Filmkritik: «Tatort - HAL» (am 28. August 2016 in der ARD)


Kameras und Sensoren erfassen uns, Daten werden zu Profilen zusammengefügt: Big Data ist nicht zuletzt eine gigantische Möglichkeit der Überwachung. Um die Logik der Datenauswertung bis hin zur Frage, wer eigentlich die Macht über unsere Daten und unser Leben hat, geht es Autor und Regisseur Niki Stein im neuen Tatort aus Stuttgart. Der Tatort – HAL der SWR spielt in einer nahen Zukunft, die vielleicht schneller Gegenwart ist, als wir erwarten. Morgen, am 28. August 2016, ist er ab 20:15 Uhr in der ARD zu sehen.

Im 19. Fall der Stuttgarter Kommissare Thorsten Lannert und Sebastian Bootz geht es um den Mord an Elena Stemmle, Schauspielschülerin mit Nebenjobs bei einem Online-Escortservice und bei der Softwarefirma Bluesky. Dort war sie Probandin für das gleichnamige Social Analysis Programm, dem ganzen Stolz von Geschäftsführerin Mea Welsch und Entwickler David Bogmann. Bluesky ist ein selbstlernendes Programm, das Big Data nutzt, um zukünftiges Gewaltverhalten zu prognostizieren. Während damit Verbrechen verhindert werden sollen, vermuten Lannert und Bootz bei David Bogmann vergangene Gewalttätigkeit. Denn auch die Polizei kann Daten korrelieren und die weisen im Fall Stemmle auf David Bogmann als wahrscheinlichem Täter hin. Als ein Video im Netz auftaucht, das von Bogmanns IP-Adresse stammt und Elena Stemmles mutmaßlichen Tod zeigt, zieht sich die Schlinge um den Entwickler zu. Dabei hat der gerade ganz andere Sorgen, denn er fürchtet, dass Bluesky dabei ist, außer Kontrolle zu geraten. (Pressetext)

Tatort goes Science-Fiction. Ein Stück zumindest, denn das, was Autor und Regisseur Niki Stein in seinem Tatort - HAL thematisiert, ist heute schon für uns von großer Bedeutung: Sind wir eigentlich noch die Herren über die von uns geschaffenen Maschinen? Oder sind wir es, die von Computernetzwerken und Algorithmen überwacht, kontrolliert und sogar vielleicht gesteuert werden? Schon Stanley Kubrick beschäftigte sich in 2001 – Odyssee im Weltraum mit dem Antagonismus zwischen Mensch und Maschine – und Stein erweist diesem Klassiker des SF-Films auf gleich mehrere Art und Weise Reverenz: Natürlich durch den Titel, denn der Computer der Discovery in 2001 war der HAL 9000. Mit ihm hatte sich seinerzeit Dr. David "Dave" Bowman auseinanderzusetzen; nun ist der Programmierer David Bogmann. Und wenn in der Anfangssequenz kein kleines Mädchen ein Stück Holz nach einem Bündel wirft, das im Neckar treibt, die Kamera der Flugbahn des Knüppels folgt, ehe auf eine Tontaube umgeschnitten wird, die ein Geschoss trifft, dann ist dies nun eines von mehreren Bildzitaten, die Stein als Verbeugung vor Kubrick und seinem bekanntesten Film in diesen Tatort eingebaut hat.

Seine Beschäftigung mit Big Data und künstlicher Intelligenz kleidet Stein in einen Kriminalfall, der Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) zunächst Routine parat hält: Die Pathologie kann die Todesursache einwandfrei feststellen, das Opfer wird zügig identifiziert, ihr Umfeld befragt und untersucht. Und mit David Bogmann (Ken Duken) hat man auch schon einen Verdächtigen, denn über seine IP-Adresse wurde ein sehr eindeutiges, belastendes Video hochgeladen. Läuft also. Oder auch nicht, denn eine Reihe von Wahrheiten, dass müssen die Ermittler feststellen, verbergen sich in einem Raum, auf den sie nur sehr begrenzt Zugriff haben: dem Internet. Der Versuch, Einblick in die Kundenkartei eines Online-Dating-Services zu nehmen, scheitert daran, dass dessen Server in den USA steht. Wichtige Datensätze verschwinden im digitalen Nirvana, doch dafür tauchen unvermittelt neue Videos auf, die alle auf Bogmann als Täter hinweisen. Und Bogmann hat auch einen konkreten Verdacht, wer es darauf abgesehen hat, ihn zu belasten. Doch als er diesen gegenüber Lannert und Bootz äußert, glauben die ihm kein Wort. Denn für die beiden bodenständigen Polizisten klingt das, was sie da zu hören bekommen, wie … Science-Fiction.

Stein macht das Programm Bluesky zu einem "Charakter" in dieser Geschichte, indem er ihm Gesicht sowie Stimme gibt und das Geschehen teilweise aus dessen Perspektive erzählt. Bluesky bedient sich Möglichkeiten, die uns heutzutage nur allzu vertraut sind: Überwachungskameras, Gesichtserkennung, Bewegungsprofile von Smartphones, Browserverläufe und Zugriff auf Internetkonten ermöglichen dem Programm das Sammeln von ungeheuren Datenmengen. Durch gewaltige Serverkapazitäten kann Bluesky sie alle auswerten und zusammenführen. Das Programm kann lernen, um sich ständig weiterzuentwickeln – seine Entwickler wollen es so. Doch was passiert, wenn aus Sammeln, Speichern und Lernen irgendwann eigenständiges Handeln wird?

Den Fehler, Bluesky als einen digitalen Amokläufer darzustellen oder seine Entwickler als Mad Scientists des Computerzeitalters zu porträtieren, vermeidet Tatort - HAL konsequent. Stattdessen wird der Zuschauer mit der ernüchternden Tatsache konfrontiert, dass das Programm lediglich genau das tut, was man von ihm verlangt. Und seine Schöpfer wollen einfach nur ein perfektes Produkt anbieten, für das sie bereits Interessenten haben. Dazu gehört auch das LKA Baden-Württemberg, dessen Vertreter sich begeistert von der Möglichkeit zeigen, durch die Fähigkeiten von Bluesky Straftaten quasi voraussagen zu können (Philip K. Dicks Minority Report lässt grüßen). Anders als durch weitreichende Überwachung ließen sich die Bedrohungen durch Terrorismus, Radikalisierung der Gesellschaft und die sich immer weiter öffnende Wohlstandschere zwischen Arm und Reich nicht mehr bewältigen. Ein Argument, das einem sehr vertraut vorkommt, wird es in der laufenden politischen Debatte um die innere Sicherheit doch immer wieder vorgebracht. Niki Stein ist hier absolut am Puls der Zeit; das Motiv für den Mord an Elena Stemmle ist hingegen klassischer Kriminatur. Ein passender Abschluss für einen Tatort, dem es gelingt, eine Balance zu finden zwischen den Konventionen des Genres und der Auseinandersetzung mit einem Thema wie Big Data und künstliche Intelligenz.

Niki Stein legt mit Tatort - HAL einen spannenden wie intelligenten Beitrag zur Tatort-Reihe vor, der zwar eine Antwort darauf gibt, wer Elena Stemmle auf dem Gewissen hat, die Frage, ob wir uns inzwischen der Technologie in einem Maße ausliefern, dass sie uns über den Kopf wächst, bewusst offen lässt. Dass sie Fluch und Segen gleichzeitig ist, wird im Verlauf der Geschichte deutlich; ob allerdings die positiven oder die negativen Seiten überwiegen, muss der Zuschauer für sich entscheiden. Dies macht HAL zu einem interessanten Ausgangspunkt für eine Diskussion über ein Thema, das uns wohl nie mehr verlassen wird.


Tatort – HAL läuft am Sonntag, dem 28. August 2016, ab 20:15 Uhr in der ARD.

Filmkritik: «Suicide Squad» (ab dem 18. August 2016 im Kino)


„Are you out of your cotton-picking mind, Lady?“ Col. Rick Flag war entsetzt. Augenblicke zuvor hatte er im Pentagon das spärlich möblierte Büro einer gewissen Amanda Waller betreten, war von der stämmigen Afroamerikanerin recht frostig begrüßt worden und blätterte nun in den Unterlagen über die ersten Kandidaten für eine Spezialeinheit namens Task Force X, als deren Befehlshaber Flag sich beworben hatte. Der hochdekorierte Offizier war davon ausgegangen, eine Gruppe von Elitesoldaten anzuführen - doch wie er nun feststellen musste, würden es stattdessen Superschurken sein. Mitte der 1980er Jahre zog DC Comics mit der zwölfteiligen Serie Crisis of the Infinite Earths einen Schlussstrich unter eine Kontinuitätslinie, die fast fünf Jahrzehnte bestanden und im Laufe der Zeit einen Superheldenkosmos aus zahlreichen Parallelwelten hervorgebracht hatte. Solch einen Reset, der heutzutage alle paar Jahre vollzogen wird, hatte es bis dato noch nie gegeben, was die Verantwortlichen vor die Frage stellte, wie es von nun an weitergehen sollte. Eine neue Fundierung für das neue DC-Universum musste her, und die Aufgabe, ihm dieses zu verschaffen, übertrug Redakteur Mike Gold dem Autor John Ostrander. Ostrander ersann daraufhin den Sechsteiler Legends, der zum Kernstück eines Crossovers aus fast zwei Dutzend Heften anderer Serien wurde. Und in Legends #1 mit dem Cover Date November 1986 findet besagtes Treffen zwischen Rick Flag und Amanda Waller statt, das die Geburtsstunde jener Task Force X markiert, die nun in Suicide Squad ihr Leinwanddebüt feiert.

Wie in der Comicvorlage, so ist auch im Film von Regisseur David Ayer Amanda Waller (gespielt von Viola Davis) die treibende Kraft hinter der Formierung der Task Force X. Rick Flag (Joel Kinnaman) ist ihr Field Leader und wie ehedem gehören Deadshot (Will Smith), Captain Boomerang (Jai Courtney) und Enchantress (Cara Delevigne) zum Team. Geblieben ist zudem die Prämisse: Die verurteilten Superverbrecher stellen sich im Gegenzug für Haftverkürzung in den Dienst der Regierung und werden in Einsätze geschickt, in denen es mehr als die Fähigkeiten des regulären Militärs braucht. Das Kalkül: Sollten die Mitglieder der Task Force X ihren Einsatz nicht überleben, kann man sie ohne großes Aufheben einfach abschreiben. Paranormale Knackies, die man rekrutieren kann, gibt es immerhin genug. Wallers Angebot nehmen außerdem Harley Quinn (Margot Robie), Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje), El Diablo (Jay Hernandez) und Slipknot (Adam Beach) an. Die Asiatin Katana (Karen Fukuhara) agiert als Flags Bodyguard. Suicide Squad spielt vor dem Hintergrund der Ereignisse in Batman v Superman: Dawn of Justice, die Amanda Waller als Argument dafür dienen, warum die US-Regierung eine Truppe wie die Task Force X unbedingt braucht. Und es dauert auch nicht lange, bis die Direktorin eine selbstmörderische Mission für das Team hat.

Wurde BvS bisweilen vorgeworfen, zu düster, getragen und bedeutungsschwanger zu sein, so muss Suicide Squad derartige Vorwürfe nicht fürchten. Ayers legt einen Söldnerfilm im Gewand einer Comicverfilmung vor, der eher als Gegenentwurf zu BvS daherkommt: Sind die Akteure erst einmal etabliert, geht es temporeich, gradlinig und vor allem auch humorvoll ordentlich zur Sache. Action wird großgeschrieben, die Vertiefung der Charaktere - Deadshot, El Diablo und vor allem Harley Quinn bilden die Ausnahme - hingegen eher klein. Durch letztere kommt auch noch der Joker (Jared Leto) ins Spiel, weshalb ein gewisser dunkler Ritter Ritter aus Gotham da natürlich nicht fern sein kann. Keine Frage: Über einen Mangel an Figuren in diesem Film darf man sich nun wirklich nicht beklagen, und wie bei Marvels Civil War hätten es einige weniger auch getan. Aber selbst für jene Teammitglieder, die tendenziell etwas im Schatten stehen, hält der Streifen ein paar starke Szenen bereit. Will Smith sorgt für positive Ausrufezeichen, denn anstatt den Film aufgrund seines Status als Superstar für sich zu reklamieren, reiht er sich ins Ensemble ein. Natürlich bekommt er immer noch eine herausgehobene Position, doch hat man ihn ja nicht zuletzt auch deshalb geholt, um einen Schauspieler dieses Ranges auf der Besetzungsliste zu haben. Man nimmt ihm die Ambivalenz der Figur Deadshot ab, die gleichzeitig harter Killer und fürsorglichen Vater ist. Jay Hernandez ringt glaubwürdig mit seinen inneren Dämonen und Joel Kinnaman gefällt in der Rolle des Anführers, der irgendwie zwischen allen Stühlen sitzt. Doch die Herren können sich noch so ins Zeug legen: Margot Robbie stiehlt ihnen als unberechenbare, dennoch liebenswerte Harley Quinn problemlos die Schau. Nie war Irrsinn attraktiver, und zusammen mit dem Joker bildet Harley ein teuflisches, brandgefährliches Duo. Jared Leto legt seinen Clown Prince of Crime irgendwo zwischen Jack Nicholson und Heath Ledger an, wodurch es ihm gelingt, eigene und spannende Akzente zu setzen.

Warner Bros. und DC Entertainment haben dieses Jahr mit Batman v Superman: Dawn of Justice und Suicide Squad zwei sehr unterschiedliche Comicverfilmungen vorgelegt: Kam das Aufeinandertreffen der Schwergewichte aus Gotham und Metropolis geradezu episch daher, so wirkt Suicide Squad im Vergleich dazu trotz aller phantastischen Elemente geradezu bodenständig. Eine vernünftige Herangehensweise, die den Umstand widerspiegelt, dass den zwangsweise rekrutierten Mitgliedern der Task Force X eben jene heroische Aura des Überlebensgroßen fehlt, wie sie einen Superman auszeichnet. Dies macht Deadshot und Co nahbarer und lässt die Outcasts trotz ihres kriminellen Vorlebens beim Publikum Sympathiepunkte sammeln. Mit Suicide Squad hat David Ayer eine spannende Comicadaption geschaffen - eine ehrliche Haut, die mit ihrer Mischung aus Action und Humor 120 Minuten temporeich unterhalten möchte. Und weil ihr das auch gelingt, lohnt es, sich diesen Film im Kino anzuschauen.


Suicide Squad läuft seit dem 18. August 2016 offiziell in den deutschen Kinos.

Hörspielrezension: «Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx» (Maritim)


Nachdem er zuletzt im indischen Dschungel den verschlagenen Robur zur Strecke bringen konnte, verschafft sich Phileas Fogg in Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx erst einmal Abkühlung – und zwar in der Antarktis. Pinguinen begegnet er dort zwar nicht, dafür aber jede Menge Gefahren. Das Hörspiel aus dem Hause Maritim ist mit einer Laufzeit von ca. 71 Minuten seit dem 12. August 2016 im Handel.

Ein unheimlicher Fremder bittet Phileas Fogg, nach Spuren der Antarktis-Expedition des Arthur Gordon Pym zu suchen, die seit einiger Zeit als verschollen gilt. Phileas Fogg lässt sich dazu hinreißen, als er in dem Mann den berühmten Schriftsteller Edgar Allan Poe erkennt. Zusammen mit seiner Frau Aouda und seinem treuen Diener Passepartout begibt sich Fogg auf eine Reise, die voller Gefahren und Strapazen steckt. Was hat es mit den unheimlichen Rufen auf sich, die des Nachts über das Eis hallen? Fogg muss erkennen, dass sie von Suchenden zu Gejagten geworden sind. Als das Schiff schließlich in einen unheimlichen Nebel gerät, eskalieren die Ereignisse und Phileas Fogg sieht sich mit der grauenvollen Wahrheit der Pym-Expedition konfrontiert. (Klappentext)

Nach vier Hörspielen aus der Feder von Markus Topf ist es nun an Marc Freund, Phileas Fogg auf neue Abenteuer zu schicken. Stilistisch merkt man Folge 5 den Autorenwechsel jedoch nicht an, denn die für die Serie charakteristische Kombination aus Spielszenen und ausführlichen Erzählerparts (Jules Verne, verkörpert durch Christian Brückner, führt höchstselbst durch das Geschehen) bleibt erhalten. Dass eine historische Persönlichkeit (Edgar Allen Poe) hier auf eine literarische Figur (Phileas Fogg) trifft, mutet im ersten Moment vielleicht etwas ungewohnt an, hat aber eine gewisse Tradition bei Maritim. Immerhin basiert seine Serie Wilde & Holmes – Sonderermittler der Krone auf der gleichen Prämisse. Die Seereise zum Südpol verläuft für Fogg, seine Frau Aouda und den Diener Passepartout erwartungsgemäß nicht ohne Komplikationen, wobei Freund die üblichen Gefahrenmomente wie Unwetter, Feststecken im Packeis und Meuterei abarbeitet. Unterwegs liest man noch einen alten Bekannten Foggs auf, der bereits in einer früheren Folge ein Gastspiel gegeben hatte. Sein Auftauchen beeinflusst die Dynamik des Hörspiels im weiteren Verlauf zwar in positiver Weise, beschert ihm jedoch gleichzeitig einige Logikprobleme. Bis zum Ende hin können sie nicht überwunden werden, was jedoch nicht verwundert: Der Plot ringt viel zu sehr mit dem Spannungsbogen und muss sich zu sehr strecken, um die Erzählung zu einen befriedigen Abschluss zu führen, als dass ihm noch die Zeit bliebe, logische Falten zu glätten. Das Hörspiel will eine ganze Menge, schafft davon aber nur einen Teil, weil ihm die klare Orientierung abhanden kommt: Einige Szenen erwecken den Eindruck des Selbstzwecks; das Potenzial verheißungsvoller Szenarien wird nur bedingt abgerufen. Betrachtet man sich die grundlegenden Handlungssträge isoliert voneinander, dann wird sichtbar, dass jeder einzelne von ihnen eine durchaus packende Geschichte abgegeben hätte. Als Melange funktionieren sie hingegen nicht mehr so gut, da leider zu viel im Ansatz stecken bleibt.

An der Inszenierung dieser eher durchwachsenen Story gibt es hingegen nichts auszusetzen. Was die Leistung der Besetzung angeht, so hinterlassen die drei Stammprecher Sascha Draeger (Phileas Fogg), Annina Braunmiller (Aouda Fogg) und Marius Clarén (Passepartout) erneut einen starken Eindruck; gleiches gilt für Christian Brückner als Erzähler/Jules Verne. Zu ihnen gesellen sich dieses Mal unter anderem gestandene Profis wie Jürgen Kluckert, Dietmar Wunder, oder Uve Teschner, die eine entsprechend souveräne Leistung abliefern. Die Regie führt sie mit sicherer Hand, ihre Dialoge werden durch das gelungene Sounddesign von Studio WinterZeit im Zusammenspiel mit dem orchestralen Soundtrack von Michael Donner in einen wunderbar atmosphärischen Rahmen eingebettet. Zu guter Letzt ist das Cover von Mark Freier abermals ein optisches Highlight. 

Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx bewegt sich von der akustischen Umsetzung her definitiv auf dem Level seiner Vorgänger, reicht von der Geschichte her jedoch nicht an sie heran. Der Story von Marc Freund mangelt es dabei sicherlich nicht Ideen - sie schafft es nur leider nicht, sie alle in ein ausgewogenes und damit vollends überzeugendes Verhältnis zueinander zu bringen. Ordentliche Unterhaltung bietet die Produktion zwar auch weiterhin, ein Highlight der Serie ist diese Folge allerdings nicht.



Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx ist ein Hörspiel von Maritim. Seit dem 12. August 2016 ist es im Handel erhältlich.


DVD-Kritik: «Doctor Who – Sechster Doktor Volume 3» (seit dem 29. Juli 2016 im Handel)


Nach einer Unterbrechung von 18 Monaten kehrte Doctor Who im September 1986 auf die britischen Bildschirme zurück. Die BBC beugte sich damit dem Druck der Fans, die gegen die Absetzung ihrer Lieblingsserie lautstark protestiert hatten. Colin Baker schlüpfte abermals in sein grelles Outfit, und auch Nicola Bryant durfte als Companion Peri ihre Reisen durch Zeit und Raum an Bord der TARDIS fortsetzen - vorerst jedenfalls, denn ab Folge 9 würde es mit Mel (gespielt von Bonnie Langford) eine neue Begleiterin für den Time Lord geben. Die DW-Abenteuer des Jahrgangs 1986 präsentiert Pandastorm nun in dem DVD-Set Doctor Who – Sechster Doktor Volume 3, das seit dem 29. Juli 2016 im Handel ist.

Der Doktor findet sich unvermittelt an Bord einer riesigen wieder, wo er von seinem eigenen Volk vor Gericht gestellt wird: Er soll gegen das oberste Gesetz der Zeit verstoßen und in die Geschicke anderer Welten eingegriffen haben. Als Beweismaterial dienen drei Ereignisse aus dem Leben des Doktors. Eines aus seiner Vergangenheit, eines aus seiner Gegenwart und eines aus seiner persönlichen Zukunft. Doch sein bisher gefährlichstes Abenteuer steht ihm im Gerichtssaal bevor, wo er sich dem ruchlosen Ankläger Valeyard stellen muss, dessen Identität ein schockierendes Geheimnis für den Doktor birgt.

Den Whovians war es zwar gelungen, die BBC zum Einlenken und zur Rücknahme der Absetzung von Doctor Who zu bewegen, doch einen Teilerfolg wollte der Sender auch für sich verbuchen: Hatte die man die Zahl der Episoden von Colin Bakers erster Staffel (der 22. der Serie) zwar auf 13 reduziert, diesen im Gegenzug jedoch statt 25 nun jeweils ca. 45 Minuten Spielzeit zugebilligt, setzten die BBC-Bosse beim Umfang von Staffel 23 jetzt deutlich den Rotstift an: Mit 14 Folgen gab es zwar sogar eine mehr als vor der Zwangspause, doch jede Episode lief nun wieder wie früher lediglich 25 Minuten. Infolge dessen waren alle Drehbücher, die sich für die neue Staffel in Entwicklung befunden hatten, als die Crew von der zwischenzeitlichen Absetzung überrascht wurde, nicht mehr zu gebrauchen. Um aus der Not eine Tugend zu machen, entwarf das Produktionsteam etwas, das heute Gang und Gebe ist, zur damaligen Zeit aber eine Innovation für DW darstellte: einen übergreifenden Handlungsbogen mit dem Titel Das Urteil (org.: Trial of a Time Lord). Die Gerichtsverhandlung gegen den Doktor bildet dabei einen Rahmen, in den die drei Geschichten Der rätselhafte Planet (The Mysterious Planet), Mindwarp und Vervoid Terror (Terror of the Vervoids) eingebunden sind. Das Finale bildet dann der Zweiteiler Der schlimmste Feind (The ultimate Foe).

In Der rätselhafte Planet reisen der Doktor und Peri zu einem Planeten, der sehr große Parallelen zur Erde aufweist. Dort treffen sie auf den Glücksritter Sabalom Glitz und einen Roboter, der aus einem unterirdischen Komplex heraus über den Planeten wacht. Glitz hat den Plan, den Wächter auszuschalten, was jedoch das Gefüge des Weltalls ins Schwanken bringen könnte. Da kann der Doktor natürlich nicht tatenlos zusehen. Im Anschluss gibt es in Mindwarp ein Wiedersehen mit dem Geschäftemacher Sil, dem der Doktor in der Folge Revolte auf Varos aus der vorangegangenen Staffel schon einmal begegnet war. Dieser hat ein primitives Kriegervolk mit hochmodernen Waffen ausgestattet und dadurch das Gleichgewicht auf einem Planeten einseitig verschoben. Außerdem ist ein Wissenschaftler in Sils Auftrag mit Gehirntransplantationen beschäftigt und hat dabei sein Auge auf einen ganz bestimmten Wirtskörper geworfen. Vervoid Terror ist das erste Abenteuer des Doktors und seines neuen Companions Mel. An Bord eines galaktischen Luxusliners ereignen sich eine Reihe von Morden, dem das Duo sogleich nachgeht. Ein Motiv haben gleich mehrere Reisende, darunter auch intelligente Pflanzenwesen, die sich Vervoids nennen. Im zweiteiligen Finale Der schlimmste Feind hat der Ankläger seine Beweisführung abgeschlossen und die Urteilsverkündung steht an. Dem Doktor bleibt nur noch wenig Zeit, denjenigen zu enttarnen, der ihm diesen Prozess eingebrockt hat und auf seinen Tod aus ist. In höchster Not verbündet der sich sogar mit seinem Erzfeind, dem Master, um die Wahrheit herauszufinden, dem Drahtzieher einen Strich durch die Rechnung zu machen und dadurch seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Wenngleich die Konstruktion des Handlungsbogens aus heutiger Sicht etwas unbeholfen wirkt, so funktioniert der Gerichtsprozess als Klammer unterm Strich ganz ordentlich und mündet in ein spannendes Finale. Die ersten beiden Storys zeigen den Doktor und Peri als ein Gespann, das deutlich unverkrampfter und dadurch harmonischer miteinander umgeht, als dies noch in Staffel 22 der Fall war. Entsprechend erschütternd ist es für den Time Lord, wenn er vom Schicksal seiner Begleiterin erfährt, denn Peri verpassten die Autoren tatsächlich jenen dramatischen Abgang, den sich Nicola Bryant für ihre Figur gewünscht hatte. Bonnie Langfords Mel wird im Gegensatz dazu gar nicht erst großartig eingeführt, denn Vervoid Terror ist zu einer Zeit angesiedelt, in der sich der Doktor und Mel schon eine Zeit kennen. Entsprechend eingespielt agiert das Duo. Die Geschichten von Robert Holmes, Philip Martin und Pip & Jane Baker sind kurzweilig, wissen zu unterhalten und können darüber hinaus mit Gaststars wie Honor Blackman, Brian Blessed Lynda Bellingham oder Joan Sims aufwarten. Eine insgesamt abwechslungsreiche Staffel, der Colin Baker als sechster Doktor ein weiteres Mal seinen Stempel aufdrückt: Sein Doktor ist schrill, launisch, besitzt einen sinn für Ironie und ist ein ganzes Stück weit unberechenbar. Eine schillernde Figur in einem farbenprächtigen Universum voller Abenteuer.

Pandastorm präsentiert Doctor Who – Sechster Doktor Volume 3 als 5-Disc-Set im Hochglanzschuber, das neben den 14 Folgen à ca. 25 Minuten noch jede Menge Bonusmaterial erhält. Weitere 356 Minuten kann der geneigte Fan mit Making-Ofs der Folgen, Deleted & Extended Scenes, mehreren Featurettes und Ausschnitten aus zeitgenössischen TV-Sendungen verbringen. Audiokommentare sind genauso abrufbar wie Bildergalerien und Produktionsnotizen. Selbstverständlich ist der Ton auf Deutsch (DD 2.0) sowie auf Englisch (DD 2.0, DD 5.1) an Bord; auch die Untertitel gibt es wie gehabt in beiden Sprachen. Das Gesamtpaket rundet ein informatives und reich bebildertes Booklet ab, zu dem Colin Baker und Nicola Bryant jeweils ein Vorwort verfasst haben.


Während der Colin-Baker-Ära ging es hinter den Kulissen von Doctor Who ziemlich turbulent zu. Das Produktionsteam unternahm trotz des offenkundigen Desinteresses der BBC große Anstrengungen, die Serie dennoch über Wasser zu halten. Herausgekommen ist eine kurzweilige Staffel mit in einen großen Handlungsbogen eingebetteten unterhaltsamen Geschichten, die für Fans von Doctor Who auch heute noch ihren Reiz haben. Zusammen mit dem sehenswerten Bonusmaterial liegt so mit Doctor Who – Sechster Doktor Volume 3 eine DVD-Box vor, die sich alle, die einen Trip in die Vergangenheit des Doktors unternehmen möchten, definitiv ins Haus holen sollten.



Doctor Who – Sechster Doktor Volume 3 ist seit dem 29. Juli 2016 im Handel erhältlich.


Fotos: © BBC

Filmkritik: «Star Trek Beyond» (ab dem 21. Juli 2016 im Kino)


Pünktlich zum 50. Geburtstag des Star-Trek-Franchises kehren Captain James T. Kirk und seine Mannschaft mit einem neuen Abenteuer auf die Leinwand zurück. Erneut angesiedelt in der Reboot-Zeitlinie des Abramsverse (inzwischen offiziell bezeichnet als Kelvin Timeline), bekommt die Crew der U.S.S. Enterprise unter der Regie von Justin Lin es dieses Mal mit einem Gegner zu tun, der alles ablehnt, wofür die Föderation eintritt. Um gegen ihn bestehen zu können, müssen sich Kirk, Spock, McCoy und Co auf das besinnen, was sie so stark macht: Teamwork. Star Trek Beyond läuft mit einer Spielzeit von ca. 120 Minuten ab dem 21. Juli 2016 offiziell in den deutschen Kinos.

Auf ihrer Forschungsmission gerät die Enterprise in einen gnadenlosen Hinterhalt. Unter Dauerbeschuss kann die Crew um Captain Kirk nur in letzter Sekunde auf fremdem Terrain notlanden. Doch statt in Sicherheit befindet sie sich plötzlich zwischen den Fronten eines scheinbar ausweglosen Konflikts. Getrennt voneinander und ohne Kontakt zur Außenwelt ziehen Kirk und sein Team in den Kampf gegen einen mysteriösen und übermächtigen Feind. (Ankündigungstext)

Es gibt sicherlich dankbarere Aufgaben als die, das Drehbuch für einen neuen Star Trek-Film zu schreiben. Gilt es doch, den extrem schweren Spagat zu meistern, einerseits den Erwartungen der Hardcore-Fans sowie anderseits jenen des Mainstream-Publikums gerecht zu werden, während man sich gleichzeitig mit der Frage beschäftigen muss, was es überhaupt noch gibt, das in fünf TV-Serien mit 700 Folgen und einem Dutzend Kinofilmen bislang nicht erzählen wurde. Die Antwort, die Simon Pegg und Doug Jung auf diese Herausforderung gefunden haben, besteht in einer Verbeugung vor bzw. einem Bekenntnis zum Grundgedanken von Star Trek im Gewand eines überaus rasanten Abenteuers zwischen den Sternen.

Trotz aller futuristischer Technologie standen bei Gene Roddenberry stets die Charaktere als Vertreter einer geeinten Menschheit auf friedlicher Forschungsmission in den Weiten des Weltalls im Mittelpunkt. Star Trek Beyond greift diesen Wesenszug des klassischen Star Trek auf und nimmt zu diesem Zweck die U.S.S. Enterprise auf dramatische Weise aus der Gleichung. Kirk und Co werden auf diese Weise zwar entwurzelt, sind jedoch nicht orientierungslos, da sich die Crew schnell auf ihre Grundtugenden besinnt: Man setzt sich für einander ein, arbeitet Hand in Hand und gewinnt durch Ehrlichkeit mit Jaylah eine wichtige Verbündete. Dem Antagonisten Krall hingegen sind solche Wesenszüge fremd: Er verachtet sie als Schwäche und setzt stattdessen auf rücksichtslose Gewalt zur Durchsetzung seiner Ziele. Zwei Wertesysteme stehen sich diametral gegenüber; gewissermaßen treten die Space Opera als Eroberungsgeschichte und Gene Roddenberrys Vision gegeneinander an. Wie es sich für einen Jubiläumsfilm gehört, wurden von den Autoren eine Reihe von Referenzen an den klassischen Star Trek in den Film eingebaut. So gibt es eine Sternenbasis namens Yorktown (die Enterprise hätte ursprünglich Yorktown heißen sollen) oder die Haltbarkeit von Kirks goldenem Uniformhemd wird in einer Szene auf die Probe gestellt (der Ausgang dürfte klar sein). Und auch darüber hinaus gibt es viel für die Fans zu entdecken. Erfreulich ist zudem, dass dieses Mal wirklich der gesamten Stammbesetzung viel Raum zur Betätigung gegeben wird. Nicht nur das Triumvirat Kirk-Spock-McCoy (Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban) hat alle Hände voll zu tun, sondern auch Uhura (Zoe Saldana), Scotty (Simon Pegg), Sulu (John Cho) und Chekov (der leider jüngst verstorbene Anton Yelchin) dürfen glänzen. Star Trek als Ensemblestück. Sofia Boutella als Jaylah hinterlässt einen positiven Eindruck, Idris Elba geht in seiner Rolle als Krall wirklich auf.


Um über den Kreis der Trekkies hinaus auch für das allgemeine Publikum attraktiv zu sein, setzt Star Trek Beyond neben optischen Leckerbissen vor allem auf jede Menge Action. Und damit letztere auf der Leinwand ordentlich zündet, wurde mit Justin Lin ein Regisseur verpflichtet, der mit seinen Fast & Furious-Filmen in der Vergangenheit bereits mehrfach unter Beweis stellen konnte, dass er ein Fachmann und Könner auf diesem Gebiet ist. Lin erfüllt die in ihn gesetzten Erwartungen vollauf, denn die Actionszenen besitzen hohe Dynamik und sind außerdem exzellent choreographiert. Zudem erweist er sich als ein vielseitiger Regisseur, indem er die Kameraführung gekonnt an den Charakter der jeweiligen Szenen anzupassen versteht. In ruhigeren Momenten verzichtet er auf jegliche Spielreihen und hält die Kamera still, um jegliche Ablenkung zu vermeiden, während er sie in den Actionsequenzen gerne mal von der Kette lässt, damit sie aus unterschiedlichen Perspektiven das Geschehen dokumentieren kann. Wer ein Ticket für Star Trek Beyond löst, um einfach einen packenden SF-Actionsfilm zu erleben, wird ebenfalls bestens bedient.

Star Trek Beyond versteht es, sowohl den Erwartungen der eingefleischten Star-Trek-Fans gerecht zu werden, als auch den Mainstream-Kinogängern jede Menge gute Gründe zu liefern, sich diesen Film im Kino anzusehen. Er erweist der klassischen Serie, auf deren Schultern er steht, zum 50. Geburtstag den ihr gebührenden Respekt und macht im selben Atemzug deutlich, dass die zentralen Gedanken von Star Trek bis heute nichts von ihrer Relevanz verloren haben. Und da er zudem als sowohl packender als auch humoriger SF-Actioner prächtig funktioniert, hält er das Franchise zeitgemäß und verschafft ihm damit ausgezeichnete Perspektiven für die Zukunft (Teil 4 wurde von Paramount, Skydance und Bad Robot bereits angekündigt). Star Trek Beyond ist der mit Abstand beste Film der neuen Ära - ein Film, den man gesehen haben sollte.



Star Trek Beyond läuft ab dem 21. Juli 2016 in den deutschen Kinos.


Bildmaterial: Copyright Paramount

Filmkritik: «Independence Day: Wiederkehr» (seit dem 14. Juli 2016 im Kino)


Manchmal kommen sie wieder: Neben Jurassic Park gehört Roland Emmerichs Independence Day (1996) zweifelsohne zu den prägensten Filmen der 1990er Jahre. Ein Box-Office-Magnet erster Güte, setzte der Streifen Maßstäbe in Sachen Spezialeffekte und begründete für den Ruf seines Regisseurs als Master of Desaster. Zwanzig Jahre ist dies nun her und seit gestern nun läuft die Fortsetzung Independence Day: Wiederkehr (org.: Independence Day: Resurgence) in den deutschen Kinos. Als James Bond nach mehrjähriger Abstinenz 1995 mit Goldeneye sein Comeback auf der Leinwand gab, lautete die Tag-Line: „You know the name. You know the number.“ Angewendet auf das ID4-Sequel wäre der passende Slogan wohl: „You know the title. You know the story.“

1996 attackierten Aliens die Erde. Vor allem der mutigen Mission des Piloten Steven Hiller und des Satellitentechnikers David Levinson war es seinerzeit zu verdanken, dass die Außerirdischen besiegt wurden. 20 Jahrte später starten die Außerirdischen einen neuen, noch verheerenderen Angriff auf den blauen Planeten Die Menschheit, die ein mit Alien-Technologie erweitertes Verteidigungssystem erschaffen hat, steht vor ihrer größten Herausforderung. Die Hoffnungen ruhen auf den jungen Kampfpiloten Jake (Liam Hemsworth) und Dylan (Jessie Usher)...

Betrachtet man sich die Filmographie von Roland Emmerich, dann fällt auf, dass der gebürtige Stuttgarter nie Fortsetzungen zu seinen Werke inszeniert hat. An Angeboten gab es sicherlich keinen Mangel, doch der Schwabe wollte sich stets lieber neuen Projekten zuwenden, anstatt Teil der Sequelmania-Maschinerie zu werden. Inzwischen ist Emmerich 60 Jahre und damit in einem Alter, in dem man manche Dinge neu bewertet. Oder vielleicht hat es ihn auch einfach gereizt, noch einmal zu beweisen, dass er es in Sachen Desaster Movie weiterhin drauf hat. Wie dem auch sei, für Independence Day: Wiederkehr hat Emmerich seine ablehnende Haltung gegenüber Sequels überwunden und sich selbst auf den Regiestuhl gesetzt. Herausgekommen sind 120 Minuten Eskapismus: So bildgewaltig wie sinnfrei und gleichermaßen spannend wie witzig. Popocorn-Kino in Reinkultur, das unglaublich Spaß macht und dabei absolut ehrlich ist. Dieser Film will unterhalten. Punkt. Aus. Daraus macht er zu keiner Sekunde einen Hehl. Und man muss schon zu jenen Spaßbremsen gehören, die auch an Fahrten mit der Achterbahn die Sinnfrage stellen, um ihm das ernsthaft zum Vorwurf machen.

Die vermeintliche Bürde, nach 20 Jahren an den Plot von Teil 1 anschließen zu müssen, wandelt Independence Day: Wiederkehr in einen Vorteil, indem seine Handlung eben genau diese Zeitspanne zwischen den Filmen reflektiert. Zwei Dekaden sind seit seit der Schlacht gegen die Aliens vergangen, und die Ära der zwischenstaatlichen Konflikte ist vorbei. Die Menschheit hat ihre Zivilisation wieder aufgebaut und sich dabei nicht zuletzt zurückgelassener außerirdischer Technologie bedient. Herausgesprungen ist dabei neben Hightech-Kommunikations- und Massenverkehrsmitteln vor allem ein enormes Arsenal an Waffen, mit der sich die Erde aus Furcht vor einer Rückkehr der Fremden aus dem All gerüstet hat. Und ausgerechnet an jenem Tag, als die Feierlichkeiten zum Gedenken an den großen Krieg vor zwei Jahrzehnten stattfinden sollen, zeigt sich, dass diese Angst berechtigt war. Was folgt, ist natürlich keine intensive Pendeldiplomatie von Vertretern der Erde, an deren Ende eine Verständigung mit den Aliens über eine friedliche Koexistenz steht, sondern sind Verwüstung (das Weiße Haus bleibt dieses Mal stehen, dafür geht London komplett baden) und ein Schlachtengetümmel, das auf den unvermeidlichen Endkampf hinausläuft. Wobei Endkampf hier ein relativer Begriff ist, da der Film viel tut, um der Fortsetzung den Weg zu ebnen: Nicht nur erläutert er die Motivation der Invasoren, der Erde überhaupt einen Besuch abzustatten, sondern führt außerdem eine dritte Partei in den Konflikt ein, durch die sich der ID4-Kosmos deutlich vergrößert und deren Enthüllungen die Grundlage für einen dritten Teil bilden, sofern es ihn dann geben sollte. Das Bemühen der Macher, ein ID4-Franchise zu schaffen, ist eindeutig erkennbar und natürlich eine Reaktion auf die aktuelle Kinolandschaft, in der massiv auf Filmserien gesetzt wird.

Um für seine filmische Zukunft gewappnet zu sein, setzt Independence Day: Wiederkehr auf einen jungen Cast mit Liam Hemsworth, Jessie Usher und Maika Monroe an der Spitze, der von zahlreichen alten Haudegen aus Teil 1 wie Jeff Goldblum, Bill Pullman, Brent Spiner und Judd Hirsch flankiert wird, wodurch dann zugleich auch der Brückenschlag zum ersten Teil gelingt. Der Besetzung gelingt es ganz gut, sich gegen die Effekte zu behaupten - doch es ist ein harter Kampf, denn ist die CGI-Dampfwalze erst einmal auf Touren gekommen, kennt sie kein Halten mehr. Emmerich ist lange genug im Geschäft, um genau zu wissen, dass die Menschen nicht der Dialoge wegen in seine Filme gehen, sondern wegen der Action. Also setzt er auf Tempo sowie sympathische Charaktere und lässt die Effekte den Rest erledigen. Das hat von 20 Jahren schon funktioniert, und auch jetzt klappt das wieder richtig gut.


Independence Day: Wiederkehr funktioniert als kurzweiliger, optisch sehr ansprechender SF-Actionfilm für einen entspannten Kinoabend wirklich prächtig. Geht man mit realistischen Erwartungen an den Streifen heran, dann schafft er es auch, diese zu erfüllen. Ich jedenfalls bin voll auf meine Kosten gekommen.



Independence Day: Wiederkehr läuft seit dem 14. Juli 2016 in den deutschzen Kinos.
    

Hörspielrezension: «Mark Brandis - Raumkadett Folge 9: Endstation Pallas» (Folgenreich/Interplanar)


1966 unternahmen Cliff Allister McLane und die Besatzung des schnellen Raumkreuzers Orion in Folge 3: Hüter des Gesetzes der kultigen SF-Fernsehserie Raumpatrouille einen Abstecher zum Planetoiden Pallas, um Unregelmäßigkeiten in Zusammenhang mit einer dort angesiedelten Bergwerkskolonie auf den Grund zu gehen. Heute nun, 50 Jahre später, verschlägt es den jungen Mark Brandis in Mark Brandis – Raumkadett Folge 9: Endstation Pallas ebenfalls dorthin. Und wenngleich er es im Unterschied zu McLane nicht mit revoltierenden Robotern zu tun bekommt, so steht ihm doch alles andere als ein Spaziergang bevor. Das Hörspiel hat eine Laufzeit von ca. 54 Minuten und kommt heute offiziell in den Handel.

Mark Brandis und Rodrigo Rojas sind zum Dienst auf einer verlassenen Raumstation im Inneren des Asteroiden Pallas abgestellt. Als beide sich bereits an die langweilige Routine gewöhnt haben, lässt ein vermeintlicher Republikenangriff auf die afrikanische Stadt Nairobi und JUSTITIA bei Mark alle Alarmglocken läuten. Sind Attentäter vielleicht schon unterwegs, um ihn als Augenzeugen des Mordes an Präsident Bähler zu beseitigen? Den beiden Raumkadetten bleibt nur wenig Zeit, um sich auf alle Möglichkeiten vorzubereiten ... (Klappentext)

Im Bereich der Fernsehserien kennt man den Begriff der Bottle Episode. Dabei handelt es sich um Folgen, die ausschließlich in bestehenden Sets und mit einem Minimum an Darstellern (zumeist nur der Stammbesetzung) realisiert werden. Ein typischer Vertreter einer Bottle Episode wäre beispielsweise eine Geschichte, in der zwei Hauptdarsteller in einem Lift festsitzen und sich über frühere Erlebnisse austauschen, während sie darauf warten, dass eine Rettungsmannschaft sie aus ihrer misslichen Lage befreit. Gedreht werden solche Bootle Episodes aus organisatorischen, kreativen und auch aus finanziellen Gründen - zum Beispiel dann, wenn Geld eingespart werden muss, weil andere Folgen durch Außendrehs, namhafte Gaststars oder viele Statisten überdurchschnittlich teuer in der Herstellung waren.

Als Hörspielserie benötigt Mark Brandis – Raumkadett natürlich keine Sets und hat auch keinen Bedarf an Aufnahmen außerhalb des Studios, doch fühlt sich Folge 9: Endstation Pallas zunächst wie eine Bottle Episode an. Der Plot ruht quasi ausschließlich auf den Schultern von Mark Brandis (Daniel Claus) und Rodrigo Rojas (Arne Kapfer); einzig der Part von Katrin Decker als Valéria Alvarez fällt noch etwas größer aus. Der Rest der Besetzung (Leon Boden, Marius Clarén, Sebastian Kluckert u.a.) absolviert nur Kurzauftritte. Kammerspielartig isoliert die Handlung die beiden Protagonisten in einer verlassenen Forschungsbasis auf Pallas, von Lt. Mercier, den Brandis und Rojas dort ablösen, bezeichnet als „die langweiligste Station diesseits des Saturn“. Doch weil es eben „unser (gemeint ist: die Union) Stückchen Irgendwas im großen Nichts innerhalb eines halbhohlen Asteroiden“ ist, wie Mercier sich ausdrückt, muss sie vor dem Zugriff durch die Republiken geschützt werden, da der Konflikt zwischen den beiden Machtblöcken auf der Erde weiterhin keiner friedlichen Lösung entgegensieht. Die Tristesse an Bord der Station vermag das Hörspiel gut zu vermitteln, ehe der Angriff auf Nairobi und die Zerstörung von JUSTITIA der Geschichte eine überraschende Wendung sowie eine ganz neue Dynamik gibt, weil Brandis' Abkommandierung auf diesen entlegenen Posten plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheint. Während Brandis schwant, was auf ihn zukommt, ist Rojas komplett ahnungslos und muss daher erst einmal ins Bild gesetzt werden. Die perfekte Gelegenheit für die Story, den Bogen bis ganz zu den Anfängen zurückzuschlagen und noch einmal zu rekapitulieren, wie das damals war, als Präsident Bähler starb (Folge 3: Tatort Astronautenschule), Brandis von Bengasi überraschend freigelassen wurde (ebenda) und wie er zusammen mit seinen Freunden bei JUSTITIA eine Zeugenaussage hinterlegt hat, die ihm bis jetzt die Verschwörer, die Bähler auf dem Gewissen haben, vom Hals hielt (Folge 6: Woran Du glaubst...). Auf diese Weise bekommt die Folge die Zeit herum bis zum Auftauchen der Antagonistin – einer Figur aus Folge 1: Aufbruch zu den Sternen, die nun ihr Comeback gibt. Getreu dem Motto: Wenn wir schon im Recap-Modus sind, dann auch konsequent. Ihr gegenüber geht Brandis zwar in einer für untypischen, extrem brutalen Gangart vor, doch Autor Balthasar v. Weymarn war so clever, Mark Brandis – Raumkadett Folge 9: Endstation Pallas mit einer Einleitung durch den reifen Mark Brandis zu versehen, in der dieser zum Ausdruck bringt, sein damaliges Verhalten auf Pallas gehöre zu jenen Momenten, die ihm bis heute als Stein auf der Seele lägen.

Die diversen Rückbezüge auf vorangegangene Folgen sind natürlich ein Fest für regelmäßige Hörer, die sich zudem darüber freuen dürfen, dass der Handlungsstrang um die Verschwörung zur Ermordung von Präsident Bähler nun seinen Abschluss findet. Und Fans der Urserie werden dankbar zur Kenntnis nehmen, dass das Prequel immer erwachsener wird, indem es ethisch-moralische Fragen auswirft, ohne auf sie einfache Antworten zu geben. Zwar lässt sich Brandis' Vorgehen mit dem ehrbaren Ziel rechtfertigen, das er damit verfolgt. Doch heiligt der Zweck wirklich jedes Mittel? Zumal die „Behandlung“, die Brandis seiner Gegnerin angedeihen lässt, nicht der Phantasie des Autors entsprungen ist, wie dem Booklet zu entnehmen ist. Da kann einem ganz anders werden...

Mark Brandis – Raumkadett Folge 9: Endstation Pallas unterscheidet sich im Aufbau her deutlich von den ersten beiden Geschichten der zweiten Staffel, womit die Serie ihre Flexibilität beweist. Der Plot ist dicht, setzt die richtigen Akzente und zeigt den jungen Mark Brandis einmal von einer anderen Seite, nämlich als einen Menschen, der in die Ecke gedrängt drastische Maßnahmen ergreift. Eine rundum gelungene Folge und aus meiner Sicht eine klare Hörempfehlung.



Mark Brandis - Raumkadett Folge 9: Endstation Pallas ist eine Produktion von Interplanar für Folgenreich. Das Hörspiel ist ab dem 1. Juli 2016 offiziell im Handel erhältlich.



Gewinnspiel: «THINGS TO COME · Science · Fiction · Film»




Gewinnspiel zum Buch

THINGS TO COME 
Science · Fiction · Film



Das Science-Fiction-Genre boomt. Immense Budgets und klingelnde Kinokassen kennzeichnen seinen Siegeszug. Die unendlichen Weiten des Weltalls, Landungen auf fremden Planeten, Begegnungen mit Aliens sowie der technische und wissenschaftliche Fortschritt sind populäre Themen. Wie schon beim ersten Hype in den 1950er Jahren lassen sich in den Filmen zahlreiche Verweise auf gesellschaftliche Themen finden.

Das Buch Things to Come · Science · Fiction · Film gibt einen Überblick über das Genre und die Ursachen des aktuellen Erfolgs. Die Publikation versammelt unveröffentlichte Abbildungen und exklusive Werk- und Szenenfotos aus der internationalen Filmgeschichte. Anschauliche Beiträge sowie zahlreiche Interviews mit renommierten Experten komplettieren das Buch und schaffen einen ebenso unterhaltsamen wie reflexiven Zugang zum Genre Science-Fiction.



Mit freundlicher Unterstützung des Kerber Verlags verlose ich drei Exemplare des Buches, das anlässlich der Ausstellung Things to Come · Science · Fiction · Film (Laufzeit: 30. Juni 2016 bis 23. April 2017) der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen in Berlin erschienen ist.

Wer von Euch eines der drei Bücher gewinnen möchte, sollte die Antwort auf folgende Frage kennen: Wo findet die Ausstellung Things to Come · Science · Fiction · Film statt?



Die Teilnahmebedingungen: 

Das Gewinnspiel endet am 17. Juli 2016 um 23:59:59 Uhr. Um zu an der Verlosung teilzunehmen, schickt Ihr eine E-Mail mit der richtigen Antwort auf die Gewinnspielfrage, Eurer Adresse und dem Betreff "Things to Come" an die E-Mail-Adresse scifiwatchman@gmx.de. Nach dem Ende der Aktion werden von mir sämtliche personenbezogenen Daten komplett gelöscht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Auszahlung des Gewinns in bar ist nicht möglich. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 18 Jahren mit deutschem Wohnsitz. 


 Der SciFiWatchman wünscht euch viel Glück!

Buchbesprechung: «Things to Come · Science · Fiction · Film» (Kerber Verlag)


Von heute an und noch bis zum 23. April 2017 zeigt die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen in Berlin die Ausstellung Things to Come · Science · Fiction · Film. Pünktlich zur Eröffnung ist beim Kerber Verlag das begleitende Buch erschienen, das weit mehr ist als ein Ausstellungskatalog, sondern ein prächtiger, reich bebilderter Hardcoverband mit 176 Seiten Umfang, der dem Leser einen reflexiven Zugang zum Genre Science-Fiction ermöglicht.

Seit seinen Anfangstagen hat der Science-Fiction-Film das Weltall als schier grenzenlosen Forschungs- und Eroberungsraum für den Menschen präsentiert, gesellschaftliche Zustände sowie die Auswirkungen des technologischen Fortschritts kritisch reflektiert und der tief verwurzelten Angst vor dem Fremden in Form von Alien-Invasionen Ausdruck verliehen. Gleichzeitig haben sich die Filmschaffenden stets modernster technischer Mittel für die Gestaltung fremder Welten oder zukünftiger irdischer Gesellschaften bedient. Und während manche Autoren/Regisseure sich in ihrer Fabulierfreude von den immer neuen Erkenntnissen der Weltraumforschung unbeeindruckt geben, machen andere sie ganz bewusst zur Grundlage ihrer Produktionen. Interessante Wechselwirkungen, denen Kristina Jaspers, Nils Warnecke und Gerlinde Waz in dem von ihnen herausgegebenen Buch nachspüren. Die drei Kuratoren der Deutschen Kinemathek orientieren sich dabei an der Struktur der Ausstellung, die sich in die Abschnitte Der Weltraum, Die Gesellschaft der Zukunft und Der Fremde gliedert, und räumen jedem Teilbereich in etwa den gleichen Raum ein. Jedes Kapitel wird dabei von einer kurzen Einführung eröffnet, an die sich jeweils mehrere Essays und Interviews anschließen. Die Essays wurden sowohl von den Herausgebern selbst als auch von mehr als einem halben Dutzend weiterer Film- und Medienwissenschaftler, darunter Rolf Giesen, Beatrice Behn und Marc Bonner, verfasst; in den Interviews kommen Experten wie der Astronaut Ulrich Walter, der Production Designer Arthur Max (Prometheus, The Martian), der Robotik-Forscher Manfred Hild, der Drehbuchautor Lars Lundström (Real Humans) oder die Kostümbildnerin Monika Bauert (Enemy Mine) zu Wort, gewähren aufgeschlossen Einblick in ihre Arbeit und gehen darüber hinaus der Frage nach, was von dem, das heute noch Science-Fiction ist, in Zukunft tatsächlich Realität werden könnte.

Inspiriert durch zeitgemäße Ausstellungskonzepte, ist die Struktur des Buches weitgehend offen gestaltet. Dem Leser wird zwar eine Reihenfolge angeboten, in der er sich die einzelnen Themenbereiche erschließen kann, gleichzeitig steht es ihm frei, problemlos eigene Schwerpunkte zu setzen und eine persönliche Marschroute zu verfolgen. Doch ganz gleich, welchen Weg er einschlägt, stets sind eine große Zahl von teilweise seltenen Abbildungen sein Begleiter. Mit 205 farbigen und 15 schwarzweißen Fotos und Zeichnungen ist Things to Come · Science · Fiction · Film illustriert, wobei nicht allein die Menge und die getroffene Auswahl Lob verdienen, sondern auch die Platzierung innerhalb der Texte: Die Wechselwirkung zwischen Science Fact und Science-Fiction dokumentierend, sind beispielsweise ein Foto von Matt Damons Raumanzug aus The Martian und eines, das Dava Newman in dem von ihr entwickelten BioSuit zeigt, in unmittelbarer Nähe zu einander angeordnet, so dass der Leser sich auch unabhängig vom begleitenden Text selbst ein Bild davon machen kann, wie aktuelle technische Entwicklungen vom SF-Film aufgegriffen werden. Und eine Gegenüberstellung einer Aufnahme von Ulrich Walter im SpaceLab mit einem Szenenfoto aus Gravity macht deutlich, wie viel Wert die Filmemacher auf eine realistische Darstellung der Schwerelosigkeit an Bord einer Raumstation gelegt haben. Die Essays ihrerseits zeugen von der großen Fachkunde der Verfasser, die in ihren Texten einen eher nüchtern-sachlichen, mitunter auch wissenschaftlichen Sprachstil pflegen, der einen auch ohne den Blick ins mit Kurzbiographien ausgestatteten Autorenverzeichnis den beruflichen Background der Beteiligten erahnen lässt. Einer unterhaltsamen Lektüre steht der Duktus aber zu keiner Zeit im Wege, sondern regt im Gegenteil zu einer näheren Beschäftigung mit den behandelten Themen an, die eine große Bandbreite aufweisen, reichen sie doch vom kinematographischen Raumschiffdesign im Wandel Zeit über die Gestaltung von Zukunftsstädten bis hin zur Faszination, die von der Möglichkeit außerirdischen Lebens ausgeht. Dabei wahren die Autoren zwar durchweg eine kritische Distanz zum Science-Fiction-Film, lassen aber nie einen Zweifel daran aufkommen, dass er für sie eine legitime Form der Auseinandersetzung mit der Frage darstellt, was in Zukunft so alles auf die Menschheit zukommen könnte. Abgerundet wird Things to Come · Science · Fiction · Film durch einen Anhang, der die Exponate der gleichnamigen Ausstellung bebildert und nach Filmen sortiert auflistet.


Entlang der großen Themen der Science-Fiction, Der Weltraum, Die Gesellschaft der Zukunft und Der Fremde, macht Things to Come · Science · Fiction · Film auf anschauliche, informative und kurzweilige Art deutlich, wie der SF-Film über die Jahrzehnte Strömungen aufgegriffen und damit unser Bild von und die Erwartungen des Publikums an eine möglichen Zukunft geprägt hat. Er spiegelt die Hoffnungen der Zuschauer auf ein Utopia genauso, wie er in Dystopien der Furcht vor totalitären Zuständen oder der Zerstörung der Erde durch Krieg, Profitgier und Umweltkatastrophen Ausdruck verleiht. Er zelebriert den technischen Fortschritt als einen Weg zu den Sternen, um gleich darauf vor den Auswirkungen einer Technologie zu warnen, die dem Menschen über den Kopf wächst und von ihm nicht mehr länger kontrollierbar ist. Diese Ambivalenz unter ständiger Rückkopplung an den jeweiligen Zeitgeist ist es, die den ungebrochenen Reiz sowie den hohen Stellenwert des Science-Fiction-Films ausmacht. Und in Things to Come · Science · Fiction · Film erfährt er dafür jene Würdigung, die ihm in Deutschland insbesondere von der Filmwissenschaft und dem Feuilleton viel zu lange versagt wurde. Ein absolut lesenswertes Buch.


Aktueller Hinweis: Derzeit veranstalte ich ein Gewinnspiel zum Buch. Alle Infos dazu hier.


Die Fakten:

Titel: Things to Come · Science · Fiction · Film
Herausgegeben von: Kristina Jaspers, Nils Warnecke und Gerlinde Waz
mit Beiträgen von: K. Jaspers, N. Warnecke, G. Waz, Rolf Giesen, Beatrice Behn, Marc Bonner u.a.
Umfang: 176 Seiten
Format: Hardcover, gebunden (25 x 29 cm)
Erscheinungsjahr: 2016
ISBN: 978-3-7356-0217-6
Preis: € 40,00


Vorschau: «Doctor Who – Sechster Doktor – Volume 3» (ab dem 29. Juli 2016 im Handel)


Den 29. Juli 2016 sollten sich alle Fans der klassischen Abenteuer von Doctor Who rot im Kalender anstreichen, denn an diesem Tag bringt Pandastrom die DVD-Box Doctor Who – Sechster Doktor – Volume 3 in den Handel. Volume 3 beinhaltet das bisher größte Abenteuer des Doktors in einem 14 Episoden umfassenden Handlungsbogen. Colin Baker kehrt als der schrille Zeitreisende zurück, Nicola Bryant als seine Begleiterin Peri und Bonnie Langford feiert ihr Debüt als Computerexpertin Mel.

Die verrückten Reisen des Doktors durch Raum und Zeit nehmen ein abruptes Ende, als er und seine TARDIS mitten aus dem Flug auf eine riesige Raumstation gezogen werden. Hier wird der Zeitreisende von seinem eigenen Volk vor Gericht gestellt: Er soll gegen das oberste Gesetz der Zeit verstoßen und in die Geschicke anderer Welten eingegriffen haben. Als Beweismaterial dienen drei Ereignisse aus dem Leben des Doktors. Eines aus seiner Vergangenheit, eines aus seiner Gegenwart und eines aus seiner persönlichen Zukunft. Doch sein bisher gefährlichstes Abenteuer steht ihm im Gerichtssaal bevor, wo er sich dem ruchlosen Valeyard stellen muss, dessen Identität ein schockierendes Geheimnis für den Doktor birgt.

Bakers finale Staffel als Time Lord (die insgesamt 23. der Serie) aus dem Jahre 1985 präsentiert Pandastrom als 5-Disc-Set im Hochglanzschuber, das neben den Folgen mit einer Laufzeit von ca. 315 Minuten auch wieder jede Menge Extras wie Featurettes, Making ofs, Deleted und Extended Scenes, Bildergalerien, Audiokommentare, Infotexte uvm. beinhaltet. Das Booklet wird eingeleitet mit einem Vorwort von Colin Baker sowie Nicola Bryant. Wie schon bei den bisherigen DW-Veröffentlichungen von Pandastrom, so dürften wohl auch dieses Mal in Sachen Bonusmaterial kaum Wünsche offenbleiben. Und auch hinsichtlich der Gaststars ist wieder einiges geboten, denn dieses Mal sind u.a. Patrick Troughton, Frazer Hines, John Stratton, Robert Ashby, Denis Carey, Paul Darrow, Terry Molloy, Eleanor Bron und Hugh Walters mit von der Partie.




Doctor Who – Sechster Doktor – Volume 3 erscheint am 29. Juli 2016.



Fotos: © BBC

Stargate: Roland Emmerich & Dean Devlin sprechen über die Rückkehr ins Kino


Am 24. Juni startet in den USA Independence Day: Rückkehr (org.: Independence Day:
Resurgence), bei uns ist es am 14. Juli 2016 soweit. Dementsprechend gefragt sind Regisseur/Drehbuchautor/Produzent Roland Emmerich und sein langjähriger Partner Dean Devlin als Interviewpartner. Doch obwohl bei den Gesprächen der Fokus dabei selbstredend stets auf dem anstehenden Streifen liegt, kommt auch immer wieder ein anderes Projekt zur Sprache, das schon lange in der Pipeline ist: die Fortsetzung von Stargate. So wie es aussieht, scheinen Emmerich und Devlin hinsichtlich eines neuen Stargate-Abenteuers inzwischen tatsächlich voranzukommen. Doch für die Fans des Originalfilms von 1994 hat die Sache allerdings einen Haken.

Independence Day: Rückkehr ist Emmerichs erstes Sequel. Doch wäre nach ihm gegangen, hätte er schon viel früher eines gedreht – nämlich Stargate 2, da die Stargate-Saga stets als Trilogie angelegt war. Bekanntlich kam es aber nie dazu, da MGM ab 1997 den Stoff lieber im Fernsehen auswertete. Und das ja auch mit großem Erfolg und über mehr als 10 Jahre lang. Dann jedoch schlief das TV-Franchise ein, und 2011 entschied das Studio es ins Kinos zurückzubringen. Und dies geht nach Ansicht der Verantwortlichen nur mir Emmerich und Devlin am Ruder. Die beiden sehen das genauso und möchten endlich jene Geschichte erzählen, die sie schon vor 20 Jahren erzählen wollten. Um dies zu tun, bedarf es jedoch erst einmal eines Schritts zurück, denn nach Ansicht von Devlin ergibt es keinen Sinn, dass Sequel nach über zwei Jahrzehnten jetzt noch nachzuschieben:

"It’s not a story that can take place 20 years later. So the only way to really tell that trilogy is to go back from the beginning and start the story all over again.", wird Deviln von Variety zitiert. Mit anderen Worten: Reboot! Die Saga startet mit dem Remake von Teil 1, ehe sie dann mit weiteren Filmen fortgeführt wird. Der Abschluss der Trilogie ist dabei aber lediglich ein Etappenziel. Auf die Frage, wie sich ihre Stargate-Pläne im Verlauf der letzten 22 Jahre verändert hätten, antwortete Devlin, einzig der Umfang sei heute anders als noch in den 1990ern. Seinerzeit hätten die Studios in einzelnen Filmen und/oder Trilogien gedacht, heute täten sie es in Filmuniversen (Cinematic Universes). Während der Arbeiten an der neuen Trilogie hätten sich viele Möglichkeiten gezeigt, wie sich der Stargate-Kosmos erweitern ließe. Und nun könne man diese Möglichkeiten auch nutzen.

Was das erzählerische Potenzial angeht, erzählt Devlin den Fans der Stargate-Fernsehserien natürlich nichts neues. Immerhin waren sie selber Zeuge, wie aus einem einzelnen Film ein umfangreiches langlebiges TV-Franchise wurde. Und Aspekte der Serien werden auch in das Reboot einfließen, wie Roland Emmerich während einer Fragestunde des Empire Magazine durchscheinen ließ. Im Gegensatz zum 1994er-Film werde sich die Neuauflage nicht primär auf die beiden Figuren Jack O'Neill und Daniel Jackson (seinerzeit verkörpert von Kurt Russell und James Spader) konzentrieren, sondern eine größere Gruppe ins Zentrum stellen. Also in der Art, wie es beispielsweise bei Stargate SG-1 praktiziert wurde, als zu O'Neill und Jackson auch noch Samantha Carter und Teal'c hinzukamen. Figuren in der Art von O'Neill und Jackson werde es zwar auch weiterhin geben, doch andere Charaktere würden in gleichem Maße wichtig sein. Insgesamt werde es sich um ein junges Team handeln. Russell und Spader würden vielleicht Cameos absolvieren. Geklärt sei das aber noch nicht.

Wie zu erwarten war, fanden diese neuen Infos bei den Stargate-Fans ein recht gemischtes Echo. Während die einen sich über die Rückkehr von Stargate auf die große Leinwand freuen, bedauern es andere, dass es in Form eines Reboots geschieht. Und wiederum andere sehen durch das Kino-Comeback die Chancen auf eine neue TV-Serie auf Null sinken. Letztes kann so sein, muss es aber nicht, wie die Entwicklung in Sachen Star Trek (Kinofilme und neue Serie ab 2017) zeigt. Unterm Strich dürfte der nun eingeschlagene Weg eines kompletten Neubeginns der richtige sein, gibt er den Machern doch die Chance, ihre Saga ohne den Ballast der Vergangenheit aufzuziehen.


Nicolas Wright und James A. Woods, die Drehbuchautoren von Independence Day: Rückkehr, arbeiten derzeit am Skript für das Stargate-Reboot. Wann mit dem Film zu rechnen ist, steht derzeit noch nicht fest.

Star Trek: Chekov-Darsteller Anton Yelchin gestorben!


Anton Yelchin, der in Star Trek, Star Trek Into Darkness und dem kommenden Film Star Trek Beyond Pavel Chekov verkörperte, ist tot. Der 27-Jährige starb am Sonntag in den frühen Morgenstunden infolge eines Autounfalls.

Der Banchendienst Variety meldet unter Bezug auf die Polzei von Los Angeles, Yelchin sei offenbar von seinem eigenen zurückrollenden Wagen erfasst worden, hinter dem er sich befand,
nachdem er ihn zuvor auf der abschüssigen Zufahrt zu seinem Haus verlassen hatte. Gefunden wurde der Schauspieler von Freunden, die sich Sorgen um ihn machten, da er zu einem Termin am Sonntag nicht erschienen war.

Anton Yelchin kam in Sankt Petersburg (seinerzeit Leningrad) als Sohn des Profi-Eiskunstlaufpaares Korina und Viktor Yelchin zu Welt, das in den USA politisches Asyl erhielt, als Anton gerade einmal sechs Monate als war. Seinen Durchbruch als Schauspieler hatte er 2006 mit Alpha Dog. 2009 spielte er in Terminator - Die Erlösung den jungen Kylie Reese. Mit Jennifer Lawrence stand er in Like Crazy (2011) vor der Kamera.

Als Pavel Chekov spielte er sich 2009 in Star Trek direkt in die Herzen der Fans und kehrte 2012 in Star Trek Into Darkness an Bord der U.S.S, Enterprise zurück. Ein letztes Mal wird er ab dem 21 Juli in Star Trek Beyond in dieser Rolle zu sehen sein.