Filmkitik: «Lazer Team» (seit dem 14. April 2017 auf DVD/Blu-ray im Handel)


Nachdem sie jahrzehntelang auf den Seiten unzähliger Comics gegen das Böse in den Kampf gezogen sind, haben die Superhelden in den letzten Jahren mit Wucht auch das Kino und die dank HD gar nicht mehr so flimmernde heimische Flimmerkiste für sich erobert. Ein Trend, der Rooster Teeth, der auch den Machern der Webserie Red vs. Blue natürlich nicht entgangen ist und sie zu ihrer Superhelden-Komödie Lazer Team inspiriert hat, die von Edel:Motion Film am 14. April 2017 auf DVD und Blu-ray in den Handel gebracht wurde.

Um die gesamte Menschheit vor herannahenden Alien-Superschurken zu retten, stellen freundlich gesinnte Außerirdische der Regierung einen Kampfanzug mit Superkräften zur Verfügung. Dieser soll per UFO einem Soldaten zugestellt werden, der von Kindesbeinen an darauf vorbereitet wurde, die Welt vor den Invasoren zu retten. Blöd nur, dass dieses UFO abstürzt und der Superanzug vier völlig unfähigen Losern in die Hände fällt. Zu allem Überfluss bindet sich dieser auch noch genetisch an sie. Jeder von ihnen – mit jeweils einer Superkraft des Anzugs ausgestattet – muss nun in Rekordzeit lernen, seine Fähigkeit im Kampf gegen die angriffslustigen Außerirdischen einzusetzen, möglichst ohne dabei die anderen umzubringen. Leichter gesagt, als getan. Das Schicksal der Menschheit in den Händen dieses undisziplinierten, planlosen und talentfreien Haufens? Klingt schrecklich… schrecklich lustig!

Für Lazer Team haben sich die Rooster Teeth-Mitglieder vor der Kamera Unterstützung von bekannten Schauspielern wie Alan Ritchson (Die Tribute von Panem, Black Mirror, Hawaii Five-0), Johnny Walter (The Originals, Butcher Boy) oder Steve Shearer (Du gehst nicht allein, Dark Places) ins Boot geholt. Und der Titelsong stammt von den Barenaked Ladies, die auch schon den Titelsong zu The Big Bang Theory beisteuerten. Bekannte Namen also, mit denen dieser kurzweilige Film rund um eine Truppe unfreiwilliger Helden neben Action und einer mächtigen Portion Jokes punkten kann. Humor ist natürlich immer Geschmackssache und nicht jeder Gag zündet, doch bleibt Lazer Team über seine ca. 99 Minuten Laufzeit stets unterhaltsam, weil der Streifen gekonnt mit den Klischees des Superhelden-Genres spielt. So erinnert der eigentlich als Retter der Menschheit auserkorene blonde Hüne nicht von ungefähr an Captain America, während der von den Außerirdischen zur Erde geschickte Superanzug von Design her so anmutet, als wäre er von Tonby Stark aka Iron Man konstruiert worden. Und natürlich müssen die Mitglieder des Lazer Teams sich im Stile einer klassischen Superhelden-Origin-Story erst einmal mit den Fähigkeiten des Superanzugs vertraut machen und Differenzen untereinander beilegen, ehe dann der große Showdown mit dem außerirdischen Gegner auf dem Programm steht. Dass dieser dann ausgerechnet in einem Football-Stadion stattfindet ist ein netter Seitenhieb auf die Big-Budget-Superheldenfilme, in denen ja gerne auch mal im Endkampf halbe Städte pulverisiert werden.

Ausgestattet hat Edel:Motion Film den Director's Cut von Lazer Team mit ca. 47 Minuten informativem Bonusmaterial, zu dem unter anderem verpatzte, entfallene und erweiterte Szenen, Einblicke in das Concept Art, das digitale Storyboarding sowie die visuellen Effekte gehören. Eine schöne Ergänzung zu einem kurzweiligen, humorigen Streifen, der die einschlägigen Superheldenfilme zwar gehörig auf die Schippe nimmt, gleichzeitig aber deutlich macht, dass hier Leute ein Genre veralbern, das sie lieben und in dem sie sich entsprechend gut auskennen.


Für wen es in Sachen Superhelden nicht immer nur ernsthaft zugehen muss, wird an Lazer Team sicherlich Gefallen finden. Der Rezensent jedenfalls hatte seinen Spaß.


Lazer Team ist seit dem 14. April 2017 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.


Bilder: © Edel:Motion Film

Hörspielrezension: «Mark Brandis - Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew» (Folgenreich/Interplanar)


Mit Folge 7: Laurin starteten Folgenreich und Interplanar Mitte 2016 in die zweite Staffel von Mark Brandis – Raumkadett. Und nun findet eben jene zweite Runde mit dem Hörspiel Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew ihren dramatischen Abschluss. Ca. 58 Minuten Spielzeit hat die Produktion, die seit dem 28. April 2017 im Handel erhältlich ist.

Mark Brandis‘ wiederholt unter Beweis gestellte außergewöhnliche Fähigkeit, in einer Notsituation blitzschnell Entscheidungen zu treffen, haben seine Vorgesetzten davon überzeugt, dass er bereit für ein erstes eigenes Kommando über ein Raumschiff ist. Damit geben sie ihm den Vorzug vor seinen Kameraden Alec Delaney und Robert Monnier, die sich nun unter Brandis' Befehl wiederfinden. Keine einfache Situation für Brandis, der zudem auch prompt seinen ersten Auftrag erhält: Die "Stella Polaris" unter Colonel Rublew, die sich auf einer Expedition zu einem Asteroiden befindet, soll durch einen Hochgeschwindigkeitstorpedo mit Messgeräten und Ersatzteilen versorgt werden. Doch bevor es dazu kommt, reißt die Verbindung zur "Stella Polaris" ab und eine raumflottenübergreifende Suchaktion wird gestartet. Um sich an der Rettungsaktion zu beteiligen, entscheidet sich Mark gegen die Vorschriften und für die Menschlichkeit, was zu tragischen Ereignissen führt, die auch den erwachsenen Mark Brandis für immer verfolgen werden…

Brandis' erstes Kommando und seine Suche nach Colonel Rublew bilden eines der entscheidenden Kapitel im Leben des von Nikolai v. Michalewski ersonnenen Raumfahrers. Was damals passierte, wurde in Geschichten wie Bordbuch Delta VII, Endstation Pallas, Verrat auf der Venus, Ikarus, Ikarus… oder Die Zeitspule zwar bereits angedeutet, doch nun werden die Ereignisse erstmals in vollem Umfang geschildert. Vor diesem Hintergrund ist Interplanars neuestes Hörspiel mit Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew zweifellos passend betitelt, wobei sich im Hinblick auf die Handlung alternativ auch Sprichwörter wie "Übermut tut selten gut" oder "Der Weg in die Katastrophe ist gepflastert mit guten Vorsätzen" angeboten hätten. Zugegeben, letzteres wäre ein ziemlich langer Folgentitel gewesen, doch fasst diese Redewendung den Plot des Finales der zweiten Raumkadett-Staffel andererseits sehr schön zusammen.

Was die Fans am erwachsenen Mark Brandis besonders schätzen, ist seine Bereitschaft, sich im Namen der Menschlichkeit notfalls über Regeln und Regularien hinwegzusetzen. Und genau dieser Charakterzug ist es auch, der von Balthasar v. Weymarn im Verlauf der ersten beiden Prequel-Staffeln immer weiter entwickelt und herausgearbeitet wurde. Zum Abschluss der zweiten Staffel lässt der Autor den Raumkadetten jedoch auf schmerzvolle Weise die wichtige Lektion lernen, dass eigenmächtiges Handeln ein zweischneidiges Schwert ist: Als Brandis zu Beginn der neuen Folge ohne zu zögern eingreift und dadurch ein Leben rettet, bringt ihm dies einen Orden und sein erstes eigenes Kommando ein; aber als er gegen Ende erneut gegen alle Regeln handelt, der Ausgang dieses Mal jedoch verheerend ist, landet er vor Gericht. Und gäbe es da nicht Menschen, die sich für den Raumkadetten einsetzen, weil sie an Brandis' und sein Potenzial glauben, dann wäre als weiterer alternativer Titel für dieses Hörspiel auch "From Hero to Zero" in Frage gekommen. Obwohl Brandis der Maximalstrafe schlussendlich gerade noch einmal knapp entgeht, so hat er - das macht der Dialog in den letzten Minuten der Folge deutlich - eines endgültig begriffen: Das eigene Leben zu riskieren, ist eine Sache. Das von Menschen, die unter einem dienen, hingegen eine ganz andere. Und selbst ein noch so hehres Ziel, rechtfertigt nicht jeden Preis. Vor allem nicht den ultimativen.

Steht ein Staffelfinale auf dem Programm, ist für die Macher natürlich die Versuchung groß, in erster Linie ein Feuerwerk der Soundeffekte abzubrennen, um noch einmal ein akustisches Ausrufezeichen zu setzen. Erst recht, wenn das Staffelende auch als potenzielles Serienende funktionieren soll. Zwar mangelt es Folge 12: Der Fall Rublew weder an Action noch Dramatik und der Klangraum von Jochim-C. Redeker ist abermals von exzellenter Qualität, doch hat Interplanar der Versuchung insofern widerstanden, als dass man sich auch beim Finale der zweiten Staffel treu bleibt, indem man sich auf die Charaktere fokussiert. Brandis, Delaney und Monnier müssen, da nun einer von ihnen Weisungsbefugnis über die anderen beiden besitzt, ihr Verhältnis untereinander neu ausloten; Brandis mit den Konsequenzen aus seiner neuerlichen Befehlsgewalt ins Reine kommen. Und ein Gespräch mit Rublews Ehefrau lässt Brandis darüber nachdenken, welche Auswirkungen sein Dasein als Raumfahrer wohl auf sein zukünftiges Beziehungsleben haben wird. Jede Menge Material also für schlanke 58 Minuten Laufzeit, doch die Folge wirkt niemals überladen oder die Themen überhastet abgehandelt. Im Gegenteil wird allen Aspekten der Handlung der nötige Raum zugestanden; die Balance aus Character Drama und Action stimmt; der konsequent gespannte Spannungsbogen findet einen überzeugenden Abschluss. Und auch nach einem Dutzend Folgen bleibt der von Daniel Claus angeführte Cast eine absolut sichere Bank.

Mit Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew legen Folgenreich und Interplanar den würdigen Abschluss einer für den Raumkadetten (und die Hörer) sehr ereignisreichen zweiten Staffel vor. Einer Staffel, in deren Verlauf der Raumkadett in seiner charakterlichen Entwicklung einen weiteren Teil seines Weges hin zum gereiften Mark Brandis aus der Originalserie zurückgelegt hat. Ganz ist er aber noch nicht da, weshalb auch nach Folge 12 noch Raum für weitere Raumkadett-Abenteuer bleibt. Und angesichts des überaus positiven Eindrucks, den sowohl die neue Folge als auch die Serie insgesamt bislang hinterlassen konnte, wäre es wirklich eine Schande, wenn es diese nicht geben würde.



Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew ist ein Hörspiel von Interplanar Produktion für Folgenreich. Seit dem 28. April 2017 ist es im Handel erhältlich. 



Review: «Doctor Who – Der Film» (ab dem 31. März 2017 auf DVD & Blu-ray im Handel)


1989 verordnete die BBC Doctor Who nach 26 Staffeln eine kreative Pause. De facto kam der Schritt zwar einer Absetzung gleich, doch dieses Wort wollten die Verantwortlichen des Senders nach den wütenden Fanprotesten, die sie sich wenige Jahre zuvor mit dem ersten Versuch eingehandelt hatten, die Serie aus dem Programm zu nehmen, dieses Mal nicht in den Mund nehmen. Ein cleverer Schachzug, denn auf diese Weise hielten sich die BBC-Oberen die Whovians ein Stück weit vom Hals, während diese die Hoffnung auf eine Rückkehr des Time Lords nicht aufzugeben brauchten. Und sieben Jahre später kehrte er tatsächlich auf die Bildschirme zurück – als Fernsehfilm mit einem neuen Doctor und als Koproduktion der BBC mit dem amerikanischen Network Fox. Am 31. März 2017 veröffentlicht Pandastorm mit Doctor Who – Der Film das TV-Abenteuer des achten Doktors nun erstmals auf DVD und als Blu-ray.

Der Doktor (Sylvester McCoy) soll die sterblichen Überreste des zum Tode verurteilten Masters (Eric Roberts) auf den Planeten Gallifrey bringen. Doch die Mission scheitert, die Tardis landet auf der Erde des Jahres 1999. Während der Doktor von einer Straßengang niedergeschossen wird, gelingt es dem Master einen anderen Körper zu übernehmen. Im Krankenhaus trifft der Doktor die Ärztin Grace Holloway (Daphne Ashbrook). In seiner neuen Inkarnation (Paul McGann) muss er die Kontrolle über die Tardis zurückgewinnen und seinen Erzfeind von einem teuflischen Plan abhalten. Die Zukunft der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel und die Zeit läuft gegen ihn... (Klappentext)

Bei seiner Ausstrahlung 1996 kam der als als Backdoor-Pilot angelegte Fernsehfilm beim Britischen Publikum sehr gut an. Doch jenseits des großen Teichs war das Echo hingegen deutlich verhaltener, weshalb Fox davon absah, weitere Folgen in Auftrag zu geben. Und ohne die finanzielle Beteiligung der Amerikaner konnte und wollte sich die BBC eine Neuauflage von Doctor Who nicht leisten. Erst neun Jahre später sollte es sie dann schließlich doch geben. Somit ist der Film mit Paul McGann als achtem Doktor allein dem Urteil der Nachwelt unterworfen. Und mit den Augen von heute betrachtet erweist er sich dabei als prototypisch für vieles, das in der New Series mittlerweile zum Standard gehört: Der Film präsentiert einen dynamisch auftretenden, dabei auch zu romantischen Gefühlen fähigen Time Lord, besitzt mit Grace Holloway bereits einen Companion auf Augenhöhe mit dem Doktor, der mehr ist als ein bloßes Anhängsel und wartet mit Sets auf, welche die Weitläufigkeit der TARDIS im Innern endlich visuell erlebbar machen. Nicht zuletzt bewegt er sich im Hinblick auf die CGI-Effekte auf der Höhe seiner Zeit. Die Unterschiede zwischen der klassischen Serie und diesem Film sind groß – und dennoch stellt er sich in die Chronologie der Doctor Who-Mythologie, wenn zunächst Sylvester McCoy als siebter Doktor nach sieben Jahren noch einmal zum Einsatz kommt, um nach einer standesgemäßen Regenerationsszene den Stab an Paul McGann weiterzugeben. Der achte Doktor findet auf der Suche nach Kleidung in einem Spind dann nicht nur einen Schal, der verblüffend an den des vierten Doktors Tom Baker erinnert, sondern auch eine Tüte Jelly Babies. Mit dem Schal kann er zwar nichts anfangen, mit den Süßigkeiten hingegen schon.

Es sind Details wie diese, mit denen der Film die Brücke zur Vergangenheit der Serie schlägt, während er sich in mehrfacher Hinsicht neu ausrichtet, um der Saga um den Time Lord eine neue Zukunft zu ermöglichen. Eine Melange aus Klassik und Moderne ist auch der Gegenspieler des Doktors in diesem Film: Mit dem Master wird zwar ein Feind aufgeboten, der den bestehenden Fans nur allzu gut bekannt ist, doch auch diese Figur wird etwas anders interpretiert als früher und erweist sich als eine echte Herausforderung für den Zeitwanderer, den es am Vorabend der Jahrtausendwende unerwartet nach San Francisco (für die Dreharbeiten gedoubelt von Vancouver) verschlägt. Im Setting und in der ausgedehnten Verfolgungsjagd, in der Master dem auf auf einem Motorrad fliehenden Doktor nachsetzt, wird der amerikanische Einfluss auf diese Produktion deutlich, die sich ansonsten so britisch wie möglich geben möchte. Unterm Strich geht der Mix auf und der Fernsehfilm kommt als spannendes wie unterhaltsames Doctor Who-Abenteuer daher. Die Frischzellenkur des Jahres 1996 hat dem Time Lord sichtbar gut getan und es wäre Paul McGann zu wünschen gewesen, dass auf seinen gelungenen Einstand noch weitere Fernsehfolgen mit ihm als achten Doktor gefolgt wären. Erst 2013 war er noch einmal in der Rolle zu sehen, als sich in einer Mini-Episode, die als zur Einstimmung auf das Special zum 50. Geburtstag der Serie gesendet wurde, der sein achter Doktor zum War Doctor regenerierte.

Dieses Special ist Bestandteil der umfangreichen Zusatzaustattung, mit der Doctor Who – Der Film von Pandastorm aufwartet. Neben dem Film mit ca. 86 Minuten Spielzeit und einem informativen Booklet werden dem Doctor-Who-Fan 297 Minuten an Bonusmaterial geboten – von mehreren Featurettes, welche die Entstehung des Films wie auch das weitere Leben des achten Doktors in den Comics und in Hörspielen eingehend beleuchten, über alternative Takes und Audiokommentare, bis hin zu Infotexten erstreckt sich die Palette an Zugaben. Ein echtes Fan-Paket, das kaum Wünsche offenlassen lassen dürfte.


Nach der Veröffentlichung des Specials Die fünf Doktoren sowie der Staffeln mit dem sechsten und dem siebten Doktor schließt Pandastorm mit Doctor Who – Der Film eine weitere Lücke, indem man nun auch den Auftritt des achten Doktors in Deutschland erstmals auf DVD und Blu-ray zugänglich macht. Und es ist ein reizvolles Kapitel in der Chronologie der Serie, das sich auf jeden Fall zu entdecken lohnt. Somit ist diese Veröffentlichung für bestehende Whovians und jene, die es werden möchten, gleichermaßen empfehlenswert.


Doctor Who – Der Film ist ab dem 31. März 2017 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.


Fotos: © BBC

Hörspielrezension: «Heliosphere 2265 - Folge 8: Getrennte Wege» (Greenlight Press/Interplanar)


Nach einer Pause von fünf Monaten gehen nun mit Heliosphere 2265 – Folge 8: Getrennte Wege die Hörspielabenteuer von Captain Jayden Cross und der Mannschaft des Interlink-Kreuzers Hyperion endlich weiter. 65 Minuten Spielzeit hat das Hörspiel von Greenlight Press und Interplanar, das ab heute im Handel erhältlich ist.

Die Hyperion halb zerstört, die Mannschaft zu Verrätern erklärt und gejagt den perfiden Plänen von Björn Sjöberg hat Captain Cross eine Waffe entgegenzusetzen: das Vertrauen der Mannschaft untereinander. Als unerwartet Rettung eintrifft, senden die neuen Verbündeten zwei Teams auf unterschiedliche Missionen: das eine soll ein Gegenmittel für den Killchip der Executive Controller stehlen, das andere auf der Station Nova einen Verräter für die gute Sache gewinnen. Dass es so klappt wie geplant, steht schon fast in der Missionsbeschreibung. Und so ist Improvisation gefragt... (Klappentext)

Am Ende von Folge 7: Die Opfer der Entscheidung befand sich die Crew der Hyperion in einer äußerst dramatischen Lage: Den feindlichen Parliden gerade noch einmal mit knapper Not entkommen, fanden sich Captain Jayden Cross und Co samt ihrem stark beschädigten Raumschiff im Niemandsland des Weltalls wieder. Und ohne funktionierenden Hyperlink-Antrieb würde eine Rückkehr in vertraute stellare Gefilde nahezu unmöglich sein. Doch in Folge 8: Getrennte Wege hat die leidgeprüfte Mannschaft endlich einmal Glück, als unerwartete Hilfe in Form von Admiral Pendergast und ihres Raumschiffs Torch eintrifft. Doch für Freudenfeste bleibt keine Zeit, denn Pendergast erteilt sogleich dem Trio Jayden Cross, Kirby Belflair und Alpha 365 einen gefährlichen Auftrag, während sie gleichzeitig das Duo Lukas Akoskin-Tess Kensington ebenfalls eine heikle Operation ausführen lässt. Getrennte Wege beschreibt den Charakter des Hörspiels daher nur allzu gut. Die beiden Missionen sind gleichermaßen spannend, ihrem Wesen nach jedoch recht unterschiedlich: Geht es bei bei Cross' Auftrag recht handfest zu (inklusive eines Feuergefechts mit gegnerischen Einheiten), werden Kensington und Akoskin auf der Station Raumstation Nova schnell zu Figuren eines Verwirrspiels aus Täuschung und Gegentäuschung, bei dem das Thema Vertrauen, das in den ersten Minuten der Produktion bereits einmal eine große Rolle spielte, nun auch wieder zum entscheidenden Faktor wird. Das Skript von Balthasar von Weymarn auf Grundlage des Romans von Andreas Suchanek nutzt dabei die Gelegenheit, die handelnden Figuren erneut ein Stück mehr auszuleuchten und ihre Beziehungen untereinander weiterzuentwickeln. Insbesondere das Verhältnis zwischen Captain Cross und Lt.-Cmdr. Belflair nimmt eine neue und für Cross ungewohnte Dimension an. Der stetige Wechsel zwischen den Handlungssträngen sorgt für Dynamik; ihre ca. 65 Minuten Spielzeit meistert die Produktion ohne irgendwelche Schwächen im Spannungsbogen. Verlass ist wie gewohnt auf die Besetzung des Hörspiels mit Wanja Gerick als Captain Jaden Cross an der Spitze. Neben Gerick stellen Manja Doering (Tess Kensington), Tobias Kluckert (Lukas Akoskin), Sven Hasper (Alpha 365) sowie Maria Koschny (Kristen „Kirby“ Belflair) erneut ihr Können unter Beweis. Und auch in Nebenrollen sind bekannte Sprecherinnen und Sprecher wie Anke Reitzenstein (als Admiral Pendergast), Sebastian Kluckert (Lt. Persson), Uve Teschner (Lt. Nurakow) oder Dorothea Lott (Admiral Jansen) zu hören. Ein hochqualitativer Cast also, der seine Rollen problemlos im Griff hat. Nichts anbrennen lässt auch Jochin-C. Redeker, der bei Interplanar fürs Sounddesign und die Musik zuständig ist. Redekers Klangräume bestechen ein weiteres Mal durch atmosphärische Dichte, ziehen den Hörer von der ersten Minute an unweigerlich direkt ins Geschehen hinein und werden in ihrer Wirkung von einem zupackenden Score noch unterstützt. Dürfte man es sich aussuche, wie das Weltall zu klingen hat, dann sollte es so klingen wie bei Jochim-C. Redeker.

Nun da der erste Zyklus von Heliosphere 2265 in seiner zweiten Hälfte angekommen ist, gewinnt der Widerstand gegen Björn Sjöberg immer mehr an Konturen. Und im Zeichen dieser Formierung stehen auch die beiden Missionen der Hyperion-Offiziere. Auf diese Weise bringt Folge 8: Getrennte Wege den ersten Heliosphere-Zyklus ein Stück weit voran, während zudem auf menschlicher Ebene einige Weichen gestellt werden. All dies verpackt das Hörspiel in einen abwechslungsreichen Plot, der von Interplanar akustisch überaus ansprechend inszeniert wurde. Auf die Fortsetzung Folge 9: Entscheidung bei Nova darf man deshalb jetzt schon gespannt sein.



Heliosphere 2265 – Folge 8: Getrennt Wege ist ein Hörspiel von Interplanar Produktion für Greenlight Press. Ab dem 24. März 2017 ist es im Handel erhältlich.



Hörspielrezension: «Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel» (Frank Hammerschmidt & Hoerspielprojekt)


Am morgigen Freitag erblickt mit Die Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel eine neue Folge der unkommerziellen Hörspielreihe Die Zukunfts-Chroniken das Licht der Öffentlichkeit. Was hinter den Türen ihres Labors wirklich vor sich geht, das möchte eine berühmte Wissenschaftlerin jedoch mit allen Mitteln für sich behalten. Doch eine Gruppe junger Männer ist ihrem Geheimnis auf der Spur.

"Die Zukunfts-Chroniken. Bisher wurden sie noch nicht niedergeschrieben, aber wir alle nähren diese Zeilen. Heute, hier und an anderen Orten. Die Zukunft kann beginnen…

Der Axolotl, ein Schwanzlurch mit der Fähigkeit seine Gliedmaßen, Organe, selbst Teile des Gehirns nachwachsen zu lassen. Was wäre, wenn das auch bei einem Menschen möglich werden würde?" (Ankündigungstext)

Es ist das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und Ethik, das für für Frank Hammerschmidts neuestes Hörspiel Die Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel den Background bildet. Doch schon allein aufgrund der kompakten Spielzeit von ca. 32 Minuten sollte man sich nicht darauf einstellen, eine Produktion zu erleben, die sich intensiv der Frage widmet, was Forscher zum angeblichen Wohl der Menschheit alles tun dürfen und wo die Grenzen des Vertretbaren liegen. Stattdessen liefert das Hörspiel eine gradlinige, bisweilen gruselige und böse Mär mit Anklängen an Klassiker wie Die Insel des Dr. Moreau von H.G. Wells oder jede Menge A-, B- oder C-Movies, in denen skrupellose Wissenschaftler, nicht zuletzt vom eigenen Ego angetrieben, ihren geheimen Experimenten nachgehen. Im Falle von Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel lautet der Name der Forscherin Dr. Inga Nyström (Birgit Arnold); ihre Gegenspieler sind Marc Schmiedel (Ronald Martin Beyer), Tommi Mühlhoff (Sebastian Schrage) und Philipos Christodoulakis (Horst Kurth). Helden sind die drei jungen Männer allerdings nicht gerade: Marc will durch einen Enthüllungsartikel über das, was in Nyströms Labor wirklich geschieht, berühmt werden, Philipos ist ein vom Ehrgeiz gekennzeichneter Hacker und Tommi wurde einst von der Wissenschaftlerin gefeuert. Tatsächlich gelingt es ihnen, in Nyströms Forschungseinrichtung einzubrechen. Doch dann geraten die Dinge außer Kontrolle.

Frank Hammerschmidt hat mit Die Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel ein Hörspiel geschrieben, das in zwei Richtungen funktioniert: Als SF-Hörspiel mit Gruselfaktor oder als Gruselhörspiel mit phantastischer Prämisse. Unterhaltsam ist die Produktion so oder so, denn ist die Ausgangssituation erst einmal etabliert, wird der weitere Plot konsequent vorangetriben, um schließlich einen stilechten Abschluss zu finden (Achtung: Es gibt eine Post-Credit-Sequenz!). Die Besetzung – neben den bereits genannten Sprechern sind außerdem Stephanie Preis, Lisa Müller, Dagmar Bittner, Sebastian Schmidt, Benedict Benken, Jens Niemeyer und Johanna Ehrlich zu hören – hat keine Schwierigkeiten damit, ihre Rollen zum Leben zu erwecken; und Sebastian Schrage, erstmals bei den Zukunfts-Chroniken für Schnitt, Sounddesign und Mischung zuständig, leistet bei seinem Einstand ganze Arbeit, so dass die Reihe in diesen Bereichen ihr bisheriges Niveau absolut halten kann. Das minimalistische Cover von Thorsten Adams ziert jener Schwanzlurch, dem die Axolotl-Formel ihren Namen verdankt.

Mit Die Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel ist Frankhammerschmidt in Zusammenarbeit mit dem Hoerspielprojekt abermals ein unterhaltsames Hörspiel gelungen. Und mit einem Plot, der in naher Zukunft spielt sowie Elemente des Grusel-Genres aufnimmt, stellt die Reihe abermals ihre Flexibilität unter Beweis. Auf diese Weise bleiben die Zukunfts-Chroniken eine willkommene Bereicherung der Hörspiellandschaft.


Die Zukunfts-Chroniken: Die Axolotl-Formel hat am Freitag, dem 24. Februar 2017 im Webradiovon hierspielprojekt.de Premiere. Los geht es um 20:00 Uhr. Begleitend dazu gibt es auch einen Chat, der schon ab 19:30 Uhr startet. Im Anschluss steht die Produktion dann zum kostenlosen Download zur Verfügung.


Zum Weiterlesen: Verzeichnis meiner übrigen SF-Hörspielrezensionen

Hörspielrezension: «Mark Brandis - Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko» (Folgenreich/Interplanar)


In der Science-Fiction haben die Raumfahrer von morgen viel gemein mit den Seefahrern der Vergangenheit. Mit ihren Schiffen entfernen sie sich weit von den heimatlichen Gestaden, um bislang unerforschte Gebiete zu erkunden, Kontakt mit fremden Völkern aufzunehmen und Kolonien zu errichten. Oder um es mit dem zentralen Satz aus dem Intro von Star Trek zu sagen: To boldly go where no man has gone before. Das Angebot, dorthin zu gehen, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist, erhält in Folge 11: Das Jupiter-Risiko auch der Raumkadett Mark Brandis. Und natürlich nimmt er es an, denn ein Leben unter den Sternen ist ja genau das, wovon der junge Mann immer geträumt hat. Was Brandis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Der Trip zum Jupiter wird als ein einschneidender Wendepunkt in seiner charakterlichen Entwicklung herausstellen. Mark Brandis – Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko hat eine Spielzeit von ca. 63 Minuten und ist seit dem 3. Februar 2017 im Handel.

Vor den Abschlussprüfungen müssen die Kadetten der Astronautenschule Praxiserfahrung im Raumfahreralltag gewinnen. Mark Brandis, der davon träumt, später Alec Delaneys Erster Offizier zu sein, wird als Praktikant die nächste Reise des Forschungsschiffes ANAT begleiten. Unter Commander Brandt soll die ANAT die Atmosphäre des Planeten Jupiter erforschen. Doch als Brandt kurz vor dem Start verhaftet wird, ändert sich die Kommandostruktur: die ehrgeizige Patricia Simmons will um jeden Preis den Erfolg der Mission. Und Mark steht vor einer schweren Entscheidung… (Klappentext)

Analog zur Vielfalt an Schiffstypen auf unseren Weltmeeren wurden von den SF-Autoren im Laufe der Zeit ganz unterschiedliche Raumschiffe ersonnen. Von der behaglich eingerichteten U.S.S. Enterprise NCC 1701-D aus Star Trek: The Next Generation, die eher an ein Kreuzfahrtschiff erinnert, über den Kampfstern Galactica, einen Flugzeugträger im Weltall, bis hin zum reichlich mitgenommenen Raumfrachter Nostromo aus Alien reicht dabei die Bandbreite. Für die Anat aus Folge 11: Das Jupiter-Risiko stand ein ganz besonderer Schiffstyp Pate: das Unterseeboot. Typische U-Boot-Charakteristika wie den schlanken Rumpf und die beengten Platzverhältnisse an Bord überträgt Autor Balthasar von Weymarn auf die Anat; und wenn das Schiff in die Atmosphäre des Jupiters absteigt, wird der Raumflug zum Tauchgang in gefährliche Untiefen, die nicht den geringsten Fehler verzeihen. An Bord der Anat dient eine kleine, gut aufeinander eingespielte Crew, die keinen Hehl daraus macht, dass sie keine große Lust verspürt, ausgerechnet bei dieser heiklen Mission einen Frischling wie den Raumkadetten, der in letzter Minute zu Mannschaft stößt, anzulernen. Brandis (Daniel Claus) reagiert auf die bevorstehende Aufgabe sowie die Reaktion der Crew zunächst mit einer Mischung aus Neugier und Verunsicherung, profitiert dann aber davon, dass jede Hand gebraucht, er also zwangsläufig schnell in die Abläufe an Bord der Anat integriert wird. Und Brandis, der zu Beginn der Folge geäußert hatte, er sehe sich eher als zuarbeitender Befehlsempfänger und strebe in seiner Karriere nicht die Funktion des Kommandierenden an, gefällt die Rolle, die ihm an Bord der Anat zugewiesen wird. Doch obwohl er also nicht die Herausforderung sucht, in höchster Not die richtigen Befehle geben zu müssen, die Herausforderung findet ihn. Es ist diese Szene, in dem Brandis erkennt, sich bislang in einer falschen Rolle gesehen zu haben und sein Schicksal als Gestalter und Entscheider annimmt, die Folge 11: Das Jupiter-Risiko zu einer ungemein wichtigen Folge und zu einem Höhepunkt innerhalb der Serie macht. Denn hier vollzieht sich der maßgebliche Schritt in der Entwicklung des Protagonisten hin zu jenem Mark Brandis, den man aus der Originalserie kennt.

Eingebettet hat Balthasar v. Weymarn diesen Charaktermoment in einen spannenden Handlungsrahmen, der eine überaus anspruchsvolle Mission für die Anat und ihre Besatzung vorsieht. Mit Patricia Simmons (gesprochen von Dorothea Lott, in der Originalserie als Brandis' Ehefrau Ruth O'Hara zu hören) wird ein Captain präsentiert, der zunächst in seinem Starrsinn an Kapitän Ahab aus Melvilles Moby Dick erinnert (nicht der einzige Punkt, in dem sich das Hörspiel an diesem Literaturklassiker orientiert), sich jedoch im Stile eines Lt. Commander Queeg aus Die Caine war ihr Schicksal später als überfordert entpuppt, womit der Boden für Brandis' großen Auftritt bereitet wird. Wer sich beim Hören zudem bisweilen an Duell im Atlantik oder den Kampf zwischen der U.S.S. Enterprise und der U.S.S. Reliant aus Star Trek II: Der Zorn des Khan erinnert fühlt, liegt wahrscheinlich nicht ganz falsch. Am Schluss deutet der erwachsene Mark Brandis (Michael Lott), der als Erzähler durch die Geschichte führt, an, dass die Mission der Anat Auswirkungen für spätere Entwicklungen in der Hauptserie gehabt haben könnte, womit sehr schön der Bogen zu Mark Brandis geschlagen wird. Die Story schöpft ihr Potenzial zu großen Teilen aus, setzt auf Seiten der Hörerschaft aber mitunter die Bereitschaft voraus, gewisse Dinge einfach zu akzeptieren, ohne sie näher zu hinterfragen. Diesen Schwachpunkt vermag das Hörspiel jedoch wieder weitgehend auszugleichen durch tadellose Sprecherleistungen, ein hohes Erzähltempo und eine sehr dichte Atmosphäre, die das Gefühl der Enge und der ständig drohenden Gefahr für die Anat niemals abreißen lässt. Jochim-C. Redeker gebührt abermals großes Lob für dieses Sounddesign, das von einem zupackenden Score ideal in seiner Wirkung unterstützt wird.

Mark Brandis – Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko führt den jungen Mark Brandis so weit hinaus in Alls wie nie zuvor. Und innerlich verändert kehrt er von dieser Reise wieder zur Erde zurück. Doch die Geschichte funktioniert nicht nur als Charakterepisode hervorragend, sondern auch als actiongeladenes Weltraumabenteuer voller brenzliger Situationen. Eine überzeugende Mischung, die ein richtig starkes Hörspiel ergibt. Wer bislang gezögert hat, Mark Brandis – Raumkadett eine Chance zu geben, sollte Folge 11: Das Jupiter-Risiko zum Anlass nehmen, diese Haltung zu ändern.



Mark Brandis – Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko ist ein Hörspiel von Interplanar Produktion für Folgenreich. Seit dem 3. Februar 2017 ist es im Handel erhältlich.


Vorbericht: «Mark Brandis - Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko» (VÖ:



Am morgigen Freitag gehen die Abenteuer des Raumkadetten Mark Brandis in eine neue Runde. Dann nämlich bringen Folgenreich und Interplanar Mark Brandis - Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko in den Handel. Und der Titel ist wahrlich Programm, gleicht die Atmosphäre des Jupiters doch in der Tat einer gefährlichen Todeszone: Der Gasplanet verfügt über doppelt so viel Masse wie alle anderen Planeten zusammen, dreht sich dabei aber in nur 10 Stunden einmal um sich selbst, was dazu führt, dass Orkane mit mehr als 600 Stundenkilometern in der Atmosphäre toben. Die Oberflächentemperatur von minus 145°C sowie eine 6.000-fach letale Weltraumstrahlung machen den Planeten auch nicht gerade zu einem Urlaubsparadies. Warum Brandis dem Jupiter dennoch einen Besuch abstattet, darüber gibt der Klappentext des Hörspiels etwas Auskunft:

"Vor den Abschlussprüfungen müssen die Kadetten der Astronautenschule Praxiserfahrung im Raumfahreralltag gewinnen. Mark Brandis, der davon träumt, später Alec Delaneys Erster Offizier zu sein, wird als Praktikant die nächste Reise des Forschungsschiffes ANAT begleiten. Unter Commander Brandt soll die ANAT die Atmosphäre des Planeten Jupiter erforschen. Doch als Brandt kurz vor dem Start verhaftet wird, ändert sich die Kommandostruktur: die ehrgeizige Patricia Simmons will um jeden Preis den Erfolg der Mission. Und Mark steht vor einer schweren Entscheidung …"

Auf ca. 62 Minuten Laufzeit bringt des die Produktion, die einen durchaus namhaften Cast vorzuweisen hat:

Mark Brandis:
Daniel Claus
Alec Delaney:
Sebastian Kluckert
Maître D':
Sascha Funke
Col. Leonard R. West:
Tilmar Kuhn
Boris Baklanow:
Michael-Che Koch
Cmdr. Michael Brandt:
Thomas Schmuckert
Mark Brandis (Erzähler):
Michael Lott
Cpt. Patricia Simmons:
Dorothea Lott
Lt. Andrew Sims:
Olaf Reichmann
Lt. Finlay MacUallas:
Ozan Ünal
Corp. Michael Horstmann:
Werner Möhring
System Anat:
Constance Kappler
sowie

Anja Jaramillo und Jochim-C. Redeker

Und zur Einstimmung auf Mark Brandis – Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko hat Folgenreich inzwischen auch eine Hörprobe online gebracht:




Mark Brandis – Raumkadett Folge 11: Das Jupiter-Risiko ist ein Hörspiel von Folgenreich und Inteplanar. Es kommt am 3. Februar 2017 in den Handel.

Doctor Who: Pandastorm veröffentlicht mit «Doktor Who- Der Film» erstmals das Abenteuer des achten Doktors


Am 17. Februar 2017 geht es beim Label Pandastrom Pictures mit der Veröffentlichung klassischer Doctor-Who-Abenteuer weiter. Dann nämlich steht Doctor – Der Film aus dem Jahre 1996 auf dem Programm, in dem Paul McGann seinen ersten und gleichzeitig auch letzten Auftritt als achter Doktor absolviert.

In Doctor Who – Der Film soll der siebte Doktor (gespielt von Sylvester McCoy) die sterblichen Überreste des zum Tode verurteilten Masters (Eric Roberts) auf den Planeten Gallifrey bringen. Doch die Mission scheitert, die Tardis landet auf der Erde des Jahres 1999. Dort eingetroffen, wird der Doktor von einer Straßengang niedergeschossen und in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er die Bekanntschaft der Ärztin Grace Holloway (Daphne Ashbrook) macht. Dem Master gelingt es derweil, einen anderen Körper zu übernehmen. In seiner achten Inkarnation (verkörpert von Paul McGann) muss der Doktor die Kontrolle über die Tardis zurückgewinnen und seinen Erzfeind von einem teuflischen Plan abhalten, denn die Zukunft der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel. Doch die Zeit läuft gegen den Time Lord...

Doctor Who – Der Film erscheint erstmalig in deutscher Sprache auf DVD und Blu-ray und enthält neben dem Hauptfilm mit einer Laufzeit von ca. 86 Minuten zusätzlich fünf Stunden Bonusmaterial sowie ein Fanbooklet. Das Collector's Edition Mediabook von Doctor Who  - Der Film ist auf 1.000 Stück limitiert und ab dem 17. Februar 2017 im Handel erhältlich.



DVD-Rezension: «Prinzessin Fantaghirò» (Studio 100 Media)


Basierend auf dem toskanischen Volksmärchen Fantaghirò Persona Bella schuf der italienische Regisseur Lamberto Bava zwischen 1991 und 1996 fünf zweiteilige Fernsehfilme über die Abenteuer der wagemutigen Prinzessin, die sich auch hierzulande großer Beliebtheit erfreuten und noch heute eine treue Fangemeinde haben. Seit Anfang Oktober 2016 kann man nun alle zehn Folgen der Reihe mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 921 Minuten in der Komplett-Box Prinzessin Fantaghirò von Studio 100 Media erstmals oder erneut erleben.

Prinzessin Fantaghirò spielt in einer mittelalterlichen Welt, in der zwei Königreiche seit ewigen Zeiten sich miteinander im Krieg befinden. Als einem der beiden Könige zum dritten Mal ein Kind geboren wird, hofft er nach zwei Töchtern auf einen männlichen Nachkommen, der als Thronfolger den Frieden bringen soll. Doch seine Enttäuschung ist groß, als die Königin erneut eine Tochter zur Welt bringt: Fantaghirò. Diese wächst zu einer bildhübschen, doch so ungestümen und rebellischen jungen Frau heran, dass ihr Vater irgendwann die Geduld mit ihr verliert und sie verstößt. Zunächst orientierungslos macht Fantaghirò nach einiger Zeit die Bekanntschaft mit einer wohlmeinenden Magierin, die sie die Kommunikation mit der Natur lehrt und in Gestalt eines weißen Ritters im Kämpfen unterrichtet. Und als der neue König jenes Reiches, mit dem Fantaghiròs Vater im Krieg liegt, diesen zu einem Duell herausfordert, der den Konflikt ein für alle Mal beenden soll, kommt Fantaghiròs große Stunde, denn statt ihrem Vater stellt sie sich dem Herausforderer, der keine Ahnung hat, dass es eine Frau ist, die gegen ihn kämpfen will. Auch in den weiteren Geschichten wird Fantaghiròs Mut immer wieder auf die Probe stellt und ist ihre Cleverness gefordert, wenn sie ihren Vater aus den Fängen einer schwarzen Hexe befreien oder gegen den bösen Zauberer Tarabas antreten muss. Doch mit Tapferkeit, Verstand und einem guten Herzen zeigt sie sich den Prüfungen, die ihr das Schicksal auferlegt, immer wieder gewachsen.

Neben Alessandra Martines als Prinzessin Fantaghirò kann man eine Reihe berühmter Schauspielerinnen und Schauspieler in den Folgen entdecken. Mario Adorf verkörpert Fantaghiròs Vater, während Ursula Andress als Xellesia und Horst Buchholz als Darken mit von der Partie sind. Als die Schwarze Hexe ist Brigitte Nielson zu sehen. Martines stiehlt ihnen allen jedoch mit ihrer Darstellung von Fantaghirò als aufmüpfig-burschikosen Prinzessin mit dem Herz auf dem rechten Fleck die Schau. Mit großem Vergnügen schaut man ihr dabei zu, wie Fantaghirò den Herren der Schöpfung (und auch ihren Schwestern) zeigt, dass sie als Frau all das kann, was die Herren Ritter glauben, für sich gepachtet zu haben. Die Geschichten folgen dabei den Pfaden, die man von märchenbasierter Fantasy erwartet, und spielen mit Motiven wie Mut, Treue, Verrat, Liebe und Opferbereitschaft. Lamberto Bava führt die Schauspieler mit sicherer Hand durch die Szenen und inszeniert das Geschehen mit einem angenehmen Tempo, das einen die ca. drei Stunden, die jede Geschichte dauert, nicht lang werden lässt. Der Ausstattung attestierten Kritiker seinerzeit Opulenz – und auch rückblickend kann sich das, was von den Set-Designern damals auf die Beine gestellt wurde, immer noch absolut sehen lassen. Apropos Optik: Für diese DVD- bzw. BR-Box wurde das Bildmaterial der Serie zwar überarbeitet, einige kleine Fehler konnten aber nicht komplett eliminiert werden. Doch wenngleich man den Filmen die Jahrzehnte also schon etwas ansieht, die sie inzwischen auf dem Buckel haben, besitzen die Geschichten selbst eine Zeitlosigkeit, die sie auch heute reizvoll machen. Verzichten muss man leider auf einen italienischen Originalton, und im Hinblick auf die deutsche Tonspur ist Dolby Digital 2.0 angesagt. Extras wie Booklet und Co. fallen bei dieser Box, deren fünf Scheiben in einer gemeinsamen Hülle daherkommen, ebenfalls aus. Nicht zu ändern...


Den Filmen der Prinzessin Fantaghirò-Reihe ist es gelungen, sich über die Jahrzehnte ihren Charme zu bewahren. Auch heute noch machen sie viel Spaß und bieten kurzweilige Unterhaltung. Wer sie seinerzeit schon gespannt verfolgt hat, kann sich daher freuen, sich mit der Komplett-Box Prinzessin Fantaghirò die Abenteuer der jungen Frau nun ins Medienregal stellen und ein weiteres Mal erleben zu können. Und wer sie noch nicht kennt, hat jetzt die Chance, dies nachholen zu können.


Kleiner Tipp: Wer durch Prinzessin Fantaghirò auf den Geschmack gekommen ist, findet bei Studio 100 Media auch noch die italienischen Märchen-Verfilmungen Der Ring des Drachen und Die falsche Prinzessin, die beide von den Machern von Prinzessin Fantaghirò stammen.


Hörspielrezension: «Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 7: Die Stadt unter der Erde» (Maritim)


Obwohl erst vor knapp einem Jahr von Maritim gestartet, liegt mit Die Stadt unter der Erde seit dem 25. November nun bereits die siebte Folge der Hörspielserie Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg vor. Die heimischen Gefilde muss der Globetrotter für sein neuestes Abenteuer zwar nicht verlassen, doch dafür stößt er in Schottland in eine Region vor, die ihm bislang unbekannt war: Die Welt unter der Erdoberfläche.

In Stirling, einem abgelegenen Ort in Schottland, glaubt der alte Minenarbeiter Simon Ford noch immer an das Vorhandensein eines gewaltigen Kohlenvorkommens. Niemand will ihm Glauben schenken, bis Phileas Fogg sich der Sache annimmt. Und tatsächlich stoßen der Abenteurer und seine Gefährten auf längst vergessene Schächte, verborgene unterirdische Welten und ein furchtbares Geheimnis, das dieses Reich birgt. Wer steckt hinter den zahlreichen Sabotageakten? Und wer versucht, Fogg daran zu hindern, das Geheimnis der Stollen zu ergründen? Fogg muss erkennen, dass der Mine ein schreckliches Schicksal droht. Können er und seine Gefährten das Unglück noch rechtzeitig verhindern? (Ankündigungstext)

Mag der Abstecher nach Schottland, den Fogg und Gefolge in der aktuellen Folge unternehmen, nach früheren Reisezielen wie Indien (Folge 4: Der Elefant aus Stahl), dem Südpol (Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx) und einer Insel vor der argentinischen Küste (Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt) vielleicht auf den ersten Blick wie ein Sonntagsausflug wirken, so täuscht dieser Eindruck doch gewaltig. Denn für beschauliches Sightseeing haben der Weltreisende, seine Frau Aouda und der Diener Passepartout erneut kaum Zeit. Und zwar nicht nur, weil dieses Mal ein Großteil der Handlung unter der Erde spielt, sondern vor allem deshalb, weil die Geschichte nicht damit geizt, die Protagonisten in haarsträubende Abenteuer voller brenzliger Situationen zu verwickeln. Marc Freund serviert der Hörerschaft eine Melange aus Motiven klassischer Abenteuer- sowie Schauerliteratur, gepaart mit phantastischen Elementen, die einen das nötige Verne'sche Flair verspüren lassen. Dem Ganzen verordnet der Autor dann noch eine zügige Gangart, damit der Plot es leichter hat, etwaige logische Klippen zu umschiffen. Inhaltlich kann sich das Endergebnis durchaus hören lassen, denn das Hörspiel versteht es, seine ca. 70 Minuten Laufzeit durch eine abwechslungsreiche Geschichte mit hohem Unterhaltungswert auszufüllen. Der positive Gesamteindruck wird auch nicht dadurch geschmälert, dass es sie natürlich gibt, jene Momente, die man nicht hinterfragen darf, sondern einfach akzeptieren muss: Da unternimmt Fogg zusammen mit drei Begleitern einen Erkundungsgang unter Tage, und das Quartett nimmt genau eine (!) Lampe mit, die natürlich verloren geht. Etwas später realisieren die Männer, dass sie in einem Stollen festsitzen; und dann sind auch schon zwei Tage vergangen, ohne dass man auch nur einen der Vier über so eine banale Sache wie Hunger oder Müdigkeit klagen hört. Das nennt man echte Selbstdisziplin. Ein Mysterium, das zu untersuchen Fogg unter keinen Umständen widerstehen könnte, gerät angeblich in Vergessenheit, während die Story einen Sprung von knapp einem Jahr macht. Und natürlich hält sich der Oberbösewicht nur deshalb viel länger als nötig am Ort des Geschehens auf, anstatt sich mit dem Objekt seiner Begierde eilig wieder aus dem Staub zu machen, damit es zur Konfrontation zwischen ihm und Phileas Fogg kommen kann. Das Hörspiel scheut sich nicht, die Konventionen des Genres zu bedienen, tut dies jedoch auf eine augenzwinkernde Weise und bleibt dadurch eine ehrliche Haut.

Wenngleich Phileas Fogg (Sascha Draeger) selbstredend die zentrale Figur bleibt, so ergibt sich in der aktuellen Folge zwischen ihm, Aouda und Passepartout doch eine willkommene Dynamik, die viel mehr an Teamwork erinnert, als dies zuletzt der Fall war. Aouda (Annina Braunmiller-Jest) übernimmt selbstbewusst eine aktivere Rolle; auch Passepartout (Marius Clarén) lässt die Funktion des Stichwortgebers ein Stück weit hinter sich und darf in einer Szene sogar den Action-Hero geben. Dem Sprecher-Trio, das inzwischen mit seinen Charakteren fest verwachsenen ist, wird dieses Mal mit Rainer Fritzsche (Harry Ford), Bernd Stephan (Simon Ford), Joachim Tennstedt (James Starr), Peter Weis (Silfax), Florentine Draeger (Nell) und Wolfgang Bahro (Jack Ryan) wieder eine illustre Runde bekannter Stimmen zur Seite gestellt, die ihre Rollen souverän zum Leben erweckt. Weil Foggs derzeitige Nemesis, darf in Jules Verne – die neuen Abenteuer des Phileas Fogg – Folge 7: Die Stadt unter der Erde Dietmar Wunder als Victor Frankenstein natürlich genauso wenig fehlen wie Christian Brückner, der in der Rolle des Jules Verne als Erzähler durch die Handlung führt. Was der Blick auf die Besetzungsliste in puncto Sprecherleistung an Erwartungen geweckt hatte, kann das Hörspiel problemlos erfüllen. Vor allem auch deshalb, da die Regie sämtliche Beteiligten mit sicherer Hand führt. Die Dialoge in eine atmosphärisch dichte akustische Kulisse einzubetten, fiel wie gehabt in die Zuständigkeit von Studio WinterZeit, das sich dieser Aufgabe mehr als nur gewachsen zeigt. In einer oder zwei Szenen wäre ein etwas druckvollere Abmischung vorstellbar gewesen, doch unterm Strich darf WinterZeit auch diese Folge als einen Beleg für die Qualität seiner Hörspiele und die Erfahrung verbuchen, über die das Studio in Sachen Audioproduktion verfügt. Denn zusammen mit dem Soundtrack von Michael Donner, der sich streckenweise dezent im Hintergrund hält, um dann in den dramatischen Momenten kraftvoll treibend in Szene zu setzen, ergibt sich ein frei abgestimmter Klangraum, der dem Geschehen auch in abstrusen Situationen jenen glaubwürdigen Anstrich verleiht, der dem Hörspiel ein gesundes Maß an Bodenhaftung sichert und den Plot daran hindert, in Richtung Parodie abzurutschen.


Sein erstes volles Jahr beschließt Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg mit einer sowohl packenden wie unterhaltsamen Folge. Von den drei Geschichten, die Marc Freund bislang zur Serie beigesteuert hat, ist diese bislang seine beste. Darum darf man schon jetzt gespannt sein auf Folge 8: Im Angesicht der Bestien, die nach derzeitigem Stand am 20. Januar 2017 erscheinen wird. Bis es soweit ist, sind alle, die ein Abenteuerhörspiel in Verne'scher Tradition erleben möchten, gut beraten, wenn sie zu diesem Zweck zu Jules Verne – die neuen Abenteuer des Phileas Fogg – Folge 7: Die Stadt unter der Erde greifen.



Jules Verne – die neuen Abenteuer des Phileas Fogg – Folge 7: Die Stadt unter der Erde ist ein Hörspiel des Labels Maritim. Seit dem 25. November 2016 ist es im Handel erhältlich.


Hörspielrezension: «Gruselkabinett Folge 118/119: Jules Verne - 20.000 Meilen unter dem Meer» (Titania Medien)


Für den hörspielaffinen Science-Fiction-Fan gab es bislang keinen Grund, die Reihe Gruselkabinett auf dem Radar zu haben. Warum auch? Immerhin sind Menschen, die sich mit kühnen Zukunftsvisionen, Weltraumschlachten und Dystopien beschäftigen, nicht gerade die Zielgruppe von auf Erzählungen aus der Ära der Schauerromantik basierenden Hörspielen. Nächstes Jahr dürfte sich das jedoch etwas ändern, denn Titania Medien wird dann zwischen Mitte März und Ende Mai mit Der Unsichtbare, Die Insel des Dr. Moreau, Die Zeitmaschine und Der Krieg der Welten gleich vier Vertonungen berühmter Werke des SF-Großmeisters H.G. Wells vorlegen. Wie es klingt, wenn sich das Team um Marc Gruppe eines SF-Klassikers annimmt, davon kann man sich aber bereits jetzt schon durch Titanias neueste Produktion, die Gruselkabinett-Folgen 118 und 119, einen Eindruck verschaffen, denn dabei handelt sich um nichts Geringeres als eine Neuvertonung von Jules Vernes Roman 20.000 Meilen unter dem Meer. Seit dem 18. November ist der Zweiteiler überall im Handel.

Nachdem 1866-67 monatelang Berichte über ein angeblich gesichtetes Seeungeheuer, das auch für einige Schiffsuntergänge verantwortlich sein soll, die Spalten der Gazetten gefüllt haben, wird der französische Meeresbiologe Prof. Pierre Aronnax von der amerikanischen Regierung gebeten, an einer Expeditionsreise auf dem Schiff ‚Abraham Lincoln’ teilzunehmen. Sein ihm äußerst ergebener junger Diener Conseil begleitet den Professor auf dieser Reise ins Ungewisse... (Klappentext zu Folge 118)

Die Fahrt in Kapitän Nemos Unterseeboot ‚Nautilus’ begeistert nicht alle der Schiffbrüchigen gleichermaßen. Während Professor Aronnax und sein Diener Conseil durchaus Gefallen an den Wundern des Meeres finden, die sie unterwegs zu sehen bekommen, wartet Ned Land düster brütend nur auf den richtigen Moment, die ‚Nautilus’ und ihren mysteriösen Kapitän zu verlassen... (Klappentext zu Folge 119)

Wurde eine literarische Vorlage schon mehrfach vertont, dann ist es an jeder neuerlichen Adaption, ihre Daseinsberechtigung nachzuweisen. Dies kann sie durch größere Ausführlichkeit bzw. Werktreue tun, durch eine Sprecherriege, deren Leistung der früherer Version überlegen ist, oder auch mittels eine gelungeneren Klangkulisse. In puncto Laufzeit wird Europas Klassiker aus dem Jahre 1977 von Titanias aktueller Version schon einmal geschlagen: Brauchte man 1977 ca. 50 Minuten, um Vernes Untersee-Abenteuer zu erzählen, so sind es jetzt etwas weniger als zwei Stunden. Oder anders ausgedrückt: Zu jenem Zeitpunkt, an dem Prof. Aronnax, Ned Land und der Diener Conseil vor 40 Jahren bereits wieder von Bord der Nautilus geflüchtet waren, haben sie Nemos U-Boot heutzutage noch nicht einmal betreten. Das Skript verschafft Prof. Aronnax zwar etwas mehr Profil, indem er sich in den ersten Minuten des Hörspiels während eines Interviews als Wissenschaftler und insbesondere Meeresforscher profilieren darf, schlägt dann jedoch für den Rest der ersten Stunde eine recht gemächliche Gangart ein. Es hat einen guten Grund, warum bei früheren Adaptionen jener Teil der Geschichte bis zum Zusammentreffen der Abraham Lincoln mit der Nautilus mächtig gestrafft wurde: Er ist einfach nicht wirklich spannend. Marc Gruppe glaubt hingegen scheinbar, es besser zu wissen, und räumt diesem Abschnitt genau so viel Spielzeit ein wie den Abenteuern unter den Weltmeeren. Als Konsequenz daraus passiert in CD 1 nicht besonders viel (einziges Highlight ist die Havarie der Abraham Lincoln), während für CD 2 dann so viel an Plot übrig bleibt, dass nicht alles davon als Spielhandlung dargeboten werden kann: Beispielsweise hätte man als Hörer gerne erlebt, wie Kapitän Nemo Aronnax und Co die Ruinen des versunkenen Atlantis zeigt, doch stattdessen wird dieses Ereignis vom Professor (gleichzeitig der Ich-Erzähler in diesem Hörspiel) fast schon beiläufig lediglich erwähnt. Eine andere dramatische Szene, in deren Verlauf ein Crewmitglied schwer verletzt wird, bekommen die Protagonisten erst gar nicht mit, weil sie von Nemo vorher betäubt wurden. Die spätere Beerdigung des Seemanns auf dem Boden des Ozeans hat es ebenfalls nicht in die Spielhandlung geschafft – Aronnax berichtet lediglich in knappen Worten davon. Immerhin bekommt man eine - wenngleich nicht sonderlich spannende – Begegnung mit einer Tiefseespinne geboten und den durchaus reizvoll inszenierten Kampf gegen den Riesenkalmar. Diese Actionszenen können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Produktion ein mächtiges Problem mit dem Timing hat. Ein wirklicher Spannungsbogen baut sich nicht auf, und gegen Ende hat es der Plot dann mit einem Mal eilig: Die Wandlung von Kapitän Nemo vom Misanthropen zum komplett Wahnsinnigen vollzieht sich sehr abrupt; und während dieser geisteskrank in die Tasten seiner Orgel haut, entkommt das Protagonisten-Trio ohne große Hindernisse von Bord der Nautilus. So weit, so bekannt. Diesen Plot hätte man auch in 80 Minuten bzw. auf einer CD erzählen können.

Was die Besetzung angeht, so vertraut Titania Medien auf die Dienste von bewährten Stimmen wie die von Jürgen Thormann (als Prof. Aronnax), Dietmar Wunder (Ned Land), Uli Krohm (Kapitän Nemo) und Julian Tennstedt (Conseil). Thormann ist als erfahrener Wissenschaftler absolut glaubwürdig, und auch die geradezu kindliche Neugier, mit der er auf das technische Meisterwerk namens Nautilus und die Wunder der Meere reagiert, transportiert er greif- und nachvollziehbar. Dafür, dass Aronnax etwas zu spontan vom Ein-Unterseeboot-gibt-es-nicht-Skeptiker zum Nemo-Fan mutiert, kann er nichts. Das geht komplett auf die Kappe des Dialogbuchs. Dietmar Wunder grummelt sich als bodenständiger Harpunier Ned Land durch seine Takes und bildet dadurch einen schönen Kontrast zu seinen Mitspielern. Insbesondere zu Julian Tennstedt, der die undankbare Rolle des Dieners Conseil zu verkörpern hat: Wenn der Ankündigungstext von Conseil als Aronnax' "äußerst ergebenem jungen Diener" spricht, dann ist das fast schon ein Euphemismus, denn Conseil tritt das ganze Hörspiel über dermaßen devot auf, dass der Eindruck entsteht, Aronnax habe seinen Bediensteten aus einem einschlägigen Etablissement im Pariser Rotlichtbezirk abgeworben. Spätestens dann, wenn der Professor eine der unzähligen, vor Unterwürfigkeit triefenden Äußerungen seiner Dieners mit einem knappen "Brav" quittiert, erinnert das Verhältnis zwischen den beiden an das zwischen einem Hundebesitzer und seinem Vierbeiner. Nur bekommt Conseil von seinem Herrchen keine Leckerlis. Daran sollte er für Zukunft mal arbeiten. Ansonsten verharrt Conseil in jenem Status des Stichwortgebers ohne Eigeninitiative, der von jeher für ihn reserviert ist. Tennstedt muss man hingegen zu Gute halten, das beste aus einer Rolle gemacht zu haben, die einem leider aus den falschen Gründen im Gedächtnis bleibt. Uli Krohm besitzt die nötige stimmliche Präsenz, um einen ansprechenden Kapitän Nemo abzugeben, doch kann er die Facetten seines Könnens nur bedingt entfalten, weil das Drehbuch Nemo sich hinter Andeutungen verschanzen lässt, anstatt durch Offenlegung seiner Vergangenheit ein klares Bild davon zu zeichnen, was diesen genialen und vermögenden Mann zum Rächer auf und unter den Meeren hat werden lassen. Die Ambivalenz seines Wesens - einmal ist Nemo schroff und abweisend gegenüber seinen unfreiwilligen Gästen, im nächsten Moment im Umgang mit ihnen verbindlich und entgegenkommend – wird zwar angedeutet, doch diese Puzzleteile ergeben unterm Strich keinen wirklich greifbaren Charakter. Die Figur bleibt bis zu ihrem vermeintlichen Ende (was aus ihm wird, bleibt unklar) nebulös; Krohm müht sich, agiert zweifellos souverän, kann aber nicht jenes Bild eines gebrochenen Menschenfeinds vermitteln, das möglich gewesen wäre, wenn die Macher mehr wert auf diesen Aspekt der Geschichte gelegt hätten.

Bei der Gestaltung der Geräuschkulisse gibt sich Titania Medien hingegen keine Blöße: Man lässt das Meer rauschen, krachend die Abraham Lincoln untergehen und versteht es, das Geschehen an Bord der Nautilus atmosphärisch zu gestalten. Auch das Kampfgetümmel bei der Abwehr des Riesenkalmars hat man im Griff. Gruselkabinett Folge 118/119: 20.000 Meilen unter dem Meer klingt so, wie man es im Jahre 2016 von einer kommerziellen Produktion erwarten kann und darf. Akustische Wunder bleiben aus, sind aber angesichts der Geschichte auch nicht von Nöten. Der Soundtrack begleitet das Geschehen stimmungsvoll, wenngleich bisweilen einzelne Stücke etwas zu modern für die Ära um 1867 klingen. Titania geht zwar nicht gerade sparsam mit dem Einsatz von Musik um, setzt sie jedoch begleitend ein und vermeidet es, dass sie sich in den Vordergrund drängt. Stattdessen wird sie zum Bestandteil einer ausgewogenen Klangkulisse, vor deren Hintergrund sich die Handlung vollzieht. In diesem Punkt wird die Produktion den Erwartungen durchaus gerecht. Als optische Einstimmung auf das Hörspiel wurden von Ertugrul Edirne zwei Cover gestaltet, die eine Szene des Hörspiels aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen, stilistisch das Flair der damaligen Zeit einfangen und zudem auch eine Reverenz an das Cover der klassischen Europa-Version darstellen. Eine schöne Idee.

Was den Nachweis der Existenzberechtigung angeht, so kann Gruselkabinett Folge 118/119: 20.000 Meilen unter dem Meer diesen eher bedingt erbringen. Das Hörspiel erzählt kaum mehr als die vorherigen Fassungen, braucht dafür aber doppelt so lange. Dabei lässt Marc Gruppe in der ersten Hälfte jede Menge Zeit liegen, die dann in Teil 2 fehlt, um Kapitän Memo als eine faszinierende, weil vielschichtige Persönlichkeit darzustellen. Im Gegenteil: Die aktuelle Titania-Version fällt sogar hinter das zurück, was in früheren Adaption bereits erreicht wurde. Prof. Aronnax bekommt dieses Mal zwar mehr Aufmerksamkeit, doch das hilft der Geschichte nicht, da Nemo nun einmal der interessantere der beiden Figuren ist. Das Portrait des Dieners Conseil wirkt befremdlich; einzig die Charakterisierung von Ned Land kann vollauf überzeugen. Dem Umstand, dass von Titania in Sachen Sprecherauswahl, Sounds und Musik ordentliche Arbeit geleistet wurde, hat es das Hörspiel in der Endabrechnung zu verdanken, dass man über ihm den Stab nicht brechen möchte. Mächtig gebogen hat er sich allerdings schon. Und von bedingungslosem Durchwinken ist diese Produktion auf jeden Fall meilenweit entfernt.

Denkt man an die Wells-Vertonungen im nächsten Jahr, dann lässt der Eindruck, den das vorliegende Hörspiel hinterlassen hat, einen diese eher mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Hinsichtlich der Besetzung, der Soundkulisse sowie der Musik braucht man sich wohl keine Sorgen zu machen. Und auch die Cover, die Titania Medien bereits auf seiner Website veröffentlicht hat, sehen wirklich schön aus. Es stellt sich nur insbesondere im Hinblick auf die Doppelfolgen Der Unsichtbare und Der Krieg der Welten die Frage, ob die Macher dann ein besseres Timing und einen stimmigen Spannungsbogen hinbekommen werden. Warten wir es ab. In sechs Monaten sind wir schlauer...


Gruselkabinett Folge 118/119: 20.000 Meilen unter dem Meer ist eine Produktion von Titania Medien. Seit dem 18. November 2016 ist sie im Handel erhältlich.


Doppelrezension: «Zukunfts-Chroniken: Ihr Hobot, zu Diensten» und «Zukunfts-Chroniken: Der letzte Widerstand»


In der freien Hörspielszene ist nicht selten der Weg das Ziel, denn nicht alles, was dort in Angriff genommen wird, schafft es schließlich auch zur Veröffentlichung. Der Arbeitsaufwand ist groß, die Freizeit der Enthusiasten, die sich dem Erschaffen eigener Hörspiele verschieben haben, dagegen eher gering. Die Folge sind lange Produktionszeiten, in deren Verlauf immer wieder Projekte zum Erliegen kommen. Damit seiner anthologischen Reihe Die Zukunfts-Chroniken dieses Schicksal erspart bleibt, verteilte Autor Frank Hammerschmidt die anfallenden Aufgaben von Beginn auf mehrere Schultern: Die Regie übernahm er selbst, die Sprecherinnen und Sprecher stammen aus den Reihen des Hoerspielprojekts, Schnitt, Musikauswahl und Sounddesign übernimmt die Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld. Auf diese Weise entstanden seit Februar 2015 in für unkommerzielle Verhältnisse recht kurzer Zeit sechs Folgen der Zukunfts-Chroniken, von denen die jüngste am Samstag, dem 29. Oktober, im Webradio von hoerspielprojekt.de ihre Premiere feiert. Wie ihre Vorgänger, so wird auch Zukunfts-Chroniken: Der letzte Widerstand anschließend zum kostenfreien Download freigegeben.

Ehe die kommende Folge zur Besprechung ansteht, geht der Blick des Rezensenten jedoch zunächst einmal zurück in den Juli diesen Jahres, als Zukunfts-Chroniken: Ihr Hobot, zu Diensten ihre Veröffentlichung erlebte. Seither harrt sie einer Besprechung, die ihr nun endlich zuteil werden soll. Angesiedelt hat Frank Hammerschmidt den Plot auf dem Jupitermond Elara, ein durch Terraforming bewohnbar gemacht und in ein exklusives Urlaubsresort verwandelt wurde. Dorthin begibt sich das Studenten-Quartett Steve (gesprochen von Marcel Ellerbrok), Anthony (Jan Münter), Christopher (Dennis Oberhach) und Douglas (Pascal Runge), um - Christophers vermögender Vater macht's möglich – so richtig abzufeiern und Mädchen aufzureißen. Das Quartier, dass die jungen Männer auf Elara beziehen, bietet ihnen allen erdenklichen Luxus – inklusive eines Dienstroboters in weiblicher Gestalt, dem sie den Namen Marilyn geben. Dieser Hobot ist darauf programmiert, seinen Herren jeglichen Wunsch zu erfüllen. Doch wie Steve und seine Kumpels nach einer durchzechten Nacht zu ihrem Schrecken feststellen müssen, war der Programmierer der Hobot-Software wohl etwas übereifrig: Marilyn führt nämlich wirklich jeden Befehl wortwörtlich aus. Mit tödlichen Folgen...

Bei seinem fünften Zukunfts-Chroniken-Skript stand Frank Hammerschmidt der Sinn offenbar nach gradliniger SF-Action, orientiert bzw. als Hommage an Michael Crichtons Westworld. Die Parallelen sind offensichtlich, das Ansinnen durchaus legitim. Sind die vier menschlichen Hauptfiguren erst einmal eingeführt (vom Großmaul bis zum Leisetreter ist alles vorhanden), spult sich der Plot im weiteren Verlauf ohne große Umwege konsequent ab. Muss er angesichts der bewusst kompakt gewählten Spielzeit von ca. 34 Minuten (inkl. Intro und Credits) auch tun. Auf Elara eingrtroffen, machen die Urlauber Bekanntschaft mit ihrem Hobot (mit herrlich unschuldig-seelenloser Freundlichkeit in der Stimme: Hannah Jöllenbeck), ehe sie sich ins Getümmel stürzen. Auf die eigentlich doch recht gelungene Nacht folgt dann jedoch das böse Erwachen. Frank Hammerschmidt bedient sich eines bewährten Erzählmusters, wenn er zunächst - gleichwohl in einem futuristischen Kontext – Alltägliches schildert (junge Männer feiern ausgelassen und sind dabei dem anderen Geschlecht nicht abgeneigt), ehe er ein erstes, dann ein zweites unerwartetes Ereignis in diese Normalität einbrechen lässt. Darauf aufbauend eskaliert die Situation dann endgültig. Der Grund für diese Eskalation hält zwar einer strengen Überprüfung nicht unbedingt stand, beschert dem Hörspiel dafür allerdings jene dramatischen Actionszenen, auf die der Plot sowieso die ganze Zeit hingearbeitet hat. Darum sei es Frank Hammerschmidt an dieser Stelle verziehen, wenn er die Dinge um des Unterhaltungswertes willen ein wenig übers Knie bricht. Denn immerhin gibt es da auch noch das augenzwinkernde Finale.

Stimmlich stellt Marcel Ellerbrok als introvertierter, zurückhaltender Steve einen schönen Kontrast zu Dennis Oberhach dar, der seiner Figur Christopher genau jene Großspurigkeit verleiht, die es braucht, um ihn für das Publikum unsympathisch wirken zu lassen. Man kann jedoch geteilter Meinung darüber sein, ob es eine so gute Idee war, ausgerechnet den schüchternen Steve zum Ich-Erzähler dieser Geschichte zu machen, denn so energiearm, wie Steve sich in den Dialogen geriert, schildert er auch das Geschehen. Auch wenn Ellerbrok seine Rolle die ganze Zeit über konsequent durchhält, also genau das liefert, was bringen soll, wäre ein dynamischer auktorialer Erzähler durchaus eine Option gewesen. Allerdings stiehlt Hannah Jöllenbeck als Hobot Marilyn ihren männlichen Kollegen ohnehin die Schau: Ihre Stimme transportiert eine Verbindung aus an kindliche Unschuld erinnernder Naivität und mangels Wärme unheimlich wirkender Höflichkeit, der soviel Künstliches anhaftet, dass man problemlos zu glauben bereit ist, Marilyn als künstliches Wesen zu akzeptieren. Natürlich wurde zu Sicherheit auch noch ein Effekt auf Jöllenbecks Stimme gelegt, doch der Sprecherin muss man attestieren, dass die eigentliche Überzeugungsarbeit von geleistet wurde.

Hinsichtlich der des Sounddesigns und Abmischung dürfte die Disco-Szene wohl am kompliziertesten gewesen sein. Denn einerseits musste der Eindruck eines vollbesetzten, von lauter Musik erfüllten Tanztempels erzeugt werden, während gleichzeitig die Dialoge im Umgebungslärm nicht untergehen durften. Dieser Spagat ist der Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld durchaus gut gelungen. Dass in ungefähr hundert Jahren immer noch die gleiche nervige Techno-Musik gespielt wird, ist zwar keine schöne Aussicht, angesichts der heute schon erschreckenden Ideenlosigkeit der Musikindustrie aber durchaus wahrscheinlich. Von einem Klangraum, der wirkungsvoll ein akustisches Umfeld für das Geschehen bereitstellt, profitieren auch die übrigen Szenen des Hörspiels, so dass ZC: Ihr Hobot, zu Diensten den Vergleich zu anderen unkommerziellen Produktionen nicht scheuen braucht.

Zukunfts-Chroniken: Ihr Hobot, zu Diensten lässt einen als Hörer mit dem guten Gefühl zurück, ca. 34 Minuten lang eingängige, unterhaltsame Hörspielkost aus der Küche der freien Hörspielszene erlebt zu haben. Wer sich auf eine gradlinige Science-Fiction-Story mit kompakter Spielzeit und Anklängen an ein bekanntes Vorbild einstellt, dürfte an dem, was Frank Hammerschmidt, Hoerspielprojekt und die Hörspielwerkstatt-Bad Hersfeld mit dieser Produktion anbieten haben, durchaus Gefallen finden.


Dem Gebot der Vielfalt folgend, geht der Plot von ZC: Der letzte Widerstand in eine ganz andere Richtung als der des Vorgängers. Dieses Mal erzählt Frank Hammerschmidt von der entscheidenden Phase einer Invasion durch Aliens, der die Hauptstadt des größten Landes des Planeten sehr bald zum Opfer fallen wird. Weil schon seit längerem keine Aussicht mehr besteht, die Niederlage noch abzuwenden, baut man an einer Weltraumarche, die einer kleinen Schar die Flucht ins Weltall und eine Zukunft ohne Krieg ermöglichen soll. Das Schiff ist fast fertig, doch der Energieschirm, der die Hauptstadt bisher geschützt hat, droht zusammenzubrechen, ehe man zum Abflug bereit ist. Was man braucht, ist noch ein wenig mehr Zeit. Zwei Soldaten - einer zu Fuß und einer an Bord eines „Kriegshülle“ genannten Kampfroboters - werden ausgesandt, um sich den Angreifern zu stellen und den Flüchtenden so jene Stunden zu verschaffen, die sie so dringend brauchen.

Hörspiele werden nicht ohne Grund gerne Ohrenkino genannt. Die Kombination aus Stimmen, Geräuschen und Musik erzeugt im Bewusstsein des Hörers Bilder, lässt gewissermaßen vor seinem inneren Auge einen Film ablaufen. Und zwar einen, den sich jeder gemäß seiner Vorstellungskraft, seiner Erfahrungen, Erwartungen und Neigungen ein Stück weit individuell zusammensetzt. Frank Hammerschmidt macht sich diesen Umstand in der neuesten Folge seiner Reihe Zukunfts-Chroniken nun zunutze. Die beiden zentralen Figuren der Geschichte sind ein altgedienter Soldat und ein Frischling ohne Einsatzerfahrung. Weil Namen im Krieg angeblich alles nur schwieriger machen, besteht der Veteran (Matthias Ubert) darauf, lediglich mit Commander angesprochen zu werden; gemäß seiner Aufgabe gibt er dem Youngster (Marco Rosenberg) den Namen Späher. Dieser soll nämlich Fußtruppen ausmachen und eliminieren, während sich der Commander sich als Pilot der Kriegshülle die großen Geschütze vornimmt, die der Gegner bereits in Stellung gebracht hat. Dass es sich um eine Kamikaze-Mission handelt, da keiner von ihnen auf der Liste der Glücklichen steht, die mit der Arche fliehen dürfen, ist beiden von Beginn an klar. Aber wenn sie schon sterben müssen, wollen sie vorher noch so viele Feinde wie möglich mitnehmen. Und der Plot gibt ihnen ausreichend Gelegenheit dazu. Parallel zu diesem Erzählstrang gibt es noch einen weiteren um die Hohe Kanzlerin (Dorle Hoffmann) und ihren Minister (Werner Wilkening), die gemeinsam die Mission verfolgen, während sie sich auf den Abflug vorbereiten. Der Späher ist für die Kanzlerin alles andere als ein Unbekannter – entsprechend groß sind ihre Gewissensbisse, ausgerechnet ihn in diese Schlacht gegen eine übermächtigen Feind geschickt zu haben. Und während die Regierungschefin mit ihrer Entscheidung hadert und vor dem Energieschirm die Schlacht tobt, sucht ein kleiner Junge namens Trümmerspringer seinen eigenen Weg durch das Chaos.

Damit die Geschichte die gewünschte Wirkung erzeugen kann, ist es unabdingbar, dass sich der Hörer für die Charaktere Sympathie empfindet. Das Duo aus altem Haudegen und sprücheklopfendem Frischling; die Kanzlerin, die von der Last der Verantwortung für ihr Volk erdrückt wird; der kleine Trümmerspringer, dem der Krieg die Familie genommen hat und der in den Trümmern nach Essbarem sucht. Dies alles ist darauf ausgerichtet, dass einem die Figuren nicht egal sind. Man soll für sie Partei ergreifen. Man soll ihnen Erfolg wünschen. Und vor allem soll man die Invasoren dafür hassen, was sie der Welt angetan haben. Denn nur so kann der Schluss beim Hörer seine volle Wucht entfalten. Bis es jedoch soweit ist, lässt ZC: Der letzte Widerstand es erst einmal ordentlich krachen. Die Hörspiel-Werkstatt musste sich dieses Mal richtig ins Zeug legen, denn eine Abwehrschlacht, die sich eher wie ein Tontaubenschießen anhört, hätte die Wirkung der Geschichte komplett zunichte gemacht. Dessen war man sich offenbar auch in Bad Hersfeld nur allzu bewusst und ging gar nicht erst irgendwelche Risiken ein: Dieser Kampf ist einer, der sich richtig gewaschen hat. Der Wechsel zwischen den Erzählsträngen verleiht der Geschichte Dynamik, die Zuspitzung der Ereignisse gelingt, die Handlung mündet in ein süß-bitteres Finale. Eine wirklich starke Geschichte.

Matthias Ubert weiß in seiner Rolle als Commander zu gefallen, denn seine Stimme verfügt über das richtige Timbre, um glaubwürdig einen zynischen, desillusionierten Krieger zu verkörpern, für den der Tod mehr eine Erlösung denn eine Niederlage ist. Marco Rosenberg hingegen klingt jugendlich genug, dass man ihm den unerfahrenen Späher abnimmt, der den Krieg nur aus dem Simulator kennt. Dorle Hoffmann verleiht der Hohen Kanzlerin Würde, und Werner Wilkening ist eine absolut sichere Bank, wenn es darum geht, gereiften Männern (in diesem Falle einem erfahrenen Minister) die Stimme zu leihen. Im kommerziellen Sektor werden nicht selten erwachsene Sprecherinnen und Sprecher geholt, um Jugendliche oder auch Kinder darzustellen. Die Macher von ZC: Der letzte Widerstand entschieden sich jedoch gegen diesen Weg und stattdessen dafür, die Rolle des Trümmerspringers in wirklich junge Hände zu legen – nämlich in die von Justus Jonas Ellerbrok. Die Glaubwürdigkeit der Figur profitiert deutlich von dieser Entscheidung, und der junge Ellerbrok macht seine Sache richtig gut.


Nach einer unterhaltsamen fünften Folge, die jedoch nicht unbedingt zum Nachdenken anregte, kommt mit ZC: Der letzte Widerstand nun eine, die wesentlich mehr dazu geeignet ist, im Bewusstsein des Publikums nachzuschwingen. Nicht zuletzt deshalb, weil der Schluss einen die Bilder hinterfragen lässt, die man während des Hörens im Kopf hatte. Diese Eigenschaft macht Folge 6 zu einem gelungenen Hörspiel und einem würdigen Vertreter der Zukunfts-Chroniken-Reihe.

Zukunfts-Chroniken: Der letzte Widerstand erlebt am Samstag, dem 29. Oktober 2016, ab 19:00 Uhr seine Premiere im Webradio von hoerspielprojekt.de. Anschließend steht das Hörspiel zum kostenfreien Download zur Verfügung.