Schützlinge sind erwachsen geworden – und Professor X wird am Ende des Streifens aus dieser Tatsache wichtige Konsequenzen ziehen. Die mit Abstand komplexeste Figur in X-Men: Apocalypse aber ist Erik Lehnsherr/Magneto. Lehnsherr, der nie wirklich an Xaviers Idee einer friedlichen Koexistenz von Menschen und Mutanten geglaubt hat, gibt ihr aber dennoch eine Chance, nur um erleben zu müssen, wie die Welt ihm alles nimmt, was er liebt. Voll Frust und Trauer ist wird er zum leichten Opfer der Verführungskünste von Apocalypse, der es nicht schwer hat Magneto zu beweisen, dass die Menschheit angesichts all dessen, was sie ihm zugefügt hat, kein Weiterbestehen in ihrem aktuellen Zustand verdient.

Mit dieser Vielschichtigkeit der Charaktere versteht es X-Men: Apocalypse sehr geschickt, den Zuschauer für sich einzunehmen. Byran Singers Film ist mit 144 Minuten nicht gerade kurz, doch stets kurzweilig. Er schafft es von Beginn an, das Publikum für die Protagonisten und Antagonisten zu interessieren, und hält die Aufmerksamkeit aufrecht, indem er mehrere Handlungsfäden webt, die er im Verlaufe des Films immer stärker mit einander verknüpft, ehe die Plotlinien in einem überaus dramatischen Finale kulminieren, das die Weichen für die nächste Etappe in der Entwicklung der X-Men stellt. Gespür beweist der Film aber nicht nur für die Entwicklung von Figuren und für optisch eindrucksvoll inszenierte Action, sondern auch für das Kolorit der Epoche, in der er angesiedelt ist: Da wird Pac-Man gespielt, während im Fernsehen Knight Rider läuft; die Mutanten sehen sich Die Rückkehr der Jedi-Ritter im Kino an; und wenn unzählige Nuklearraketen in den Himmel aufsteigen, dann wirkt es so, als stamme diese Szene direkt aus The Day After. Der Film erschien übrigens 1983 - also jenem Jahr, in dem X-Men: Apocalypse spielt. Die Ausstattung, die Kleidung, die Musik und auch die Frisuren – alles verströmt das Flair der 1980er, sorgt für Authentizität und versetzt den Zuschauer perfekt zurück in diese Ära.


Natürlich muss auch X-Men: Apocalyse sich manchen Blockbuster-Mechnismen beugen. Zum Beispiel dann, wenn die Effektkünstler mal wieder die ganz große Keule auspacken und Baudenkmäler eliminieren dürfen. Wenigstens ist es aber dieses Mal nicht Big Ben oder der Eiffelturm, der dran glauben muss. Ansonsten tut der Film aber sehr viel, um mehr zu bieten als eine große Keilerei zwischen Gut und Böse. Er nimmt seine Figuren ernst, begreift sie als facettenreiche Wesen und lässt sie entweder an Herausforderungen wachsen oder scheitern. Die Optik ist großartig und die Action toll choreographiert, doch neben diesen Popcornkino-Attributen es ist vor allem die menschliche Dimension, die X-Men: Apocalyse so sehenswert macht. Ein richtig guter Superhelden-Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.



X-Men: Apocalypse läuft seit dem 19. Mai 2016 in den deutschen Kinos.

Trailer-Review und neues Poster zu «Star Trek Beyond»



Seit Samstag ist er nun online: der neue Trailer zu Star Trek Beyond. Für den ersten gab es vor einigen Monaten ordentlich Feuer von Seiten der Fans, die den Machern vorwarfen, sie hätten offenbar vor, Star Trek auf ein reines Actionfeuerwerk zu reduzieren. Zumindest würden die für den Trailer ausgewählten Szenen dies nahelegen. Zwar beeilten sich das Studio sowie insbesondere die Drehbuchautoren damit, der Öffentlichkeit zu versichern, der Film werde dem Geist von Star Trek gerecht werden und mehr zeigen als Faustkämpfe, Phaserfeuer oder Weltraumkatastrophen, doch mit solchen Aussagen konnte man die Gemüter nur teilweise wieder beruhigen. Die eigentliche Überzeugungsarbeit, das war allen Beteiligten klar, würde der neue Trailer leisten müssen. Seine Aufgabe würde es sein, die Fans zu beweisen, dass Ende Juli 2016 mit Star Trek Beyond ein würdiger Jubiläumsfilm zur Feier des 50. Geburtstags des Franchises in die Kinos kommt.

Soviel zu Ausgangssituation. Hier ist der Trailer:



Man hat wirklich den Eindruck, die Macher hätten sich die Kritik der Fans am ersten Trailer zu Herzen genommen. Der neue Trailer verzichtet zwar nicht auf eine gehörige Portion an Actionsequenzen, stellt nun aber die Charaktere deutlich mehr in den Vordergrund. In erster Linie James T. Kirk, der an einem entscheidenden Punkt in seinem Leben angekommen ist und sich entscheiden muss, welchen Weg er in Zukunft einschlagen will. Für ihn wird es Zeit, aus dem Schatten seines Vaters herauszutreten. Doch auch anderen Charakteren wie Spock, Pille, Uhura und Scotty wird eine Menge Raum zugestanden. Die Dynamik des Teams und der Einsatz des einen für den anderen spielen eine große Rolle. Da kommt richtiges Star Trek-Feeling auf, denn darin liegt der Kern von Gene Roddenberrys Space Opera: Ganz unterschiedliche Menschen (und Aliens) arbeiten Hand in Hand und stehen gemeinsam für eine große Idee. Der Gegner der Enterprise-Crew, Krall, der dieser Idee vom Miteinander so gar nichts abgewinnen kann, sieht richtig fies aus und scheint eine richtig schwere Herausforderung für Kirk und Co zu sein. Das gefällt. Für jede Menge spaciges Flair sorgen die Aufnahmen der U.S.S. Enterprise im Dock, ihr Flug durchs All, die Weltraumstation etc. Das sieht alles vom Design sehr schön und groß aus. Und bei aller Dramatik ist aber trotzdem Raum für Humor, wie gegen Ende des Trailers deutlich wird. So muss es auch sein.

Durch diesen Trailer ist sie bei mir nun richtig da, die Vorfreude auf Star Trek Beyond. Was der erste Trailer an Zweifeln gestreut hatte, konnte der neue wieder wegfegen. Ich stelle mich definitiv auf einen richtig guten Star Trek-Film ein.


Auf ihrer Forschungsmission gerät die Enterprise in einen gnadenlosen Hinterhalt. Unter Dauerbeschuss kann die Crew um Captain Kirk nur in letzter Sekunde auf fremdem Terrain notlanden. Doch statt in Sicherheit befindet sie sich plötzlich zwischen den Fronten eines scheinbar ausweglosen Konflikts. Getrennt voneinander und ohne Kontakt zur Außenwelt ziehen Kirk und sein Team in den Kampf gegen einen mysteriösen und übermächtigen Feind.

Auf der Brücke der Enterprise stehen nun zum dritten Mal die Hollywood-Stars Chris Pine (Jack Ryan: Shadow Recruit), Zachary Quinto (Hitman: Agent 47), Zoe Saldana (Guardians of the Galaxy), Simon Pegg (Mission: Impossible – Rogue Nation), Karl Urban (Dredd), John Cho und Anton Yelchin. Erstmal ist Sofia Boutella (Kingsman: The Secret Service) als Jaylah mit von der Partie; Charaktermime Idris Elba übernimmt die Rolle des gefährlichen Gegenspielers Krall.

Die Regie von Star Trek Beyond übernimmt Regisseur Justin Lin, Produzent ist J. J. Abrams.


Star Trek Beyond kommt am 21. Juli 2016 in die deutschen Kinos.


Foto: © Paramount Pictures

Hörspielrezension: «Twilight Mysteries Folge 2: Thanatos» (ab dem 20. Mai 2016 im Handel)


Im Rahmen meiner Rubrik Blick über den Tellerrand rezensierte ich hier im Blog vor ungefähr einem Monat mit Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis den Start einer neuen Serie, die von der Hörspielschmiede Stein/Hardt für das Label Maritim produziert wird. Und bereits am morgigen Freitag, dem 20. Mai 2016, setzten sich Dr. Morton Zephyre, Dave Edwards und Nina Sallenger nach nur kurzer Verschnaufpause in Twilight Mysteries Folge 2: Thanatos erneut auf die Fährte des Paranormalen. Ca. 65 Minuten Laufzeit hat das Hörspiel, das auf CD und als Download in den Handel kommt.

Auditive Erinnerungen seiner verstorbenen Frau suchen den Multimilliardär Edward van Shelby heim. Dank seiner Beziehungen zu Nina konnte er Dr. Zephyre gewinnen, um diesen geisterhaften Erscheinungen auf den Grund zu gehen. Schon bald ergibt sich eine Spur: Thanatos, das Medium. Ist er für die seltsamen Heimsuchungen verantwortlich? Schnell stellt sich heraus, dass Thanatos sogar in die Vergangenheit Dr. Zephyres verstrickt ist. Auch für Nina und Dave stellt sich nun die Frage: Wer ist Emily? (Klappentext)

Restlos überzeugende Auftaktfolgen sind eher die Ausnahme. Nur selten gelingt es den Autoren nämlich, das Publikum mit den Hauptfiguren sowie dem Setting vertraut zu machen und gleichzeitig eine packende Geschichte zu erzählen. Mit einer der Gründe, warum man in den Top 10 der beliebtesten Folgen von Fernsehserien eigentlich nie den Pilotfilm findet. Gelingt hingegen die Etablierung der Charaktere sowie der Ausgangssituation in Kombination mit einer doch kurzweiligen und soliden Story, dann darf man mit Fug und Recht immer noch von einem gelungenen Auftakt zu sprechen. Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis war so ein Auftakt. Einer von der Sorte, der einen neugierig auf die Fortsetzung machte. Morgen kommt diese nun offiziell in die Läden - und erweist sich leider in mehrfacher Hinsicht als nur mäßig austariert.

Um den Erzählfluss nicht unter einem Berg an Informationen zu begraben, sahen Paul Burghardt und Tom Steinbrecher (alias Stein/Hardt) davon ab, in Charybdis Zephyrs frühere Auseinandersetzung mit der Baphomet-Sekte näher zu beleuchten. Dies holt man nun in Thanatos nach – jedoch erst im letzten Drittel der Handlung. Die 40 Minuten davor sind rückblickend nicht mehr als ein gewaltiger Anlauf, den sich das Hörspiel gönnt, um es in den restlichen 25 Minuten der Spielzeit mächtig krachen zu lassen. Wähnte man sich bis dahin von der Atmosphäre her eher in einem Drei-Fragezeichen-Abenteuer, kommt dann doch noch jenes Grusel- und Mystery-Feeling auf, das zu erleben man die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte. War der Plot von Charybdis kompakt und von einer kohärenten Atmosphäre gekennzeichnet, zerfällt jener von Thanatos in zwei Teile, baut erst sehr spät das nötige Flair auf und hat zudem mit dem Timing zu kämpfen. Sehr schade, denn Stein/Hardt kann es wesentlich besser. Folge 1 ist der Beleg dafür.

Nachdem Dr. Zephyre, Dave Edwards und Nina Sallenger den Hörern in Charybdis erst einmal vorgestellt wurden, folgt nun in Thanatos die weitere Ausgestaltung der Charaktere. Was den Kopf des Trios betrifft, klappt das noch ganz gut, denn das, was man gegen Ende der Folge über Zephyrs Vergangenheit erfährt, verleiht seiner Persönlichkeit mehr Tiefe und macht ihn dadurch interessanter. Dave Edwards hingegen wird förmlich demontiert, weil sowohl sein Chef als auch Nina ihn als Fußmatte benutzen, ihn unentwegt mit spöttischen Bemerkungen überziehen oder auch vor geradezu herablassenden Äußerungen ihm gegenüber nicht zurückschrecken. Da das Skript Edwards keinerlei Chance gibt, irgendeine Art von nützlichem Talent zu zeigen, erschließt sich irgendwann gar nicht mehr, was er überhaupt im Team soll. Man würde gerne mit Dave Edwards lachen, doch stattdessen wird hier ständig nur über ihn gelacht. Und weil er den verbalen Attacken seiner Mitstreiter hilflos gegenübersteht, diese das auch genau wissen, aber ständig weitermachen, rückt dieses Verhalten Zephyr und Nina in ein extrem schlechtes Licht, was es in hohem Maße erschwert, für diese beiden Figuren Sympathie zu entwickeln. Extrem von sich überzeugt und entsprechend vorlaut war Nina Sallenger in Folge 1 ohnehin schon. Indem sie sich in Folge 2 als sehr begeisterungsfähig für alles zeigt, das mit Übersinnlichem zu tun hat, erweitert sich nun ihr Profil um eine interessante Facette. Zugleich entsteht dadurch ein spannender Kontrast zu Zephyr und Edwards. Leider überzeichnen die Autoren Nina im Verlauf der Handlung massiv und lassen sie Äußerungen tätigen, derentwegen sie sich von Edwards mehr als einmal fragen lassen muss, was mit ihr nicht stimme. Der Hörer fragt sich das auch. Außerdem lernen wir über Nina, dass sie gut trainiert und darum in der Lage ist, eine Tür einzutreten. Damit wir das auch ja nicht vergessen, darf sie später noch eine zweite Tür eintreten. Und als weiteren Beleg dafür, in welch beneidenswerter körperlicher Verfassung Nina sich befindet, lässt man sie in einer für die Story komplett irrelevanten Szene mehrere Männer verprügeln, die sich ihr während einer Fahrt mit der U-Bahn unschicklich nähern. Haben es jetzt auch alle verstanden? Nina ist in absoluter Topform!

Bei aller Kritik an der Story von Twilight Mysteries Folge 2: Thanatos soll aber ebenso deutlich gesagt sein, dass es an der Leistung der beteiligten Sprecherinnen und Sprecher absolut nichts auszusetzen gibt. Unter der Regie von Stein/Hardt agieren Marc Schülert, Kim Hasper und Tanya Kahana mit viel Einsatz; Martin Sabel verkörpert einen herrlich fiesen Thanatos. Weiterhin sind Tanja Niehoff, Ingo Abel, Timo Künzel, Katja Brügger, Marie Burghardt, Stephan Chrzesinski und Freddy Bee mit von der Partie, die allesamt eine feine Performance bieten. Tom Steinbrechers Fähigkeiten, packende Klangräume zu erschaffen, sind vor allem im letzten Drittel des Hörspiel gefordert, wo er sie dann auch prompt voll zur Wirkung bringt. Sein Soundtrack (weitere Scores stammen von Ambitus) ist abwechslungsreich und auf die jeweiligen Szenen abgestimmt. Musik ist natürlich immer Geschmackssache, doch mir gefielen auch die eher rockigen Einlagen sehr gut, da man so etwas selten in Hörspielen hört. Ich empfand die als eine erfrischende Abwechslung.


Wo stehen wir also nun nach 65 Minuten Twilight Mysteries Folge 2: Thanatos? Vergleicht man die beiden bisher erschienenen Folgen miteinander, dann ist die zweite die schwächere. Zwar befinden sich die Hörspiele in puncto Specherleistung, Sounddesign und Musik absolut auf Augenhöhe, doch schlägt der Auftakt die Fortsetzung durch seine größere Kompaktheit und den damit verbundenen überzeugenderen Spannungsbogen. Neben dem viel zu großen Vorlauf leistet sich Folge 2 außerdem zu viele Schwächen hinsichtlich der Charakterentwicklung sowie der Dynamik innerhalb des ermittelnden Trios, um den Vorgänger übertrumpfen zu können. Das alles ist ein wenig enttäuschend, doch keinesfalls ein Beinbruch, da sich die Serie insgesamt ja noch in einem frühen Stadium befindet. Die Folgen 3 und 4 sind für Juni bzw. Juli bereits angekündigt – die perfekte Möglichkeit also, die Scharte direkt wieder auszuwetzen. Und darum bleibe ich der Serie trotz allem vorerst treu, um zu erfahren, in welche Richtung sie sich weiter entwickelt.


Twilight Mysteries Folge 2: Thanatos ist eine Stein/Hardt-Produktion für Maritim. Ab dem 20. Mai 2016 ist das Hörspiel im Handel erhältlich.

Hörspielrezension: «Heliosphere 2265 – Folge 6: Die Bürde des Captains» (Greenlight Press/Interplanar)


Heliosphere 2265 ist eine zyklisch aufgebaute Serien, deren Handlungsbögen jeweils 12 Episoden umfassen. Folglich läutet die unlängst veröffentlichte Folge 6: Die Bürde des Captains das Ende der ersten Halbzeit der Auftaktrunde dieser Hörspiel-Space Opera ein. Ein Umstand, den die Macher zum Anlass nehmen, es wieder einmal ordentlich krachen zu lassen. Seit dem 13. Mai 2016 ist Heliosphere 2265 – Folge 6: Die Bürde des Captains im Handel und hat eine Laufzeit von ca. 52 Minuten.

Ein letztes Mal soll Captain Cross zu einer Mission mit der "Hyperion" aufbrechen. Sein Tod ist bereits beschlossen - und nicht nur der Seine. Doch Jayden ist durch Sarah McCall vorgewarnt und überdenkt seine nächsten Schritte. Wofür wird sich der Kommandant des ersten Interlink Kreuzers der Menschheit entscheiden? Eines scheint klar: Egal welche Richtung er am Ende einschlägt, den Preis werden Menschen zahlen müssen, die ihm nahestehen... (Klappentext)

Wenn Heliosphere-Autor Andreas Suchanek bei Facebook davon spricht, Folge 6 habe es in sich, dann ist das wahrlich keine Übertreibung. Sowohl von der Geschichte als auch von deren Umsetzung her macht dieses Hörspiel alles richtig, indem es Vorgänger in puncto Spannung und vor allem Dramatik noch einmal deutlich übertrifft, um dadurch seiner Rolle als vorläufiger Höhepunkt des ersten Zyklus mehr als nur gerecht zu werden. Zwar konzentriert sich Die Bürde des Captains primär auf die Ereignisse an Bord der Hyperion, doch findet man die Zeit, einen weiteren, neuen Erzählstrang um Dr. Petrova und Zev Buckshaw zu etablieren, der seine Fortsetzung in der zweiten Zyklushälfte finde wird. Beide Fäden laufen zwar (noch) parallel, werden aber alternierend erzählt. Dem ohnehin temporeich inszenierten Hörspiel verleiht der Wechsel zwischen den Handlungsorten zusätzliche Dynamik. Absoluter Höhepunkt der Folge ist zweifelsohne der Showdown auf der Brücke der Hyperion, der jene, die unter Cliffhanger-Phobie leiden, schier in den Wahnsinn treiben wird. Denn was in den letzten Minuten dieser Produktion geschieht, schreit förmlich nach einer Auflösung, die man besser heute als morgen erleben möchte. Gäbe es einen Hörspielpreis für den besten Cliffhanger des Jahres, dann wäre dieser hier einer der heißesten Anwärter.

Wer es vor Spannung gar nicht mehr aushält, findet auf der drittletzten Seite des Booklets eine Vorschau auf Folge 7, die einen kleinen Ausblick auf den Fortgang der Handlung gibt. Recht umfangreich und sehr informativ ist das Interview mit Manja Doering ausgefallen, das ebenfalls den Weg ins Begleitheft der CD gefunden hat. Auf gleich vier Seiten erzählt die Sprecherin, die in Heliosphere 2265 als Lieutenant-Commander Tess Kensington zu hören ist, in sympathischer Weise über ihre Arbeit im Hörspiel- und Synchronbereich. Abgerundet wird das Booklet durch die Credits sowie die Besetzungsliste. Sie umfasst dieses Mal neben Stammsprechern wie Wanja Gerick, Christin Maquitan, Manja Doering oder Tobias Kluckert auch erstmals Marius Clarén (als Branch) und Maria Koschny (als Syra Pembleton). Clärén kennt man unter anderem als deutsche Stimme von Jake Gyllenhaal oder Tobey Maguire, Koschny als die von Jennifer Lawrence. Mit dabei ist auch wieder Michael (Mark Brandis) Lott als Unsympath Christopher Johnston. Unter der Regie von Balthasar v. Weymarn - er zeichnet neben Andreas Suchanek auch für das Skript der Folge verantwortlich – laufen alle Sprecherinnen und Sprecher zu großer Form auf. Ebenso wie der Cast lassen zudem das Sounddesign und die Musik von Jochim-C. Redeker ordentlich die akustischen Muskeln spielen. Wenn es darum geht, eine packende Atmosphäre zu schaffen, ist Redeker seit Jahren eine sichere Bank - und bei diesem Hörspiel stellt er sein Können abermals nachdrücklich unter Beweis.

Verlass ist dieses Mal auch wieder auf das Bonusmaterial, das auf der CD mitgeliefert wird. Wer sich für den Roman interessiert, auf dem das Hörspiel basiert, findet ihn in drei Ebook-Formaten auf der Scheibe; und wer Heliosphere 2265 – Folge 6: Die Bürde des Captains lieber unterwegs hören möchte, dem bleibt das Rippen erspart, da eine MP3-Version der Folge mit zu den Extras gehört. Ein schöner Service, den man der Gruppe der CD-Käufer da jedes Mal zuteil werden lässt.


Mit Heliosphere 2265 – Folge 6: Die Bürde des Captains ist Greenlight Press und Interplanar ein prächtiger Schlusspunkt unter die erste Hälfte des Premierenzyklus dieser Space Opera gelungen. Und gleichzeitig hat sich die Serie eine perfekte Ausgangsbasis für eine ereignisreiche zweite Halbzeit verschafft. Bis die angepfiffen wird, dauert es zwar noch etwas, aber ich freue mich jetzt schon sehr auf den Tag, an dem es soweit ist.


Link: Website zur Serie
Zum Weiterlesen: Verzeichnis meiner weiteren Hörspielrezensionen

Hörspielrezension: «I R I S» (Ohrenkneifer)


Das Label Ohrenkneifer beackert mit Einzelhörspielen ohne Reihen- oder Serienbackground ein Feld, das in der deutschen Hörspiellandschaft zumeist den Radioproduktionen vorbehalten ist. Thematisch zeigt man sich dabei sehr flexibel, denn neben dem Thriller- sowie Western-Genre wurde mit Hydrophobia auch der Science-Fiction bereits ein Besuch abgestattet. Und zuletzt erforschte man mit Stummer Wächter das Reich des Paranormalen. Doch ob nun Willkür in Wyoming herrschte, Blutige Fährten verfolgt wurden oder ein als Schutzengel auftretender Stummer Wächter der Polizei Rätsel aufgab: Bislang spielten beim Ohrenkneifer alle Plots auf Mutter Erde. Dies ändert sich nun mit IRIS, einer Space Opera, die ab dem 6. Mai im labeleigenen Shop und ab dem 13. Mai 2016 im allgemeinen Handel erhältlich ist.

Dr. Iris Ashton, wissenschaftliche Leiterin der Raumstation im Orbit des Jupitermondes Europa, macht eine sensationelle Entdeckung. Doch etwas läuft schief, es kommt zu einer Katastrophe. Wie der Zufall es will, dockt kurz darauf ausgerechnet der Raumfrachter von Iris´ Ex-Mann an der Station an. Zusammen mit seinem ersten Offizier Lieutenant Forrester begibt sich Captain Hatchenson nichts ahnend ins Innere der scheinbar menschenleeren Station und damit auf einen Höllentrip. (Klappentext)

Die Grundlage für IRIS bildet Sven I. Hüskens Kurzgeschichte Im Auge des Jupiters, die vor ihrer Vertonung von Marc Schülert – er zeichnet neben dem Skript auch für die Regie, den Schnitt, das Sounddesign und Teile der Musik verantwortlich – eingehend bearbeitet und dabei nicht zuletzt erweitert wurde. So ändert Schülert die Figurenkonstellation, indem er aus Hatchenson und Ashton zwei Menschen macht, deren frühere Beziehung sehr unglücklich verlaufen ist, was dem Hörspiel eine neue emotionale Ebene hinzufügt. Vor allem die Figur des Captain Hatchenson – sie zu sprechen hat Marc Schülert sich selbst vorbehalten – gewinnt dadurch deutlich an Tiefe. Die Ausgangssituation der Geschichte zu etablieren, Hatchensons Background zu beleuchten sowie seinen Kopiloten Forrester (Detlef Tams) und den Bordcomputer Paps (Dirk Hardegen) vorzustellen, braucht natürlich seine Zeit: Nach ca. 15 Minuten erreicht das Hörspiel jenen Punkt, an dem der Plot der Kurzgeschichte anfängt. Doch es ist eine gut investierte Viertelstunde, da sie voll und ganz in den Dienst der Handlung gestellt wird. Bis dahin hat IRIS durch sein atmosphärisch dichtes, viel Authentizität verströmendes Sounddesign und die effektvoll zum Einsatz gebrachte Musik des Duos Michael Donner/Marc Schülert bereits jede Menge Punkte sammeln können. Und bis der Abspann verklungen ist, werden noch etliche dazukommen. Die Ohrenkneifer-Hörspiele mögen sich von ihren Geschichten her stark unterscheiden, doch gemein ist ihnen allen ein mit viel Liebe für Details gestalteter Klangraum. Und IRIS setzt diese Tradition eindrucksvoll fort. Gleiches gilt für das intensive Spiel der Besetzung vor und auch mit dem Mikrophon. Schülerts Darstellung der sensiblen Seite von Captain Hatcheson ist eindringlich, vermeidet aber jeden Anflug von Kitsch, während Detlef Tams sich bei der Verkörperung des bodenständigen Forrester hörbar wohlfühlt und entsprechend ganz in seinem Part aufgeht. Dirk Hardegen wiederum ist der "Maschinenflüsterer" in diesem Hörspiel, haucht er neben dem Bordcomputer Paps doch gleich auch noch dem Roboter Beebop Leben ein. Beide grenzt er dabei durch unterschiedliche Klangfarben in der Stimme geschickt voneinander ab. Neben Schülert, Tams und Hardegen wissen zudem Alianne Diehl (Iris Ashton), Clemens Gerhard (Commander Jenkins) Christiane Marx (Dr. Vern), Horst Kurth (Daniel), Oliver Kube (Pfleger) und Christian Stark (Ansage) in ihren Rollen zu überzeugen. Von der Regie und der Sprecherleistung her passt bei IRIS alles wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge (des Jupiters).

Was nicht passt, wird bekanntlich passend gemacht. Und geben Autoren zu Protokoll, sie hatten eine Literaturvorlage für ihre Adaption anzupassen, dann ist damit in der Regel gemeint: Sie mussten die Handlung kürzen. Marc Schülerts Problem war da genau gegenteilig gelagert, denn er sah sich nach eigener Aussage zu einer Erweiterung von Im Auge des Jupiters gezwungen, weil Hüskens Story für eine 1-zu-1-Übertragung schlichtweg zu kurz war. Fraglos ist es Schülert gelungen, den von ihm gewählten Stoff sinnvoll "aufzupeppen". Und wie das Hörspiel Alien oder 2001 Respekt erweist, erfreut das Herz des Science-Fiction-Fans. Doch vermögen leider auch die vorgenommen Ergänzungen und Reverenzen nicht von der Tatsache abzulenken, dass IRIS auf einer Kurzgeschichte basiert, die sich ihrerseits vor Genre-Klassikern verbeugt, indem sie deren Grundideen aufgreift und anders arrangiert. Dieses Hörspiel hat durchaus etwas zu erzählen - nur hat man als SF-Aficionado davon eben vieles andernorts schon einmal gesehen, gehört oder gelesen. Trotz begrenzter Originalität kommt aber dennoch keine Langeweile auf, da der Plot konsequent vorangetrieben und in einer kompakten Spielzeit von ca. 60 Minuten zum Abschluss gebracht wird. Auf die Käufer der CD von IRIS wartet im Anschluss noch ein informatives 10-minütiges Making-of. Der Tradition, die CD-Version seiner Hörspiele durch Bonusmaterial aufzuwerten, bleibt das Label damit also weiterhin treu.


Versierte Sprecherinnen und Sprecher, eine packende Soundkulisse und fein auf die Handlung abgestimmte Musik treffen in I R I S auf einen soliden, sich an Meilensteinen des SF-Kinos orientierenden Plot. Ob in der eher gering ausgeprägten Eigenständigkeit der Story der einzige Schwachpunkt eines ansonsten hervorragend produzierten Hörspiels zu sehen ist, oder ob man sie vielmehr als Ausdruck der großen Wertschätzung interpretieren möchte, die Hüsken und Schülert jenen Filmen entgegenbringen, die das Genre so nachhaltig geprägt haben, muss jeder Hörer für sich selbst entscheiden. Außer Frage steht jedoch, dass auch diese Ohrenkneifer-Produktion wieder einen hohen Unterhaltungswert besitzt und in der akustischen Umsetzung des Stoffes die Liebe des Labels für das Medium Hörspiel zum Ausdruck kommt. Schon aus diesem Grund hat I R I S ein großes Publikum verdient und sei hiermit hörspielaffinen Science-Fiction-Fans ans Herz gelegt.

I R I S ist eine Produktion des Labels Ohrenkneifer. Das Hörspiel ist ab dem 6. Mai 2016 im Ohrenkneifer-Shop erhältlich. Ab dem 13. Mai auch über den allgemeinen Handel.


Link: Der Ohrenkneifer bei Facebook

Star Trek Beyond: Neue Infos und Bilder zum kommenden Film




Keine drei Monate dauert es mehr, dann startet Star Trek: Beyond in den deutschen Kinos. Doch immer noch wissen wir sehr wenig über jenen Films, mit dem das ST-Franchise 2016 seinen fünfzigsten Geburtstag feiert. Einen ersten, relativ kurzen Trailer, der vom Publikum mit recht gemischten Gefühlen aufgenommen wurde,  gab es zwar schon. Doch ansonsten hüllen sich die Beteiligten bezüglich des Plots weitgehend ins Schweigen, wenngleich Schauspieler/Co-Autor Simon Pegg und Regisseur Justin Lin  unlängst zumindest ein wenig den Schleier lüfteten. Deutlich mehr Klarheit wird wohl erst der finale Trailer zu Star Trek Beyond bringen, den Paramount am 20. Mai im Rahmen einer Jubiläumsveranstaltung zu Ehren von Star Trek auf seinem Studiogelände den Anwesenden erstmals vorführen wird, ehe das Material auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht wird.

Hier noch einmal der erste Trailer zu Star Trek Beyond:



Und hier der Ankündigungstext zum Film, der ebenfalls zwischenzeitlich veröffentlicht wurde:

Auf ihrer Forschungsmission gerät die Enterprise in einen gnadenlosen Hinterhalt. Unter Dauerbeschuss kann die Crew um Captain Kirk nur in letzter Sekunde auf fremdem Terrain notlanden. Doch statt in Sicherheit befindet sie sich plötzlich zwischen den Fronten eines scheinbar ausweglosen Konflikts. Getrennt voneinander und ohne Kontakt zur Außenwelt ziehen Kirk und sein Team in den Kampf gegen einen mysteriösen und übermächtigen Feind.

Etwas mehr Einblick in die Story des Streifens gewährte Simon Pegg inzwischen dem Kinomagazin Empire, das in seiner aktuellen Ausgabe über Star Trek Beyond berichtet. Demnach befindet sich die Enterprise im zweiten Jahr ihrer Fünf-Jahres-Mission. Und die Reise hat die Crew körperlich ziemlich geschafft, weshalb sie sich auf einem Außenposten der Föderation, der für diplomatische Zwecke genutzt wird, einen Landurlaub gönnt. Doch die Auszeit ist nur von kurzer Dauer, da der von Idris Elba gespielte Bösewicht Krall, der nichts von den Idealen der Föderation hält, zum Angriff auf die Enterprise und ihre Crew bläst. Kirk und Co stellt sich nach Peggs Worten angesichts der Ereignisse, mit denen sie konfrontiert werden, in diesem Film die Sinnfrage: Was soll eigentlich diese Föderation? Was will diese große Gemeinschaft von Welten aus allen Ecken der Galaxis erreichen? Wo soll der Prozess der Einigung schließlich hinführen? Empire sprach auch mit Regisseur Justin Lin, der deutlich zu erkennen gab, dass er sich des besonderen Stellenwerts dieses Films bewusst ist. Denn Lin erklärte, es sei ihm wichtig, zum 50. Geburtstag die Idee von Star Trek und die Idee der Föderation wieder auf ihren Kern zurückzuführen und herauszustellen, warum sie so speziell seien. Man werde eine ganze Reihe unterschiedlicher Aspekte ansprechen.

Bei Coming Soon finden sich (unter Bezug aufs Check-Magazine) einige neue Szenenfotos, die einen Blick auf die Charaktere und ihre neuen Uniformen gewähren:



Soweit also der derzeitige Stand der Dinge. Am 20. Mai enthüllt Paramount den finalen Trailer, und am 21. Juli startet die Enterprise in Star Trek Beyond in ihr neues Abenteuer. So wie es aussieht, dürfte es ein ziemlich dramatischer Ritt für Captain Kirk und seine Mannschaft werden.

Star Trek Beyond ist ein Film von Justin Lin, produziert von J. J. Abrams. Auf der Brücke der Enterprise stehen nun zum dritten Mal die Hollywood-Stars Chris Pine, Zachary Quinto, Zoe Saldana, Simon Pegg, Karl Urban, John Cho und Anton Yelchin. Attraktiver Neuzugang in der Crew ist Sofia Boutella als Jaylah. Charaktermime Idris Elba übernimmt die Rolle des gefährlichen Gegenspielers Krall.

Star Trek Beyond startet am 21. Juli 2016 in den deutschen Kinos.


Filmkritik: «The First Avenger: Civil War» (seit dem 28. April 2016 im Kino)


Seit Donnerstag läuft er nun in unseren Kinos: Jener Film, der hierzulande The First Avenger: Civil War heißt und der im Original auf den Namen Captain America: Civil War hört. Der treffendste Titel, den Marvel Studios ihm hätte geben können, wäre Avengers: Civil War gewesen. Zwar führt der Streifen auch den Handlungsstrang aus The Return of the First Avenger weiter, doch in Hauptsache versteht er sich als ein ca. 145 Minuten langer Epilog zu den ersten beiden Avengers-Filmen, für dessen Drehbuch Christopher Markus und Stephen McFeely auf Motive der Comicgeschichte Civil War zurückgegriffen haben.

In The First Avenger: Civil War steht der Fortbestand der Avengers zu Disposition: Die Welt ist den Helden für ihren Kampf gegen Loki und Ultron zwar sehr dankbar, doch dass sie dabei eigenmächtig und über alle nationalen Grenzen hinweg operiert haben, bereitet der Staatengemeinschaft wegen der enormen Schäden und er zahlreichen Opfer unter Zivilbevölkerung große Bauchschmerzen. Abhilfe schaffen soll da ein Abkommen, welches die Avengers unter die Aufsicht eines UN-Gemiums stellt. Tony Stark (Iron Man) befürwortet diesen Plan, während Steve Rogers (Captain America) dagegen ist, dass die Helden zukünftig nur noch auf ausdrücklichen Befehl tätig werden dürfen. Dadurch entsteht in Riss im Team, der sich noch vertieft, als Cap sich für seinen alten Freund Bucky Barnes (Winter Soldier) einsetzt, dem die Urheberschaft an einem verheerenden Bombenanschlag zur Last gelegt wird. Die immer stärker werdenden Spannungen entladen sich schließlich in einem gewaltigen Schlagabtausch zwischen den Superhelden. Ganz zur Freude einer im Hintergrund agierenden dritten Kraft, die ihre Finger im Spiel hat und deren Ziel die Vernichtung aller Avengers ist...

2014 erhielten Markus und McFeely als Autoren sowie die Gebrüder Russo als Regisseure von The Return of the First Avenger (org.: Captain America: The Winter Soldier) berechtigterweise sehr viel Lob, denn die Mischung aus Superheldenfilm und Polit-Thriller konnte auf ganzer Linie überzeugen. In ihren neuen Film hat das Quartett sehr viel hineingepackt – und man kann sich fragen, ob dies wirklich nötig gewesen wäre. Eine Geschichte über Captain America, der auf der Suche nach dem sich auf der Flucht befindenden Bucky Barnes selbst zum Gejagten wird, hätre problemlos einen abendfüllenden Film hergegeben. Eine Story, in der sich die Avengers darüber entzweien, ob sie sich einer externen Kontrolle unterwerfen sollen, ebenfalls. Civil War erzählt diese beiden Plots nun gleichzeitig, was einen langen, aber durchaus unterhaltsamen Film ergibt, der in manchen Szenen jedoch etwas erzwungen wirkt. So werden extra für den in den Trailern prominent herausgestellten großen Kampf der Superhelden mit Hawkeye und Ant-Man extra zwei Figuren aktiviert, die für die sonstige Handlung keinerlei Rolle spielen. Und der erste Auftritt von Spider-Man in einer Marvel Studios-Produktion besitzt eher den Charakter einer Promotion für den kommenden Streifen Spider-Man: Homecoming, als das er für The First Avenger: Civil War Relevanz besäße. Organisch aus dem Geschehen heraus ergibt sich hingegen die Einführung des Black Panther, der im Verlauf des Films zu einer interessanten Figur entwickelt wird. Seine Motivation wird nachvollziehbar hergeleitet, wie auch die unterschiedlichen Standpunkte von Iron Man und Captain America in der "Kontroll-Frage" durchaus plausibel sind. Positiv anzurechnen muss man es den Autoren außerdem, dass sie es sich mit der Beantwortung der Frage, wer von den beiden denn nun im Recht ist, nicht einfach gemacht, und sich zudem einen Twist aufgespart haben, der das Finale zum emotionalen Höhepunkt des Streifens werden lässt. Robert Downey jr. und Chris Evans sind in absoluter Topform und bilden die Speerspitze eines souverän agierenden, aus den Avengers-Filmen bekannten Casts, der durch Chadwick Boseman als Black Panther und Daniel Brühl als Zemo überzeugend verstärkt wird.

Was ansonsten von The First Avenger: Civil War im Gedächtnis bleibt, ist die unglaubliche Zahl an optisch grandiosen Action- und  Kampfszenen, die sich gegenseitig zu überbieten versuchen und dabei Gefahr laufen, komplett die Bodenhaftung zu verlieren. Könnte jene Szene zu Beginn, in der die Avengers in Lagos Terroristen verfolgen, die zuvor aus einem Labor einen gefährlichen Krankheitserreger gestohlen haben, auch ebenso gut aus einem James Bond-Film stammen, überspannt man später den Bogen doch massiv, wenn Cap einen Helikopter am Start hindert, indem er sich mit einer Hand an der Kufe des Hubschraubers festhält, während er mit der anderen Hand ein Geländer umklammert. Plötzlich ist es da, dieses cartoonhafte Over-the-Top-Feeling, das Marvel zu vermeiden trachtet. Dieses Abgleiten in Regionen des Absurden, das geeignet ist, die Charaktere ihrer Glaubwürdigkeit zu berauben. Doch glücklicherweise bleibt es bei Ausrutschern, die der Film insbesondere durch hohes Erzähltempo schnell wieder wett macht.

The First Avenger: Civil War reflektiert die bisherigen Abenteuer der Avengers und schlägt zugleich ein neues Kapitel in der Saga dieser Superheldentruppe auf. Der Film setzt auf die bewährte Marvel-Formel aus reizvollen Charakteren, Drama und effektvoll inszenierter Action, womit er sicherstellt, dass ihn die Fans mit Sicherheit lieben werden. Bietet er ihnen doch alles, was sie von Produktionen der Marvel Studios seit Jahren gewohnt sind. Doch auch allen, die keine ausgesprochenen Comicfans sind, empfiehlt sich The First Avenger: Civil War als rasantes, visuell beeindruckendes Unterhaltungskino. Ein Film, also, den man gesehen haben sollte.



The First Avenger: Civil War läuft in 3D seit dem 28. April 2016 in den deutschen Kinos.

Vorschau: «Things to Come» - Neues Überblickswerk zum Thema SF-Film aus dem Kerber Verlag



Vom 30.6.2016 bis zum 23.4.2017 präsentiert die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen in Berlin die Ausstellung Things to Come - Science. Fiction. Film . Begleitend dazu veröffentlicht der Kerber Verlag unter dem Titel Things to Come ein neues Überblickswerk zur Geschichte des Science-Fiction-Films.

Der Verlag schreibt dazu: 

"Das Science-Fiction-Genre boomt. Immense Budgets und klingelnde Kinokassen kennzeichnen seinen Siegeszug. Die unendlichen Weiten des Weltalls, Landungen auf fremden Planeten, Begegnungen mit Aliens sowie der technische und wissenschaftliche Fortschritt sind populäre Themen. Wie schon beim ersten Hype in den 1950er Jahren lassen sich in den Filmen zahlreiche Verweise auf gesellschaftliche Themen finden.

Things to Come gibt einen Überblick über das Genre und die Ursachen des aktuellen Erfolgs. Die Publikation versammelt unveröffentlichte Abbildungen und exklusive Werk- und Szenenfotos aus der internationalen Filmgeschichte. Anschauliche Beiträge sowie zahlreiche Interviews mit renommierten Experten komplettieren das Buch und schaffen einen ebenso unterhaltsamen wie reflexiven Zugang zum Genre Science-Fiction."

Herausgegeben von Kristina Jaspers, Nils Warnecke und Gerlinde Waz enthält das als Hardcover erscheinende Buch auf 208 Seiten neben zahlreichen farbigen Abbildungen Texte von Marcus Becker, Beatrice Behn, Marc Bonner, Rolf Giesen, Kristina Jaspers, Tim Lindemann, Georg Simbeni, Vera Thomas, Nils Warnecke und Gerlinde Waz, sowie Interviews mit Jacques Arnould, Monika Bauert, Manfred Hild, Lars Lundström, Arthur Max, Ulrich Walter und Christopher Welch. 

Der Ankündigungstext und die Riege der Beteiligten klingen vielversprechend und machen in der Tat jetzt schon neugierig auf dieses Buch. Things to Come erscheint im Juni 2016 und kann zum Preis von ca. 40 Euro beim Verlag bereits vorbestellt werden. 


METRO 2035: Lesung von Dmitry Glukhovsky heute Abend bei LovelyBooks


Im Rahmen der Veröffentlichung seines neuen Science-Fiction-Romans METRO 2035 kommt der russische Bestseller-Autor und Journalist Dmitry Glukhovsky für eine Lese- und Pressereise nach Deutschland. Am heutigen Mittwoch, dem 27. April 2016, ist er ab 19.30 Uhr für eine Lesung aus METRO 2035 zu Gast in München bei LovelyBooks, der größten Buchcommunity im deutschsprachigen Raum.

Für Fans und Leser, die leider nicht persönlich vor Ort sein können, überträgt LovelyBooks die Lesung per Livestream auf LovelyBooks.de. Im Anschluss an die Lesung beantwortet Dmitry Glukhovsky Fragen aus dem Publikum sowie von Online-Zuschauern. Wer aus der Netzgemeinde eine Frage an den Autor hat, kann sie ihm bei Twitter unter dem Hashtag #lblive stellen. Unter allen, die auf diese Weise mitmachen, werden fünf signierte Bücher verlost.

Den Livestream der Lesung von METRO 2035 könnt ihr ab 19:30 Uhr auch hier im Blog verfolgen.


Über den Roman: 

Der Held einer ganzen Generation ist zurück – in METRO 2035 macht sich Artjom erneut auf die gefährliche Reise durch das Dunkel der Moskauer Metro Seit ein verheerender Atomkrieg zwanzig Jahre zuvor die Erde verwüstet hat, haben die Menschen in den Tiefen der Metro-Netze eine neue Zivilisation errichtet. Doch die vermeintliche Sicherheit der U-Bahn-Schächte trügt: Zwei Jahre, nachdem Artjom die Bewohner der Moskauer Metro gerettet hat, gefährden Seuchen die Nahrungsmittelversorgung, und ideologische Konflikte drohen zu eskalieren. Die einzige Rettung scheint in einer Rückkehr an die Oberfläche zu liegen. Aber ist das überhaupt noch möglich? Wider alle Vernunft begibt sich Artjom auf eine lebensbedrohliche Reise durch eine Welt, deren mysteriöses Schweigen ein furchtbares Geheimnis birgt …


Hinweis in eigener Sache: Für die Bereitstellung und Ausstrahlung des Livestreams in ausschließlich LovelyBooks verantwortlich.

Hörspielrezension: «Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 4: Der Elefant aus Stahl» (Maritim)


Wer rastet, der rostet. Das gilt insbesondere für Weltenbummler. Damit er gar nicht erst Gefahr läuft, irgendwelchen Rost anzusetzen, schickt das Label Maritim Jules Vernes berühmten Helden Phileas Fogg bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in ein neues Hörspielabenteuer. Fand die Konfrontation zwischen Fogg und dem verschlagenen Robur in Folge 3: Krieg in den Wolken an Bord des imposanten Luftschiffs Albatros statt, so steht auch dieses Mal ein technischen Wunderwerk im Mittelpunkt: ein Elefant aus Stahl. Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 4: Der Elefant aus Stahl hat eine Laufzeit von ca. 65 Minuten und ist seit dem 22. April 2016 im Handel.

Phileas Fogg und seine Begleiter reisen nach Indien. Dort hat der britische Ingenieur Banks im Auftrag des Maharadschas ein mechanisches Meisterwerk geschaffen: eine mächtige Dampfmaschine in Form eines lebensgroßen Elefanten. Von diesem beeindruckenden Automaten befördert, machen sich unsere Helden zu einer Reise durch die Tiefen des indischen Dschungels auf. Doch im Dickicht lauern nicht nur wilde Tiere, sondern auch die Gespenster der Vergangenheit. Für den englischen Offizier Munro ist es seine Nemesis aus den Tagen der Expeditionstruppen. Und für unsere Helden ein alter Bekannter, der erneut die Hand nach der Macht ausstreckt. So wird die Reise in den Urwald bald zu einem Kampf auf Leben und Tod. Werden Phileas Fogg, Aouda und Passepartout auch diese Prüfung bestehen? (Klappentext)

Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg ist eine zyklisch aufgebaute Serie, deren Staffeln jeweils vier Folgen umfassen. Folglich wird nun jener Erzählstrang zum Abschluss gebracht, der in Folge 1: Entführung auf hoher See begonnen wurde. Um dieses Ereignis gebührend zu feiern, haben sich die Macher nicht lumpen lassen und fahren mächtig auf, indem sie Foggs Trip nach Indien als viktorianisches James Bond-Abenteuer klassischer Machart anlegen: An einem größenwahnsinnigen Schurken, der in einem Versteck der Superlative seine Eroberungspläne schmiedet, fehlt es ebenso wenig wie an einem finsteren Henchman oder einem egozentrischem Wissenschaftler, der sein Talent und sein Gewissen an den Bösewicht verkauft hat. Und wenn im Showdown die Truppen des Schurken zum großen Schlag gegen das Empire ausholen, ist es an Phileas Fogg, für Königin und Vaterland die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Doch wirklich Sorgen zu machen braucht sich Queen Victoria nicht, denn auf Fogg ist selbstverständlich Verlass.

Der Plot von Markus Topf gönnt sich erst etwas Anlauf, gewinnt dann aber zunehmend an Fahrt und kulminiert in einem Showdown, der diesen Namen auch verdient. Dabei wird Christian Brückner als Jules Verne/Erzähler erheblicher Raum zugestanden, doch sorgen seine Ausführungen für sehr viel Atmosphäre und tragen damit maßgeblich zum Gelingen dieser Geschichte bei, die es sehr schön schafft, ein eigenständiges Abenteuer zu erzählen, während die gleichzeitig die erste Staffel von Jules Verne/Phileas Fogg gekonnt abrundet. Für das richtige Flair sorgen zudem die Soundkulisse von Studio WinterZeit sowie die orchestrale Musik von Alexander Schiborr und Michael Donner. Unverändert eine sichere Bank sind die Sprecherinnen und Sprecher, die die Serie zu bieten hat. Sascha Draeger (Phileas Fogg), Annina Braunmiller (Aouda) und Marius Clarén (Passepartout) bilden neben Christian Brückner (Jules Verne) das Rückgrat; Hartmut Neugebauer, Dietmar Wunder und Klaus Dieter Klebsch, die neben anderen gestandenen Stimmen dieses Mal ebenfalls mit von der Partie sind, liefern eine wunderbare Performance und gehen voll in ihren Rollen auf. Man hätte absolut nicht dagegen einzuwenden, ihnen auch gleich noch eine weitere Stunde oder länger zuzuhören.

Mit der nun komplett vorliegenden ersten Staffel hat Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg sein erzählerisches Potenzial unter Beweis gestellt. Das Konzept, Vernes Geschichten zur Grundlage einer Abenteuerserie um den Globetrotter Phileas Fogg zu machen und dabei auch von anderen Autoren geschaffene klassische Figuren einzubauen, ist absolut tragfähig und eröffnet der Serie ausgezeichnete Perspektiven. Daher darf man gespannt sein auf die zweite Staffel, die nicht nur dieses Jahr gestartet, sondern auch noch zum Abschluss gebracht werden soll. Zum Rasten wird Phileas Fogg also auch auf absehbare Zukunft nicht kommen. Und das ist eine gute Nachricht für alle Hörspielfans.



Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 4: Der Elefant aus Stahl ist eine Produktion von Maritim. Seit dem 22. April 2016 ist das Hörspiel im Handel erhältlich.


Hörtipp: «Scary Stories 09: Falten» (Webpremiere am 23. April bei Soundtales Prod.)


Mit seiner SF-Hörspielreihe Zukunfts-Chroniken ist Frank Hammerschmidt regelmäßig Thema hier im Blog. Nach etwas mehr als einem Jahr Pause geht es morgen, am 23. April 2016, nun auch mit seiner unkommerziellen Grusel-Hörspielreihe Scary Stories endlich weiter. Dann nämlich erlebt Scary Stories 09: Falten seine Premiere im Webradio von Soundtales Productions, um anschließend zum kostenlosen Download freigeschaltet zu werden.

Falten - man sieht sie kaum im Gesicht der Hollywood-Diva Johanna Finch, die schon als Stummfilmstar auf der großen Leinwand erschien. Die junge Reporterin Nina Oswald und ihre Freundin Djeyma Dalembert kommen hinter das Geheimnis ihrer Schönheit. (Ankündigungstext)

Was das Schönheitsgeheimnis von Johanna Finch ist, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden. Da es sich bei den Scary Stories aber um Gruselgeschichten handelt, dürfte klar sein, dass die Schauspielerin ihr makelloses Äußeres nicht den Errungenschaften der Kosmetikindustrie oder einem besonders talentierten Schönheitschirurgen verdankt. Angesiedelt hat Frank Hammerschmidt seine Geschichte im Amerika des Jahres 1966. Und es gelingt ihm, die gesellschaftlichen Verhältnisse und das Kolorit der damaligen Zeit einzufangen und in den Dienst des Plots zu stellen, der mit Hilfe eines stringenten Spannungsbogens in ca. 32 Minuten erzählt wird. Damit bewegt sich die Spielzeit von Folge 9 auf dem Niveau ihrer Vorgänger und im Rahmen dessen, was zu erwarten steht, wenn man es mit einer anthologischen Kurzhörspielreihe zu tun hat.

Eine solche kompakte Laufzeit lässt naturgemäß keinen Raum für große Vorreden. Darum kommt die Story auch gleich zur Sache und etabliert die Ausgangssituation. Davon ausgehend spinnt sich ein Handlungsfaden, der gut zu unterhalten versteht und den Gruselfreunden viele jener Ingredienzien bietet, die sie von solch einer Geschichte erwarten. Ein unheimliches, direkt neben einem Friedhof gelegenes Haus inklusive. Die Charakterisierung der Figuren beschränkt sich zwar auf Grundsätzliches, gibt den Protagonisten jedoch genügend Profil, um sie für den Hörer interessant zu machen. Zum Leben erweckt werden Djeyma Dalembert, ihre Freundin Nina Oswald, die Diva Joanna Finch und Co von Sprecherinnen und Sprechern, die sich wie bei früheren Folgen auch schon aus den Reihen der Soundtales Productions rekrutieren. Und was Jennifer Reif, Samina König, Frauke Kestner, Jörg Buchmüller, Werner Wilkening u.a. hier abliefern, kann sich für unkommerzielle Verhältnisse durchaus hören lassen. Für den Schnitt sowie die Abmischung konnte man ein weiteres Mal die Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld gewinnen, mit der Frank Hammerschmidt auch für Zukunfts-Chroniken zusammenarbeitet. Die von ihr geschaffene Klangkulisse macht einen erfahrenen, souveränen Eindruck.

Die Premiere von Scary Stories 09: Falten wurde von STP auf den morgigen Samstag um 19:30 Uhr festgesetzt. Dann strahlt man das Hörspiel im Webradio derCommunity aus. Begleitend dazu gibt es auch einen Chat. Wer nicht dabei sein kann, für den steht die Folge im Anschluss an die Premiere zum kostenfreien Download zu Verfügung. Wer sich für solide Grusler im knackigen Format erwärmen kann, sollte mal ein Ohr riskieren.




Hörspielrezension: «Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis» (ab dem 22. April 2016 im Handel)


Morgen, am 22. April 2016, feiert mit Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis eine neue kommerzielle Hörspielserie aus dem Mystery- bzw. Gruselgenre ihre Premiere. Ich durfte den Erstling bereits vorab hören und nehme ihn im Rahmen meiner Rubrik Blick über den Tellerrand nun mal etwas näher unter die Lupe. 

Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis ist eine Produktion der Schmiede Stein/Hardt für das Label Maritim. Hinter Stein/Hardt stehen Tom Steinbrecher und Paul Burghardt, die zusammen im letzten Jahr für Dreamland Productions das Hörspiel Dreamland Grusel 22: Im Bann der Teufelskrähe schufen. Jetzt schickt das Duo seine erste Serie ins Rennen.

Blaue Blitze und Kuttenträger in Seaforth, Kanada? Dr. Morton Zephyre und sein Assistent Dave Edwards meinen, darin eine Spur zu einem älteren Fall zu erkennen. Bei den Untersuchungen vor Ort lernen sie die junge Hackerin Nina Sallenger kennen, die ihnen einige Hinweise geben kann. Die Ereignisse überschlagen sich jedoch von einer Sekunde auf die nächste und scheinen sich allesamt auf die Bohrinsel "Blue Thunder" zu konzentrieren. Können Zephyre und sein Team das nahende Grauen aufhalten? (Klappentext)

Pilotfolgen geraten bisweilen etwas spannungsarm: Ihre Autoren meistern zwar in der Regel recht gut die Aufgabe, die Charaktere und das Setting zu etablieren, haben aber immer wieder Schwierigkeiten damit, diese Elemente in einen griffigen Plot einzubetten. Aus diesem Grunde hat man häufig den Eindruck, in der Auftaktepisode seien zwar eine Reihe von Grundlagen gelegt worden, ihr inhaltliches Gleichgewicht müsse die Serie aber erst noch finden. Erfreulicherweise präsentiert sich Twilight Mysteries Folge 1 als ein inhaltlich ausgewogener Serienstart. Der Hörer bekommt einen ersten Einblick in die Charaktere und insbesondere ihre Eigenarten, doch dabei belassen es die Macher vorerst und lassen stattdessen Zephyre & Co ein Mysterium an der kanadischen Küste erforschen. Dies geschieht relativ gradlinig und entlang bekannter Genrekonventionen, was der Spannung und dem Unterhaltungsgrad jedoch keinen Abbruch tut. Die Serie nimmt sich und seine Figuren dabei zwar schon ernst, gibt sich aber keineswegs verbiestert, weshalb sie sich neben den düsteren auch heitere Momente gönnt, die das Geschehen immer wieder auflockern.

Die Hauptrollen (Dr. Morton Zephyre, Dave Edwards, Nina Sallenger) wurden mit Marc Schülert, Kim Hasper und Tanya Kahana besetzt; in Nebenrollen sind u.a. André Beyer, Dirk Hardegen und Detlef Tams zu hören. Alle Beteiligten sind erfahrene Sprecherinnen und Sprecher, und entsprechend souverän erfüllen sie ihre Rollen mit Leben: Zephyres Verletzlichkeit kommt genauso zum Ausdruck wie das resolute, bisweilen arg vorlaute Wesen von Nina. Letzteres muss einem nicht unbedingt gefallen, doch ist es immer noch besser, man hat es mit einer Figur mit Ecken und Kanten zu tun, die einem nicht unbedingt sympathisch ist, als eine Charakterschablone vorgesetzt zu bekommen, die einem mit ihrer Profillosigkeit nicht wehtut. Neben der Leistung der Besetzung bleiben auch die Soundkulisse und die Musik positiv im Gedächtnis. Zusammen spannen sie einen stimmungsvollen akustischen Rahmen für eine Handlung auf, die mit einem angenehmen Erzähltempo in ca. 58 Minuten über die Bühne gebracht wird. Die letzte Szene bereitet dabei schon einmal die zweite Folge vor, die bereits am 20. Mai 2016 erscheinen soll.


Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis ist ein gelungener Start für diese neue Hörspiel-Mysteryserie. An Konkurrenz fehlt es ja nicht gerade, doch ich denke, Twilight Mysteries hat das Potenzial, sich behaupten zu können. Auf Folge 2: Thanatos freue ich mich schon.


Twilight Mysteries Folge 1: Charybdis ist eine Stein/Hardt-Produktion für Maritim. Ab dem 22. April 2016 ist das Hörspiel im Handel erhältlich.