Hörspielrezension: «Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 7: Die Stadt unter der Erde» (Maritim)


Obwohl erst vor knapp einem Jahr von Maritim gestartet, liegt mit Die Stadt unter der Erde seit dem 25. November nun bereits die siebte Folge der Hörspielserie Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg vor. Die heimischen Gefilde muss der Globetrotter für sein neuestes Abenteuer zwar nicht verlassen, doch dafür stößt er in Schottland in eine Region vor, die ihm bislang unbekannt war: Die Welt unter der Erdoberfläche.

In Stirling, einem abgelegenen Ort in Schottland, glaubt der alte Minenarbeiter Simon Ford noch immer an das Vorhandensein eines gewaltigen Kohlenvorkommens. Niemand will ihm Glauben schenken, bis Phileas Fogg sich der Sache annimmt. Und tatsächlich stoßen der Abenteurer und seine Gefährten auf längst vergessene Schächte, verborgene unterirdische Welten und ein furchtbares Geheimnis, das dieses Reich birgt. Wer steckt hinter den zahlreichen Sabotageakten? Und wer versucht, Fogg daran zu hindern, das Geheimnis der Stollen zu ergründen? Fogg muss erkennen, dass der Mine ein schreckliches Schicksal droht. Können er und seine Gefährten das Unglück noch rechtzeitig verhindern? (Ankündigungstext)

Mag der Abstecher nach Schottland, den Fogg und Gefolge in der aktuellen Folge unternehmen, nach früheren Reisezielen wie Indien (Folge 4: Der Elefant aus Stahl), dem Südpol (Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx) und einer Insel vor der argentinischen Küste (Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt) vielleicht auf den ersten Blick wie ein Sonntagsausflug wirken, so täuscht dieser Eindruck doch gewaltig. Denn für beschauliches Sightseeing haben der Weltreisende, seine Frau Aouda und der Diener Passepartout erneut kaum Zeit. Und zwar nicht nur, weil dieses Mal ein Großteil der Handlung unter der Erde spielt, sondern vor allem deshalb, weil die Geschichte nicht damit geizt, die Protagonisten in haarsträubende Abenteuer voller brenzliger Situationen zu verwickeln. Marc Freund serviert der Hörerschaft eine Melange aus Motiven klassischer Abenteuer- sowie Schauerliteratur, gepaart mit phantastischen Elementen, die einen das nötige Verne'sche Flair verspüren lassen. Dem Ganzen verordnet der Autor dann noch eine zügige Gangart, damit der Plot es leichter hat, etwaige logische Klippen zu umschiffen. Inhaltlich kann sich das Endergebnis durchaus hören lassen, denn das Hörspiel versteht es, seine ca. 70 Minuten Laufzeit durch eine abwechslungsreiche Geschichte mit hohem Unterhaltungswert auszufüllen. Der positive Gesamteindruck wird auch nicht dadurch geschmälert, dass es sie natürlich gibt, jene Momente, die man nicht hinterfragen darf, sondern einfach akzeptieren muss: Da unternimmt Fogg zusammen mit drei Begleitern einen Erkundungsgang unter Tage, und das Quartett nimmt genau eine (!) Lampe mit, die natürlich verloren geht. Etwas später realisieren die Männer, dass sie in einem Stollen festsitzen; und dann sind auch schon zwei Tage vergangen, ohne dass man auch nur einen der Vier über so eine banale Sache wie Hunger oder Müdigkeit klagen hört. Das nennt man echte Selbstdisziplin. Ein Mysterium, das zu untersuchen Fogg unter keinen Umständen widerstehen könnte, gerät angeblich in Vergessenheit, während die Story einen Sprung von knapp einem Jahr macht. Und natürlich hält sich der Oberbösewicht nur deshalb viel länger als nötig am Ort des Geschehens auf, anstatt sich mit dem Objekt seiner Begierde eilig wieder aus dem Staub zu machen, damit es zur Konfrontation zwischen ihm und Phileas Fogg kommen kann. Das Hörspiel scheut sich nicht, die Konventionen des Genres zu bedienen, tut dies jedoch auf eine augenzwinkernde Weise und bleibt dadurch eine ehrliche Haut.

Wenngleich Phileas Fogg (Sascha Draeger) selbstredend die zentrale Figur bleibt, so ergibt sich in der aktuellen Folge zwischen ihm, Aouda und Passepartout doch eine willkommene Dynamik, die viel mehr an Teamwork erinnert, als dies zuletzt der Fall war. Aouda (Annina Braunmiller-Jest) übernimmt selbstbewusst eine aktivere Rolle; auch Passepartout (Marius Clarén) lässt die Funktion des Stichwortgebers ein Stück weit hinter sich und darf in einer Szene sogar den Action-Hero geben. Dem Sprecher-Trio, das inzwischen mit seinen Charakteren fest verwachsenen ist, wird dieses Mal mit Rainer Fritzsche (Harry Ford), Bernd Stephan (Simon Ford), Joachim Tennstedt (James Starr), Peter Weis (Silfax), Florentine Draeger (Nell) und Wolfgang Bahro (Jack Ryan) wieder eine illustre Runde bekannter Stimmen zur Seite gestellt, die ihre Rollen souverän zum Leben erweckt. Weil Foggs derzeitige Nemesis, darf in Jules Verne – die neuen Abenteuer des Phileas Fogg – Folge 7: Die Stadt unter der Erde Dietmar Wunder als Victor Frankenstein natürlich genauso wenig fehlen wie Christian Brückner, der in der Rolle des Jules Verne als Erzähler durch die Handlung führt. Was der Blick auf die Besetzungsliste in puncto Sprecherleistung an Erwartungen geweckt hatte, kann das Hörspiel problemlos erfüllen. Vor allem auch deshalb, da die Regie sämtliche Beteiligten mit sicherer Hand führt. Die Dialoge in eine atmosphärisch dichte akustische Kulisse einzubetten, fiel wie gehabt in die Zuständigkeit von Studio WinterZeit, das sich dieser Aufgabe mehr als nur gewachsen zeigt. In einer oder zwei Szenen wäre ein etwas druckvollere Abmischung vorstellbar gewesen, doch unterm Strich darf WinterZeit auch diese Folge als einen Beleg für die Qualität seiner Hörspiele und die Erfahrung verbuchen, über die das Studio in Sachen Audioproduktion verfügt. Denn zusammen mit dem Soundtrack von Michael Donner, der sich streckenweise dezent im Hintergrund hält, um dann in den dramatischen Momenten kraftvoll treibend in Szene zu setzen, ergibt sich ein frei abgestimmter Klangraum, der dem Geschehen auch in abstrusen Situationen jenen glaubwürdigen Anstrich verleiht, der dem Hörspiel ein gesundes Maß an Bodenhaftung sichert und den Plot daran hindert, in Richtung Parodie abzurutschen.


Sein erstes volles Jahr beschließt Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg mit einer sowohl packenden wie unterhaltsamen Folge. Von den drei Geschichten, die Marc Freund bislang zur Serie beigesteuert hat, ist diese bislang seine beste. Darum darf man schon jetzt gespannt sein auf Folge 8: Im Angesicht der Bestien, die nach derzeitigem Stand am 20. Januar 2017 erscheinen wird. Bis es soweit ist, sind alle, die ein Abenteuerhörspiel in Verne'scher Tradition erleben möchten, gut beraten, wenn sie zu diesem Zweck zu Jules Verne – die neuen Abenteuer des Phileas Fogg – Folge 7: Die Stadt unter der Erde greifen.



Jules Verne – die neuen Abenteuer des Phileas Fogg – Folge 7: Die Stadt unter der Erde ist ein Hörspiel des Labels Maritim. Seit dem 25. November 2016 ist es im Handel erhältlich.


Hörspielrezension: «Gruselkabinett Folge 118/119: Jules Verne - 20.000 Meilen unter dem Meer» (Titania Medien)


Für den hörspielaffinen Science-Fiction-Fan gab es bislang keinen Grund, die Reihe Gruselkabinett auf dem Radar zu haben. Warum auch? Immerhin sind Menschen, die sich mit kühnen Zukunftsvisionen, Weltraumschlachten und Dystopien beschäftigen, nicht gerade die Zielgruppe von auf Erzählungen aus der Ära der Schauerromantik basierenden Hörspielen. Nächstes Jahr dürfte sich das jedoch etwas ändern, denn Titania Medien wird dann zwischen Mitte März und Ende Mai mit Der Unsichtbare, Die Insel des Dr. Moreau, Die Zeitmaschine und Der Krieg der Welten gleich vier Vertonungen berühmter Werke des SF-Großmeisters H.G. Wells vorlegen. Wie es klingt, wenn sich das Team um Marc Gruppe eines SF-Klassikers annimmt, davon kann man sich aber bereits jetzt schon durch Titanias neueste Produktion, die Gruselkabinett-Folgen 118 und 119, einen Eindruck verschaffen, denn dabei handelt sich um nichts Geringeres als eine Neuvertonung von Jules Vernes Roman 20.000 Meilen unter dem Meer. Seit dem 18. November ist der Zweiteiler überall im Handel.

Nachdem 1866-67 monatelang Berichte über ein angeblich gesichtetes Seeungeheuer, das auch für einige Schiffsuntergänge verantwortlich sein soll, die Spalten der Gazetten gefüllt haben, wird der französische Meeresbiologe Prof. Pierre Aronnax von der amerikanischen Regierung gebeten, an einer Expeditionsreise auf dem Schiff ‚Abraham Lincoln’ teilzunehmen. Sein ihm äußerst ergebener junger Diener Conseil begleitet den Professor auf dieser Reise ins Ungewisse... (Klappentext zu Folge 118)

Die Fahrt in Kapitän Nemos Unterseeboot ‚Nautilus’ begeistert nicht alle der Schiffbrüchigen gleichermaßen. Während Professor Aronnax und sein Diener Conseil durchaus Gefallen an den Wundern des Meeres finden, die sie unterwegs zu sehen bekommen, wartet Ned Land düster brütend nur auf den richtigen Moment, die ‚Nautilus’ und ihren mysteriösen Kapitän zu verlassen... (Klappentext zu Folge 119)

Wurde eine literarische Vorlage schon mehrfach vertont, dann ist es an jeder neuerlichen Adaption, ihre Daseinsberechtigung nachzuweisen. Dies kann sie durch größere Ausführlichkeit bzw. Werktreue tun, durch eine Sprecherriege, deren Leistung der früherer Version überlegen ist, oder auch mittels eine gelungeneren Klangkulisse. In puncto Laufzeit wird Europas Klassiker aus dem Jahre 1977 von Titanias aktueller Version schon einmal geschlagen: Brauchte man 1977 ca. 50 Minuten, um Vernes Untersee-Abenteuer zu erzählen, so sind es jetzt etwas weniger als zwei Stunden. Oder anders ausgedrückt: Zu jenem Zeitpunkt, an dem Prof. Aronnax, Ned Land und der Diener Conseil vor 40 Jahren bereits wieder von Bord der Nautilus geflüchtet waren, haben sie Nemos U-Boot heutzutage noch nicht einmal betreten. Das Skript verschafft Prof. Aronnax zwar etwas mehr Profil, indem er sich in den ersten Minuten des Hörspiels während eines Interviews als Wissenschaftler und insbesondere Meeresforscher profilieren darf, schlägt dann jedoch für den Rest der ersten Stunde eine recht gemächliche Gangart ein. Es hat einen guten Grund, warum bei früheren Adaptionen jener Teil der Geschichte bis zum Zusammentreffen der Abraham Lincoln mit der Nautilus mächtig gestrafft wurde: Er ist einfach nicht wirklich spannend. Marc Gruppe glaubt hingegen scheinbar, es besser zu wissen, und räumt diesem Abschnitt genau so viel Spielzeit ein wie den Abenteuern unter den Weltmeeren. Als Konsequenz daraus passiert in CD 1 nicht besonders viel (einziges Highlight ist die Havarie der Abraham Lincoln), während für CD 2 dann so viel an Plot übrig bleibt, dass nicht alles davon als Spielhandlung dargeboten werden kann: Beispielsweise hätte man als Hörer gerne erlebt, wie Kapitän Nemo Aronnax und Co die Ruinen des versunkenen Atlantis zeigt, doch stattdessen wird dieses Ereignis vom Professor (gleichzeitig der Ich-Erzähler in diesem Hörspiel) fast schon beiläufig lediglich erwähnt. Eine andere dramatische Szene, in deren Verlauf ein Crewmitglied schwer verletzt wird, bekommen die Protagonisten erst gar nicht mit, weil sie von Nemo vorher betäubt wurden. Die spätere Beerdigung des Seemanns auf dem Boden des Ozeans hat es ebenfalls nicht in die Spielhandlung geschafft – Aronnax berichtet lediglich in knappen Worten davon. Immerhin bekommt man eine - wenngleich nicht sonderlich spannende – Begegnung mit einer Tiefseespinne geboten und den durchaus reizvoll inszenierten Kampf gegen den Riesenkalmar. Diese Actionszenen können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Produktion ein mächtiges Problem mit dem Timing hat. Ein wirklicher Spannungsbogen baut sich nicht auf, und gegen Ende hat es der Plot dann mit einem Mal eilig: Die Wandlung von Kapitän Nemo vom Misanthropen zum komplett Wahnsinnigen vollzieht sich sehr abrupt; und während dieser geisteskrank in die Tasten seiner Orgel haut, entkommt das Protagonisten-Trio ohne große Hindernisse von Bord der Nautilus. So weit, so bekannt. Diesen Plot hätte man auch in 80 Minuten bzw. auf einer CD erzählen können.

Was die Besetzung angeht, so vertraut Titania Medien auf die Dienste von bewährten Stimmen wie die von Jürgen Thormann (als Prof. Aronnax), Dietmar Wunder (Ned Land), Uli Krohm (Kapitän Nemo) und Julian Tennstedt (Conseil). Thormann ist als erfahrener Wissenschaftler absolut glaubwürdig, und auch die geradezu kindliche Neugier, mit der er auf das technische Meisterwerk namens Nautilus und die Wunder der Meere reagiert, transportiert er greif- und nachvollziehbar. Dafür, dass Aronnax etwas zu spontan vom Ein-Unterseeboot-gibt-es-nicht-Skeptiker zum Nemo-Fan mutiert, kann er nichts. Das geht komplett auf die Kappe des Dialogbuchs. Dietmar Wunder grummelt sich als bodenständiger Harpunier Ned Land durch seine Takes und bildet dadurch einen schönen Kontrast zu seinen Mitspielern. Insbesondere zu Julian Tennstedt, der die undankbare Rolle des Dieners Conseil zu verkörpern hat: Wenn der Ankündigungstext von Conseil als Aronnax' "äußerst ergebenem jungen Diener" spricht, dann ist das fast schon ein Euphemismus, denn Conseil tritt das ganze Hörspiel über dermaßen devot auf, dass der Eindruck entsteht, Aronnax habe seinen Bediensteten aus einem einschlägigen Etablissement im Pariser Rotlichtbezirk abgeworben. Spätestens dann, wenn der Professor eine der unzähligen, vor Unterwürfigkeit triefenden Äußerungen seiner Dieners mit einem knappen "Brav" quittiert, erinnert das Verhältnis zwischen den beiden an das zwischen einem Hundebesitzer und seinem Vierbeiner. Nur bekommt Conseil von seinem Herrchen keine Leckerlis. Daran sollte er für Zukunft mal arbeiten. Ansonsten verharrt Conseil in jenem Status des Stichwortgebers ohne Eigeninitiative, der von jeher für ihn reserviert ist. Tennstedt muss man hingegen zu Gute halten, das beste aus einer Rolle gemacht zu haben, die einem leider aus den falschen Gründen im Gedächtnis bleibt. Uli Krohm besitzt die nötige stimmliche Präsenz, um einen ansprechenden Kapitän Nemo abzugeben, doch kann er die Facetten seines Könnens nur bedingt entfalten, weil das Drehbuch Nemo sich hinter Andeutungen verschanzen lässt, anstatt durch Offenlegung seiner Vergangenheit ein klares Bild davon zu zeichnen, was diesen genialen und vermögenden Mann zum Rächer auf und unter den Meeren hat werden lassen. Die Ambivalenz seines Wesens - einmal ist Nemo schroff und abweisend gegenüber seinen unfreiwilligen Gästen, im nächsten Moment im Umgang mit ihnen verbindlich und entgegenkommend – wird zwar angedeutet, doch diese Puzzleteile ergeben unterm Strich keinen wirklich greifbaren Charakter. Die Figur bleibt bis zu ihrem vermeintlichen Ende (was aus ihm wird, bleibt unklar) nebulös; Krohm müht sich, agiert zweifellos souverän, kann aber nicht jenes Bild eines gebrochenen Menschenfeinds vermitteln, das möglich gewesen wäre, wenn die Macher mehr wert auf diesen Aspekt der Geschichte gelegt hätten.

Bei der Gestaltung der Geräuschkulisse gibt sich Titania Medien hingegen keine Blöße: Man lässt das Meer rauschen, krachend die Abraham Lincoln untergehen und versteht es, das Geschehen an Bord der Nautilus atmosphärisch zu gestalten. Auch das Kampfgetümmel bei der Abwehr des Riesenkalmars hat man im Griff. Gruselkabinett Folge 118/119: 20.000 Meilen unter dem Meer klingt so, wie man es im Jahre 2016 von einer kommerziellen Produktion erwarten kann und darf. Akustische Wunder bleiben aus, sind aber angesichts der Geschichte auch nicht von Nöten. Der Soundtrack begleitet das Geschehen stimmungsvoll, wenngleich bisweilen einzelne Stücke etwas zu modern für die Ära um 1867 klingen. Titania geht zwar nicht gerade sparsam mit dem Einsatz von Musik um, setzt sie jedoch begleitend ein und vermeidet es, dass sie sich in den Vordergrund drängt. Stattdessen wird sie zum Bestandteil einer ausgewogenen Klangkulisse, vor deren Hintergrund sich die Handlung vollzieht. In diesem Punkt wird die Produktion den Erwartungen durchaus gerecht. Als optische Einstimmung auf das Hörspiel wurden von Ertugrul Edirne zwei Cover gestaltet, die eine Szene des Hörspiels aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen, stilistisch das Flair der damaligen Zeit einfangen und zudem auch eine Reverenz an das Cover der klassischen Europa-Version darstellen. Eine schöne Idee.

Was den Nachweis der Existenzberechtigung angeht, so kann Gruselkabinett Folge 118/119: 20.000 Meilen unter dem Meer diesen eher bedingt erbringen. Das Hörspiel erzählt kaum mehr als die vorherigen Fassungen, braucht dafür aber doppelt so lange. Dabei lässt Marc Gruppe in der ersten Hälfte jede Menge Zeit liegen, die dann in Teil 2 fehlt, um Kapitän Memo als eine faszinierende, weil vielschichtige Persönlichkeit darzustellen. Im Gegenteil: Die aktuelle Titania-Version fällt sogar hinter das zurück, was in früheren Adaption bereits erreicht wurde. Prof. Aronnax bekommt dieses Mal zwar mehr Aufmerksamkeit, doch das hilft der Geschichte nicht, da Nemo nun einmal der interessantere der beiden Figuren ist. Das Portrait des Dieners Conseil wirkt befremdlich; einzig die Charakterisierung von Ned Land kann vollauf überzeugen. Dem Umstand, dass von Titania in Sachen Sprecherauswahl, Sounds und Musik ordentliche Arbeit geleistet wurde, hat es das Hörspiel in der Endabrechnung zu verdanken, dass man über ihm den Stab nicht brechen möchte. Mächtig gebogen hat er sich allerdings schon. Und von bedingungslosem Durchwinken ist diese Produktion auf jeden Fall meilenweit entfernt.

Denkt man an die Wells-Vertonungen im nächsten Jahr, dann lässt der Eindruck, den das vorliegende Hörspiel hinterlassen hat, einen diese eher mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Hinsichtlich der Besetzung, der Soundkulisse sowie der Musik braucht man sich wohl keine Sorgen zu machen. Und auch die Cover, die Titania Medien bereits auf seiner Website veröffentlicht hat, sehen wirklich schön aus. Es stellt sich nur insbesondere im Hinblick auf die Doppelfolgen Der Unsichtbare und Der Krieg der Welten die Frage, ob die Macher dann ein besseres Timing und einen stimmigen Spannungsbogen hinbekommen werden. Warten wir es ab. In sechs Monaten sind wir schlauer...


Gruselkabinett Folge 118/119: 20.000 Meilen unter dem Meer ist eine Produktion von Titania Medien. Seit dem 18. November 2016 ist sie im Handel erhältlich.


Doppelrezension: «Zukunfts-Chroniken 5: Ihr Hobot, zu Diensten» und «Zukunfts-Chroniken 6: Der letzte Widerstand»


In der freien Hörspielszene ist nicht selten der Weg das Ziel, denn nicht alles, was dort in Angriff genommen wird, schafft es schließlich auch zur Veröffentlichung. Der Arbeitsaufwand ist groß, die Freizeit der Enthusiasten, die sich dem Erschaffen eigener Hörspiele verschieben haben, dagegen eher gering. Die Folge sind lange Produktionszeiten, in deren Verlauf immer wieder Projekte zum Erliegen kommen. Damit seiner anthologischen Reihe Die Zukunfts-Chroniken dieses Schicksal erspart bleibt, verteilte Autor Frank Hammerschmidt die anfallenden Aufgaben von Beginn auf mehrere Schultern: Die Regie übernahm er selbst, die Sprecherinnen und Sprecher stammen aus den Reihen des Hoerspielprojekts, Schnitt, Musikauswahl und Sounddesign übernimmt die Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld. Auf diese Weise entstanden seit Februar 2015 in für unkommerzielle Verhältnisse recht kurzer Zeit sechs Folgen der Zukunfts-Chroniken, von denen die jüngste am Samstag, dem 29. Oktober, im Webradio von hoerspielprojekt.de ihre Premiere feiert. Wie ihre Vorgänger, so wird auch Zukunfts-Chroniken 6: Der letzte Widerstand anschließend zum kostenfreien Download freigegeben.

Ehe die kommende Folge zur Besprechung ansteht, geht der Blick des Rezensenten jedoch zunächst einmal zurück in den Juli diesen Jahres, als Folge 5: Ihr Hobot, zu Diensten ihre Veröffentlichung erlebte. Seither harrt sie einer Besprechung, die ihr nun endlich zuteil werden soll. Angesiedelt hat Frank Hammerschmidt den Plot auf dem Jupitermond Elara, ein durch Terraforming bewohnbar gemacht und in ein exklusives Urlaubsresort verwandelt wurde. Dorthin begibt sich das Studenten-Quartett Steve (gesprochen von Marcel Ellerbrok), Anthony (Jan Münter), Christopher (Dennis Oberhach) und Douglas (Pascal Runge), um - Christophers vermögender Vater macht's möglich – so richtig abzufeiern und Mädchen aufzureißen. Das Quartier, dass die jungen Männer auf Elara beziehen, bietet ihnen allen erdenklichen Luxus – inklusive eines Dienstroboters in weiblicher Gestalt, dem sie den Namen Marilyn geben. Dieser Hobot ist darauf programmiert, seinen Herren jeglichen Wunsch zu erfüllen. Doch wie Steve und seine Kumpels nach einer durchzechten Nacht zu ihrem Schrecken feststellen müssen, war der Programmierer der Hobot-Software wohl etwas übereifrig: Marilyn führt nämlich wirklich jeden Befehl wortwörtlich aus. Mit tödlichen Folgen...

Bei seinem fünften Zukunfts-Chroniken-Skript stand Frank Hammerschmidt der Sinn offenbar nach gradliniger SF-Action, orientiert bzw. als Hommage an Michael Crichtons Westworld. Die Parallelen sind offensichtlich, das Ansinnen durchaus legitim. Sind die vier menschlichen Hauptfiguren erst einmal eingeführt (vom Großmaul bis zum Leisetreter ist alles vorhanden), spult sich der Plot im weiteren Verlauf ohne große Umwege konsequent ab. Muss er angesichts der bewusst kompakt gewählten Spielzeit von ca. 34 Minuten (inkl. Intro und Credits) auch tun. Auf Elara eingrtroffen, machen die Urlauber Bekanntschaft mit ihrem Hobot (mit herrlich unschuldig-seelenloser Freundlichkeit in der Stimme: Hannah Jöllenbeck), ehe sie sich ins Getümmel stürzen. Auf die eigentlich doch recht gelungene Nacht folgt dann jedoch das böse Erwachen. Frank Hammerschmidt bedient sich eines bewährten Erzählmusters, wenn er zunächst - gleichwohl in einem futuristischen Kontext – Alltägliches schildert (junge Männer feiern ausgelassen und sind dabei dem anderen Geschlecht nicht abgeneigt), ehe er ein erstes, dann ein zweites unerwartetes Ereignis in diese Normalität einbrechen lässt. Darauf aufbauend eskaliert die Situation dann endgültig. Der Grund für diese Eskalation hält zwar einer strengen Überprüfung nicht unbedingt stand, beschert dem Hörspiel dafür allerdings jene dramatischen Actionszenen, auf die der Plot sowieso die ganze Zeit hingearbeitet hat. Darum sei es Frank Hammerschmidt an dieser Stelle verziehen, wenn er die Dinge um des Unterhaltungswertes willen ein wenig übers Knie bricht. Denn immerhin gibt es da auch noch das augenzwinkernde Finale.

Stimmlich stellt Marcel Ellerbrok als introvertierter, zurückhaltender Steve einen schönen Kontrast zu Dennis Oberhach dar, der seiner Figur Christopher genau jene Großspurigkeit verleiht, die es braucht, um ihn für das Publikum unsympathisch wirken zu lassen. Man kann jedoch geteilter Meinung darüber sein, ob es eine so gute Idee war, ausgerechnet den schüchternen Steve zum Ich-Erzähler dieser Geschichte zu machen, denn so energiearm, wie Steve sich in den Dialogen geriert, schildert er auch das Geschehen. Auch wenn Ellerbrok seine Rolle die ganze Zeit über konsequent durchhält, also genau das liefert, was bringen soll, wäre ein dynamischer auktorialer Erzähler durchaus eine Option gewesen. Allerdings stiehlt Hannah Jöllenbeck als Hobot Marilyn ihren männlichen Kollegen ohnehin die Schau: Ihre Stimme transportiert eine Verbindung aus an kindliche Unschuld erinnernder Naivität und mangels Wärme unheimlich wirkender Höflichkeit, der soviel Künstliches anhaftet, dass man problemlos zu glauben bereit ist, Marilyn als künstliches Wesen zu akzeptieren. Natürlich wurde zu Sicherheit auch noch ein Effekt auf Jöllenbecks Stimme gelegt, doch der Sprecherin muss man attestieren, dass die eigentliche Überzeugungsarbeit von geleistet wurde.

Hinsichtlich der des Sounddesigns und Abmischung dürfte die Disco-Szene wohl am kompliziertesten gewesen sein. Denn einerseits musste der Eindruck eines vollbesetzten, von lauter Musik erfüllten Tanztempels erzeugt werden, während gleichzeitig die Dialoge im Umgebungslärm nicht untergehen durften. Dieser Spagat ist der Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld durchaus gut gelungen. Dass in ungefähr hundert Jahren immer noch die gleiche nervige Techno-Musik gespielt wird, ist zwar keine schöne Aussicht, angesichts der heute schon erschreckenden Ideenlosigkeit der Musikindustrie aber durchaus wahrscheinlich. Von einem Klangraum, der wirkungsvoll ein akustisches Umfeld für das Geschehen bereitstellt, profitieren auch die übrigen Szenen des Hörspiels, so dass Zukunfts-Chroniken 5: Ihr Hobot, zu Diensten den Vergleich zu anderen unkommerziellen Produktionen nicht scheuen braucht.

Zukunfts-Chroniken 5: Ihr Hobot, zu Diensten lässt einen als Hörer mit dem guten Gefühl zurück, ca. 34 Minuten lang eingängige, unterhaltsame Hörspielkost aus der Küche der freien Hörspielszene erlebt zu haben. Wer sich auf eine gradlinige Science-Fiction-Story mit kompakter Spielzeit und Anklängen an ein bekanntes Vorbild einstellt, dürfte an dem, was Frank Hammerschmidt, Hoerspielprojekt und die Hörspielwerkstatt-Bad Hersfeld mit dieser Produktion anbieten haben, durchaus Gefallen finden.


Dem Gebot der Vielfalt folgend, geht der Plot von Folge 6: Der letzte Widerstand in eine ganz andere Richtung als der des Vorgängers. Dieses Mal erzählt Frank Hammerschmidt von der entscheidenden Phase einer Invasion durch Aliens, der die Hauptstadt des größten Landes des Planeten sehr bald zum Opfer fallen wird. Weil schon seit längerem keine Aussicht mehr besteht, die Niederlage noch abzuwenden, baut man an einer Weltraumarche, die einer kleinen Schar die Flucht ins Weltall und eine Zukunft ohne Krieg ermöglichen soll. Das Schiff ist fast fertig, doch der Energieschirm, der die Hauptstadt bisher geschützt hat, droht zusammenzubrechen, ehe man zum Abflug bereit ist. Was man braucht, ist noch ein wenig mehr Zeit. Zwei Soldaten - einer zu Fuß und einer an Bord eines „Kriegshülle“ genannten Kampfroboters - werden ausgesandt, um sich den Angreifern zu stellen und den Flüchtenden so jene Stunden zu verschaffen, die sie so dringend brauchen.

Hörspiele werden nicht ohne Grund gerne Ohrenkino genannt. Die Kombination aus Stimmen, Geräuschen und Musik erzeugt im Bewusstsein des Hörers Bilder, lässt gewissermaßen vor seinem inneren Auge einen Film ablaufen. Und zwar einen, den sich jeder gemäß seiner Vorstellungskraft, seiner Erfahrungen, Erwartungen und Neigungen ein Stück weit individuell zusammensetzt. Frank Hammerschmidt macht sich diesen Umstand in der neuesten Folge seiner Reihe Die Zukunfts-Chroniken nun zunutze. Die beiden zentralen Figuren der Geschichte sind ein altgedienter Soldat und ein Frischling ohne Einsatzerfahrung. Weil Namen im Krieg angeblich alles nur schwieriger machen, besteht der Veteran (Matthias Ubert) darauf, lediglich mit Commander angesprochen zu werden; gemäß seiner Aufgabe gibt er dem Youngster (Marco Rosenberg) den Namen Späher. Dieser soll nämlich Fußtruppen ausmachen und eliminieren, während sich der Commander sich als Pilot der Kriegshülle die großen Geschütze vornimmt, die der Gegner bereits in Stellung gebracht hat. Dass es sich um eine Kamikaze-Mission handelt, da keiner von ihnen auf der Liste der Glücklichen steht, die mit der Arche fliehen dürfen, ist beiden von Beginn an klar. Aber wenn sie schon sterben müssen, wollen sie vorher noch so viele Feinde wie möglich mitnehmen. Und der Plot gibt ihnen ausreichend Gelegenheit dazu. Parallel zu diesem Erzählstrang gibt es noch einen weiteren um die Hohe Kanzlerin (Dorle Hoffmann) und ihren Minister (Werner Wilkening), die gemeinsam die Mission verfolgen, während sie sich auf den Abflug vorbereiten. Der Späher ist für die Kanzlerin alles andere als ein Unbekannter – entsprechend groß sind ihre Gewissensbisse, ausgerechnet ihn in diese Schlacht gegen eine übermächtigen Feind geschickt zu haben. Und während die Regierungschefin mit ihrer Entscheidung hadert und vor dem Energieschirm die Schlacht tobt, sucht ein kleiner Junge namens Trümmerspringer seinen eigenen Weg durch das Chaos.

Damit die Geschichte die gewünschte Wirkung erzeugen kann, ist es unabdingbar, dass sich der Hörer für die Charaktere Sympathie empfindet. Das Duo aus altem Haudegen und sprücheklopfendem Frischling; die Kanzlerin, die von der Last der Verantwortung für ihr Volk erdrückt wird; der kleine Trümmerspringer, dem der Krieg die Familie genommen hat und der in den Trümmern nach Essbarem sucht. Dies alles ist darauf ausgerichtet, dass einem die Figuren nicht egal sind. Man soll für sie Partei ergreifen. Man soll ihnen Erfolg wünschen. Und vor allem soll man die Invasoren dafür hassen, was sie der Welt angetan haben. Denn nur so kann der Schluss beim Hörer seine volle Wucht entfalten. Bis es jedoch soweit ist, lässt Folge 6: Der letzte Widerstand es erst einmal ordentlich krachen. Die Hörspiel-Werkstatt musste sich dieses Mal richtig ins Zeug legen, denn eine Abwehrschlacht, die sich eher wie ein Tontaubenschießen anhört, hätte die Wirkung der Geschichte komplett zunichte gemacht. Dessen war man sich offenbar auch in Bad Hersfeld nur allzu bewusst und ging gar nicht erst irgendwelche Risiken ein: Dieser Kampf ist einer, der sich richtig gewaschen hat. Der Wechsel zwischen den Erzählsträngen verleiht der Geschichte Dynamik, die Zuspitzung der Ereignisse gelingt, die Handlung mündet in ein süß-bitteres Finale. Eine wirklich starke Geschichte.

Matthias Ubert weiß in seiner Rolle als Commander zu gefallen, denn seine Stimme verfügt über das richtige Timbre, um glaubwürdig einen zynischen, desillusionierten Krieger zu verkörpern, für den der Tod mehr eine Erlösung denn eine Niederlage ist. Marco Rosenberg hingegen klingt jugendlich genug, dass man ihm den unerfahrenen Späher abnimmt, der den Krieg nur aus dem Simulator kennt. Dorle Hoffmann verleiht der Hohen Kanzlerin Würde, und Werner Wilkening ist eine absolut sichere Bank, wenn es darum geht, gereiften Männern (in diesem Falle einem erfahrenen Minister) die Stimme zu leihen. Im kommerziellen Sektor werden nicht selten erwachsene Sprecherinnen und Sprecher geholt, um Jugendliche oder auch Kinder darzustellen. Die Macher von Zukunfts-Chroniken 6 entschieden sich jedoch gegen diesen Weg und stattdessen dafür, die Rolle des Trümmerspringers in wirklich junge Hände zu legen – nämlich in die von Justus Jonas Ellerbrok. Die Glaubwürdigkeit der Figur profitiert deutlich von dieser Entscheidung, und der junge Ellerbrok macht seine Sache richtig gut.


Nach einer unterhaltsamen fünften Folge, die jedoch nicht unbedingt zum Nachdenken anregte, kommt mit Zukunfts-Chroniken 6: Der letzte Widerstand nun eine, die wesentlich mehr dazu geeignet ist, im Bewusstsein des Publikums nachzuschwingen. Nicht zuletzt deshalb, weil der Schluss einen die Bilder hinterfragen lässt, die man während des Hörens im Kopf hatte. Diese Eigenschaft macht Folge 6 zu einem gelungenen Hörspiel und einem würdigen Vertreter der Zukunfts-Chroniken-Reihe.

Zukunfts-Chroniken 6: Der letzte Widerstand erlebt am Samstag, dem 29. Okotber 2016, ab 19:00 Uhr seine Premiere im Webradio von hoerspielprojekt.de. Anschließend steht das Hörspiel zum kostenfreien Download zur Verfügung.

Hörspielrezension: «Heliosphere 2265 - Folge 7: Die Opfer der Entscheidung» (Greenlight Press/Interplanar)


Mit nichts Geringerem als einem mörderischen Cliffhanger am Ende der Folge 6: Die Bürde des Captains fand im Mai diesen Jahres die erste Halbzeit des Auftaktzyklus' der Hörspiel-Space-Opera Heliosphere 2265 von Andreas Suchanek und Interplanar ihr Ende. Seither mussten sich die Fans in Geduld üben, wollten sie erfahren, wie es mit Captain Jayden Cross und der Besatzung des Raumkreuzers Hyperion weitergeht. Doch nun ist die Wartezeit endlich vorüber, denn die Serie meldet sich mit Heliosphere 2265 – Folge 7: Die Opfer der Entscheidung zurück. Ca. 50 Minuten Laufzeit hat die Produktion, die seit dem 21. Oktober im Handel ist.

Noch nie zuvor war die Situation so aussichtslos. Die Parliden machen weiterhin Jagd auf die "Hyperion", um sich für den Anschlag auf ihre Heimatwelt zu rächen. Captain Cross' Schiff hat jedoch mit Antriebsproblemen zu kämpfen und kann nicht entkommen. An Bord herrscht zudem Chaos: Gefolgsleute des neuen Präsidenten Sjöberg versuchen, die Kontrolle über das Schiff zu gewinnen. Captain Cross muss akzeptieren, dass seine Entscheidungen weitreichende Konsequenzen haben werden. (Klappentext)

Den letzten Track von Folge 7 haben die Macher mit Zwischenziele betitelt. Ein passender Name und zugleich ein Begriff, der den Charakter des neuen Hörspiels gut auf den Punkt bringt. Was in kompakten 50 Minuten dieses Mal an Handlung geboten wird, besitzt nämlich einerseits den Charakter eines Epilogs zur ersten Zyklushälfte, dient aber darüber hinaus gleichzeitig dazu, in Form eines Prologs die inhaltlichen Weichen für die nun angebrochene zweite Halbzeit zu stellen. Der Spagat gelingt, die Story legt ein angenehm hohes Erzahltempo an den Tag und Captain Cross beweist seine Führungsqualitäten, indem er trotz stetig schwindender Handlungsoptionen den Überblick behält, wenn nötig Härte zeigt und es versteht, seine ihm loyalen Offiziere in die Entscheidungen einzubinden. Einer von ihnen Lieutenant Commander Lukas Akoskin: Bereits seit Folge 1: Das dunkle Fragment dabei, wird sein Background nun näher beleuchtet, wobei er Talente offenbart, die er sogleich zum Einsatz bringen kann, um das immer noch an Bord der Hyperion herrschende Chaos einzudämmen. Eine interessante Figur mit viel Potenzial. Darüber hinaus erfährt man auch mehr über die Vergangenheit von Alpha 365, der sich Akoskin gegenüber öffnet, als deutlich wird, dass beide auf ihre Art Außenseiter sind. Der Plot verliert sich aber nicht in Charakterstudien, sondern setzt in erster Linie auf spannungsgeladene Action: Dem Raumkreuzer, weitgehend manövrierunfähig und wehrlos, droht die baldige Zerstörung durch die Parliden, nicht alle an Bord ziehen am gleich Strang und selbst die unerwartet eintreffende Hilfe könnte sich als fatal für das Schiff erweisen. Bei so viel Dramatik bleibt weder der Hyperion-Crew noch dem Publikum richtig Gelegenheit zum Durchatmen. Seinem Ruf als überaus rasantem Weltraumabenteuer wird Heliosphere 2265 also auch dieses Mal wieder absolut gerecht.

Hinsichtlich der akustischen Umsetzung des Romans von Andreas Suchanek hat Interplanar Produktion wieder einmal ganze Arbeit geleistet: Das Sounddesign von Jochim-C. Redeker spannt von der ersten Minute an eine akustische Leinwand auf, die einen unweigerlich in das Geschehen hineinzieht, während die fein abgestimmte Musik die Szenen jederzeit wirkungsvoll atmosphärisch unterstützt. Die Regie von Balthasar v. Weymarn ist jederzeit in souveräner Manier Herr der Lage; und obwohl sich der Hörer noch nie über einen Mangel an prominenten Stimmen in der Serie beklagen konnte, verstärkt von nun an mit Maria Koschny auch noch die Synchronstimme von Jennifer Lawrence als Lt.-Cmdr. Kristen "Kirby" Belflair den Cast, dem u.a. Wanja Gerick (Captain Cross), Manja Doering (Tess Kensington), Tobias Kluckert (Lukas Akoskin), Anke Reitzenstein (Admiral Pendergast) und Uve Teschner angehören. Alle Sprecherinnen und Sprecher liefern eine mustergültige Performance ab, die keinerlei Anlass zur Klage bietet. Nichts auszusetzen gibt es auch am Booklet und dem Bonusmaterial, mit dem Greenlight Press die CD-Version stets aufwertet. Das Booklet wirft einen Blick in die Personalakte von Lieutenant Peter Task, stellt dem Leser einige Schiffsklassen der Space Navy vor, enthüllt einige Geheimnisse über die Parliden-Zivilisation und beinaltet zum Schluss auch noch eine Vorschau auf Folge 8: Getrennte Wege. Das Zusatzmaterial besteht aus dem Hörspiel im MP3-Format (für jene, die nicht selbst rippen wollen) und der eBook-Version des Romans von Andreas Suchanek, auf dem das Hörspiel basiert. Das eBook gibt es im PDF-Format oder als Kindle Content.

Etwas Zeit hat sich Heliosphere 2265 mit seiner Rückkehr schon gelassen, aber das Ausharren hat sich fraglos gelohnt. Folge 7: Die Opfer der Entscheidung punktet mit rasanter Action, greifbaren Charakteren und einer akustischen Umsetzung des Plots, wie man sie sich nur wünschen kann. Nun bleibt nur zu hoffen, dass Greenlight Press und Interplanar die Fans bis zum Erscheinen von Folge 8: Getrennte Wege nicht wieder so lange auf die Folter spannen. Denn nach dem Hören der aktuellen Folge möchte man am liebsten sofort wissen, was im Heliosphere-Universum als nächstes passiert. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Produzenten wieder einmal alles richtig gemacht haben.



Heliosphere 2265 – Folge 7: Die Opfer der Entscheidung ist ein Hörspiel von Interplanar Produktion für Greenlight Press. Seit dem 21. Oktober 2016 ist es im Handel erhältlich.



Hörspielrezension: «Mark Brandis - Raumkadett Folge 10: Zwischen den Fronten» (Folgenreich/Interplanar)


Auch in der zweiten Staffel des Prequels Mark Brandis – Raumkadett hält Interplanar den Protagonisten ordentlich auf Trab: Zuerst musste er ins belagerte Baku (Folge 7: Laurin), dann zum Mond (Folge 8: Mondschatten) und zuletzt ließ man Brandis eine Raumstation auf dem Asteroiden Pallas bewachen (Folge 9: Endstation Pallas). In der aktuellen Folge 10: Zwischen den Fronten begibt sich der Raumkadett nun zusammen mit seinen Freunden auf eine Mission, die es in sich hat, denn sie ist gleichwohl sehr persönlich wie gefährlich. Seit dem 21. Oktober 2016 ist das Hörspiel mit einer Spielzeit von ca. 62 Minuten im Handel.

Gerüchte um eine geplante Eroberung der Republikenkolonie auf dem Mars verdichten sich. Mark Brandis, Alec Delaney, Annika Melnikova und Rob Monnier sind seit Monaten auf Einsätzen in den Krisen- und Kriegsgebieten. Während einer Pause erfahren die Freunde, dass ihr Ausbilder Lt. Eckmann, der bereits seit Monaten ungewöhnlich reizbar und verschlossen gewirkt hatte, spurlos verschwunden ist. Er wird wegen Fahnenflucht gesucht und soll vors Kriegsgericht gestellt werden. Sie fassen den Plan, Eckmann zu suchen und vor einer Dummheit zu bewahren … (Klappentext)

In Folge 4: Hinter den Linien wurde die Unions-Offizierin Alba Bravo bei dem Versuch, Mark Brandis zur Flucht auf das Territorium der EAAU (Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union) zu verhelfen, von Grenztruppen der Vereinten Orientalischen Republiken (VOR) erschossen. So sah es jedenfalls zunächst aus, bis dem Raumkadetten von dessen Ausbilder (und Albas Liebhaber) Wilhelm Eckmann eröffnet wurde, es habe sich bei Bravos Tod um ein Ablenkungsmanöver gehandelt, mit dem das Überlaufen der Soldatin zum Feind getarnt werden sollte. Zugleich nahm Eckmann seinem Schützling das Versprechen ab, mit niemandem über diesen Seitenwechsel zu sprechen. Seither hatte sich die Spur von Alba Bravo verloren, was sich mit der neuen Folge allerdings nun ändert: Mitten im Krieg zwischen der EAAU und den VOR ist Eckmann nämlich von der Fahne gegangen, was seinen Vorgesetzten bei der VEGA und insbesondere den Militärs selbstredend überhaupt nicht gefällt. Doch wo sie nach dem Abtrünnigen suchen soll, da tappen sie völlig im Dunkeln. Brandis ist ihnen da voraus, denn als er von der Sache hört, ist ihm sofort klar, dass es nur einen Grund geben kann, warum der ansonsten so pflichtbewusste Eckmann sich einfach so absetzt: Da muss eine ganz bestimmte Frau im Spiel sein. Kam Folge 9: Endstation Pallas wie ein von bedrückender Stimmung geprägtes Kammerspiel daher, so präsentiert sich Folge 10: Zwischen den Fronten als ein temporeiches Weltraumabenteuer, das, weil vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen den zwei Machtblöcken angesiedelt, zudem Züge einer Agentengeschichte und einschlägiger Kommandofilme trägt. Autor Balthasar v. Weymarn fährt dabei zweigleisig, indem er abwechselnd Eckmanns Aktivitäten und die von Mark Brandis, Robert Monnier, Annika Melnikova und Alec Delaney schildert, die ihren Vorgesetzten zur Erde zurückbringen wollen, ehe er sich in noch größere Schwierigkeiten als jene bringt, die er sich mit seinem unerlaubten Entfernen ohnehin schon eingehandelt hat. Während Eckmann sein Reiseziel, die Station Langrange 5 (quasi ein Casablanca im Weltall), relativ problemlos erreicht, haben Brandis und Co. eine Reihe von Hürden zu überwinden, ehe sie überhaupt auf ihre „Rettungsmission“ gehen können: Gefallen müssen erbeten werden, Überzeugungsarbeit ist zu leisten und Vertrauen zu investieren. Der Hörer erlebt dabei einen Mark Brandis, dessen zunehmende Reife sich durch deutlich mehr Eigeninitiative äußert. Er traut sich mehr zu als früher, während Unsicherheiten und sein weiterhin begrenzter Erfahrungsmangel jedoch immer noch spürbar sind. Charakterlich ist der Raumkadett Brandis seit seinen Anfangstagen also ein gutes Stück vorangekommen, doch ein ordentlicher Weg bis hin zum souveränen Commander Mark Brandis aus der Originalserie liegt noch vor ihm. So klappt das Zusammenspiel mit den Kameraden mittlerweile ganz gut, läuft aber immer noch nicht komplett reibungslos, da der junge Mark weiterhin nicht recht weiß, wem er wann wirklich vertrauen soll und kann. Und auch dieses Mal ist nicht jeder, den er ins Vertrauen zieht, dieses tatsächlich wert. Nicht gerade die besten Umstände, um jemanden in Sachen Vertrauen selbstbewusster zu machen. Immerhin beweisen die angehenden Raumfahrer erneut, dass sie absolut für einander einstehen, wenn es hart auf hart kommt. Da wäre es für Brandis endlich an der Zeit, sich einen Ruck zu geben und seinen Mitstreitern gegenüber zu öffnen. 

Was den Eckmann-Bravo-Erzählstrang angeht, so bringt er dem Hörer zunächst einmal die Erkenntnis, dass der VEGA-Offizier über einen feinen Sinn für Ironie verfügt, wenn er sich – in den Augen seiner Vorgesetzten nun zum Verräter geworden – den Tarnnamen Guillaume gibt. Was den Piloten des Raumfrachters angeht, mit dem Eckmann zur Station Lagrange 5 reist, so hat sich Bathasar v. Weymarn eine schöne Referenz an die ursprüngliche MB-Hörspielserie einfallen lassen. Ansonsten bleibt dieser Handlungsfaden leider recht unergiebig: Sicherlich tun Menschen die seltsamsten Dinge aus den unerfindlichsten Gründen, doch was Alba Bravo als Motivation für ihren Seitenwechsel anführt, ist ungefähr so überzeugend wie ein US-Soldat aus Las Vegas, der auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges in die UdSSR desertiert und hinterher zur Begründung angibt, man habe ihn damit geködert, in Nowosibirsk gäbe es so tolle Nachtclubs. Wo Alba politisch und hinsichtlich ihres Verhältnisses zu Wilhelm Eckmann wirklich steht, bleibt einigermaßen diffus. Ihr Lover dagregen handelt zwar kurzsichtig aber gutherzig und kann sich, sollte er wegen Fahnenflucht im Krieg hingerichtet werden, wenigstens mit Fug und Recht auf den Grabstein schreiben lassen: Die Frauen waren sein Untergang. Richtig Schwung in die Sache bringen dann erst die Kommissare Cohen 6 und Cohen 3 – zwei von insgesamt sechs telepathisch begabten Brüdern im Dienste der VOR. Die Cohen-Brüder [sic] stehen dann auch im Zentrum, wenn sich die beiden Handlungsstränge von Mark Brandis – Raumkadett Folge 10: Zwischen den Fronten vereinen. Dies geschieht recht abrupt, ergibt aber eine weitere richtig dramatische Szene, in der wieder einmal deutlich wird, zu welchen unmenschlichen Mitteln die Kriegsparteien zu greifen bereit sind. In den letzten Minuten dann deuten sich noch Entwicklungen an, die in der Zukunft von maßgeblicher Bedeutung sein könnten. Das neue Abenteuer des Raumkadetten Mark Brandis findet auf diese Weise einen passenden, wenngleich knapp gehaltenen Abschluss.

Als absolut verlässliche Konstanten erweisen sich auch in Folge 10 dieser Serie die hochwertige Leistung der Besetzung und das Sounddesign von Jochim-C. Redeker. So sind Daniel Claus, Sebastian Fitzner, Sebastian Kluckert und Friedel Morgenstern sind als Mark Brandis, Robert Monnier, Alec Delaney und Annika Melnikova wieder mit von der Partie und haben ihre Rollen absolut im Griff. Als Lt. Eckmann hat Wanja Gerick dieses Mal richtig viel zu tun, und Manja Doering nimmt ihre Rolle als Alba Bravo wieder auf. In wiederkehrenden Rollen sind zudem Leon Boden (Maj. Richard Westhoff) und Tilmar Kuhn (Maj. Leonard R. West) zu hören. Erstmals ist Dirc Simpson dabei, der die Cohen-Brüder verkörpert. Alle Sprecherinnen und Sprecher sind in richtig guter Form und überzeugen durch ihr lebendiges Spiel. Verzichten muss man übrigens dieses Mal allerdings auf Michael Lott als Erzähler. Voller Energie steckt auch der von Jochim-C. Redeker gestaltete Klangraum, der eine tolle Atmosphäre schafft durch Räumlichkeit und viele kleine Details. Und egal, ob nun Action und Dramatik angesagt sind oder die eher ruhigeren Momente: Jederzeit stehen die Soundeffekte zusammen mit Redekers orchestralem Soundtrack sogleich Gewehr bei Fuß, um für das richtige Kopfkino zu sorgen. Für die richtige Einstimmung auf das neue Raumkadett-Abenteuer sorgt das Cover von Alexander Preuss.

Interplanar ist mit Mark Brandis – Raumkadett Folge 10: Zwischen den Fronten eine Produktion gelungen, dessen Mix aus Space Opera, Agentengeschichte und „Guys on a mission“-Motiven für spannende und kurzweilige 62 Minuten Hörspielunterhaltung sorgt. Dass der Handlungsstrang um die Raumkadetten dabei attraktiver ist als der, in dessen Zentrum Eckmann und Alba stehen, tut der Sache unterm Stich keinen Abbruch, denn immerhin heißt die Serie Mark Brandis – Raumkadett und nicht Wilhelm Eckmann – Ausbilder der Raumkadetten. So oder so ist es positiv zu bewerten, dass dem Leutnant einmal deutlich mehr Raum als sonst zugestanden und der Faden um Alba Bravo nun wieder aufgegriffen und fortgeführt wird. Denn nicht nur wird die Serie dadurch inhaltlich verdichtet, solche Rückbezüge/Wiederanknüpfungen belohnen die Stammhörer auch immer für ihre Loyalität. Ihrem Charakter als Prequel treu bleibend, zeichnet die Serie mit Folge 10 die Entwicklung der Persönlichkeit des Protagonisten weiterhin gekonnt nach, bleibt damit konzeptionell genau in der richtigen Spur und empfiehlt sich auf diese Weise bereits jetzt schon für Folge 11, die mit dem Titel Das Jupitel-Risiko im Januar 2017 veröffentlicht werden soll. Als Mark-Brandis-Fan darf man sich jetzt schon darauf freuen.



Mark Brandis – Raumkadett Folge 10: Zwischen den Fronten ist ein Hörspiel von Interplanar für Folgenreich/Universal Music Family Entertainment. Seit dem 21. Oktober 2016 ist es im Handel erhältlich.



Hörspielrezension: «Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt» (Maritim)


Nach einem strapaziösen Ausflug zum Südpol in Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx geht es für Phileas Fogg, seine Frau Aouda und den Diener Passepartout wieder zurück Richtung Heimat. Zwischenstopp machen sie an Kap Horn. Doch selbst in diesem entlegenen Teil der Welt warten neue Abenteuer auf das Trio, denn bekanntlich ist das Böse immer und überall. Das neue Hörspiel Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt aus dem Hause Maritim ist mit einer Laufzeit von ca. 66 Minuten seit dem 7. Oktober 2016 im Handel.

Auf ihrer Reise über die Meere werden Phileas Fogg und seine Gefährten an einem einsam gelegenen Leuchtturm auf einer Insel vor der argentinischen Küste abgesetzt. Schnell wird deutlich, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und dass jemand ein falsches Spiel betreibt. Was haben beispielsweise die unheimlichen Leuchtfeuer unten in der Bucht zu bedeuten? Sind sie das Werk einer berüchtigten Piratenbande? Fogg wird klar, dass er einen harten Kampf ausfechten muss, um das Licht am Ende der Welt zu verteidigen. Es kommt zu einer schicksalhaften Begegnung mit alten und neuen Widersachern, die sich Foggs Tod auf ihre Totenkopf-Fahnen geschrieben haben. (Ankündigungstext)

Gerade einmal sechs Folgen oder anderthalb Staffeln ist Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg alt. Bedenkt man das große erzählerische Potential der Verne'schen Romane, an die sich die Hörspiele anlehnen, und die kreative Entscheidung der Macher, auch bekannte literarische Figuren anderer berühmter Schriftsteller die Wege von Phileas Fogg kreuzen zu lassen, dann wäre es höchst verwunderlich, wenn die Serie zu diesem frühen Zeitpunkt bereits erste Abnutzungsspuren zeigen würde. Und doch tut sie es, da sie jetzt schon damit beginnt, sich selbst zu zitieren. Streckenweise wähnt man sich in einem Remake von Folge 4: Der Elefant aus Stahl, wenn der Bösewicht (dieses Mal ist es Frankenstein, seinerzeit war es Robur) stolz sein Geheimversteck vorführt oder eine große Schlacht tobt, die für Fogg und Gefolge ungut auszugehen droht. Jedenfalls solange, bis abermals ein gewisser U-Boot-Kapitän sich wie ein Deus Maris aus den Fluten erhebt, um den Protagonisten wieder einmal das Hinterteil zu retten. Gut möglich, dass Marc Freund den von Markus Topf geschriebenen Plot von Folge 4 nicht kannte, als er seine Story für Folge 6 entwarf. Doch die Produzenten kannten sie und hätten den Autor dezent auf die Parallelen hinweisen können. Vielleicht waren sie ihnen aber auch nicht so wichtig, da die Verantwortlichen sich dem ungehemmten Eskapismus nicht in den Weg stellen wollten. Was Marc Freund dieses Mal (Folge 5 stammte auch schon von ihm) anzubieten hat, ist ein schmissiges Abenteuerhörspiel mit ordentlich Retro-Charme, das sich mit Inbrunst im Stile des Hollywood-Mainstreams dem Diktat des Unterhaltungswerts unterwirft. Anders ausgedrückt: Man sollte nicht den Fehler machen, die Story zu hinterfragen. Tut man es doch, stolpert man zwangsläufig über seltsame Zufälle, einige Ungereimtheiten und Vorhersehbares, mit dem zusammen mit jeder Menge Action die Handlung am Laufen gehalten wird. Dessen ungeachtet kann man dem Hörspiel allerdings mit gutem Gewissen das Attest ausstellen, die ca. 66 Minuten Spielzeit hindurch - die richtige Einstellung einmal vorausgesetzt - richtig Spaß zu machen. Sascha Draeger überzeugt erneut als viktorianischer James Bond in privater Mission, während man Dietmar Wunder (ironischerweise die Synchronstimme von Daniel Craig) seine Verkörperung des Mad Scientist Frankenstein problemlos abnimmt. Annina Braunmiller und Marius Clarén fühlen sich in ihren Rollen als Aouda Fogg und Passepartout hörbar wohl, wenngleich die Charaktere dieses Mal über den Status von Stichwortgebern nicht hinauskommen. Freuen darf man sich über ein Wiederhören mit K. Dieter Klebsch als Kapitän Nemo; und Christian Brückner, der als Jules Verne durch die Handlung führt, ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Der ansprechende akustische Rahmen von Studio WinterZeit sorgt zusammen mit einem zupackenden Soundtrack für die richtige Atmosphäre, für die richtige Einstimmung auf das neue Abenteuer von Phileas Fogg das gelungene Cover von Mark Freier.

Da neben Frankenstein sich zudem Figuren aus Stevensons Die Schatzinsel in Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt ein Stelldichein geben, hat das Ganze mit Jules Verne zwar nur noch ungefähr so viel zu tun wie ein aktueller BMW der 7er-Reihe mit einer Isetta, doch das tut dem Fun-Faktor keinen Abbruch. In diesem poppigen Serienkosmos haben sie eben alle ihren Platz: Phileas Fogg und Viktor Frankenstein, Doktor Jekyll und Long John Silver. Was das Grundkonzept der Serie angeht, so erweist es sich auch nach sechs Folgen weiterhin als tragfähig und hat nichts von seinen Reiz eingebüßt. Gleichwohl ist das den einzelnen Folgen bzw. den Staffeln zugrundeliegende Schema für das Publikum inzwischen recht deutlich erkennbar und Motive beginnen sich zu wiederholen. Unterm Strich bereitet die gewählte Formel wie zuvor den Boden für ein eingängiges, kurzweiliges Hörerlebnis, das von einer attraktiven Sprecherleistung, dem schön gestalteten Klangraum und einem anständigem Erzähltempo lebt. Über den Unterhaltungswert hinaus besondere Akzente zu setzen, hat sie hingegen weniger im Sinn.



Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt ist eine Produktion von Maritim. Seit dem 7. Oktober 2016 ist sie im Handel erhältlich.


In eigener Sache: Urlaub!


Liebe Leser und Freunde von Watchman's Science-Fiction Blog!

Die nächsten zwei Wochen werdet Ihr wahrscheinlich nur sehr wenig von mir hören, denn Euer Watchman befindet sich ab heute im wohlverdienten Urlaub. Ab dem 17. Oktober 2016 geht es dann hier an dieser Stelle mit frischer Energie in Sachen Science-Fiction weiter. 


Bis dahin viele Grüße und bleibt mir gewogen,

Euer Watchman



Was auf die Ohren: SF-Hörspiele im Monat Oktober 2016

Der Herbst steht vor der Tür, die Tage werden kürzer. Eine gute Gelegenheit, es sich mit einem guten Hörspiel zu Hause gemütlich zu machen. Nachfolgend ein erster Blick darauf, was der Oktober für den geneigten Genre-Fan so parat hält.


Auf die Freunde von Abenteuer-SF im viktorianischen Gewand wartet ab dem 7. Oktober das Hörspiel Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt aus dem Hause Maritim.

Auf ihrer Reise über die Meere werden Phileas Fogg und seine Gefährten an einem einsam gelegenen Leuchtturm auf einer Insel vor der argentinischen Küste abgesetzt. Schnell wird deutlich, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und dass jemand ein falsches Spiel betreibt. Was haben beispielsweise die unheimlichen Leuchtfeuer unten in der Bucht zu bedeuten? Sind sie das Werk einer berüchtigten Piratenbande? Fogg wird klar, dass er einen harten Kampf ausfechten muss, um das Licht am Ende der Welt zu verteidigen. Es kommt zu einer schicksalhaften Begegnung mit alten und neuen Widersachern, die sich Foggs Tod auf ihre Totenkopf-Fahnen geschrieben haben. (Ankündigungstext)

Nach Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx (meine Rezension) ist es auch dieses Mal wieder Autor Marc Freund, der Phileas Fogg (gesprochen von Sasha Draeger), dessen Frau Aouda (Annina Braunmiller) und den Diener Passepartout (Marius Clarén) in dieser Produktion von WinterZeit Studios auf Reisen schickt.


Von den Ozeanen unser Welt hinaus ins All: Hinter den Linien war der junge Mark Brandis schon (Folge 4), und auch im Mondschatten befand er sich bereits (Folge 8). Zuletzt reiste er in Folge 9 zur Endstation Pallas. Doch ab dem 21. Oktober 2016 kommt es für den Raumkadetten in Folge 10 knüppeldick, denn Folgenreich und Interplan schicken ihn dorthin, wo man nun wirklich nicht sein möchte: nämlich Zwischen den Fronten.

Gerüchte um eine geplante Eroberung der Republikenkolonie auf dem Mars verdichten sich. Mark Brandis, Alec Delaney, Annika Melnikova und Rob Monnier sind seit Monaten auf Einsätzen in den Krisen- und Kriegsgebieten. Während einer Pause erfahren die Freunde, dass ausgerechnet ihr ansonsten tadelloser und überkorrekter Ausbilder Lt. Eckmann, der bereits seit Monaten ungewöhnlich reizbar und verschlossen gewirkt hatte, spurlos verschwunden ist. Er wird wegen Fahnenflucht gesucht und soll vors Kriegsgericht gestellt werden. Mark hingegen ahnt den wahren Grund seines Verschwindens: Er vermutet, Lt. Eckmann sucht seine offiziell für tot erklärte Ex-Geliebte Alba Bravo in der Republikenkolonie auf dem Mars, um sie zurückzugewinnen. Gemeinsam mit Annika, Alex und Rob begibt sich Mark auf eine riskante Exkursion in feindliches Gebiet, um Lt. Eckmann vor dieser gefährliche Dummheit abzuhalten. In der Zwischenzeit erreicht Eckmann mit Hilfe eines späteren Wegbegleiter und guten Freund Mark Brandis‘ die Weltraumstation „Lagrange V“ und nimmt tatsächlich Kontakt mit Alba Bravo auf, doch beide ahnen nicht, dass sie von einem chinesischen Kommissar überwacht wird…

Mark Brandis – Raumkadett Folge 10: Zwischen den Fronten wartet mit der Stammbesetzung aus Daniel Claus (Mark Brandis), Sebastian Fitzner (Robert Monnier), Sebastian Kluckert (Alec Delaney) und Friedel Morgenstern (Annika Melnikova) auf; Wanja Gerick und Leon Boden sind ihren wiederkehrenden Rollen als Lt. Wilhelm Eckmann bzw. Maj. Richard Westhoff abermals mit von der Partie. Als Alba Bravo wird erneut von Manja Doering verkörpert, während Martin Wehrmann mit Iwan Stroganow jene Rolle wieder aufnimmt, die er bereits in der Originalserie Mark Brandis über Jahre gespielt hatte. Fang Yu, Dagmar Bittner, Artur Weimann, Tilmar Kuhn, Georg Matthias, Jennifer Bischof und Dirc Simpson runden den Cast ab.

Hier ist eine Hörprobe zum kommenden Hörspiel:



Das Skript für Folge 10: Zwischen den Fronten stammt wie gehabt von Balthasar v. Weymarn, Sounddesign und Musik besorgte Jochim-C. Redeker, für das Cover war Alexander Preuss zuständig. Die Laufzeit des Hörspiels gibt Folgenreich mit ca. 62 Minuten an. In den Handel kommt das neue Abenteuer von Mark Brandis – Raumkadett am 21. Oktober 2016.



Am 25.11.2016 erscheint zudem die zweite Hörspielbox zu Mark Brandis – Raumkadett mit dem Titel Über Grenzen. Enthalten sind die Folgen 4 bis 6 der Serie (Hinter den Linien, Der Aladin-Schachzug, Woran Du glaubst), womit die erste Raumkadett-Staffel dann komplett in Box-Sets vorliegt. Wer bislang noch nicht dazu gekommen war, in die Serie einzusteigen, dem bieten die beiden Boxen (die erste heißt Neue Welten) dazu eine preiswerte Möglichkeit.


Ebenfalls am 21. Oktober erscheint mit Heliosphere 2265 – Folge 7: Die Opfer der Entscheidung noch eine weitere Interplanar-Produktion. Dieses Mal jedoch für Greenlight Press, wo auch die gleichnamige Romanvorlage von Andreas Suchanek erscheint.

Der Ankündigungstext verrät:

Noch nie war die Situation so aussichtslos. Die Parlieden machen weiterhin Jagd auf die Hyerion, um sich für den Anschlag auf ihre Heimatwelt zu rächen, und das Schiff kann nicht entkommen. An Bord herrscht unterdessen Chaos: Loyalisten des neuen Regimes kämpfen gegen die Rebellen. Captain Cross muss akzeptieren, dass seine Entscheidung weitreichende Konsequenzen hat und Opfer kosten wird.

Ab Folge 7 bekommt der Sprechercast von Heliosphere 2265 hochkarätige Verstärkung: Maria Koschny, bekannt unter anderem als Stimme von Jennifer Lawrence (Katniss Everdeen in den Die Tribute von Panem-Filmen), wird Kristen "Kirby" Belflair ihre Stimme leihen. Der Auftritt in dieser wichtigen Rolle ist bereits der zweite innerhalb der Serie. So hatte Koschny zuvor bereits Paramedic Syra Pembleton verkörpert.

Eine Hörprobe ist zwar noch nicht online, wird im Vorfeld der Veröffentlichung aber noch erscheinen.



Soviel für den Moment. Bei Bedarf werde ich den Ausblick natürlich noch aktualisieren. Der Oktober hat aber auch so durchaus etwas für die Anhänger Hörspiel-Science-Fiction bieten. Und ich werde darum auch wieder einiges zu rezensieren haben. Soll mir nur allzu recht sein.

Hörspielrezension: «Alien - In den Schatten» (Audible Studios)


Mit seinen Eigenproduktionen hat sich Audible inzwischen als feste Größe im deutschen Hörspielmarkt etablieren können. Nach der Vertonung von Orson Scott Cards Roman Ender's Game im Jahre 2013 widmet man sich nun mit Alien – In den Schatten abermals dem Science-Fiction-Genre. Das Hörspiel basiert auf dem gleichnamigen Roman von Tim Lebbon, hat eine Spielzeit von ca. viereinhalb Stunden und ist seit dem 22. September 2016 erhältlich.

Wenn man Audibles Worten Glauben schenken darf, dann wurde Tim Lebbon, dessen Name inzwischen auf gleich mehreren Dutzend Romanen prangt, bereits viermal mit dem British Fantasy Award und einmal mit dem Bram Stoker Award ausgezeichnet. Ein erfahrener und zugleich erfolgreicher Autor ist er also zweifelsohne. Doch auch solchen Menschen verweigert die Muse gelegentlich ihren Kuss, und bei Lebbon war dies offensichtlich während des Schreibens von Alien – In den Schatten (org.: Alien: Out of the Shadows) der Fall. Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollte man als Alien-Fan daher nicht mit der Erwartung bzw. Hoffnung dieses Hörspiel herangehen, Lebbon könnte es gelungen sein, der Thematik neue Facetten abzugewinnen. Denn genau das Gegenteil ist der Fall. Lebbon ist für seine zwischen den ersten beiden Alien-Filmen verortete Geschichte nämlich nichts anderes eingefallen, als sie als eine Art "Best of" von Alien und Aliens - Die Rückkehr zu konzipieren: Statt auf der Nostromo spielen weite Teile der Handlung dieses Mal auf dem Raumfrachter Marion, der im Orbit um den den Planeten LV178 kreist, auf dem sich eine Minenkolonie befindet, von wo aus mit einem Shuttle mehrere Aliens auf die Marion eingeschleppt werden. Doch nicht nur mit den Xenomorphen an Bord des Raumschiffs bekommt es dessen Crew zu tun, sie muss sich auch denen auf LV178 stellen: Da die Marion aufgrund eines Unglücks in absehbarer Zeit in der Atmosphäre des Planeten verglühen wird, ist die Mannschaft um den Chefmechaniker Hooper gezwungen, sich zu Minenkolonie – also quasi in die Höhle des Löwen – zu begeben, um dringend benötigte Ersatzteile zu beschaffen, die man braucht, um noch rechtzeitig ein Rettungsshuttle flott zu bekommen. Unerwartete Hilfe in ihrem Überlebenskampf bekommt die Besatzung der Marion durch Ellen Ripley, deren Fluchtkapsel auf mysteriöse Weise zum Standort der Marion umgeleitet wurde....

Wenngleich Alien – In den Schatten in Sachen Originalität nicht gerade punkten kann, so besitzt die Geschichte dennoch eine ordentliche Portion Unterhaltungswert, da Lebbon ausreichend Spannung aufbaut und es auch an Action nicht gerade mangeln lässt. Er findet einen geeigneten Weg, um Ripley in die Story zu integrieren und am Ende den Plot so aufzulösen, dass er sich anständig in die Alien-Timeline einfügt. Aus den gleichen Gründen versteht auch die seit dem 22 September 2016 erhältliche Hörspielfassung des Romans zu unterhalten. Produziert wurde sie im Auftrag der Audible Studios vom Berliner Studio Xberg im sogenannten Film-Synchron-Modus: Die englischen Dialoge wurden gegen deutsche ausgetauscht, das Sounddesign der vom Briten Dirk Maggs produzierten und geschriebenen originalen Version sowie der Score von James Hannigan blieben vollumfänglich erhalten. Als Konsequenz daraus besitzen beide Fassungen des Hörspiels die gleiche Laufzeit, obwohl die englische Sprache bekanntermaßen deutlich kompakter ist als die deutsche. Die Regie wurde Hauke Hilberg übertragen, der mit dieser Produktion seinen Einstand im Hörspielbereich gibt, nachdem er bislang als Regisseur von Werbespots tätig war. Hilberg leistet saubere Arbeit, wobei er sich auf die Erfahrung gestandener Sprecherinnen und Sprecher wie Dietmar Wunder (Chris Hooper), Karin Buchholz (Ellen Ripley), Bernd Vollbrecht (Ash), Anke Reitzenstein (Kasyanov), Roman Kretschmer (Lachance), Ann Vielhaben (Sneddon), Konrad Bösherz (Baxter) u.a. verlassen kann. Der qualitativ hochwertigen Besetzung gelingt es spielend, die Figuren vor dem inneren Auge des Zuhörers zum Leben zu erwecken, zumal man mit Karin Buchholz die Synchonstimme von Sigourney Weaver aus Alien – Die Wiedergeburt aufbietet. In den Alien-Filmen, zwischen denen sich Alien – In den Schatten einpasst, war zwar Hallgard Bruckhaus die Stimme von Ellen Ripley (und auch in Alien 3 war sie es noch), doch das tut der Sache keinen Abbruch – das Alien-Feeling stellt sich definitiv ein, woran natürlich vor allem Klangkulisse entscheidenden Anteil hat, welche die Atmosphäre der Filme sehr schön einfängt und zu diesem Zweck auch Soundeffekte aus den Streifen übernimmt. Die Musik von James Hannigan hält sich dagegen dezent im Hintergrund und setzt darum keine besonderen Akzente.

Audible gefällt sich darin, auf seine Eigenproduktionen Begriffe anzuwenden, die mitunter verwirrend oder nicht zielführend sind. So spricht man gerne von "ungekürzten Hörspielen", obwohl alternativ gar keine gekürzte Fassung angeboten wird und bei einer Bearbeitung als Hörspiel naturgemäß jede Menge Text entfällt, der in der Romanvorlage enthalten ist – man denke nur an die ganzen Beschreibungen, die im Hörspiel durch Soundeffekte ersetzt und/oder in die Dialoge eingeflochten werden. Alien – In den Schatten bewirbt man nun mit dem Zusatz "die komplette Staffel". Das klingt gewichtig. Und tatsächlich existiert die Möglichkeit, dieses Hörspiel in 10 Teilen mit jeweils ca. 30 Minuten Laufzeit zu erwerben. Doch wer sich für jene Option entscheidet, wählt zugleich den teuerste Möglichkeit, an dieses Hörspiel zu gelangen: Die zehn Einzelkäufe (ohne Abo) summieren sich nämlich auf 29,50 Euro, während für das Gesamtpaket mit 20 Tracks (plus einer PDF-Datei) ohne Abo 19,95 Euro fällig werden. Für Abonnenten fällt die Preisdifferenz sogar noch krasser aus: 27,50 Euro für die 10 einzelnen Kapitel stehen 9,95 Euro bei Komplettkauf gegenüber. Aber für welche Kauf-Variante man sich auch entscheidet, stets erhält man die viereinhalb Stunden lange Adaption des Alien-Romans von Tim Lebbon. Ende. Aus. Wollte man die Produktion also unbedingt mit einem Zusatz versehen, dann wäre "Der Roman als Hörspiel" der treffende. Wo ist das Problem?

An insgesamt drei Romanen, die alle zum offiziellen Alien-Kanon gezählt werden, hat Audible die Vertonungsrechte erworben. Und mit Alien – In den Schatten wurde nun auch in Deutschland der Startschuss zu dieser Trilogie gegeben. Der Eindruck, den diese Produktion hinterlässt, ist dabei recht ambivalent, denn einer überaus konventionellen Geschichte, die anstelle des Beschreitens eigener Wege lieber ehrfürchtig Alien und Aliens – Die Rückkehr zitiert, steht eine akustische Umsetzung gegenüber, die von überzeugenden Sprecherleistungen und einer stimmungsvollen Geräuschkulisse gekennzeichnet ist. Dass es in der Endabrechnung nach einigem Abwägen dann doch zu einer Empfehlung reicht, verdankt Alien – In den Schatten dem Umstand, dass der Gehalt an Spannung und Action groß genug ist, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Doch man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass inhaltlich deutlich mehr drin gewesen wäre. Hoffentlich kann sich die nächste Adaption in dieser Hinsicht steigern.



Alien – In den Schatten ist eine Produktion des Hörspielstudios Xberg im Auftrag von Audible Studios. Seit dem 22. September 2016 ist es als Download erhältlich.


Lesetipp: Verzeichnis meiner Hörspielrezensionen


Cover: Copyright Audible

Buchbesprechung: «Invasion der Zukunft - Die Welten der Science-Fiction» von Hans-Peter von Peschke (Theiss Verlag)


Die Science-Fiction gehört zu den vielseitigsten Genres überhaupt. In der Tat nennt sie so viele unterschiedliche Ausprägungen ihr Eigen, dass es gar nicht so einfach ist, den Überblick zu behalten oder - sofern man neu in die SF einsteigt - ihn überhaupt erst zu bekommen. Hans-Peter von Peschke, von Haus aus promovierter Historiker, Publizist, Journalist und zudem langjähriger bekennender Science-Fiction-Fan, möchte da Hilfestellung leisten. Sein neues Buch trägt den Titel Invasion der Zukunft – Die Welten der Science-Fiction und ist mit einem Umfang von 320 Seiten am 12. September 2016 beim Theiss Verlag, einem Imprint der WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), erschienen.

Science-Fiction zeigt die Zukunft in kühnen technischen Visionen von gigantischen Städten, in denen Raumschiffe herumflitzen und Roboter weisen Herrschern jeden Wunsch erfüllen. Ebenso bedient sie existenzielle Alpträume von der totalen Kontrolle, der Allmacht der Computer und dem Leben nach dem Atomkrieg. Willkommen in der Welt von ›Star Wars‹, ›X-Men‹, ›Dune‹ und ›Perry Rhodan‹! Dieses Buch bietet einen konkurrenzlos umfassenden Überblick zu allen Bearbeitungen des Genres in Literatur, Comic, Film, TV und Computerspiel. Pointiert geschrieben, klar gegliedert und amüsant zu lesen, nimmt es uns mit auf eine intergalaktische Zeit-Reise und verrät noch obendrein, was Zukunftsträume über unsere Gegenwart sagen. (Inhaltsbeschreibung auf der Verlagswebsite)

Es gibt unterm Strich zwei Strategien, wie man das Projekt einer Überblicksdarstellung zum Thema Science-Fiction angehen kann: Entweder, man arbeitet nacheinander die maßgeblichen Medien Literatur, Film, Fernsehen etc. ab, oder man stellt die zentralen Themen und Motivkreise des Genres in den Mittelpunkt der Betrachtung. Hans-Peter von Peschke hat sich für letztere Vorgehensweise entschieden. Eine gute Wahl, denn so kann er sich in seinem Buch auf ausgewählte Werke der vorgenannten Medien beziehen und geht gleichzeitig dem Vorwurf mangelnder Vollständigkeit direkt aus dem Weg. Deutet bereits die Einleitung, in der einen der Autor auf eine Zeitreise mitnimmt, die große inhaltliche Vielfalt der Science-Fiction an, so offenbart sie sich dem Leser in den sich anschließenden 10 Kapiteln dann vollends. Die thematische Bandbreite reicht dabei von Utopie und Dystopie, über Technoträume und Katastrophenszenarien, bis hin zu Alternativwelten und der Eroberung des Weltalls; dem deutschen SF-Urgestein Perry Rhodan widmet von Peschke sogar ein eigenes Kapitel. Jedes Kapitel gliedert sich wiederum in mehrere Unterpunkte, so dass innerhalb des jeweiligen Themenfelds relevante Motivkreise oder auch besonders einflussreiche TV-Serien bzw. Filmreihen behandelt werden können. Abgerundet werden die Kapitel durch kurze Exkurse, genannt SF-Spezial, die graphisch vom übrigen Text abgegrenzt sind. Da die einzelnen Kapitel vom Autor als in sich abgeschlossene Einheiten angelegt wurden, stellt die Reihenfolge, in der sie Eingang ins Buch fanden, lediglich einen Lesevorschlag dar. Wer mag, kann entsprechend den eigenen Präferenzen problemlos von ihr abweichen und einem individuellen Pfand durch die Welten der Science-Fiction folgen. Am Schluss des Buches listet eine Bibliographie neben Sekundärliteratur zudem die im Text genannten Romane, Serien, Filme und Computerspiele auf.

Von Peschke ist ein profunder Kenner der Materie, daran besteht nach der Lektüre seines Buches kein Zweifel. Einem Schubladendenken, das die SF in das Korsett einer in Stein gemeißelten Genredefinition zwängt, erteilt er bereits im Vorwort eine Absage. Vielmehr wendet er eine breit angelegte Definition an, die sich mehr an der Wahrnehmung der SF durch das Publikum orientiert. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass er u.a. der Zombie-Thematik, die sich der SF zumeist lediglich als Hilfsmittel zur Begründung für den Ausbruch einer Untoten-Epidemie bedient, in seinem Buch Raum einräumt. Persönlich scheint von Peschke hingegen einer übermäßig starken Vermischung der Science-Fiction mit anderen Genres (wie beispielsweise der Fantasy) nur bedingt etwas abgewinnen zu können, wie er zwischen den Zeilen immer wieder durchscheinen lässt. Von Dogmatismus ist er zwar weit entfernt, doch es gibt für ihn offenbar Grenzen des Zulässigen. Eine überaus gesunde Einstellung, die Flexibilität und gleichzeitig ein Bekenntnis zu den Grundlagen des Genres miteinander in Einklang bringt.

Invasion der Zukunft – Die Welten der Science-Fiction wendet sich in erster Linie an Neueinsteiger oder gelegentliche SF-Konsumenten, weiß durch einen pointierten, kurzweiligen Stil jedoch auch langjährige Science-Fiction-Fans zu unterhalten. Als Historiker versteht es von Peschke anschaulich herauszuarbeiten, wie sich im Laufe der Jahrzehnte unter dem Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen Schwerpunkte und Fragestellungen innerhalb der SF verändert haben, wie das Genre Zukunftsglauben und Ängste aufgegriffen und reflektiert hat, um seinerseits zu inspirieren, aber auch vor zukünftigen Entwicklungen zu warnen. Dieser Wechselwirkung verdankt die Science-Fiction ihre ungebrochene Populariät, und der erklärte SF-Fan von Peschke erweist ihr und ihren zahlreichen Spielarten mit einem Buch die gebührende Reverenz. Gleichwohl zeigt er dabei auch Schattenseiten auf, wenn er beispielsweise den Einfluss rechten Gedankenguts auf die Military-SF thematisiert oder die starke männliche Dominanz im Genre bemängelt. Und auch für das deutsche SF-Fandom der alten Schule mit seiner Neigung, sich in kleinliche Grabenkämpfe zu verstricken, hat von Peschke Kritik übrig. Sein Ausblick auf die Zukunft der Science-Fiction bleibt dessen ungeachtet positiv: Das Genre mit seiner Mischung aus auf schlichte Unterhaltung abzielende Produktionen und jene, die zum Nachdenken über zukünftige technische und gesellschaftliche/politische Entwicklungen anregen, wird auch auf lange Sicht Bestand haben und dem Publikum spannende und anregende Gedankenspiele anbieten.

Wollte man an Invasion der Zukunft – Die Welten der Science-Fiction etwas bemängeln, dann wären dies zwei Dinge: Einmal wäre da der Umstand zu nennen, dass das Buch ohne jegliche Illustrationen daherkommt. Zwar ließe ich argumentieren, im Internetzeitalter könne sich der Leser Bildmaterial bei Interesse problemlos selbst verschaffen, doch zur Auflockerung des Textes und gerade weil sich dieses Werk nicht zuletzt auch an SF-Neulinge richtet, hätte es sich angeboten, zumindest im überschaubaren Rahmen Fotos einzubinden. Kleine Abzüge bekommt zudem der Anhang, der zwar aus einer umfangreichen Bibliographie besteht, aber kein Register kennt: Eine gezielte Suche nach Autoren, Filmen, Serien etc. ist dadurch leider nicht möglich. So etwas gehört zu einem Sachbuch eigentlich dazu.

Dessen ungeachtet wird Invasion der Zukunft – Die Welten der Science-Fiction seinem Selbstanspruch als umfassendes Überblickswerk zum Thema SF trotz des kompakten Umfangs von gerade einmal 320 Seiten tatsächlich gerecht. Neueinsteigern bietet das Buch angesichts der zahlreichen Themen, Strömungen und Motive im Genre wertvolle Orientierungshilfe, Fortgeschrittene können ihre Kenntnisse vertiefen. Und alten Hasen gibt die Lektüre die Gelegenheit, ihr Wissen aufzufrischen sowie etwaige SF-Bildungslücken endlich zu füllen. Hans-Peter von Peschke ist ein ebenso informatives wie unterhaltsames Buch gelungen. Ein Buch, verfasst in einem sympathisch unaufgeregten Ton, das von der ersten Seite an die große Leidenschaft des Autors für die Science-Fiction zum Ausdruck bringt. Invasion der Zukunft – Die Welten der Science-Fiction ist ein wirklich lesenswertes Buch.


Die Fakten:

Titel: Invasion der Zukunft - Die Welten der Science-Fiction
Autor: Hans-Peter von Peschke
Umfang: 320 Seiten
Format: Broschiert (15 x 22 cm)
Erscheinungsjahr: 2016
ISBN: 9783806233575
Preis: € 29,95 (Print), € 23,99 (eBook)